Alltag als Symbol – „Das Buch der Widerstände“ die Weiterführung von „Krankheit als Symbol“

Seit vielen Jahren hat es sich bewährt, Symptome und ganze Krankheitsbilder zu deuten und auf darin enthaltene Lernaufgaben hin zu untersuchen. Was unsere Seele nicht verarbeiten kann, tendiert dazu, sich im Körper in symbolischer Art und Weise darzustellen. Wer es etwa nicht schafft, sein Herz im Laufe des Lebens groß und weit werden zu lassen, muss damit rechnen, dass sein physisches Herz einspringt und sich im Sinne der Herzinsuffizienz erweitert. Aus einer wundervollen Entwicklungschance wird so ein körperliches Drama, das durch die herkömmliche Medizin nur wenig Erleichterung erfährt. Ganz entsprechend zeigte sich, wie auch die Flut der übrigen Krankheitsbilder Abbildungen von seelischen Themen und Aufgaben sind. Die Frage „Hast du es schon im Dahlke nachgeschaut?“ bezieht sich auf das Nachschlagewerk “Krankheit als Symbol”, das inzwischen 22 Auflagen erreicht und in viele Familien als Ratgeber Eingang gefunden hat. Dieses Lexikon der Symptombilder ist eine Art Standartwerk für jene ganzheitliche Psychosomatik geworden, die nicht nur Körper und Seele verbindet, sondern bis in spirituelle Dimensionen reicht und Lebensperspektiven eröffnet.

Körper und Seele sind in ständiger Resonanz miteinander und ermöglichen uns durch diesen Brückenschlag über den Körper in enge Beziehung zur eigenen Seele zu kommen. Tatsächlich ist es so, wie die spanische Heilige Theresa von Avila sagte, dass der Körper das Haus der Seele ist. Folglich spiegelt er in seinem Zustand den der Seele, so wie eine Wohnung, ein Haus den Besitzer spiegelt, der darin wohnt. Wir sollten also gut zum Körper sein, damit die Seele gern in ihm wohne. Die Erfahrung zeigt, dass gerade Menschen, die diese enge Beziehung zwischen Körper und Seele erkannt haben und ernst nehmen, sich dem eigenen Körper gegenüber verantwortlicher verhalten als denjenigen, die glauben, sie seien ihr Körper.

In ganz ähnlicher Weise ist die Seele auch in Resonanz mit ihrer, unserer äußeren Umwelt, und dieser Tatsache trägt das neue „Buch der Widerstände“ Rechnung. Krankheitssymptome offenbaren uns unsere Aufgaben und verraten uns Themen, mit denen wir auf Bewusstseinsebene in Widerstand geraten sind. Äußere Probleme bringen uns ähnlich in Widerstand und verraten ganz entsprechend, was uns noch Lernaufgabe ist. D.h. unsere Umwelt ist ein ebenso verlässlicher Spiegel wie unser Körper. Folglich wäre es sinnvoll, sie ernst und wichtig zu nehmen, um uns selbst besser kennen und rascher und unproblematischer entwickeln zu lernen.

Werden Probleme gedeutet, mit denen wir in Widerstand sind, entwickeln sie sich automatisch zu Wachstums-Chancen – egal ob es sich um Krankheitsbilder handelt oder wir am Widerstand gegen die Umwelt kranken. Das ist natürlich für viele ein weiter Weg, der vom Schimpfen auf die Umwelt zur Übernahme der Verantwortung ihr gegenüber führt. Stellen wir uns vor, all diejenigen, die sich an den Stammtischen der Republik über Politiker, Fussballtrainer, Chefs und Ehepartner ereifern, würden sich stattdessen fragen, was hat das alles mit mir zu tun, was will mir das sagen, dass unsere Politiker sich kaum an ihre Aussagen halten, Trainer versagen, Chefs immer wieder Anlass zu den gleichen Vorwürfen bieten genau wie die (Ehe)Partner. Der Griff an die eigene Nase, könnte zum Denken und Erkennen verleiten und zur Einsicht, dass es gar keinen Zufall gibt, sondern uns lediglich all das gesetzmäßig zufällt, womit wir in Resonanz sind. D.h. aber auch, statt auf Veränderungen in der Außenwelt zu pochen, würden wir erkennen: Wer seine Umwelt ändern will, muss sich ändern. Es macht keinen Sinn, am Spiegel herumzudoktern. Was morgens im Bad noch problemlos klappt, wo man sich selbstverständlich die Mitesser statt im Spiegel auf der eigenen Nase ausdrückt, geht in der Gesellschaft nicht selten schief.

Wer aber das Resonanzgesetz ernst nimmt und als das zweitwichtigste der Schicksalsgesetze nach dem der Polarität erkennt, kann sich in Zukunft alles Schimpfen und Projizieren ersparen. Die Dinge sind wie sie sind und haben mit mir selbst zu tun. Will ich sie ändern, wäre es gut, mich selbst zu entwickeln. Noch schöner formuliert es Katie Byron, wenn sie rät, -„lieben, was ist“. Denn was ist, hat mit mir zu tun, und ich könnte darüber anfangen, mich selbst zu lieben und damit die christliche Grundforderung erfüllen: nicht nur den nächsten, sondern auch das Nächstliegende zu lieben wie mich selbst. Das entspricht wiederum dem hinduistischen Tat twam asi – ich bin das und das und alles. Wenn ich mich aber in allem sehe, erkenne und spiegle, wird mir meine Umwelt zur Schule und mein Leben ein einziges Lernen. Wenn sich die Kreise meines Lebens dann noch immer mehr ausweiten und ich die ganze Welt als meinen Spiegel durchschaue, wird die Welt zum Spiegel und das Leben zum Spiel.

Insofern ist nicht nur der Körper ein Spiegel der Seele und eine Sammlung von Lernaufgaben, sondern auch die Umwelt und der Alltag in ihr. Was draußen schief läuft, hat ebenso mit uns zu tun, wie das, was sich prächtig entwickelt. Von daher ließe sich tatsächlich von einer Schule des Lebens sprechen. Die Inder sprechen von Lila, dem kosmischen Spiel, und meinen damit das (ganze) Leben. Wenn wir aber das Leben als Schule begreifen, wird uns jeder Tag zur Aufgabe und all seine Ereignisse zu Herausforderungen.

So wie Krankheitsbilder kann uns dann auch unser möglicherweise kranker Alltag als Symbol dienen, der uns den Weg von einer Lernaufgabe zur nächsten und damit zu letzter Genesung weist. Andererseits können wir uns auch an einem gelungenen Tag freuen wie an einem gesunden leistungsfähigen Organismus. In dem alten Hollywood-Film „Täglich grüßt das Murmeltier“ muss der Hauptdarsteller, Bill Murray, lernen, jeden Tag als ein Abbild seines Lebens zu begreifen und ernst zu nehmen und ihn schließlich zu einem vollkommenen Kunstwerk zu machen. Erst als ihm das gelingt, kann sein Leben weiterlaufen und gelingen.

Statt sich also ein schönes und einfaches Leben beim Universum zu bestellen, was konkret immer auf Beschwerden bei diesem hinausläuft, ließen sich die Probleme selbst deuten und in Lernchancen umsetzen. Das ist leicht zu durchschauen, denn wenn ich mir eine bestimmte Resonanz wünsche, steht gleich dahinter die Polarität und lässt die Beschwerde erkennen. Wer sich Geld beim Universum wünscht, kritisiert damit den bisherigen Geldmangel, wer sich Erfolg wünscht, beschwert sich über die anhaltende Erfolglosigkeit und wer Glück bestellt, hadert mit seinem Unglück. Die Opfer dieser in der Eso-Szene verbreiteten Strategie merken oft erst nach langer Zeit, dass sie sich den Gegenpol jeweils mit bestellen, es dauert nur etwas länger bis er sich zeigt.

Wem also Unfreundlichkeit entgegenschlägt, der sollte sich in den Tiefen seiner Seele nach derselben umsehen. Im Spiegel der Umwelt kann nur erscheinen, was auch in ihm ist. Vielleicht hat er seine Unfreundlichkeit gut versteckt, um nicht mehr daran erinnert zu werden. Insofern könnte er unfreundlichen Menschen geradezu dankbar sein, dass sie ihm auf die Sprünge helfen und sein eigenes Thema sichtbar machen. Ähnliches gilt für Lieblosigkeit und Grobheit, Achtlosigkeit und Unaufmerksamkeit und alles andere, was Widerstände in uns hervorruft.

Wer von anderen zu wenig Beachtung erfährt, könnte sich so fragen, wo er sich Selbst zu wenig Beachtung schenkt und selbst die anderen zu wenig in ihrem Wesen und ihrer Eigenart beachtet. Wer draußen auf Unverständnis stößt, muss sich fragen, in wie fern er sich selbst und andere zu wenig versteht. Und die draußen erlebte Verständnislosigkeit Ausdruck seines eigenen Mangels an Verständnis ist.

Wer sich über das Gerede und die Unterstellungen anderer ereifert, ist angehalten, nach demselben Verhalten bei sich in den Tiefen seiner Seele zu forschen. So kommt nicht nur Eigenentwicklung in Gang, sondern Ent-täuschungen beenden Täuschungen und das eigene Bild von sich selbst und der Welt wird realistischer und ehrlicher.

Man entwickelt sich vom armen Opfer zum selbstverantwortlichen Beobachter und eine hässliche und beklagenswerte Umwelt wird zum ehrlichen Spiegel, der Wachstum und Entwicklung fördert.

Schreckliche Kinder werden auf diese Art und Weise zu den besten Lehrmeistern und beschleunigen die Entwicklung von Eltern mehr als diese sich vorstellen können. Solange sie nämlich eigene Unvollkommenheiten auf die Kinder projizieren, werden die Kinder sich nicht ändern und die eigene Situation wird weiter eskalieren und immer unerträglicher. Bei den eigenen Kindern könnte dieser Schritt besonders leicht fallen, sind sie doch zu 50 Prozent vom eigenen Erbgut geprägt. Aber selbst die (angeheiratete) Familie kann auf diesem einfachen, aber genialen Weg zu einer Quelle der Selbsterkenntnis werden. Das häusliche Zusammenleben, Interessenkonflikte, die täglich erlebten Rücksichtslosigkeiten in der Großstadt, der Nachbarschaftsstreit auf dem Land, das bedrohliche Fremde – in all dem offenbaren sich plötzlich Wachstumsmöglichkeiten, die der eigenen Seele zu mehr Bewusstheit verhelfen. So werden aus Ärgernissen Chancen, aus Schicksalsschlägen Lernaufgaben und Lebensstufen, aus Lebenskrisen Entwicklungschancen. Die „scheußliche (moderne) Welt“ kann auf diese Weise ihren Schrecken verlieren und eigenen Fortschritt fördern auf dem Weg zu echter Zufriedenheit, wirklichem Erfolg und vollkommenem Glück.

Die wundervoll Wandlung von Widerständen in Chancen

Widerstand ist in der Elektrik ein Begriff für Energie-Verlust. Er ist es auch, der den Stromfluss hindert. Insofern gibt es gute Leiter wie Kupfer, die die Elektronen nur so hindurch flitzen lassen und schlechte Leiter wie Porzellan, in denen diese kaum zu bewegen sind. Aus diesem Grund macht man die Stromkabel gern aus Kupfer und die Isolatoren – früher jedenfalls – aus Porzellan. Der Mensch ist ein Leiter, wenn auch nicht so ein guter wie Kupferdraht. Tatsächlich fließen in uns ständig Ströme und wenn wir mit einer Starkstromleitung in Berührung kommen, fließt dieser starke Strom durchaus in den Organismus – es ist der Widerstand, den dieser bietet, der zu den Schäden führt.

Im Leben ist die Situation ziemlich ähnlich. Auch da hindert Widerstand den Lebensfluss und kostet entsetzlich viel Energie. Ein Leben im Widerstand ist enorm anstrengend und aufreibend, man spricht geradezu vom Reibungswiderstand, der sich in – meist – nutzloser Wärme bemerkbar macht. Die allermeisten Leben scheitern – nach meiner Erfahrung – im und am Widerstand.

Ein Leben ohne Widerstand im freien Fluss der Energien, ist deshalb auch das Ziel aller Entwicklungswege. Dieser Endzustand hat so viele Namen wie es Traditionen gibt von Erleuchtung bis Befreiung, von Samadhi bis Nirwana. Aber alle Traditionen sind sich – so verschiedene Worte sie auch benutzen – darin einig, dass es eine Situation frei von jedem Widerstand ist. Verwirklichte sind einverstanden im tiefsten Sinn des Worte und fließen mit dem Augenblick. Sie (er)leben Heraklits panta rei – alles fließt – in jedem Moment.

Das könnte uns veranlassen, Widerstand als Feind und Widersacher miss zu verstehen. Aber ganz analog wie wir von Krankheitsbildern und ihren Botschaften profitieren können, ist das auch bei Problemen möglich, die unseren Widerstand auslösen. Voraussetzung ist nur, sie ernst zu nehmen und uns von ihnen die symbolisch in ihnen verborgenen Lernaufgaben mitteilen zu lassen, statt sie ausschließlich als Feinde und Störenfriede zu sehen und zu bekämpfen. Im Prinzip ist es gleichgültig, ob wir Widerstand gegen äußere oder innere Probleme entwickeln, er wird uns immer eher zum Kampf anregen als zum Einverstandensein. Bei den Krankheitsbildern hat sich das seit „Krankheit als Weg“ bis hin zum Nachschlagewerk “Krankheit als Symbol” bewährt. Die Frage „hast Du das schon im Dahlke nachgeschaut?“ bezieht sich auf diese Sammlung von Tausenden von Symptomdeutungen und freut mich natürlich sehr. Hier ist es gelungen ein breites Feld von Verständnis für die Botschaften des Körpers aufzubauen, das vielen Menschen dazu verholfen hat, von ihren Symptomen zu lernen und daran zu wachsen und sich zu entwickeln. Etwas ganz Ähnliches schwebte mir beim Schreiben vom „Buch der Widerstände“ vor. Statt in Widerstand mit äußeren Widerwärtigkeiten zu gehen und sich auf Kriege gegen diese Widrigkeiten einzulassen, macht es Sinn und bringt die Entwicklung voran, sich zu fragen, was steckt hinter dem Problem und damit meinem Widerstand? Was wollen mir beide mitteilen, womit soll ich mich im tieferen Sinne beschäftigen? Und vor allem welche Weigerung steckt hinter meinem Widerstand, welches Thema oder Lebensprinzip will ich hier nicht an mich heranlassen? Wo der Widerstand ist, kann ich also lernen und mich entwickeln und damit weiterkommen. Mit dieser Haltung werden Widerstände zum Dünger auf dem Entwicklungsweg genau wie Krankheitssymptome. Die Deutung letzterer hat sich durch die zahlreichen Bücher und CDs zu einem breiten und immer noch mächtiger werdenden Trend entwickelt. Inzwischen gibt es sogar Uni-Professoren, die sich der Krankheitsbilder-Deutung öffnen und Chefärzte, die vor der Operation das entsprechende Kapitel in „Krankheit als Sprache der Seele“ oder “Frauen-Heil-Kunde” lesen lassen. Ich selbst bilde inzwischen Ärzte (und andere) in dieser Kunst aus im Rahmen der Ausbildung „Integrale Medizin“, die anschließend berechtigt, den Zusatztitel „Arzt für Naturheilweisen“ zu führen. Das war ein langer Weg, der drei Jahrzehnte gebraucht hat. So hoffe ich nun, dass es beim „Buch der Widerstände“ rascher geht, weil bei vielen bereits Vertrauen zur Methode der Deutung entstanden ist und die Vorgehensweise ganz analog ist. Außerdem hat sich die Arbeit mit den dabei entscheidend wichtigen Schicksalsgesetzen schon viel mehr verbreitet im Vergleich zu damals. Auch die Akzeptanz von Lebens- beziehungsweise Urprinzipien ist enorm gestiegen. Selbst die Jungen haben sich inzwischen dem Trend zur Krankheitsbilder-Deutung angeschlossen und in letzter Zeit ganz offensiv ein App zu “Krankheit als Symbol” eingefordert. In Englisch ist es bereits fertig und wird demnächst unter dem Namen SymSym (Symtome und Symbole) herauskommen.

