Weihnachten und die Geschenke-Orgie

In Deutschland gibt es zur Zeit eine nette juristische Posse, die viel über unsere Zeit enthüllt. Die Landesregierung von Berlin – eine rot-rote Mischung aus Sozialdemokraten und den Altkommunistischen, will alle vier Adventssonntage zum Verkauf freigeben. Einer der seltenen Fälle, wo sich nun beide großen Kirchen einmal wieder einig sind und gemeinsam dagegen klagen, obwohl sonst die katholische Kirche in Gestalt Ihres Papa Razzi den evangelischen nicht einmal Kirchenstatus zugesteht.

Die Roten von Berlin sehen offenbar keinen Grund, die Adventszeit vor weiteren Konsumorgien zu bewahren und wollen eher die dort besonders marode Wirtschaft ankurbeln, obwohl diese in der Zeit der Erwartung des Herrn – das meinte früher Adventszeit – sowieso schon auf höchsten Touren läuft. Wahre Konsumschlachten brechen los angesichts der erwarteten Ankunft des Erlösers. Wobei die meisten modernen Menschen die Erlösung im Kaufrausch sehen und dem Handel seinen umsatztechnischen Jahreshöhepunkt bescheren.

Die Geschenk-Orgie hat längst die Qualität einer Unsitte erreicht und ergeht sich in immer absurderen Wünschen und hochgesteckteren Erwartungen. Zurück geht das alles auf die Heiligen drei Könige. Mit ihren Gaben von Weihrauch, Gold und Myrrhe haben sie diese Orgie angestoßen, indem sie dem neugeborenen Gotteskind mit symbolischen Geschenken ihre Aufwartung machten. Was aber wollen wir mit unseren immer exaltierter werden Geschenken? Viele Väter wollen noch immer dem Kind etwas darbringen, nämlich dem eigenen inneren Kind, und so schenken sie ihren Kindern, was sie immer selbst haben wollten und nicht bekamen. Das hat den großen Vorteil, dass Sie sich dann wenigstens am Heiligen Abend mit den Kleinen spielend beschäftigen, was den äußeren und den inneren Kindern gut tut. Ansonsten sind die immer kostbarer werdenden Geschenke wohl oft auch Ausdruck eines schlechten Gewissens. Wer sich das ganze Jahr zu wenig um seine Kleinen und das Kleine in sich gekümmert hat, kann an Weihnachten entsprechend auftrumpfen und Versäumtes wieder gut zu machen suchen. Da wäre es aber ehrlicher und besser sich in Zukunft mehr Zeit zu nehmen oder sich diese zu schenken. Die Adventssonntage blieben jedenfalls besser verschont vom republikweiten Kaufrausch, der nicht verhüllen kann, was eigentlich fehlt, die Zeit für einander und die innere Ruhe, damit Weihnachten in uns werde.