Was uns wirklich nährt – von gutem Essen zu guten Gedanken

Unser Thema reicht von gutem Essen bis zu guten Gedanken. Essen ist ja ein ganz zentrales Thema der Gesund-lebe-Szene, das für mein Gefühl grandios überbewertet wird. Das Thema hat einen Stellenwert, der ihm eigentlich in der Medizin nicht zukommen sollte. Das hat ein bisschen damit zu tun, dass die Ernährung in der Schulmedizin überhaupt nicht mehr wichtig genommen wird – wir sind da weit hinter Hippokrates zurückgefallen, der schon gesagt hat: „Eure Nahrung sei eure Medizin, eure Medizin sei eure Nahrung“. Heute muss man in einer österreichischen oder deutschen Klinik trotz der dort angebotenen Nahrung gesund werden, nicht wegen der Nahrung. Das ist ein absurder Zustand. Vielleicht als Gegenbewegung hat dann die Ernährung in der Alternativszene einen so hohen Stellenwert bekommen.

Man muss auch festhalten, dass über wenige Themen so viel gestritten werden kann wie über Ernährung. Was ist eigentlich gute Ernährung? Ein großes Thema, zu dem es viele Bücher gibt. Man kann sich natürlich Gedanken machen, was wirklich zu uns passt, was uns gut nähren würde. Für mich wird Ernährung dann interessant, wenn man sie in Analogie sieht – also nicht nur das, was den Körper nährt, sondern auch was die Seele nährt.

In anderen Kulturen sagt man ja zum Beispiel „Boga“ – „Welt essen“. Den Buddhisten beispielsweise ist das ein Anliegen. Man muss die Karmafrüchte verdauen, sagen die Hindus – also das, was man früher gesät hat, muss jetzt in diesem Leben verdaut werden.

Körper und Seele nähren

Wenn wir das Thema Ernährung und Essen unter diesem Aspekt anschauen, dann wird es schon viel interessanter. Ich glaube, die Art, wie wir uns ernähren, sagt relativ viel aus über die Art, wie wir unsere Seele nähren. Die Art, wie wir uns fehlernähren, sagt viel aus über die Art, wie wir unsere Seele und unseren Geist fehlernähren. Und unter diesem Aspekt würde ich gerne über Ernährung reden, auf diesen verschiedenen Ebenen.

Zunächst müssen wir uns fragen, wo man Ernährung einordnen könnte. Hier sind in einem einfachen Schema die alten Medizinsysteme darstellt. Ganz oben sehen Sie das Bewusstsein an höchster Stelle, und ganz unten ist die Chirurgie, die körperliche oder reperative Medizin, hier könnte man auch die Orthopädie noch einreihen sowie die Zahnmedizin und alle reparativen Fächer. Dazwischen liegt die Welt der Gefühle und Emotionen – also das Reich der Psyche, der Seele, darunter das Verhalten. Hier ein Bereich, den hätte Hippokrates die „Säulen der Gesundheit“ genannt. In diesen Bereich fällt das Essen hinein, also relativ weit unten in der Hierarchie.

Noch über der Ernährung steht das Verhalten, die Welt der Seele und das Bewusstsein. In der traditionellen chinesischen Medizin, in der indisch-ayurvedischen Medizin, auch in der tibetischen Medizin war immer sehr klar, dass das Bewusstsein an erster Stelle rangiert und der Körper sozusagen in der Hierarchie ganz unten – was ihn nicht unwichtig macht, aber doch die Reihenfolge zeigt. Allerdings ist das Wort Hierarchie bei uns in Misskredit geraten und gar nicht mehr populär.

Hierarchie“ heißt eigentlich übersetzt „die Herrschaft des Heiligen“, „die Herrschaft des Einen“. Wenn man es unter diesem Aspekt sieht, könnte man der Hierarchie vielleicht wieder etwas abgewinnen. Ohne Hierarchie im Herzen gäbe es kein Leben – einfach gesagt. Demokratie im Herzen nennt man Herzflimmern – und das ist mit dem Leben nicht vereinbar. Wenn alle Herzzellen anfangen, gleichberechtigt ihre Impulse zu geben, kann es keinen Herzschlag mehr geben. Daher braucht man eine gewisse Hierarchie, eine gewisse Ordnung. Das macht die einzelne Herzzelle ja nicht unwichtig – stellt sie aber doch in eine bestimmte Ordnung hinein.

Diese Ordnung ist deutlich anders, als die heute in der Medizin übliche. Heute warten wir bei allen Problemen, bis sie hinunter auf die Ebene des Körpers eskalieren. Dort bezahlt die Kasse dann die Reparatur. Alles, was wir in diesem Bereich der Säulen der Gesundheit richten könnten, ignorieren wir, obwohl es naheliegend wäre.

Wenn wir uns diesen Tempel der Gesundheit anschauen, wie ihn Hippokrates skizziert hat, ist das eine relativ einfache Ordnung: ein Fundament, das er für unveränderbar hielt, und dann diese Säulen – Bewegung, Umwelt, bewusste Lebenseinstellung, Ernährung, Regeneration/Schlaf. Diese vier Säulen stehen da relativ gleichberechtigt. Die zentrale Säule wäre die bewusste Lebenseinstellung, die könnte zur Not das Dach alleine tragen, wenn es denn gut austariert wäre. Und das Ziel des ganzen ist ein entsprechendes Bewusstsein der Einheit, und Gesundheit ist die Basis davon. So könnte man das aus der Sicht des Hippokrates ganz kurz und vereinfacht zusammenfassen.