Auf diese ganze erfreuliche Entwicklung, für die ich Ihnen, meinen treuen Lesern, danken möchte, baut die Arbeit an den Widerständen im Außen auf und bedient sich derselben erprobten Methode. Wer sich auf diesen Weg einlässt, kann sich in Zukunft über Probleme und Widrigkeiten im Außen geradezu freuen, werden sie ihn doch zur Entwicklung anregen und weiter bringen.

Die Fülle der Beispiele ist groß. Als ich am Buch zu schreiben anfing, fürchtete ich auf ein sehr dickes Buch zuzusteuern. Aber die Sammlung der Probleme und Widerstände mit Hilfe von Freunden, vor allem Therapeuten bestätigte zwar anfangs diese Befürchtung, erbrachte aber bald immer mehr Wiederholungen und schließlich kamen nur noch schon bekannte Themen zurück. Es scheint wie mit den „katholischen“ Sünden zu sein, wo mir ein ehemaliger Priester klagte, wie unsäglich langweilig es sei, sich immer wieder die immer gleichen „Vergehen“ der Gläubigen im Beichtstuhl anzuhören und sie gebetsmühlenartig von der Schuld freizusprechen.

Dass die Summe der Sünden, Ver-gehen (sich auf dem Weg vergangen haben) und der Probleme und Widerstände endlich und ziemlich überschaubar ist, hat auch etwas sehr Beruhigendes, fast sogar Schönes. Im Endeffekt ist das Buch auch unter 400 Seiten geblieben. Wer sich jeden Tag eines seiner Probleme vornimmt, dem werden sie schon im ersten Jahr ausgehen. Und das könnte doch mehr als tröstlich sein…

Wer sich also in Zukunft über Nachbarn nervt, weil die zu laut sind, könnte statt auf diese loszugehen, sich selbst fragen, was in ihm noch so laut ist an Ansprüchen, Begierden oder was auch immer, dass es ihn nervt. Er könnte das Prinzip dahinter ausmachen, vielleicht bei dauerndem Radio-Gezeter aus der Nachbarwohnung, die eigene merkuriale Unruhe, die Tendenz sich mit Unterhaltung vom Wesentlichen abbringen zu lassen usw. Das würde, statt die Situation mit dem Nachbarn zu eskalieren, helfen, die eigene zu klären und zu verbessern. Wo könnte ich aus dem Merkurprinzip in meinem Leben mehr machen als mich daran zu nerven. Immerhin ist hier Hermes-Merkur, der geflügelte Götterbote zuhause, der Seelenführer in allen Bereichen, von der Unterwelt bis zum Olymp.

Stört mich an Fremden, die sich nicht so benehmen, wie ich das gern hätte, sondern verrückt spielen, wäre die Frage zu stellen, was ist in mir und mir dabei trotzdem so fremd , dass es mich stört? Wo bin ich mit etwas in meinem Leben nicht auf vertrautem Fuß? Wo ist etwas Eigenes so fremd, dass es mich irritiert? Wo benehme ich mich selbst oder Teil(persönlichkeiten) von mir so, wie ich es nicht gern habe? Wo laufe ich gegen Andersartiges, Fremdes, Ungewohntes Sturm? Und vor allem: Ließe sich aus dem Uranusprinzip in meinem Leben mehr machen, könnte ich selbst von einem originelleren, ungewöhnlicheren Verhalten und Leben profitieren? Was wenn auch ich mal aus der (angestammten) Rolle fiele, über die Stränge schlüge und aus der Reihe tanzte?

Diese Beispiele ließen sich natürlich beliebig vermehren und können auch aufwendigerer Deutungen bedürfen, wenn mehrere Lebensprinzipien sich in ihnen kombinieren.

Diese Arbeit an und mit den Widerständen hat sich in meiner ärztlichen wie auch meiner privaten Lebenspraxis schon fast ebenso lange wie die an den Krankheitssymptomen bewährt. Ich bin sicher, sie kann auch vielen von Ihnen aus den Sackgassen von Projektion und Ärger heraushelfen.

Allerdings gibt es natürlich auch Widerstand gegen diese ausschließlich positive Sicht des Widerstandes, was klar und in Ordnung ist, denn natürlich hat alles auch (s)eine Schattenseite. Widerstand sei in manchen Situationen auch richtig und berechtigt, wird zurecht eingewandt. Das stimmt natürlich zum Beispiel für eine Diktatur – ob in der eigenen Familie oder im Staat. Sollen sich etwa Menschen gegen Missbrauch und Unterdrückung nicht wehren, sondern nur deuten? Doch natürlich sollten sie sich gegen eklatantes Unrecht auch wehren. Tatsächlich ist beides in der Praxis gut vereinbar und wichtig, berechtigter Widerstand und zugleich seine Deutung. Aber immer ist es mehr als hilfreich, sich des Eigenbezugs bewusst zu bleiben, denn sonst droht die Gefahr von Projektion und im eigenen Schatten das draußen bekämpfte Verhalten weiter zu kultivieren. Selbst in einer Familiendiktatur läge es daher nahe, sich zu fragen, was hat das mit mir zu tun, was spricht es in mir an, wo ist mein Bezug dazu? Warum geschieht gerade das, gerade mir, gerade hier und genau so?

Wo das unterbleibt, werden –erfahrungsgemäß – die vermeintlichen Retter zu den schlimmeren Nachfolgern. In der Kette der mexikanischen Revolutionen wird das überdeutlich. Ob Pancho Villa oder Emilio Zapata, kaum hatten sie den vorherigen Diktator besieht und abgesetzt und waren selbst Regierungschef oder einer ihrer Vertrauten, wurde alles nur noch schlimmer. Kaum hatte Fidel Castro den Diktator von US-Gnaden Bautista niedergekämpft, wurde er der noch machthungrige Diktator von Russlands Gnaden. Kaum hatte Mao tse tung den Diktator Chiang Kai Chek niedergerungen, wurde er dessen noch machtversessenerer Nachfolger. Kaum hatten Khomenis Gefolgsleute den Schah vertrieben, wurde der Ajatollah der noch größere Albtraum. Serienweise erlebten wir kürzlich wie Protestbewegungen aus der Bevölkerung die prowestlichen Diktatoren der arabischen Länder niederkämpfen, um durch noch ganz andere Kaliber von Islamisten ersetzt zu werden. Die Kette ist leider endlos.

Und sie findet sich auch in den Familiengeschichten ganz ähnlich. Hesses Vater erlebte sein Abgeschobenwerden ins kalte Reval als eine Verbannung und machte dann genau das gleiche mit dem kleinen Herrmann, indem er ihn auf Missionsschulen und schließlich sogar in die Psychiatrie verbannte. Hermann Hesses verzweifelte Briefe aus der Verbannung konnten sein Herz genauso wenig erweichen, wie seinerzeit seine eigenen das seines Vaters. Und Hermann Hesse gab seine Kinder, als deren Mutter, seine Frau, in der Psychiatrie landete, rasch in Pflege. So spiegeln sich in ungezählten Familien dieselben Muster und werden von Generation zu Generation weitergegeben.

Widerstand kann also durchaus sinnvoll und sogar notwendig sein, aber zu einem guten Ende kann die daraus folgende Auflehnung nur führen, wenn ständig der Bezug zur eigenen Betroffenheit bei den Aufständigen wach bleibt. Ansonsten greift das altbekannte Muster: vom Regen in die Traufe.

Die Körperebene mit ihren Krankheitsbildern kann das wiederum verdeutlichen. Wenn eine Mandelentzündung immer wieder mit Antibiotika unterdrückt, statt verstanden und mit Verständnis gegenüber der Situation geheilt wird, kommt sie auch ständig zurück und das Ganze eskaliert möglicherweise sogar zu einem chronischen Herd, einem Stellungskrieg an der Eingangspforte zum Organismus.

Auf beiden Ebenen unserer Existenz, der inneren Körper- und der äußeren Weltbühne, ergeben sich so wundervolle Chancen der Entwicklung. Was im Bewusstsein nicht integriert wurde, kann sich auf einer dieser beiden Bühnen in konkreter und öfter in symbolischer Form zeigen. Ob innere „Widersacher“ in Gestalt von Symptombildern oder äußere „Widersacher“ in Form von Problemen, in beiden Fällen ist dauerhafte Abhilfe durch Aussöhnung möglich. Und als Bonus findet dabei noch Entwicklung und Wachstum statt.

„Die Spuren der Seele – was Hand und Fuß über uns verraten“

footprint-762244_640Unsere Hände verraten mehr über uns, als uns oft lieb ist, wobei die Hände mehr unser Verhältnis zur Welt, die Füße unser Weltverständnis ausdrücken. Für Therapeuten ist der Blick auf Hände und Füße sogar mindestens so wichtig und enthüllend wie der ins Gesicht. Natürlich lässt sich auch aus der Physiognomie so manches lesen, deutlicher und direkter aber enthüllen Hand und Fuß, worum es bei einem Menschen geht. Diese Diagnose hat – wie der Volksmund weiß – Hand und Fuß.

Schon die Klärung, ob echter Rechts- oder Linkshänder ist viel entscheidender als wir gemeinhin annehmen. Tatsächlich sind mindestens ein Drittel der Bevölkerung linksgestrickt und viele ohne es zu wissen. Diese Polung ist entscheidend fürs Leben und reicht vom Gehirn bis in alle Körperteile. Umtrainierte Linkshänder landen oft mit zwei linken Händen und Füßen im gesellschaftlichen Abseits. Wer „zwei linke Hände“ hat, gilt als wenig zu beneidender Tollpatsch. Dabei wären Linkshänder eigentlich durchaus zu Führungsaufgaben prädestiniert, wie nicht nur der amerikanische Präsident Obama zeigt. Fast alle US-Nachkriegspräsidenten waren Linkshänder, lediglich George Bush und Jimmy Carter gingen mit rechts zu Werke und machten ihre Sache eher schlecht. Wer die Liste berühmter Linkshänder im entsprechenden Kapitel unsere Buches liest, stellt staunend fest, dass die meisten ganz großen Geister mit links zu Gange waren.

Einige ganz banale Tests könnten die Wahrheit über die Lateralität enthüllen und viele zurück auf den (für sie) richtigen Weg bringen. Wie fatal das im deutschsprachigen Bereich übliche Umtrainieren war, mag der Gedanke enthüllen, die vier Beatles wären hierzulande geboren worden. John Lennon und Paul McCartney hätten als Linkshänder gar keine Gitarren bekommen und wahrscheinlich Blockflöte lernen müssen. Noch schlimmer, als Umtrainierte hätten sie wahrscheinlich nicht einmal Mittelmaß erreicht. Hier ergibt sich schon gleich eine für die Orientierung im Leben eminent wichtige Polarisierung. Zum Glück wird heute nicht mehr bewusst umtrainiert. Die hier verborgene Problematik in Gestalt von Millionen vergewaltigter Kinder, die so zu unbeholfenen und ungeschickten Zeitgenossen verbogen wurden, ist aber längst nicht aufgedeckt. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, wo das Thema vom Zeitgeist an die Oberfläche gespült wird.

Völlig unerwartet nehmen sich dafür Universitäten inzwischen wissenschaftlich der Bedeutung der Fingerlängen an, jedenfalls was Zeige- und Ringfinger angeht. Wissenschaftler ziehen verblüffend weitreichende Konsequenzen aus diesem Längenverhältnis nicht nur im Hinblick auf auf sportliche Fähigkeiten, sondern auch auf das Finanzverständnis und sprachliche Begabungen, aber tatsächlich sogar auf die sexuelle Orientierung. Je kürzer der Zeige- und je länger der Ringfinger, desto männlicher sei der Finger-Besitzer einzuschätzen. In diesem Fall habe der Fetus mehr männliche Hormone im Mutterleib abbekommen, was ihn dazu prädestiniere, erfolgreicher in Mathematik und typischen kraftintensiven Männersportarten zu sein, dafür aber schwächer im sprachlichen Bereich. Berühmte Fußballer und Sprinter fallen durch kurze Zeigefinger und deutlich längere Ringfinger auf. Dass bei großartigen Sportlern in dieser Hinsicht die sprachlichen Qualitäten dafür eher etwas zurückgeblieben sind, veranschaulichen viele Interviews. Menschen mit dem umgekehrten Finger-Verhältnis, also langen Zeige- und kurzen Ringfingern, sind eher weiblich geprägt, mit all den Vorteilen nicht nur im sprachlichen, sondern auch musischen Bereich und im Hinblick auf die heute so hochgeschätzten Multitasking-Fähigkeiten.

Wie praktisch die Auswirkungen solcher Studien bereits sind, enthüllt folgendes Forschungsprojekt: der finanzielle Erfolg von Börsenmak(l)ern lässt sich demnach am Verhältnis der Längen dieser beiden Finger ablesen. Bei einer Untersuchung von 50 Londoner Börsenmaklern ergibt sich, dass die Hälfte mit den kürzen Zeige- und längeren Ringfingern 6 mal profitabler spekuliert und deutlich länger ihrem Job treu bleibt, als die mit dem weiblicheren Finger-Verhältnis. Wer hier also ein wenig Bescheid weiß und anderen auf die Finger schaut, wird daran sehr rasch erkennen, in wie gute Hände er sein Geld im Hinblick auf dessen Vermehrung legt.

Ob dagegen die eigene Hand bei einem Partner in guten Händen ist, lässt sich noch viel weitgehender mit Wissen über Hand-Deutung entscheiden. Auch hier mag es nicht uninteressant sein, die Geschlechtsbetonung zu kennen. Von einem sehr männlichen Mann ist natürlich anderes zu erwarten als von einem eher weiblichen, und entsprechend bei einer Frau.

Viel weitgehender enthüllt aber die Elemente-Zuordnung der Hände, ob sie zusammen und ineinander passen. Wer seine Feuerhand mit langem Handteller und kurzen Fingern in eine Wasserhand mit zusätzlich noch langen Fingern legt, muss sich nicht wundern, wenn sein Feuer öfter ausgelöscht wird. Auf der Ebene der Hand ist das Wasser psychologisch stärker und neigt dazu, seiner einfühlsam sanften Macht zur Oberhand zu verhelfen. Sie gleicht dem Wasser der Natur, das sich seiner Natur gemäß immer durchsetzt, wie es ein Fluss zeigt. Weder Feuer noch Erde und erst Luft können ihn aufhalten.

Auch eine Erdhand, mit kurzem Handteller und Fingern kann sich da nur zurückziehen – diese beiden Hände – alles kurz bei der Erde – und alles lang beim Wasser – mögen sich gar nicht recht. Mit der Lufthand – kurzer Handteller, lange Finger – kann die tiefgründig sensible Wasserhand besser, aber oft sind ihr Lufthand-Besitzer zu oberflächlich. Eine Wasserhand müsste Anpassung lernen, wie es ihr Element, das Wasser, so wundervoll vormacht. So lassen sich auf diese einfache Weise allein mit den vier Typen der Hände schon einige Beziehungsvarianten ausmachen.

Wer obendrein noch die fünf Finger und zwei wesentlichen Handtellerberge den klassischen 7 Urprinzipien zuordnen kann, wird noch ungleich mehr erkennen. Verletzungen eines Fingers, lassen sich auf der Basis des betroffenen Prinzips deutlich besser deuten und einordnen. Verbiegungen des Fingers zeigen auch solche des zugehörigen Prinzips an, Knoten sprechen von Staus.

Die Aufteilung der einzelnen Fingerglieder zwischen Körper, Geist und Seele zeigt die Bedeutung dieser Bereiche im Leben des Besitzers. Ob Mens sana in corpore sano – der gesunde Geist im gesunden Körper überhaupt eine Chance hat, lässt sich am Längenverhältnis vom ersten und zweiten Fingerglied ablesen. Die Fingerendglieder verraten etwas über die Seelentiefe und welche Bedeutung das Seelische überhaupt im Leben spielt.

Entscheidend wichtigen Einblick bieten auch noch die Fingerspitzen, die durchaus nur selten spitz sind und verraten, wie wir die Welt und unser Leben in den Griff nehmen. Wir können uns mit runden abgeschmirgelten, sozusagen diplomatischen Fingerenden den Dingen nähern, oder aber mit eckig kantigen. Sie drücken dann auch aus, wie wir mit Ecken und Kanten im Leben unterwegs sind und deutlich kompromissloser zupacken. Wer dagegen mit spitzen Fingern zu- und angreift, ist in Gefahr zu explodieren auf Grund langen vorherigen Gefühlsstaus oder auch andere, die auf diese Weise „angestochen“ werden, zur Explosion zu bringen.

Daraus ergibt sich allein über die Hauptstrukturen von der Lateralität über die vier Elemente, die sieben Urprinzipien und die drei verschiedenen Finger-Enden-Typen schon eine große Fülle von Deutungsmöglichkeiten.

Der für mich aber mit Abstand faszinierendste Aspekt sind die vier Fingerabdruckmuster, die sich wiederum den vier Elementen zuordnen lassen. Aus den vier Mustern, Schlaufe, Kreis, Baum und Hügel ergibt sich die Lebensaufgabe durch einfaches Abzählen ihrer jeweiligen Häufung. Mir ist kein vergleichbares auch nur annähernd so aussagekräftiges und dabei so einfaches Mittel bekannt, das Lebensthema zu finden. Dass wir dieses Muster schon im Mutterleib auf den Fingerbeeren tragen, macht deutlich, wie sehr wir mit vorgegebenen Aufgaben in dieses Leben kommen.

Unsere Füße zeigen dagegen wie wir im Leben stehen und wie gut geerdet wir sind. Sie verraten, wie es um uns steht und wie wir vorwärtskommen. Die Fußspitzen zeigen beim Gehen unsere Ausrichtung und damit die Richtung, in der es mit uns vorangeht und ob überhaupt. Zielstrebig voran kommt, wessen Zehenspitzen auch nach vorn weisen. Wer dagegen auswärts watschelt, lässt von den richtungsweisenden Zehen andeuten, wie viel Energie ihm nach außen und zu den Seiten verloren geht. Solch ein Gang spricht von Energieverschwendung und von einem Leben, in dem einiges vergeudet und verschlampt wird.

Besonders spannend schon auf den ersten Blick ist bei den Füßen der Zehenbogen, denn er verrät, in wieweit wir den Bogen heraus haben und ob wir einen Anspruch an Harmonie im Leben stellen. Sind die Zehen wie die Saiten einer Harfe harmonisch aneinandergereiht, haben die Besitzer den dringenden Wunsch, in Harmonie mit allem zu kommen. Sie leiden unter jeder Dysharmonie und sind bestrebt, alles in Einklang und Balance zu bringen. Entweder sie sind in Harmonie oder ringen darum.

Wo dagegen die Großzehen aus dieser Phalanx zurückgenommen sind und sozusagen zurückweichen und sich verstecken, tendieren meist auch ihre Besitzer dazu, und nehmen sich jedenfalls zurück. Das wäre also die ideale Fußform für Untergebene. Wagen es andererseits die Großzehen vorauszugehen, gehören sie zu Menschen, die selbst gern vorauspreschen und oft und gern die eigene Meinung äußern und wenig andere(s) gelten lassen. Sie müssten dafür sorgen, die angestrebte Führungsposition auch auszufüllen.

Auch an den Füßen sprechen die Einzelzehen Bände und stehen jeder für ein großes Thema unseres Menschseins vom kleinen Angstzeh Linksaußen über die großen Kummer- und Freudenzehen bis zum Respektzeh Rechtsaußen. Auch hier sind die berühmten Zehenspitzen meistens keineswegs spitz, sondern eher rund und damit diplomatisch oder auch eckig und gehören dann zu eckigen und kantigen Menschen.

So wäre es nicht schlecht, seinen Mitmenschen und vor allem sich selbst ab und zu auf die Finger zu blicken und auch mal einen Blick unter den Tisch zu werfen. Gelegenheiten gibt es so viele, vom Begrüßen bis zum Anstoßen, vom Badeausflug bis zum Saunagang. Wir könnten so leicht herausfinden, mit wem wir es jeweils zu tun haben. Und am wichtigsten wäre es natürlich entdecken, wer wir selbst sind und welche Aufgaben uns schicksalsmäßig gestellt sind. Denn nur dort, wo uns das Schicksal hinschickt, können wir auch geschickt sein und nur dort wird es uns zum geschickten Heil (lat. sal = heil).

Schmerz, Bewusstsein und Seele

Schmerz ist ein mit unzähligen Krankheitsbildern verbundenes Symptom und eigentlich nur im Zusammenhang mit dem jeweiligen Umfeld zu verstehen. Für sich allein ist Schmerz ein Warnsignal und als solches sinnvoll, wie die allermeisten Reaktionen unseres Körpers. Trotzdem wird er wie etwa auch Fieber heute immer noch häufig als Problem an sich be­kämpft. In manchen Gebieten der Medizin wie der Zahnheilkunde würde niemand auf die Idee verfallen, Zahnschmerzen zu unterdrücken, ohne vorher abgeklärt zu haben, was da­hinter steckt, Kopfschmerzen werden dagegen im allgemeinen mit Schmerzmitteln unter­drückt, ohne nach zugrundeliegenden Ursachen zu forschen.

Schmerz will zu allererst einmal Aufmerksamkeit erregen. Häufig ist er sogar schon zufrieden und legt sich wieder, wenn er diese bekommt. Viele Menschen kennen solche Erfahrungen. Angenommen man verspürt einen geringfügigen Zahnschmerz um dessent­willen man gar nicht gleich den Zahnarzt aufsucht. Wenn sich der Schmerz aber nicht legt und z.B. der Urlaub naht, wird man doch zum Arzt gehen. Dann kann es einem passieren, dass man – endlich auf dem entsprechenden Stuhl gelandet – gar nicht mehr angeben kann, wo der Schmerz genau sitzt, weil er nämlich momentan verschwunden ist. Er hat jetzt of­fenbar die notwendige Zuwendung erhalten und scheint sich damit zufrieden zurückgezo­gen zu haben.

Ähnlich ist die Erfahrung beim sogenannten Körperfühlen. Wenn man dem Schmerz – statt ihn zu unterdrücken – Aufmerksamkeit schenkt, wird er häufig nach einer kurzen Phase der Verstärkung leichter und verschwindet dann gar nicht so selten. Wertfreie Aufmerksamkeit scheint eine Art Heilmittel bei leichten Schmerzen zu sein. Forschungen aus dem Bereich der Psychoneuroimmunologie legen den Verdacht nahe, dass solche Auf­merksamkeit die Durchblutung erhöht und vielleicht über diesen Weg sanfte Heilungspro­zesse in Gang setzt. Bereits im Studium hörte ich in einer Vorlesung, Schmerz sei vor al­lem ein Hilfeschrei des Gewebes nach Nahrung. Demnach müsste es also nur wieder aus­reichend versorgt werden, um die Hilferufe einzustellen. Dieses Modell ist ja vom Klein­kind gut bekannt und funktioniert verlässlich.

Oft braucht der Schmerz aber auch nach der ersten Aufmerksamkeit weitere Zu­wendung. Es mag sein, dass er von einem Abszess herrührt und dann muss sich dessen eit­rige Last erst entladen, bevor Ruhe und Schmerzfreiheit einkehren können. Ist ein Nerv eingeklemmt, muss dieser entlastet werden, bei Wundschmerzen muss die Wunde verheilen, bevor Schmerzfreiheit möglich wird usw.

Wenn Schmerzen nicht nachlassen, liegt der Verdacht nahe, dass die Ursachen nicht behoben sind. Genau das dürfte bei chronischen Schmerzsyndromen der Fall sein. Der Körper ist intelligent und neigt nicht dazu, von sich aus Fehler oder Unsinn zu machen, auch wenn die Schulmedizin ihm das immer wieder unterstellt. Deren Trachten richtet sich ja weitgehend darauf, diese Schöpfung zu verbessern und gerade dabei richtet sie auch viel Schaden an. Sowohl in der äußeren als auch in unserer inneren Natur tun wir aus unserer männlichen Macherhaltung nicht selten Dinge, deren negative Konsequenzen sich erst später zeigen. Da wird das Fieber auf alle Fälle unterdrückt, ziemlich egal wo es herrührt, der Wurmfortsatz wird herausgeschnitten, wenn das Kind Bauchschmerzen hat, und wenn es im Hals schmerzt, müssen die Mandeln dran glauben und eh man sich versieht, sind wichtige Lymphorgane geopfert. Wenn das Fett überquillt, wird es abgesaugt, wenn der Schlaf nicht kommen will, wird chemische Bewusstlosigkeit inszeniert usw. Nach meiner Erfahrung sind wir weder im Mikrokosmos noch im Makrokosmos wirklich in der Lage, die Folgen unseres Handelns zu übersehen.

Wir müssen davon ausgehen, dass überall in der Natur, der inneren wie der äußeren, Gleichgewichte existieren. Durch unser Eingreifen, stören wir diese nicht selten und mer­ken das erst spät und oft zu spät. In der äußeren Natur wird uns das allmählich klarer, wenn wir etwa nicht mehr so recht wissen, ob wir auf eine Treibhaussituation oder eine neuerliche Eiszeit zusteuern, ob wir den Himmel über uns zu einem einzigen Ozonloch machen und an seiner kosmischen Strahlung zugrunde gehen, oder vorher schon an mittels Gentechnologie heraus gezüchteten Viren. Da alles mit allem zusammenhängt, ha­ben wir schon längst keinen Überblick mehr und wenn wir ehrlich wären, könnten wir uns eingestehen, dass wir eigentlich noch nie einen hatten, sondern immer mehr oder weniger erfolgreich an einzelnen Details herumlaboriert haben, ohne das Ganze zu überblicken.

Diesbezüglich unterscheidet sich die Situation in Mikrokosmos nicht, im Gegenteil müssen wir immer mehr davon ausgehen, dass Paracelsus recht hatte und Mikro- und Ma­krokosmos sich entsprechen. Lediglich wird uns in der Umwelt deutlicher bewusst, wie sehr die Dinge außer Kontrolle geraten als im Mikrokosmos unseres eigenen Organismus, wo die Medizin noch immer und trotz besserem Wissen Optimismus verbreitet. Auch hier sind die Zusammenhänge so unendlich kompliziert vernetzt, dass die einfachen mechanisti­schen Erklärungsmodelle ihnen nicht gerecht werden. Es könnte schon einen enormen Fortschritt bedeuten, wenn wir uns in größerem Stil zum Zusammenhang von Körper und Seele bekennen und uns eingestehen, wie sehr beide einander ergänzen. Eigentlich bedürfte es dazu keiner neuer Erkenntnisse, denn wir bräuchten uns ja nur auf das Wissen zurückzubesinnen, über das Paracelsus und Hildegard von Bingen bereits verfügten.

Wenn wir davon ausgehen, dass der Körper keinen Unsinn macht und als Mikro­kosmos genauso sinnvoll funktioniert wie der Organismus der Erde als Makrokosmos, liegt der Verdacht nahe, dass bei therapieresistenten Schmerzen die Ursache nicht behoben ist, sondern weiterbesteht. Wenn keine körperlichen Gründe zu finden sind, müsste sich der Verdacht eines primär seelischen Problems aufdrängen. Da aber Schulmedizin und leider auch weite Teile der naturheilkundlichen Medizin die Seele ignorieren, wird nun oft mit einem ganzen Arsenal von Waffen auf eine Ebene ge­schossen, die gar nicht im Spiel ist. So entbrennen Stellvertreterkriege. Das ist dann wie bei Mulla Nasruddin, der seinen Schlüssel unter der Laterne sucht, wo er ihn zwar nicht verloren hat, wo es aber wenigstens Licht zum Suchen gibt.

Und damit sind wir symbolisch beim Thema. Es geht hier um Aggres­sion. Der Patient könnte schreien vor Schmerz. Wenn er es denn täte, erleichterte das nicht selten seine Situation. Klassische Schmerzsyndrome wie die Trigeminusneuralgie enthül­len die seelische Komponente bereitwillig. Schreckliche Schmerzen, die einem das Gesicht zu verreißen drohen, führen zur begründeten Angst, das Gesicht zu verlieren. Es wird nun durch die Schmerzen zur Qual, weiterhin gute Miene zum bösen Spiel zu machen und das gut antrainierte Keep-smiling zu wahren. Mit jedem Schmerztag wird es anstren­gender und Nerven aufreibender, die geordnete Fassade aufrechtzuerhalten und die Ge­fahr, die Kontrolle zu verlieren, steigt. Genau darauf aber zielt das Symptom. Das lange gehegte Pokerface ist nicht mehr aufrecht zu erhalten. Oft zeigt sich, wie zurückgehaltene Schläge und insbesondere Ohrfeigen bei einem selbst hängengeblieben sind und nun zu­rückschlagen. Wo hätten sie auch sonst hinsollen? Sie schlagen sich nun auf entsprechend archetypisch marsische Weise auf den eigenen Wangen nieder wie sie das seinerzeit auf fremden Wan­gen hätten tun wollen. Der Patient wäre also gut beraten, nach uneingestandenen Aggres­sionen zu fahnden und den drohenden Wut(Schmerz-)anfall hinter seiner nur noch mühsam stabilisierten Maske zu erkennen. Das Symptom zwingt ihn, die Schmerzen be­wusst zu spüren, die es bereitet, keine Miene zu verziehen, wenn einem zum Schreien ist.

Für die Gesundheit wäre es sinnvoller, die Maske bewusst fallen zu lassen, den Schmerz hinausschreien, den gestauten Aggressionen Luft zu machen und die lange zurückgehaltenen Empfindungen so offen wie möglich auszudrücken. Statt Vermeidungs­strategie wäre Konfrontation angesagt und Selbstbehauptung ohne Maske zu üben. Die früher zurückgehaltenen Schläge, sollten bewusst gemacht und die bis in die Gegenwart festgehaltenen Energien auf erlösteren Ebenen eingesetzt werden. Mutig, die heißen Eisen im eigenen Leben anzupacken, das Leben in Angriff zu nehmen und die Herausforderungen zu konfrontieren wäre angesagt.

Ein Beispiel, das die über den physischen Körper hinausgehenden Zusammen­hänge noch deutlicher macht, ist der sogenannte Phantomschmerz. Dabei treten Schmer­zen an längst verlorengegangene Gliedmaßen auf, aber auch bereits gerissene Zähne, kön­nen weiter höllische Schmerzen verursachen. Zum Leiden kommt hier noch hinzu, dass Betroffene häufig eine lange Odyssee hinter sich bringen müssen, bevor sie ernst ge­nommen werden. Immerhin tut ihnen etwas weh, was gar nicht mehr vorhanden ist. Das sprengt bis heute oft die Vorstellungskraft mechanistisch eingestellter Ärzte, also der meisten Schulmediziner. Dabei müsste hier eigentlich sogar hartgesottenen Materialisten klar werden, wie eng solche Weltsicht ist. Stattdessen wird oft der Patient diskriminiert.

Der Hintergrund des Phantomschmerzes ist das weiter Existieren der verlorenen Strukturen im Bewusstsein – wo sonst? Solange ihr Bild im Energiekörper nicht gelöscht ist, lassen sie sich auch spüren. Dummerweise hat die Schulmedizin aber keine Vorstellung von einem Energiekörper, was diesen aber mit Nichten daran hindert, sich schmerzhaft bemerkbar zu machen.

Glücklicherweise ist es heute leichter denn je auch im Westen über Dinge wie den Energiekörper zu sprechen, nachdem eine Fülle von Therapieformen wie die Akupunktur und alle Methoden der bioelektronischen Funktionsdiagnostik (EAV, Mora bis zur Radionik usw.) sich mit Erfolg darauf stützen. Selbst Schulmediziner lachen kaum noch über Meridiane und Na­dis. Mit dem Phantomschmerz hätten sie eigentlich einen unübersehbaren Hinweis, der sie über die Welt des rein Materiellen hinausweist.

Nach diesen Grundannahmen ist die Lösung naheliegend. Es ist notwendig, das Erlebnis des Verlustes noch einmal bewusst nachzuerleben. Das ist praktisch fast immer möglich, da selbst das Geschehen während Operationen unter Vollnarkose z.B. mit den Techniken der Reinkarnationstherapie wieder bewusst gemacht werden kann. Nach einem bewussten Durchleben des Verlustereignisses, kann das physisch längst fehlende Glied häufig auch auf der Bewusstseinsebene losgelassen werden, wodurch es auch im Energie­körper oder im Feld des Patienten gelöscht wird und die Schmerzen verschwinden.

Dieses Beispiel könnte uns auch den Schritt zu der Erkenntnis erleichtern, dass Schmerzen letztlich im Bewusstsein empfunden werden, wo immer sie auch ihren Ursprung haben. Therapeuten ist sehr wohl bekannt, wie individuell Patienten reagieren. Der eine ist überempfindlich und der andere viel weniger irritierbar, was die Medizin dann als „indolent“ bezeichnet. Diese Unterschiede sind offenbar in der verschiedenen psychischen Struktur begründet.

Wir sind also gut beraten, wenn wir Schmerzen nicht nur als Warnsystem der Körpers, sondern des ganzen Organismus von Körper, Geist und Seele anerkennen und ernst nehmen. Die aus der Schulmedizin bekannte Methode, sobald körperlich nichts gefunden wird, nur mit desto größerer Macht auf dieser Ebene loszuschlagen und aus schierer Verzweiflung die stärksten Waffen einzu­setzen, wird anschaulich illustriert durch Redewendungen wie mit Kanonen auf Spatzen schießen. Allerdings hinkt selbst dieser Vergleich noch, da Seelenvögel auch mit noch so gewaltigen materiellen Kanonen nicht erreichbar sind. So wie wir den Hilferuf strangu­lierten Gewebes nach Durchblutung oder Entlastung ernst nehmen, oder eingeengte Lei­tungsbahnen entlasten sollten, müssten wir bei seelischen Schmerzen der gequälten Seele Erleichterung verschaffen. Hinter Entzündungsschmerz dürften wir nach aggressiven Konflikten fahnden, bei Wundschmerz auf Grund physischer Verletzungen zumindest seelische Mitverletzungen in Erwägung ziehen. Wie sehr Schmerz ein Bewusstseinsphänomen ist, müsste eigentlich jedem klar sein, denn offensichtlich empfinden Bewusstlose keinen Schmerz, wie jede Narkose zeigt.

Wie sehr Schmerz ein neuropsychologisches Phänomen ist, erlebe ich in unseren fünf bis 6 Fasten-Wochen pro Jahr. Früher war ich es als Fastenarzt geradezu gewohnt, nachts aufstehen zu müssen, meist weil irgendein Schmerz irgendwem den Schlaf raubte. Heute empfehle ich allen Teilnehmern ABON VITAL oder verordne es sogar. Ein Löffel dieser an sich banalen Rohkost, ändert vieles. Die Hauptinhaltsstoffe Quinoa und Amaranth extrem fein vermahlen, erlauben dem Organismus, aus L-Tryptophan das notwendige Serotonin zu bilden. Dieser auch als Wohlfühlhormon bekannte Neurotransmitter führt auch zu einer Reduktion der Schmerzempfindlichkeit. Dahinter verbirgt sich die seelische Einschätzung des Schmerzes, die ja zum Beispiel auch bei den Geschlechtern völlig verschieden ist. Was viele Frauen als Lappalie erleben, ist für nicht wenige Männer schon ein schweres schmerzhaftes und schwer zu ertragendes Trauma. Wenn nun das Wohlgefühl durch den nüchtern genossenen, in Saft gelösten Löffel der speziellen Rohkost zugleich mit der Schmerzschwelle steigt, verläuft das Fasten noch leichter und meine Nächte bleiben störungsfrei. So könnte man sich natürlich das ganze Leben störungs- und schmerzfreier machen, indem man sich – wie ich das seit drei Jahren tue – ständig genug Serotonin leistet. Dazu braucht es eben nicht einmal ein Nahrungsergänzungsmittel, sondern lediglich diese billige Rohkostvariante ABON VITAL, die noch deutlich günstiger und besser als ihre Vorläufer erlaubt, sich stimmungsmäßig besser zu fühlen und weniger an Schmerzen zu leiden. Dieser Vorteil sollte aber nicht dazu führen, die oben geschilderte Bedeutung des seelischen Hintergrundes gering zu schätzen, im Gegenteil sie ist entscheidend.

Meist wird sich Körperliches und Seelisches parallel zeigen, manchmal steht das eine und manchmal das andere mehr im Vordergrund. Immer aber ist es sinnvoll beide Seiten und noch besser das Ganze im Auge zu behalten. Die Seele braucht Achtsamkeit, der Körper die entsprechenden Grundstoffe, um sich und sein Nervensystem auf einem optimalen Stand zu halten.

Der Rücken und die Sprache der Seele

Unser Rücken und in seinem Zentrum die Wirbelsäule ist eine, wenn nicht die zentrale Struktur unseres Körpers, um die sich alles dreht – unsere eigene Weltachse unseres kleinen Universums. Auf der Wirbelsäule sitzt unser Haupt, das es in jeder Hinsicht zur Hauptsache gebracht hat. Der oberste Wirbel Atlas trägt unsere kleine Weltkugel wie in der Mythologie der Titan Atlas die große. Genauere Betrachtung zeigt den Kopf tatsächlich als auf der Weltachse thronende Weltkugel, die als Zentrale des Nervensystems unser Leben regelt und fast autokratisch herrscht.

Die gesunde Wirbelsäule als Kernstück unseres Rückens ist ein Wunder der Evolution. Das Gesamtkunstwerk besteht aus vielen Einzel-Knochen, -muskeln, -gelenken, -sehnen und -bändern und entspricht in mancher Hinsicht der Masttakelage eines Segelschiffes. Nach unten durch Muskeln, Bänder und Sehnen vielfach verspannt und gesichert, hat sie im Gegensatz zum Mast auch noch eine Tendenz, sich nach oben zu strecken.

Die Bandscheiben, die über keine eigene Durchblutung verfügen, ernähren sich über Diffusion, das heißt nur im entspannten liegenden Zustand kann nährende Flüssigkeit aus der Umgebung in sie einsickern. Deshalb sind wir am Morgen auch ein bis zwei cm größer als am Abend, wo wir unter der Last unseres Körpergewichtes, aber auch unserer Existenz schon deutlich zusammengesunken waren. Der Tag wird hier einmal mehr zum Abbild des Lebens, denn auch im Laufe des Lebens sinken wir unter der Last desselben zusammen und sind am Lebensabend ein deutliches Stück kleiner und hoffentlich auch demütiger geworden als zu Beginn. Einiges spricht dafür, dass auch hier der Körper – im Sinne von „Krankheit als Symbol“ – zur stellvertretenden Bühne wird für Aufgaben, die die Seele verweigert. Wenn also die Demut sich im Bewusstsein entwickeln kann, muss der Körper nicht so sehr zusammen sinken. Anderenfalls muss er in seinem Kleinerwerden dieses Thema allein verkörpern.

So können sich verschiedene Themen auf unterschiedlichen Ebenen der Wirbelsäule abbilden. Während oben im Bereich der Halswirbelsäule sich meist überlastender alltäglicher Kleinkram niederschlägt im Sinne etwa des Schulter-Arm-Syndroms, unter dem Hausfrauen oft leiden, die für ihre unzähligen Nebenjobs wie Taxiunternehmerin für die Kinder und Privatsekretärin für ihn kaum Anerkennung und schon gar keinen Lohn bekommen.

Weiter unten im Bereich der Lendenwirbelsäule, wo das ganze Gewicht des oberen Körpers zusammenkommt, schlagen sich existentielle Probleme nieder, die mit der Last des Lebens zusammenhängen.

Wo die Dinge in der Weltachse nicht mehr richtig stehen, müssen sie wieder eingerenkt werden, damit das Leben wieder ins Lot kommt. Ein Chiropraktiker kann das nur auf der körperlichen Ebene tun, die Betroffenen müssen es letztlich selbst im übertragenen Sinn wieder zurechtrücken und hinbekommen. So macht die Wirbelsäule – wie andere Organsysteme auch – im Sinne von „Krankheit als Symbol“ ehrlicher als vielen lieb ist.

Wie Krankheitsbild generell enthüllen auch die des Rückens Schattenaspekte des eigenen Lebens. Da es sich bei der Weltachse aber um einen besonders symbolträchtigen Ort handelt, haben es auch die entsprechenden Symptome von Rückenschmerzen bis Haltungsproblemen in sich. Von der Thematik bewegen sie sich zwischen (Un)Aufrichtigkeit und der Last der Existenz.

Wer die Spielregeln des Lebens im Sinne der „Schicksals-Gesetze“ missachtet, wird den sich bildenden Schatten im Sinne des „Das Schattenprinzips“ zu spüren bekommen. Wenn es zentrale Themen betrifft, um die sich das Leben dreht, wird die Weltachse zur Bühne, auf der das entsprechende Lehrstück gegeben wird, das die Betroffenen zu integrieren haben.

Die Halswirbelsäule ist Ausdruck der Beweglichkeit unserer Zentrale und garantiert Überblick. Kaum stehen die Dinge beziehungsweise Wirbel in diesem Bereich der Weltachse nicht mehr richtig zueinander, gibt es Probleme, die sich in Scheuklappenphänomenen spiegeln können, wenn sich der Hals kaum mehr und nur unter Schmerzen in eine Richtung drehen lässt und wir vom steifen Hals sprechen. Dabei ist leicht herauszufinden, ob wir gerade die linke archetypisch weibliche Seite der Wirklichkeit oder ihr rechtes männliches Pendant ausblenden oder nur unter Schmerzen ins Auge fassen können.

Hier wird deutlich, wo einem der Kopf steht und wie es um ihn und uns steht. Zwischen Hartnäckigkeit bei Leuten, die den Kopf gern hängen lassen, und Hochnäsigkeit, wo er in den Nacken geworfen wird, einerseits und nach links geneigter Milde oder nach rechts gewandter Strenge bewegt sich unsere Hauptsache und verrät auf den ersten Blick schon mehr, als manchem lieb sein kann. In der Mitte zwischen den Extremen zu balancieren, ist uns ständige Aufgabe. Wenn sie misslingt, entstehen Symptome, wie am krassesten beim Schiefhals.

Die Wirbel-Säule ist insgesamt ein von der Polarität der Gegensätze geprägtes Organ, insofern als sie aus einem ständigen Wechsel von harten Wirbelkörpern und weichen anpassungsfähigen Bandscheiben besteht und außerdem Schlangenform besitzt, die von einem Extrem ins andere führt und die Lendenlordose mit der Brustkyphose verbindet. Die Wirbelsäule muss und kann viel Widersprüchliches verbinden und versöhnen wie Stabilität und Beweglichkeit. Schon der Doppelname Wirbel-Säule trägt diese Ambivalenz in sich. Einerseits geht es dabei um das Wirbeln etwa tanzender Derwische, andererseits um die tragende Säule, die nicht nur das Gewicht von Kopf und Oberkörper, sondern im übertragenen Sinne auch die Last unserer Existenz zu tragen hat.

Das Zusammenspiel archetypisch weiblicher Kräfte, die weich und anschmiegsam Anpassung und Beweglichkeit garantieren und archetypisch männlichen, die auf statisch beharrende Weise Härte und Standfestigkeit ins Spiel des Lebens bringen, lässt sich an der Wirbelsäule ablesen. In dieser Spannung ereignen sich Bandscheibenvorfälle, wenn archetypisch weiches Weibliches zwischen zwei harte männlichen „Bandagen“ gerät und „platt gemacht“ wird.
Beim Krankheitsbild Morbus Bechterew verknöchert die ganze Wirbelsäule und wird so ausschließlich Säule. Der weiche anpassungsfähige Bewegungs- und Wirbelaspekt geht in knöcherner Starre unter und die Wirbelsäule wird zum Bambusstab. Die verknöcherte Struktur verrät, dass in diesem Leben nicht mehr gewirbelt werden kann, sondern nur noch getragen und ertragen werden muss. Der Bechterew-Betroffene lässt offensichtlich weiche Anteile untergehen und ersetzt sie durch harten Knochen. Allopathisch würde man hier auf Bewegungsübungen setzen. Homöopathisch fordert das Krankheitsbild dagegen von den Betroffenen mehr Struktur und Klarheit, aber auch Konsequenz in den zentralen Themen, um die sich das Leben dreht.
Sind die durch die Doppel-S-Form vorgegebenen Biegungen überbetont, werden die Deutungen überdeutlich. Beim Buckligen vermutet der oft zu harter Wertung neigende Volksmund den „krummen Hund“ im seelischen Hintergrund. Unser Aufrechtsein und sein Bezug zur Aufrichtigkeit kommt in vielen Ausdrücken zum Tragen. Wer sich „krumm legt“, „verbiegt sich“ und verliert seine Geradlinigkeit und Aufrichtigkeit. Früher wurden Leibeigene nachts zur Strafe krumm geschlossen, um sie zu demütigen ihnen aufzuzeigen, wie wenig sie sich nach Belieben gerade machen und eigene Wege gehen konnten. Andererseits ist der übertrieben gerade und aufrecht wirkende Mensch ebenfalls aus der harmonischen Mitte gefallen und übertreibt die Geradheit in Sinne eines Hagestolzes. Ihm fehlt das Fließende, die Zwischentöne kommen in seinem Leben zu kurz. Auch Prinzipienreiter, denen die notwendige Demut fehlt, können also an der Wirbelsäule sichtbar werdende Probleme entwickeln.

Die Gelenke und Ihre Probleme

Mit unserer Gelenkigkeit ist es nicht mehr so weit her, wenn wir uns das ständig wachsende Heer der Rheumatiker vor Augen führen und die zunehmend jünger werdenden Opfer von Arthrosen, bei denen wiederum die der Hüftgelenke weit an der Spitze rangieren. Lateinisch heißt Gelenk „aritculatio“. Tatsächlich verhelfen uns die Gelenke dazu, uns in der Welt körperlich zu artikulieren, d.h. zu äußern. Ohne die Gelenke der oberen Extremität könnten wir die Welt nicht zu uns heranholen, ohne Ellbogengelenke müßten wir also glatt verhungern, ohne die Gelenke der unteren Extremität könnten wir uns der Welt nicht nähern. Probleme mit Gelenken haben demnach leicht etwas mit einem problematischen Bezug zur physischen (Um-)Welt zu tun.

Im Rahmen dieses allgemeinen Themas hat jedes Gelenk seinen speziellen Aufgabenbereich und damit auch Problembezug. Bei den Hand– und noch spezieller Fingergelenken geht es offenbar darum, zuzupacken und das Leben in den Griff zu bekommen. Hier handelt es sich um Kugelgelenke, die in alle Richtungen beweglich sein sollten. Unsere Handlungsfühigkeit liegt hier begründet, aber auch die Fähigkeit zur Manipulation (lat. manus = Hand). Außerdem ist die Hand natürlich unser wichtigstes Instrument, um einander Zeichen und Signale zu geben bis hin zu tieferer Symbolik. Die offene Hand gilt zum Beispiel in fast allen Kulturen als ehrlich, wohingegen die geballte Faust einen deutlichen Machtanspruch verbunden mit entsprechender Drohung darstellt.

Die Ellbogengelenke sind dagegen typische Scharniergelenke, die sich nur in zwei Richtungen bewegen lassen. Ihre Aufgabe hat – wie der Volksmund schon immer weiß – mit Durchsetzung zu tun. Die Ellbogen einzusetzen meint, sich Raum zu schaffen und sich beziehungsweise das eigene Anliegen durchzusetzen. Andererseits sind sie Garant dafür, daß wir die wesentlichen Dinge zu uns heranholen und zum Beispiel auch geliebte Menschen umarmen und festhalten können. Wo die Hände das Festklammern symbolisieren, zeigen die Arme mit ihrem zentralen Ellbogengelenk die Fähigkeit zum Halten, damit auch zum Durchhalten.

Die Schultergelenke sind wieder Kugelgelenke, allerdings relativ schwach gesicherte, weswegen man sich die Schulter eher auskugeln kann, als jedes andere Gelenk. Mit den Schultern ist all das angesprochen, was wir mit uns durchs Leben tragen, was wir selbst freiwillig geschultert haben oder was uns aufgeladen wurde an Pflichten, Bürden, Lasten und Belastungen, Verantwortung und Schuld. Hängende Schultern werden deshalb spontan mit einer resignierten Lebenseinstellung in Zusammenhang gebracht. Hier läßt jemand die Schultern hängen, weil er nichts mehr tragen und ertragen kann, ja weil er vielleicht unbewußt hofft, daß das, was ihm da aufgebürdet wurde, abgleiten möge. Die hochgezogenen Schultern verraten dagegen oft Angst, die die Hauptsache, den Kopf verleitet, Schutz zwischen dien Schultern zu suchen. Breite Schultern symbolisieren Trag- und Belastungsfähigkeit, schmale eher das Gegenteil.

Beim Schulter-Arm-Syndrom bekommt jemand die Arme und damit auch die Hände nicht mehr hoch und zeigt damit, daß er sein Leben momentan nicht in den Griff bekommen, ja daß er die Welt gar nicht zu sich heranbekommen kann. Wer nichts undnicht einmal die eigenen Arme heben kann, ist damit nicht tragfähig und erträgt auch nicht mehr viel. Vielleicht hat er sich vorher übernommen, hat (in überheblicher Weise?) zuviel gehoben und kann jetzt gar nichts mehr hochbringen. Er wird tendenziell die Arme schmerzgeplagt und hilflos hängenlassen und in dieser Lebensphase zu Resignation spiegelnden Hängeschultern neigen.

Ähnlich lassen sich auch die Gelenke der unteren Extremität deuten. Sie entsprechen sehr weitgehend denen der oberen Extremität, sind doch die Arme entwickungsgeschichtlich aus den Vorderbeinen hervorgeganen. So haben wir im Zehen- und Knöchelbereich wieder ganz entsprechend Kugelgelenke, im Knie aber ein Scharniergelenk wie im Ellbogen und in der Hüfte wieder ein Kugelgelenk wie in der Schulter. Die Zehengelenke sprechen von der Fähigkeit, sich auf der Erde festzuklammern und seinen Platz im Leben zu sichern. Das Sprunggelenk verrät die Möglichkeit, den Absprung zu schaffen und zeigt, wie sehr jemand auf dem Sprung und damit sprungbereit ist. Auch garantieren die Sprung- wie auch die Zehengelenke das weiche Abrollen des Fußes beim Gehen und haben so auch mit harmonisch fließendem Fortschritt zu tun.

Die Kniegelenke spiegeln unseren Umgang mit der Thematik der Demut. Sich hinknien ist ein Akt der Demut. Geschieht es erzwungen, kann er leicht zur Demütigung werden. Wer Schmerzen hat beim Knien, verrät, daß Demut ihm schwerfällt und schmerzlich erlebt wird. Daß Knien heute für viele zum Problem geworden ist, verrät unseren gesellschaftlichen Widerwillen gegen Demut. Alle Arbeiten – selbst im Haushalt – sind wenigstens so automatisiert, daß Knien überflüssig geworden ist. Allerdings würden wir uns in aufwendige Arbeiten dann doch hineinknien und damit andeuten, daß wir uns der Arbeit demütig unterordnen und alles für ihre Bewältigung zu tun bereit sind.

Selbst in der katholischen Kirche ist heute in der Messe an den Stellen, wo früher gekniet weren mußte, stehen erlaubt. Hier zeigt sich, wie gering inzwischen sogar in der Kirche das Wissen um Symbole und ihre Bedeutung geworden ist. Ob man nämlich vor Gott in Demut kniet oder ihn stehend konfrontiert, macht ja doch einen erheblichen Unterschied.

Mit den Hüften haben wir unsere größten Gelenke vor uns, die auch von den größten Muskeln bewegt werden. Hier geht es um unser Fortkommen in der Welt und damit um Fortschritt und Aufstieg. Die in unseren Zeiten lawinenartig zunehmenden Hüftgelenksprobleme verraten demnach Probleme mit dem Fortschritt, die viele Menshen und damit einen großen Teil unserer Gesellschaft betreffen. Nun könnte man dem entgegenhalten, daß wir noch nie so rasanten Fortschritt erlebt haben, wie gerade heute. Das ist zwar richtig, bezieht sich aber auf äußeren technologischen oder wirtschaftlichen, aber sicher nicht auf den viel entscheidenderen seelischen Fortschritt. Diesbezüglich erleben wir eher zunehmende Stagnation in einer Zeit, der spirituelles Weiterkommen immer unwichtiger geworden ist, ja die ihren Bezug zur „religio“ im Sinne der Suche nach Erfüllung und Sinn im Leben weitgehend verloren hat. Es ist aber gerade die Thematik der Seele, die sich im Körper entsprechend der Logik von „Krankheit als Symbol“ niederschlägt, wenn sie sonst keine andere Ausdrucksmöglichkeit findet.

Die Wirbelsäule als unsere persönliche Weltachse zeigt im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule vor allem existentielle Probleme, die die Betroffenen unter erheblichen Druck setzen, wenn sie sich bis in den Körper niederschlagen. Namen wie Ischias, Lumbago oder LWS-Syndrom stehen für diese Thematik. Wenn die Dinge im Leben schlecht oder sogar falsch stehen und die Betroffenen daraus innerlich keine ausreichenden Konsequenzen ziehen, wird die Wirbelsäule einspringen und als Welt- und Lebensachse symbolisch darstellen, was aus dem Lot geraten ist. Wer sich nicht mehr gerade halten kann, bekommt so gezeigt, daß er ein Thema mit Aufrichtigkeit und Geradheit hat. Wo Ärzte versuchen, solche Fehl(ein)stellungen chiropraktisch zu korrigieren, sollten sie und die Patienten sich klarmachen, daß im Endeffekt letztere die Dinge seelisch wieder einrenken und richtigstellen müssen. Der Chiropraktiker kann nur auf der Körperbühne einen Reiz in die richtige Richtung setzen. Wenn seelisch keine Richtigstellung erfolgt, werden sich die Beschwerden nicht dauerhaft bessern, sondern die Wirbelkörper im Gegenteil dazu tendieren, neuerlich die weiterbestehende Fehlstellung zu verkörpern.

Im oberen Abschnitt der Halswirbelsäule verkörpern sich eher die alltäglichen Belastungen, für die es keine Anerkennung und oft nicht einmal Beachtung gibt. Wenn sie den ganzen Tag über für die Familie rotiert, für ihn die Privatsekretärin spielt und den Kindern die Chauffeuse und Nachhilfelehrerin, allen zusammen die Haushälterin und Köchin, die Managerin und Hausmeisterin, wenn sie ständig kleine Auträge bekommt und dafür nie besondere Anerkennung findet, ja all der von ihr zumeist klaglos bewältigte Kleinkram überhaupt nur erwähnt wird, wenn ausnahmsweise einmal etwas nicht klappt oder vergessen wurde nach dem Motto „Wie konnte denn das passieren?“, wird sie sich im oberen Bereich ihrer Hals- und Nackenwirbelsäule versteifen und zu Hartnäckigkeit und Scheuklappenphänomenen neigen und bei jedem weiteren Auftrag, der auf sie zukommt, unbewußt zusammenzucken.

Wenn wir nach dieser Betrachtung der einzelnen Gelenke und Gelenkgruppen uns den häufigen Krankheitsbildern in diesem Berich zuwenden, springt zuerst das Bild der Arthrose ins Auge. Hier haben wir es mit verbrauchten, sozusagen abgearbeiteten Gelenken zu tun. Bei der riesigen Anzahl von Arthrosen ließe das vermuten, daß die Deutschen ein körperlich besonders hart arbeitendes Volk sind wie auch die übrigen Mitteleuropäer und überhaupt so ziemlich alle Bewohner der Industrienationen. Das Gegenteil ist aber der Fall, gerade bei denen, die kaum noch körperlich aktiv sind, nehmen die Arthrosen zu, während sie im Gegenteil bei den archaischen Völkern, die z.T. schweren körperlichen Belastungen ausgesetzt sind, annähernd unbekannt sind. Konrad Lorenz bezeichnete das Phänomen der abnehmenden körperlichen Beweglichkeit und damit auch Belastbarkeit als die „Verhausschweinung des modernen Menschen“.

Der Grund für diese scheinbar widersinnige Häufung von Gelenksproblemen bei den körperlich eher unterforderten Zivilisationsmenschen ist im Sinne von „Krankheit als Symbol“ einfach zu finden. Der Organismus verkörpert in Symptomform vor allem, was im Seelischen keinen Ausdruck finden konnte. Ein verbrauchtes Gelenk signalisiert folglich, daß bezüglich der durch dieses Gelenk symbolisierten Aufgabe die Reserven verbraucht, aber keine befriedigenden Ergebnisse erzielt werden konnten. Die Gelenkflächen sind zerstört, Schutt sammelt sich im Gelenkspalt und zeugt von vielen abgelaufenen Anstrengungen und Mühen, die aber nicht zur Lösung der Aufgabe geführt haben. Sie können auch Ausdruck von Fehlbelastungen sein, abgelaufenen Traumata, die weder körperlich noch erst recht seelisch ideal verarbeitet wurden. Die daraus resultierende Fehlstellung spricht für eine Fehleinstellung auf übertragener Ebene und sorgt auf der konkreten Körperebene für die frühzeitige Abnutzung des Gelenkes auf Grund der einseitigen Fehlbelastung. Solche Fehlbelastungen werden auch im seelischen Bereich vorliegen. Wenn sie hier aber nicht bewußt werden, bleibt dem Körper auf lange Sicht nichts anderes übrig, als die Einseitigkeit am entsprechenden Gelenk darzustellen.

Von der Aufgabe her wären die Besitzer von arthotischen Gelenken aufgerufen, sich etwaige Fehl(ein)stellungen frühzeitig bewußt zu machen und lieber zu außergewöhnlichen Lösungsversuchen im übertragenen Sinne zu finden, als ihre Gelenke außergewöhnlichen Belastungen auszusetzen. Anstatt aus dem konkreten Gelenk eine große Baustelle zu machen, sollten sie eher die entsprechende Thematik einer rigorosen Überarbeitung unterziehen. Seelische Auseinandersetzungen sind zwar ebenfalls unangenehm, aber sie haben immerhin gute Lösungschancen, was auf der Körperebene nicht so sicher ist.

Beim zweiten großen Thema an den Gelenken, den Krankheitsbildern des sogenannten rheumatischen Formenkreises haben wir es mit entzündlichem Geschehen zu tun, die Medizin spricht zum Beispiel von Arthritis. Alle auf „itis“ endenden Krankheitsbilder verdeutlichen eine Auseinandersetzung im Gewebe, im allgemeinen kämpft das körpereigene Abwehrsystem mit Erregern. Beim Rheuma finden wir aber gar keine fremden oder gar feindlichen Erreger, sondern hier werden im Rahmen einer sogenannten Autoimmunreaktion körpereigene Strukturen, in diesem Fall eben die Gelenkregionen, attackiert. Um einen Konflikt handelt es sich aber natürlich trotzdem, oft sogar um einen heißen, der das betroffene Gelenk anschwellen läßt und jede Bewegung mit scheußlichen Schmerzen verbindet. So signalisiert der Organismus seinem Besitzer, wie sehr ihm alle Beweglichkeit in dieser Sache weh tut.

Die Aufgabe für die Betroffenen wäre, die zu diesen Themen anstehenden Auseinandersetzungen lieber auf übertragenen Ebenen zu führen und sich klarzumachen, inwieweit sie ihre Aggressionen gegen eigene Strukturen richten. Allgemein gilt es, den entstandenen Aggressionsstau zu erkennen und die hier gefährlich festgefahrene Energie mutig und offensiv in Bewegung zu bringen. Dabei ist immer aus dem jeweiligen Gelenk auf die korrespondierende Aufgabe zu schließen.

Beim Rheuma kommt noch hinzu, daß es zu einem Problem der Schlackenüberlastung des Bindegewebes kommt bei gleichzeitigem Mangel an Gleitflüssigkeit. Besonders deutlich wird das beim chronischen Geschehen, wenn die Gelenke morgens wie eingerostet sind und eine längere Anlaufzeit brauchen, um überhaupt wieder in Gang zu kommen. Das ist vergleichbar der Situation des Kolbenfressers beim Motor, wenn Stahl sich in Stahl frißt, weil das Öl verbraucht ist. Dem Öl entspricht im Gelenk die Synovialflüssigkeit oder Gelenkschmiere. Ist diese durch übertriebene oder einseitige Belastungen verbraucht, wird es gefährlich. Einfach Übungen aus dem Bereich des Chi Gong und Tai Chi können hier neben der seelischen Auseinandersetzung weiterhelfen, weil sie die Tendenz haben, die Bildung von Gelenkschmiere zu fördern. Besonders zu empfehlen ist hier das Buch von Nikolaus Klein „Auf den Schwingen des Drachen“, da es über die beiliegende CD in idealer Weise zu sanften Übungen anleitet, die bestens geeignet sind, die fehlende Gelenkschmiere nachzubilden, und das Üben von Anfang an leicht fallen lassen.

Neben den Krankheitsbilder-Deutungen und den der einzelnen Gelenke, wie sie sich noch umfassender in „Krankheit als Symbol“ finden, ist bei allen hier im Rahmen von Arthrosen und Rheuma besprochenen Symptomen immer auch an Reinigungskuren des Bindegewebes zu denken. In beiden Fällen geht es um ganz praktische Maßnahmen, will man diese Krankheitsbilder wieder loswerden, was nach unseren Erfahrungen fast immer möglich ist. Bei den Deutungen reicht es nicht, das Problem intellektuell zu verstehen, sondern es ist notwendig, sich auch auf der seelischen Ebene mit der Thematik einzulassen. Dazu eignen sich besonders die geführten Meditationen wie etwa „Heilungs-Rituale“ und ganz speziell zum Thema der Entschlackung die Kassette “Entgiften – Entschlacken – Loslassen”.

Der große gelähmte Wille oder die Parkinson-Krankheit

Dieses auch Schüttellähmung genannte Krankheitsbild betrifft mit dem Gehirn die gesamte Logistik des Organismus und vor allem auch die Kommunikation. Das Bild eines Betroffenen, der vor Jahren mein Patient war, mag das Geschehen beleuchten. Der 63 Jährige hatte in seinem Leben einiges geschafft. Mit unbeugsamem Willen hatte er unter schwierigen Umständen eine Firma aufgebaut, woran seine Ehe zerbrochen war. Sie war buchstäblich weggebrochen, weil er keine Zeit hatte. Als reiner Tatmensch litt er daran, dass ihm weder Mitarbeiter noch Familienangehörige folgen mochten und er keinen ihm entsprechenden Nachfolger finden konnte.

In der Krankheit zeigte sich die Schattenseiten seiner willensbetonten Hyperaktivität. Wann immer er einen Bewegungsimpuls verspürte, wurde dieser von starkem Zittern zunichte gemacht. Ansonsten fühlte er sich zunehmend gelähmt und insgeheim gescheitert, worin er wohl berühmten Parkinson-Patienten wie Mao Tse-tung und Tito, aber auch Papst Johannes Paul II ähnelte. In der wachsenden Starre der Krankheit wurde ihm während der vierwöchigen Krankheitsbil- der-Psychotherapie deutlich, wie bewegungsunfähig er seelisch war. Sein übertriebener Wille, in der Welt viel zu bewegen kontrastierte zu einer seelischen Starre, die nun allmählich auch den Körper erfasste. Im Zittern spiegelten sich (Todes-)Angst, aber auch Wut über die Mitmenschen, die ihm nicht gefolgt waren. Nach außen verzog er zwar keine Miene, sondern bewahrte sein gut geübtes Pokerface, aber die Angst vor dem endgültigen Versagen machte sich zunehmend im Zittern Luft. Sein Gesicht wirkte wie eine geölte Maske. In den inneren Seelen-Bilder-Welten, die sich ihm durch die Psychotherapie eröffneten, erkannte er seine Unfähigkeit, sich (lebens-)wichtigen Veränderungen anzupassen. Schon kleinste Wechsel wie die des Wetters verschlechterten seine Symptome. Kalte Hände und Füße verrieten Kontaktprobleme. Händeringend kämpfte er gegen die wachsende Lähmung, wie aber auch mit Worten, die seinen ungebrochenen Willen zeigten. Er litt enorm unter der Diskrepanz zwischen Wollen und Können. Als reiner Willensmensch musste er in der Krankheit erfahren, dass längst nicht alles machbar war und wie viel Emotion und Gefühl er zeitlebens blockiert hatte. Ein Leben lang hatte er den männlichen Willenspols überstrapaziert und sich in dieser Hinsicht völlig verausgabt.

Durch die wachsende Einsicht in der Therapie gelang es ihm, äußere Ruhe in sein Leben zu bringen und dafür innerlich aufzuwachen. Er beschäftigte sich freiwillig mit seiner Angst und dem Tod und schaffte es, seiner seelischen Wirklichkeit ins Auge zu schauen, sodass sie ihren Schrecken weitgehend verlor. So konnte es seine Enge und Angst in Weite wandeln und zunehmend sein wahres Gesicht zeigen. In der Ruhe der Meditation erlebte bei unseren Fasten-Kursen wieder Momente völlig frei von Zittern und Angst. Tai Chi brachte ihn in sanfte äußere Bewegung, der er innerlich folgen konnte und sein Leben geriet in sanftere Bahnen, sodass er es erstmals genießen konnte. All das besserte auch seine Symptomatik deutlich, die dadurch und auf Grund guter Einstellung mit schulmedizinischen Medikamenten, sein neues Leben immer weniger behinderte. Von einem äußerlich überaktiven, innerlich fast abgestorbenen, wurde er zu einem äußerlich ruhigen, innerlich lebendigen Menschen.

Krebs und die Reise zu sich selbst

Eine wunder-volle Reise zu sich selbst ausgelöst von einer Krebserkrankung zeigt in berührenden Bildern der Film „Schicksalsgesetze“. Die Patientin Rinetta Morin hatte sich telefonisch an mich gewendet und mir ihre Befunde geschickt, und die waren derart, dass ich dem Schulmediziner zustimmen musste, zuerst eine Operation und dann erst Psychotherapie, denn sonst bestand die Gefahr, dass der längst alle Grenzen überschreitende Tumor einfach mechanisch das Leben beendete durch Blockierung des Magens. Aber entgegen allen Ratschlägen entschied sich Frau Morin „nur“ zu einer Krankheitsbilder –Psychotherapie und lehnte jedes Ansinnen an Operation und andere schulmedizinische Therapie entschieden ab.

Und sie schaffte das – medizinisch gesehen – Unmögliche, nämlich jenes Wunder der Heilung, das die Schulmedizin verschämt Spontan-Remission nennt. Rinetta Morin machte sich auf eine lange Reise zu sich Selbst auf und erzählt davon eindrücklich im genannten Film. Erst die Diagnose und die für sie inakzeptable Behandlung ließen sie aufwachen und sich aufmachen – erstmals im Leben – auf den Weg zu sich Selbst.

Das Wachstum, was sie sich anschließend, statt auf der Körperebene im Bewusstsein gönnte, durfte ich in vielen Ausbildungen miterleben vom Training zur Bildertherapeutin über die für verbundenen Atem bis zur Schattentherapie. Sie machte Schritt für Schritt auf sich zu und ihre Reise geht noch immer weiter. Die Krebsdiagnose hat sie im wahrsten Sinne des Wortes in Gang gebracht und war der Startschuss zu einer beeindruckenden Selbstfindung.

Eine vom Wesen her ähnliche Geschichte, die viele sehr berührt hat und die viele miterlebt durften, erzählt der Hollywood-Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Morgan Freeman und Jack Nicholson in den Hauptrollen. Letzerer spielt begnadet einen Kotzbrocken und Zyniker, der mit Kliniken viel Geld macht, ersterer ist ein herzensguter Familienvater, der sich für seine Kinder aufopfert und seiner Frau erlaubt nicht nur sein Leben, sondern auch sein Sterben zu organisieren. Beide Männer haben ein eklatantes Kommunikationsproblem und in der Konsequenz Lungenkrebs. Sie begegnen sich in Jack Nicholsons Klinik, wo Morgan Freeman seine Chemo schon durchlitten hat. Es entwickelt sich eine Art Hassliebe zwischen beiden, Nicholson übernimmt den Hass, Freeman die Liebe. Nach entsetzlichem Leiden an der Chemo erfahren beide fast zeitgleich, dass diese bei ihnen versagt hat.

Nun greift Nicholson, Freemans Bucket- oder Eimerliste auf, die dieser mit all seinen nun vermeintlich offen gebliebenen Lebenswünschen gefüllt und angesichts seiner hoffnungslosen Situation anschließend resigniert zerknüllt hatte. Nicholson überredet den zögerlichen Freeman, sich wohl erstmals im Leben und kurz vor dem Tod, dem Einfluss seiner dominanten Frau zu entziehen und mit ihm auf Welt- und Traumreise zugehen, um die offen gebliebenen Träume noch im letzten Moment zu verwirklichen.

Beide erkennen das Problem des anderen ganz klar, sind aber völlig blind für das eigene und damit auch wieder (arche)typisch. Nicholson hat gar keinen wirklichen Kontakt mehr zu Menschen, er kommandiert sie nur noch herum, seine einzige Tochter hat mit ihm gebrochen, weil er ihren Mann, als der sie geschlagen hatte, von professionellen Schlägern verprügeln ließ. Morgan Freeman dagegen macht allen in seiner Familie und besonders seiner Frau alles Recht. Sein eigenes Leben mit dem Wunsch Geschichte zu studieren, hat er aufgegeben, als sie schwanger wurde und lebt seitdem nur noch bei Quizsendungen auf, wo er alle Fragen beantworten kann. Inzwischen zum Freund geworden versucht Nicholson, Freemans Lebensgeister wieder zu wecken, aber vergeblich, der hat seine Frau immer dabei, zwar nicht physisch, aber im Hinterkopf und traut sich keinen Schritt aus dieser Falle hinaus. Freeman erkennt seinerseits glasklar, dass Nicholson wieder in Kontakt mit seiner Tochter treten muss, aber daran lässt der in ebenso sturer wie trotziger Weise lieber die Freundschaft scheitern.

Schließlich meldet sich der Krebs bei Freeman zurück und holt sie so beide wieder zurück nach Hause: Freeman in seine traute Familienidylle, Nicholson in seine superteure Hightech-Einsamkeit. Aber während Freeman lieber stirbt, als seine Fesseln auch nur zu lockern und das anschließend auch mit viel Anstand und sogar Witz tut, schafft Nicholson den Besuch bei seiner Tochter und küsst das schönste Mädchen der Welt. Das aber ist nun nicht eine Miss World, wie er viele hatte, sondern seine kleine Enkelin. Er findet zurück zu den Menschen zuerst über die Freundschaft zu Freeman und dann zu seiner Tochter und Enkelin, und wird wie er es selbst nennt „ein verdammtes Wunder“.

Das Besondere an dem Film, der ganz ohne Action- und Liebesszenen auskommt, ist die Stimmung am Schluss. Auch Nicholsons Asche wird schließlich neben der von Freeman in einer Kaffeedose auf einem Himalaya-Berggipfel – illegaler Weise – beigesetzt. Die Zuschauer sind nicht deprimiert, sondern berührt und sogar beglückt, denn sie spüren, dass sie nicht warten müssen, bis eine Krebsdiagnose ins Leben rauscht und die Chemo scheitert, sondern gleich beginnen können, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Statt im Rattenrennen mit dem einzigen absurden Ziel, Reichster auf dem Friedhof zu werden, wie es Nicholson lebte oder sich aufzuopfern für ein Thema, das nicht das eigene ist, wie es Freeman vorexerzierte, könnte das eigene Leben auch jederzeit beginnen, mit dem Ziel, dass einmal auf dem Grabstein steht: Er oder sie lebte noch als er starb.

Krebs ist offensives invasives brutales Wachstum, das sich infiltrierend und Tabuzonen wie Basalmembranen und sogar Organgrenzen überwindend, seinen Weg bahnt und schließlich in Selbstzerstörung endet. Die entartende Zelle geht auf einen Ego-Trip, der sich dem Pathologen am unregelmäßig vergrößerten, sich ständig teilenden Kern zeigt, mit dem Ziel, sein Erbgut überall zu verbreiten. Dieses Wachstum gilt es bei Vorbeugung und Therapie dadurch zu vermeiden, dass es auf sinnvolleren Ebenen gelebt wird. Es ist das Prinzip von “Krankheit als Symbol”, dass im Hinblick auf eine Herzinsuffizienz etwa die Aufgabe beinhaltet, das physisch viel zu groß gewordene Herz im übertragenen Sinn zu erweitern, sodass die Körperebene Entlastung erfährt. Der Körper ist immer nur Bühne für jene Stücke, die im Bewusstsein nicht mehr gegeben bzw. gespielt werden und die dann in den Schatten oder eben auf die Körperbühne sinken.

Bei Krebs geht es darum, statt des destruktiven auf Körperebene auf Bewusstseinsebene konsturktiveres oder erlösteres Wachstum zu entwickeln. Statt Ihre Zellen auf den gnadenlosen Egotripp gehen zu lassen, ist es Aufgabe Betroffener sich selbst auf einen mutigen Selbst-Entwicklungs- und Verwirklichungs-Weg zu machen und ihre Besonderheit zu auszudrücken, das zu Leben, was nur sie leben können, (zu) sich (Selbst) zu finden.

Hier läge natürlich auch – wie grundsätzlich beim Ansatz von “Krankheit als Symbol” – zugleich die ideale Vorbeugung. Wer seinen ganz persönlichen, überaus individuellen Weg zu sich (Selbst) findet und geht, erlebt und verwirklicht damit die beste denkbare Krebsvorsorge. Er nimmt auf erlöste Art seinem Körper die Wachstums-Aufgabe ab.

Und tatsächlich zeigte sich schon manches Mal wie der kompromisslose und mutige Beginn dieses Weges als einer Reise zu sich Selbst einen aus schulmedizinischer Sicht bereits aussichtslos ausgebrochenen Krebs wieder in die Schranken wies wie bei Frau Morin.

Diese Reise ist die wichtigste im Leben und sie kann lebensrettend sein, wenn der Krebs schon auf dem Weg ist.

Aber Psychosomatik meint nicht nur die Seele, sondern muss auch den Körper einbeziehen. Hier ist an erster Stelle von der Ernährung zu sprechen, die sich im letzten Jahrzehnt als starke Unterstützung der Krebstherapie erwies. Der Verzicht auf alles Tierprotein hat sich in vielen Studien als immens hilfreich erwiesen. Hier ergibt sich eine zusätzliche Reise zu sich (Selbst). Prof. Colin Campbell konnte im Tierversuch zeigen, wie sich durch das Weglassen von Kasein, dem Milch(protein) Krebs bei Mäusen gleichsam ein- und auch wieder abschalten ließ. Tatsächlich ließ sich das auf Menschen übertragen. Beim häufigsten, wenn auch nicht tödlichsten Krebs überhaupt, dem Prostata-Karzinom, gibt es einen Tumor-Marker oder –anzeiger in Gestalt des PSA-Wertes. Da die Operation mit häufigen Nebenwirkungen wie Impotenz und extrem belastenden wie Inkontinenz (Windeln) belastet ist, lassen sich immer mehr Männer auf die Ernährungsumstellung Richtung „Peace-Food“ ein. Innerhalb eines halben Jahres kann diese wissenschaftlich belegte pflanzlich-vollwertige Nahrungsumstellung in der Regel den PSA-Wert wieder so senken, dass nicht operiert werden muss. Hier haben wir also eine wundervolle zusätzliche Hilfe.

Mit dem Dreigestirn, seelischer und ernährungsmäßiger Umstellung und naturheilkundlich-biologischer ebenfalls abwehrsteigernden Therapie sind Wunder häufiger geworden.

Krankheit eine Sprache der Seele ?

In der modernen Industriegesellschaft wird Krankheit weder als Sprache noch als Weg, noch überhaupt als sinnvoll betrachtet im Gegensatz zur archaischen Gesellschaft, wo die Menschen nicht nur bei Krankheitsbildern, sondern grundsätzlich bei allen Ereignissen an deren tieferem Sinn interessiert waren. Bei uns wird Krankheit nicht ein­mal als grundsätz­lich erkannt, son­dern als etwas Widerwärtiges, das mehr oder min­der zufällig ins Leben einbricht. Deshalb sprechen wir auch bedenkenlos von Krankheiten in der Mehrzahl. An sich macht das nicht mehr Sinn als von “Gesundheiten” zu sprechen. Für praktisch alle großen Religionen und ihre esoteri­schen Traditionen war Krankheit da­gegen von jeher etwas Grundsätzliches.

Auch nach unserer christlichen Schöpfungsgeschichte sind Menschen unheil, nachdem Gott noch im Paradies unserem Urahn Adam eine Seite genommen hatte, um daraus Eva zu formen. Seitdem sind wir auf der Suche nach unserer “besseren Hälfte”, wie der Volksmund so deutlich sagt. Die Bibel verspricht den Unheil-gewordenen nach ihrer Vertreibung aber auch in ferner Zukunft die Rückkehr in die paradiesische Einheit. Christus, der Heiland, ver­mittelt diesen Weg zurück zum Heil(igen), dem Himmelreich Gottes, von dem er sagt, es liege in uns. Vollkommenheit und folglich auch vollkom­mene Gesundheit sind demnach erst hier, also jenseits der polaren Welt der Gegensätze erreich­bar.

Erstaunlicherweise kommt dem die Auffassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ganz nahe, die Gesundheit als einen Zustand frei von körperlichem, seelischem und sozialem Leid beschreibt. Gesunde Menschen existieren demnach lediglich in Anato­mie­ und anderen Medizinbü­chern, aber sicher nicht in der Welt der Gegen­sätze. Was der esoterischen Philosophie selbstverständliche Grundlage ihres Weltbildes ist, wird letzt­lich sogar von Schulmedizin und Naturheilkunde bestätigt. Der (konkret anzutref­fende) Mensch ist krank. Die Gesundheitsstatistiken sind in Wahrheit eher Krankheitssta­tistiken und besagen, daß ein durchschnittlicher Deutscher in 25 Jahren 2 lebensbe­drohliche, 20 schwere und immer noch 200 mittelschwere bis leichte “Krankheiten” durch­macht. Mit ihren immer raffinierteren Diagnosemethoden findet die Schulmedizin heute gar keine ganz Gesunden mehr. Befragt man 1000 sogenannte Gesunde, findet sich darunter prak­tisch keiner, der nicht doch irgendwelche Beschwerden hätte. Die Naturheilkunde mit ih­ren noch sensibleren Unter­su­chungs­me­tho­den etwa aus dem Bereich der bioelek­tro­nischen Funktionsdiagnostik findet heute kaum noch einen Menschen mit norma­len Le­berwerten, von Gesunden ganz zu schweigen. Das Fazit mag ebenso überraschend wie einfach anmuten: Alle sind sich darin einig, daß der Mensch krank ist. Zur Hoffnung der modernen Medizin, daß alle “Krankheiten” irgendwann ausgerottet sein werden, mag man stehen wie man will, im Augenblick sind wir jedenfalls von absoluter Gesundheit weit entfernt. Zu dieser Tatsache kann man in kämpferische Opposition gehen wie Schulmedi­zin und weite Teile der Naturheilkunde oder sie akzeptieren wie Religion und esoterische Philoso­phie. Klar ist aber für beide Haltungen, daß Krank­heit uns Menschen zur Auf­gabe wird.

Aus dem kämpferischen Ansatz der Schulmedizn1 wird sich der Arzt mit dem Pa­tienten gegen die Symptome verbünden und versuchen, sie so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen. Aus der esoterischen Perspektive, die ich im weiteren Verlauf darstellen will, folgt gerade das Gegenteil: Der Arzt verbündet sich mit den Symptomen und findet heraus, was dem Patienten fehlt, sodaß gerade diese Symptome notwendig wurden. Auf diese Weise wird jedem Symptom Bedeutung zuerkannt.

Krankheitsbilder zu deuten ist eigentlich kein ungewöhnlicher Schritt und in der Bevölkerung seit jeher weit verbreitet. Tatsächlich sind wir gewohnt, alles mögliche zu deuten und sind sogar erstaunt, wenn es einmal nicht geschieht. Angenommen, jemand antwortet auf die Frage nach dem neuesten Theaterstück: die Bühne hatte die Maße zwölf mal sechs Meter und war 1,5 Meter hoch; von den 12 Schauspielern waren fünf Männer und sechs Frauen, die Kostüme waren aus 134 m Seidenstoff und 18o m Leinen gefertigt, die Bühne wurde mit soundsoviel Lux beleuchtet usw. Wir wären verblüfft über diese Antwort, weil wir eine inhaltliche Deutung erwartet hatten und nicht eine formale Be­schrei­bung des äußeren Ablaufs.

Was uns beim Theater noch so selbstverständlich erscheint, ändert sich in der Me­dizin schlagartig. Findet sich der Patient zwei Tage nach der Erstanamnese wieder beim Internisten ein, erfährt er nicht selten die Werte seiner Elektrophorese und jene der Urin­probe, den Zahlenwert seines Blutdruckes, die Werte der Blutfette und des Cholesterins. Wenn daraufhin eine „Therapie“ „gegen das Cholesterin“ empfohlen wird, werden viele Patienten erstaun­li­cher Weise nicht ungehalten, sondern zollen solch wissenschaft­lich arbeitenden Medizinern Respekt, obwohl auch hier nur vom Form- und nie vom In­haltsaspekt des Krankheitsgeschehens die Rede ist.

Erst wenn der Internist die erhobenen Befunde deutet und eine Diagnose – etwa „Lungenentzündung“ – stellt, bringt er mit dieser Deutung Sinn ins Spiel. Die Frage ist nur, warum er ausge­rech­net in diesem Moment, wo seine Arbeit für den Patienten erstmals wesentlich wird, wieder mit dem Deuten aufhört. Es ließe sich ohne weiteres in der einmal eingeschlagenen erfolgreichen Richtung weitermachen, etwa nach der Bedeutung der Lunge und jener der Entzündung fragen. Das Thema der Lunge ist Kontakt und Kommu­nikation. Sie ist für Gas­aus­tausch und die Sprachbildung verantwortlich, die auf der Mo­dulation des Ausatemstromes beruht. In der Ent­zündung somatisiert sich das Thema Kon­flikt. Körpereigene Antikörper kämpfen auf kriegerische Art gegen eingedrungene Erreger, die sich ebenfalls äußerst aggressiv verhal­ten. Hier wird von beiden Seiten belagert, bloc­kiert, angegriffen, getötet und natürlich gestorben. Makrophagen (griechisch für Großfres­ser) und Antikörper, die sich in Kamika­zeart auf die Angreifer stür­zen, um anschließend mit ihnen gemeinsam zugrunde zu ge­hen, geben auf Seiten des Körpers genausowenig Pardon wie die verschiedenen Erreger von Lungenentzündungen.

Bei der Lugen-Entzündung handelt es sich folglich um einen Konflikt im Kom­munikationsbereich. Die Häufung von Lungenentzündungen auf Intensivstationen belegt das auf drastische Art und Weise. Auf Erreger allein läßt sich dieses Phänomen wohl nicht zurückführen, denn wo ginge es Bakterien und Viren schlechter als gerade im OP und auf Intensiv. Hier werden sie verfolgt und ausgemerzt, wie sonst nirgendwo. Läuft aber die verbliebene Kommunikation von Patienten ausschließlich über Plastik­schläuche, Kanülen und Elektrodendrähte, entwickelt sich leicht ein unbewußtes Kontakt­pro­blem, und das wird sich häufig in ei­ner Lungenentzündung verkörpern.

In der esoterischen Medizin gehen wir davon aus, daß alles körperliche Geschehen Ausdruck eines dahinterliegenden seelischen Inhalts ist, d.h. der Körper erscheint uns als Spiegel der Seele. Wird das körperliche Geschehen lediglich zugedeckt wie so häufig mit den allopathischen Methoden, verstärken wir folglich die seelische Problematik. Das Be­seitigen von Symptomen drückt diese, wie das Wort in aller Ehrlichkeit verrät, auf die Seite bzw. ins Unbewußte. Solch plumpe Art von Symptomverschiebung würde uns in anderen, etwa technischen Bereichen niemals einfallen. Wenn irgendwo eine technische Alarmanlage aufheult, kommt niemand auf die Idee, die alleinige Lösung in der Abschal­tung des Alarms zu sehen. Bei Kopf- , Gelenks- oder anderen Schmerzen finden manche Ärzte und Patienten dagegen nichts dabei, durch entsprechende Schmerzmit­tel lediglich das Warn­signal zu unterbinden. Hart ausgedrückt führt diese Haltung dazu, Symptome von Organ zu Organ und Patienten von Facharzt zu Facharzt zu ver­schieben.

Aus den Naturwissenschaften könnten wir längstens wissen, daß sich grundsätzlich nichts aus der Welt schaffen, aber vieles auf verschiedene Weise umwandeln läßt. Insofern kann auch der Ansatz von “Krankheit als Sprache der Seele” nur Symptom­verschiebung bieten, allerdings auf eine weit sinnvollere Weise. Eine Verschiebung von der körperlichen zurück auf die geistig-seelische Ebene bietet nämlich durchaus Heilungschancen im Ge­gensatz zu jener Symptom­verschiebung, die sich auf die körperliche Ebene beschränkt.

Krankheitsbilder entstehen, wenn inhaltliche Themen, deren bewußte Bearbeitung die Betroffenen verweigern, in den Körper absinken und sich hier somatisieren. Zur Lö­sung eines Problems trägt es wenig bei, seine Verkörperung mit biochemischer (z.B. Korti­son) oder gedanklicher (z.B. Affirmationen) Hilfe zu unter­drücken. Das Gegenteil wäre notwendig. Statt sich gegen das Symptom zu verschwören, ginge es darum, es verstehen zu lernen, d.h. den Inhalt hinter dem körperlichen Geschehen bewußt zu ma­chen. Gelingt es, das Thema ins Bewußtsein zurückzuholen, besteht zu­mindest die Chance, es hier zu bewältigen. Dadurch wird der Körper von seiner Darstel­lungsarbeit entlastet. Je deutlicher und damit auch unangenehmer das Problem ins Be­wußtsein rückt, desto leichter fällt es dem Körper, es loszulassen. Tatsächlich ist der Körper nur Aus­weichbühne für das Be­wußtsein. Bewußt abgelehnte Themen verkörpern sich mit Vorliebe ersatzweise auf der Kör­per­bühne. So wird Krankheit zum Weg..

Auf jedem Weg läßt sich etwas lernen, wobei es natürlich geschickte und weniger sinnvolle Wege gibt. Zumeist eleganter und fast immer zielführender, allerdings oft ebenso unangenehm ist es, direkt auf der Bewußtseinsebene zu lernen, oh­ne vorher auf die Kör­perbühne auszuweichen. Nur so eröffnet sich z.B. die Möglichkeit echter Vorbeu­gung. Schulmediziner sprechen viel von Vorbeugung – etwa von Krebsprophylaxe – wenn sie in Wahrheit Früherkennung meinen. Unbestritten ist Früh­er­ken­nung unvergleichlich besser als Späterkennung, nur mit Vorbeugung hat sie nichts zu tun. Krankheitsbilder durch Be­wußt­seins­arbeit überflüssig zu machen, indem das betreffende Thema freiwillig auf gei­stig-seelischer Ebene bearbeitet wird, ist da­ge­gen echte Prophylaxe.

Wer Krankheit als Sprache der Seele versteht, erlebt, daß Form und Inhalt nicht nur zusammenpassen, sondern immer auch zusammengehören. Krankheit ist der formale Aspekt eines geistig-seelischen Inhalts oder an­ders ausgedrückt: Symptome sind Verkör­perungen seelischer Themen. Plato sagte, hinter jedem Ding stehe eine Idee und Goethe ging davon aus, daß alles Geschaffene ein Gleichnis sei. Zu dieser alten Weisheit zurück­zufinden, ohne die unbestreitbaren Errungenschaften moderner Medizin zu verwerfen, ist das Anliegen der esoterischen Medizin.

Symptomsprache ist lediglich ein Sonderfall der Körpersprache, der mit Sicherheit verbreitetsten Sprache auf der Erde. Diese universelle Sprache wird allerdings nur noch von wenigen Menschen unserer Gesellschaft bewußt verstanden. Dabei wäre es leicht, sich wieder an sie zu erinnern, denn unser Körper spricht nicht nur, unsere Sprache ist auch körperlich. Folglich kann sie zur Brücke zwischen Körper und Seele werden. Ob wir be­greifen oder verstehen, bestimmte Dinge uns an die Nieren gehen oder uns andere zu Kopf steigen, ab wir uns etwas zu Herzen nehmen, oder es uns auf den Magen schlägt, ob Läuse über die Leber laufen oder der Atem vor Schreck stockt, überall zeigen uns psycho­somatische Ausdrücke die enge Verbindung zwischen Körper und Seele.

Neben der Körpersprache, die durch umgangssprachliche Wendungen, Sprich­worte und Sprachbilder ergänzt wird, und den erlebten Symptombildern lassen sich auch die von der Schulmedizin erhobe­nen Befunde für die Deutung verwenden. Die formale Beschreibung des Krank­heits­ge­schehen ist ja keineswegs falsch oder auch nur überflüs­sig. Erst die Bühne macht es mög­lich, dem Theaterstück zu folgen, erst durch die Be­leuchtung wird alles sichtbar, die Ko­stüme verstärken die Aussagekraft usw. Bei aller Wichtigkeit dieser äußeren Vorausset­zungen gilt es jedoch den Inhalt des Stückes nicht zu übersehen. Will man am Theater­stück etwas Grundsätzliches ändern, macht es wenig Sinn, bei den formalen Aspekten an­zusetzen, es nötig, den Inhalt anzugehen.

Insofern richtet sich die deutende Psychosomatik nicht gegen die Schulmedizin, sondern ergänzt sie und führt sie weiter. Reparaturen im körperlichen Bereich beherrscht die Schulmedizin besser als alle anderen Richtungen. Ihr Vorwürfe zu machen, daß sie sich nicht um den ganzen Menschen kümmere, ist unsinnig, weil sie das auch nie verspro­chen hat. Der Besucher eines städtischen Schwimmbades, der sich über mangelnden Meeresblick beklagt, ist im Unrecht. Wer Meer will, muß dorthin fahren. Wer Heilung anstrebt, müßte sich um eine Medizin bemühen, die Körper, Seele und Geist im Blick hat, und, ohne die Schulmedizin entwerten zu wollen, weit über diese hinaus reicht.

Erlebte Symptome und erhobene Befunde können gleichermaßen gedeutet und Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zum umfassenden Muster des Krankheitsbildes zu­sammengesetzt werden. Betroffene Region bzw. das jeweilige Organ geben die Ebene an, auf der das Problem besteht, bei Lungenentzündung also den Kommunikationsbe­reich. Das spezielle Symptomgeschehen enthüllt die Art des Problems, bei unserem Beispiel also das Thema Konflikt. Hilfreich beim Deuten sind die Fragen: Warum geschieht gerade die­sem Patienten, gerade das, gerade jetzt? Woran hindert die Symptomatik? Wozu zwingt sie? Welchen Sinn erfüllt sie gerade jetzt im Leben?

1 Diese kämpferische Antihaltung der Schulmedizin ergibt sich schon aus den Bezeichnungen ihres Waffenarsenals, mit dem sie die Krankheitsbilder besiegen will: Antihypertonika und Antikonvulsiva, Antikoagulantien und Antbiotika, Antipyretica und Antihistaminika. Was nicht Anti ist, erweist sich als Blocker (Säure- und Betablocker) oder wenigstens Hemmer (ACE-Hemmer).

Krankheit als Sprache der Seele

In unserer Gesellschaft wird Krankheit gemeinhin weder als Sprache noch als Weg, noch überhaupt als sinnvoll betrachtet. Sie wird nicht einmal als etwas Grundsätzliches erkannt, sondern als eine Fülle widerwärtiger, mehr oder minder zufälliger Einbrüche ins Leben gesehen. Deshalb wird auch von Krankheiten in der Mehrzahl gesprochen. Das macht an sich nicht mehr Sinn als von “Gesundheiten” zu sprechen. Nach meinen Erfahrungen gehören Körper und Seele immer zusammen, die Niere von Zimmer 16 ist ein entlarvendes, aber auch rasch als falsch zu durchschauendes Konstrukt der Schulmedizin, denn dort findet man in Wirklichkeit einen ganzen Patienten, der immer auch seelische Probleme hat, schon weil er sich um seine Nieren sorgt.

Auf der ganzen Welt gibt es keinen Gegenstand mit Form und Gestalt, der nicht auch Sinn, Inhalt und Bedeutung hätte. Insofern erschien es mir schon immer eigenartig, wenn als einzige die Schulmedizin solches behauptet. Denn tatsächlich glaubt sie ja, dass ein sich in die Tiefe der Magenwand fressendes Geschwür, das eindeutig die Form eines Kraters hat, weder Sinn, noch Bedeutung noch erst recht Inhalt hat, genau wie bei einem blumenkohlartig wachsenden Tumor. Die Krankheitsbilder-Deutung von „Krankheit als Weg“ bis “Krankheit als Symbol” geht aber genau davon aus.

Auch entspricht dieser Ansatz tatsächlich besser den Erkenntnissen der modernen Physik, die als wichtigste Gesetzmäßigkeiten die Symmetrie- oder Spiegelgesetze sieht und als zweit wichtigste die Erhaltungssätze. Dass der Körper die Seele spiegelt und umgekehrt, ist damit noch nicht bewiesen, aber entspricht der ersten Kategorie. Wenn die Schulmedizin glaubt mit ihren allopathischen Unterdrückungsmaßnahmen Symptome aus der Welt schaffen zu können, widerspricht sie damit den Erhaltungssätzen, wohingegen die Medizin der Krankheitsbilder-Deutung, die nun auch schon seit Jahren Zugang in die Ärzte-Fortbildung der deutschen Ärztekammer gefunden hat, entspricht ihnen. Danach werden Symptome von Organ und Organ verschoben und Patienten von Facharzt zu Facharzt. Tatsächlich kommt es fast immer zu Verschiebungen zwischen Psyche und Soma, was ja auch die Idee der Psychosomatik ist.

Außerdem besteht gar keine Konkurrenz zwischen dem Einordnung nach “Krankheit als Symbol” und der auf körperlich-materielle Ebene fixierten Ansicht der Schulmedizin. Wenn wir in der Zeit zurückgehen an den Anfang der Ursachensuche landen wir in der Antike bei Aristoteles, der das Weltbild seiner Lehrer Platon und Sokrates analysierte und dabei 4 Ursachen fand. Eine Causa effiziens wirkte aus der Vergangenheit auf die Gegenwart, eine Causa finalis aus dieser auf die Zukunft, eine Musterursache nannte Aristoteles causa formalis und dann war da noch eine ganz unstrittige Causa materialis. Mit diesen vier Ursachen ließe sich die Ereignisse gut beschreiben, aber später kam es zu einer Spezialisierung, bei der sich die Naturwissenschaften und mit ihnen die Medizin ganz auf die Causa effiziens spezialisierten und die Geisteswissenschaften auf die Zukunftsursache, Causa finalis. Ein Beispiel mag das veranschaulichen. Beim olympischen 100-m-Lauf kauern 8 Männer am Start und rennen plötzlich los. Die kausale Fragestellung ist warum? Naturwissenschaftler und Mediziner müssen nun in der Vergangenheit suchen und finden den Schuss des Startrichters, während Geisteswissenschaftler eher den Wunsch, eine Goldmedaille zu gewinnen, als Ursache ansehen, der in der Zukunft liegt. Tatsächlich erklärt letztere eher, warum die Sportler viele Jahre trainiert haben…. Die Musterursache sorgt dafür, dass die Regeln eingehalten werden und niemand ein Moped mitbringt oder die Gegner ko schlägt. Die Materialursache ist von allen akzeptiert. Die Krankheitsbilder-Deutung nimmt sich all dieser Ursachen an und akzeptiert natürlich auch die der Schulmedizin etwa in Gestalt von Erregern, sie ergänzt diesen Ansatz allerdings immer mit der Frage nach dem Sinn der Symptomatik und animiert Patienten zu der Frage, warum gerade mir, gerade das, gerade jetzt, wozu zwingt es mich und woran hindert es mich?

Aber nicht nur vom naturwissenschaftlichen Standpunkt, auch vom spirituellen hat die Krankheitsbilder-Deutung mehr zu bieten. Für die meisten großen Religionen und ihre spirituellen Traditionen war Krankheit von jeher etwas Grundsätzliches. Laut biblischer Schöpfungsgeschichte sind die Menschen unheil, nachdem ihnen im Paradies die eine Seite genommen wurde. Seitdem sind sie auf der Suche nach ihrer “besseren Hälfte”, wie der Volksmund weiß. Die christliche Religion verspricht den Unheil gewordenen die Rückkehr in die Einheit des Paradieses. Der Heiland vermittelt den Weg zurück zum Heil(igen), dem Paradies oder Himmelreich Gottes, von dem Christus sagt, es liege in uns. Vollkommenheit und folglich auch vollkommene Gesundheit sind erst hier, also jenseits der polaren Welt der Gegensätze möglich.

Dem entspricht erstaunlicherweise die Auffassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Gesundheit als einen Zustand definiert, frei von körperlichem, seelischem und sozialem Leid. Demnach gibt es gesunde Menschen höchstens in Anatomie-Lehrbüchern, aber nicht in unserer modernen Welt. Was einem Menschen auf dem Weg der Selbstverwirklichung selbstverständliche Basis seines Weltbildes ist, wird letztlich – wenn auch zähneknirschend – von Schulmedizin und Naturheilkunde bestätigt. Der Mensch ist krank. Die Gesundheitsstatistiken sind in Wahrheit Krankheitsstatistiken und zeigen, dass ein durchschnittlicher Bürger in 25 Jahren 2 lebensbedrohliche, 20 schwere und noch 200 mittelschwere bis leichte “Krankheiten” durchmacht. Mit ihren immer raffinierter werdenden Untersuchungsmethoden findet die Schulmedizin heute gar keinen wirklich ganz Gesunden mehr. Befragt man 1000 sogenannte Gesunde findet sich darunter praktisch keiner, der nicht doch irgendwelche Beschwerden hätte. Die Naturheilkunde mit ihren noch sensibleren Untersuchungsmethoden etwa im Rahmen der Elektroakupunktur hat heute bereits Probleme, noch einen Menschen mit ganz normalen Leberwerten zu finden, von Gesundheit ganz zu schweigen. Das Fazit ist überraschend einfach und letztlich sind sich alle: Der Mensch ist krank. Ob man die Hoffnung der Schulmedizin, alle “Krankheiten” irgendwann auszurotten, teilt oder nicht: im Augenblick ist absolute Gesundheit nicht von dieser Welt. Zu dieser Tatsache kann man in kämpferischer Opposition stehen oder sie akzeptieren, in jedem Fall wird Krankheit den Menschen zur Aufgabe.

Aus dem ersten kämpferischen Ansatz1 wird sich der Arzt mit dem Patienten gegen das Symptom verbünden und versuchen, dieses so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen. Aus dem spirituellen Ansatz, den ich hier im weiteren Verlauf darstellen will, folgt eher das Gegenteil: Der Arzt verbündet sich mit dem Symptom und schaut, was dem Patienten fehlt, so dass diese Symptomatik notwendig wurde. Dem Krankheitsbild wird Bedeutung zugemessen, indem es gedeutet wird. Aus seiner Symbolik lässt sich dann auf die konkrete darin zum Ausdruck kommende Lebensaufgabe schließen.

Das ist eigentlich kein ungewöhnlicher Schritt und im normalen Leben weit verbreitet. Wir sind es gewohnt, alles Mögliche zu deuten und sind sogar verstimmt, falls es einmal unterbleibt. Nehmen wir an, jemand antwortet auf die Frage nach dem neuesten Theaterstück: die Bühne hatte die Maße vier mal sechs Meter und war 2 Meter hoch, es waren 8 Schauspieler beteiligt, davon zwei Männer und sechs Frauen, ihre Kostüme bestanden aus x m Seidenstoff und y m Leinen, die Bühne wurde mit soundso viel Lux beleuchtet usw. Wir wären ungehalten, hätten wie doch eigentlich eine inhaltliche Deutung erwartet und nicht eine Beschreibung des rein Formalen. Was uns beim Theater so selbstverständlich erscheint, ist es in der Medizin plötzlich nicht mehr. Wenn sich ein Patient drei Tage nach der Erstuntersuchung wieder beim Internisten einfindet, bekommt er zu hören, seine Blutuntersuchungen hätten diese, die Urinprobe jene Werte ergeben, sein Blutdruck habe den Wert x und die Temperatur den Wert y. Im Röntgenbild sei eine Verschattung aufgefallen und das EKG habe folgende Befunde ergeben. Nun ist der Patient erstaunlicher Weise nicht ungehalten, sondern zollt einem wissenschaftlich arbeitenden Mediziner Respekt, obwohl auch jetzt nur von der Form und nie vom Inhalt die Rede war. Erst wenn der Internist all seine Befunde deutet und die erlösenden Worte spricht: “Das nennt man Lungenentzündung”, kommt mit dieser Deutung auch wieder Sinn ins Geschehen. Die Frage ist allerdings, warum man ausgerechnet an diesem Punkt, wo es für den Patienten erstmals interessant und sinnvoll wird, aufhören soll.

Natürlich ließe sich nach der Bedeutung der Lunge und jener der Entzündung weiterforschen. Das Thema der Lunge ist ganz offenbar Kontakt und Kommunikation, ist sie doch für den Gasaustausch und unsere Sprache verantwortlich, die auf der Modulation des Ausatemstromes beruht. Mit der Entzündung ist das Thema Konflikt angesprochen. Erreger kämpfen gegen Antikörper und ihre Mittel sind eindeutig kriegerisch und aggressiv. Es wird belagert und gestorben, angegriffen, blockiert und getötet. Die Makrophagen, wörtlich Großfresser, geben auf Seiten des Körpers genauso wenig Pardon wie die Antikörper, die sich in Kamikaze-Manier auf die Erreger stürzen, um mit ihnen zugrunde zu gehen. Insofern haben wir es bei der Lugenentzündung mit einem Konflikt im Kommunikationsbereich zu tun. Die häufigen Lungenentzündungen auf Intensivstationen sind dafür Beleg. An den Erregern kann es wohl nicht primär liegen, denn nirgendwo gibt es weniger als gerade hier. Wenn aber die ganze verbliebene Kommunikation mit der Welt über ein paar Plastikschläuche läuft, bekommen viele Menschen ein Kontaktproblem, und das kann sich mangels anderer Ausdrucksformen u.a. in einer Lungenentzündung verkörpern.

Die deutende Medizin geht davon aus, dass alles körperliche Geschehen Ausdruck eines dahinterliegenden seelischen Inhalts ist. Wenn wir nur das körperliche Geschehen zudecken, verstärken wir folglich die seelische Problematik. Mit dem Beseitigen von Symptomen landen diese, wie das Wort so ehrlich sagt, auf der Seite, bzw. im Unbewussten oder Schatten. Diese Art von Symptomverschiebung würde uns in anderen Bereichen, etwa der Technik, nicht im Traum einfallen. Wenn an einer Maschine das Alarmlicht aufleuchtet, würden wir nicht daran denken, das Birnchen lose zu drehen, um unsere Ruhe zu haben. Bei Kopf- und anderen Schmerzen finden wir dagegen nichts dabei, durch Schmerzmittel einfach das Warnsignal zu blockieren.

Da wir aus der Physik – wie oben beschrieben – wissen, dass grundsätzlich nichts aus der Welt geschafft, sondern alles nur ineinander umgewandelt werden kann, hat natürlich auch mein Ansatz nur Symptomverschiebung zu bieten. Allerdings hat eine Verschiebung in der Senkrechten, also zwischen körperlicher und geistig-seelischer Ebene durchaus Heilungschancen im Gegensatz zu jener Symptomverschiebung, die sich auf die körperliche Ebene beschränkt.

Bei der Entstehung von Krankheitsbildern sinken inhaltliche Themen, deren bewusste Bearbeitung die Betroffenen verweigern, in den Körper und somatisieren sich hier. Will man das Problem lösen, hat es wenig Sinn, seine Verkörperung mit chemischer (z.B. Kortison) oder gedanklicher (z.B. Affirmationen, Verhaltenstherapie) Hilfe zu unterdrücken. Es wäre im Gegenteil notwendig, sich den Inhalt hinter der körperlichen Symptomatik wieder bewusst zu machen. Wird das Thema ins Bewusstsein zurückgeholt, besteht zumindest die Chance, es zu lösen. Damit aber wäre der Körper von seiner Darstellungsarbeit entlastet. Tatsächlich stellt der Körper lediglich eine Ausweichbühne für das Bewusstsein dar. Nur Stücke, deren bewusste Aufführung abgelehnt wurde, verkörpern sich auf der Körperbühne.

Von daher ist deutlich, dass auch Krankheit ein Weg ist, um zu lernen. Wesentlich eleganter und zielführender, allerdings auch nicht angenehmer ist der Weg direkt über das Bewusstsein zu lernen ohne vorher auf die Körperbühne auszuweichen. Hier eröffnet sich die Chance echter Vorbeugung. Heute sprechen wir z.B. von Krebsprophylaxe, wenn wir eigentlich Früherkennung meinen. Früherkennung ist natürlich besser als Späterkennung, hat aber mit Vorbeugung gar nichts zu tun. Ein Krankheitsbild durch Bewusstseinsarbeit überflüssig zu machen, weil man das betreffende Thema schon freiwillig auf geistig-seelischer Ebene bearbeitet, ist dagegen echte Prophylaxe.

Wer Krankheit als Symbol versteht, erlebt am eigenen Leib, wie Form und Inhalt immer zusammengehören, oder wie es Goethe formulierte: Alles Vergängliche ist ein Gleichnis. Krankheit ist der formale Aspekt eines geistig-seelischen Inhalts oder anders ausgedrückt: Symptome sind Verkörperungen seelischer Themen.

Symptomsprache ist eigentlich nur ein Sonderfall der Körpersprache, der mit Sicherheit am weitesten verbreiteten Sprache auf Erden. Obwohl sie die universellste Sprache ist, wird sie allerdings nur noch von wenigen Menschen unserer Kultur bewusst verstanden. Dabei wäre es gar nicht so schwer, sie wieder zu erlernen. Denn unser Körper spricht nicht nur, unsere Sprache ist auch körperlich. Ob wir etwas begreifen oder verstehen, bestimmte Dinge uns an die Nieren gehen oder andere zu Kopf steigen, ab wir uns etwas zu Herzen nehmen, oder es uns auf den Magen schlägt, ob Läuse über unsere Leber laufen oder der Atem vor Schreck stockt, immer ist die Sprache psychosomatisch und zeigt uns eine Verbindung zwischen Körper und Seele, die diese Gesellschaft erst langsam wieder entdeckt.

Neben der Körpersprache, die sich in der einfachen Beschreibung der Symptomatik ausdrückt und durch umgangssprachliche Wendungen, Sprichworte und Sprachbilder wirksam ergänzt wird, stehen auch die von der Medizin erhobenen Befunde für die Deutung zur Verfügung. Denn tatsächlich ist ja die formale Beschreibung des Krankheitsgeschehens keineswegs falsch oder auch nur überflüssig. Ohne Bühne könnte man kein Theatherstück verfolgen, ohne Beleuchtung bliebe alles im Dunkeln und ohne Kostüme wäre es viel weniger aussagekräftig und eher peinlich. Insofern richtet sich dieser deutende Ansatz nicht gegen die etablierte Medizin, sondern ergänzt sie. So erübrigt es sich, Front gegen die Schulmedizin zu machen. Sie beschäftigt sich nun einmal fast ausschließlich mit der körperlichen Ebene. Reparaturen in diesem Bereich beherrscht sie unvergleichlich gut. Wer ihr Vorwürfe macht, sich nicht um den ganzen Menschen zu kümmern, gleicht dem Besucher eines städtischen Schwimmbades, der sich über mangelnden Meeresblick beklagt. Dieser war ihm gar nicht versprochen worden, und es steht ihm jederzeit frei, ans Meer zu fahren. Wer Heilung wünscht, muss sich um eine ganzheitliche Medizin bemühen, die, ohne die Schulmedizin zu entwerten, doch weit über diese hinaus geht wie der Ansatz der Integralen Medizin.

Die am eigenen Leibe erlebten Symptome und die erhobenen Befunde sollten gleichermaßen gedeutet werden und Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zum umfassenden Muster des Krankheitsbildes zusammengesetzt werden. Die betroffene Region, bzw. das Organ gibt dabei jeweils die Ebene an, auf der das Problem abläuft, im Fall der Lungenentzündung also den Kontakt- und Kommunikationsbereich. Das spezielle Geschehen beleuchtet die Art des Problems, im Fall der Lungenentzündung das Thema Konflikt.

Natürlich ist jedes Krankheitsbild vollkommen individuell und nur in der persönlichen Situation ganz stimmig zu deuten. Wenn so umfassende Krankheitsbilder wie Krebs oder Aids gedeutet werden, ist das besonders zu bedenken. Wirklich erschöpfend werden auch Deutungen erst, wenn sowohl die persönlichen Umstände mit in Betracht gezogen werden wie natürlich auch die betroffenen Organebenen.

Bei aller Wichtigkeit des Seelenbezuges, der sich in der auf die Zukunft zielenden Causa finalis ausdrückt, ist natürlich auch die Causa effiziens in Gestalt von Erregern oder Schadstoffen nicht zu übersehen. Und auch die Causa materialis ist mit zu bedenken, der ich mein Buch „Peace-Food – wie Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt“ gewidmet habe. Tatsächlich wissen wir durch große Studien und harte Fakten, dass die gefährlichsten Krankheitsbilder in unserer Gesellschaft, die zu den meisten Todesfällen führen, Herzerkrankungen wie Infarkt und Schlaganfall und Krebs durch den Verzehr von Tierprotein dramatisch gefördert werden. Dass Milch(produkte) genau jene Osteoporose fördern, die sie laut Schulmedizin verhindern sollten, ist dabei besonders makaber und schwer anzunehmen. Die wissenschaftlichen Studienergebnisse – wie in „Peace-Food“ dargestellt – lassen daran allerdings leider keinen Zweifel.

So gehört zur ganzen Medizin beziehungsweise zur „Integralen Medizin“ immer alles und natürlich auch die Schulmedizin. Diese aber braucht dringend Ergänzung im Sinne von Komplementär-Medizin.

1 Diese kämpfrische Antihaltung der Schulmedizinn ergibt sich schon aus den Bezeichnungen ihres Waffenarsenals, mit dem sie die Krankheitsbilder besiegen will: Antihypertonika und Antikonvulsiva, Antikoagulantien und Antbiotika, Antipyretica und Antihistaminika. Was nicht Anti ist, erweist sich oft noch als Blocker (Säure- und Betablocker) oder wenigstens Hemmer (ACE-Hemmer).