Man sieht auch, die Ernährung ist eine Säule auf gleicher Höhe mit Entspannung und Bewegung. Also sollte man nie vergessen, wenn wir heute so viel Wirbel um die Ernährung machen, dass sie wieder an dem Ort eingeordnet werden sollte, wo sie in der alten Zeit mit Recht stand. Wenn wir noch einmal zurück gehen, sieht man den Unterschied zu unserer heutigen Auffassung ganz deutlich. Heute würden wir den Chirurgen oft zum Chef des gesamten Krankenhauses machen. Die Alten haben die Chirurgie dagegen ganz unten angesiedelt. Das gilt auch für die Akupunktur. Hineinstechen galt schon als ein Armutszeugnis, weil Akupressur oder Wärme (Moxibustion) bereits zielführend gewesen wäre. Oder man hätte dem Betroffenen die richtige Qigong-Übung oder der ganzen Gemeinschaft Tai Chi beigebracht, so dass sie jeden Morgen einfach ihre Energie mit diesen sanften Bewegungen im Lot halten und es gar nicht erst zum Stechen und Schneiden kommen muss. Das ist ein altes Ideal.

Auch innerhalb des Ernährungssystems war das in der traditionellen chinesischen Medizin früher anders. Es war zwar auch Kräutertherapie bekannt, aber darüber stand im Ansehen der Arzt, der Therapeut, der für gesunde Ernährung zu sorgen hatte. Die Ärzte wussten aber, dass es die gesunde Ernährung für alle gar nicht gibt.

Wenn Sie mich fragen: „Ist grüner Tee gesund?“, kann ich nichts darauf sagen. Für mich schon, aber für Sie vielleicht nicht, das hängt von der Konstitution ab, ob Sie Wärme brauche oder Kühlung usw.

Die früheren Ärzte wussten, dass eine typgerechte Ernährung wichtig ist, aber noch darüber das Verhalten steht. Zur damaligen Zeit hätte eine Tai Chi Lehrerin, eine Ernährungsberaterin, ein Qigong Lehrer über dem Chirurgen rangiert. Heute ist es schwierig, sich überhaupt zu ernähren, und den Chirurgen kann eigentlich nur frühe Krankheit vor schwerem Reichtum retten. Das ist eine Wertung, die unsere Gesellschaft heute ganz anders trifft.

Die Welt der Seele steht deutlich darüber und ist auch in meiner Arbeit für mich viel wichtiger. Es wäre wichtig, diese Brücke von der Seelenwelt zur Körperwelt zu schlagen. Das ist die Idee von „Krankheit als Symbol“, wo Sie Tausende von Symptomen mit ihrem seelischen Bezug gedeutet finden, oder vom Bewusstsein her: Meditation, Einfluss nehmen auf den Seelen- und auf den Körperbereich.

Von oben nach unten

Im Prinzip ist das banal, jede Hausfrau kann das schon und braucht es gar nicht lernen: die Treppe kehrt man von oben nach unten.

Der Versuch, Treppen von unten nach oben zu kehren, den gibt es, den nennt man Schulmedizin – der ist aber relativ mühselig. Sie können natürlich von der chirurgischen Ebene das Verhalten verändern, Sie brauchen nur einen künstlichen Darmausgang legen. Dann hat der Betreffende ein völlig verändertes Sexualverhalten. Aber es ist doch ein sehr mühseliger, schmerzhafter – und für die heutige Situation nicht unwichtig – auch sehr kostenintensiver Weg.

Alles, was wir im Bereich der Seele regeln könnten, wäre ideal. Es würde dann nicht hinunter eskalieren auf die Körper-Ebene, wo es dann schon sehr aufwendig wird mit Reparaturmaßnahmen, die dann häufig gar nicht mehr die oberen Bereich erreichen. In diesem Sinne wäre es notwendig zu sehen, dass es andere Bereiche gibt – gleichberechtigt – wie Regeneration, wie Entspannung und Schlaf und so weiter.

Wenn wir unsere Ernährung als Analogie nehmen für die Art, wie wir in dieser Welt stehen, wie wir uns in dieser Welt verhalten, dann finden wir da eine Menge Dinge, die für mein Gefühl ganz wichtig und entscheidend sind, und an denen wir auch sehen können, was bei uns heute eigentlich los ist. Wir haben für mein Gefühl heute viel zu viel von viel zu vielen Orten, von viel zu schlechter Qualität, das wir in uns reinstopfen. Und wir merken zum Teil auch gar nicht, was wir da zu uns nehmen, weil sich einfach die Bedingungen verändert haben. Wir sind natürlich Kinder der Evolution, die sich ja in Jahrmillionen gebildet hat – aber natürlich auch der Geschichte.

Betrachten wir die Evolution, dann können wir feststellen, dass zum Beispiel nur die Hälfte von uns überhaupt Milch verdauen kann. In den 12.000 Jahren der Feldwirtschaft, des Ackerbaus, haben sich nur 50 Prozent der Menschen an die Verdauung von Milch gewöhnt und produzieren jetzt Laktase, die den Milchzucker, die Laktose, abbauen kann. In Asien sind es etwa 40 Prozent, bei uns ungefähr 60 Prozent der Menschen, die das können.

Wir haben uns auch überhaupt nicht an die raffinierte Kost gewöhnen können. Wir haben 12.000 Jahre gebraucht, damit sich die Hälfte der Menschen an Milchverdauung gewöhnt. In diesen 300 Jahren, seit wir raffinierte Kost haben, hat sich niemand an diese Kost gewöhnt – die stillt unseren Hunger nicht mehr, die nährt unseren Körper nicht so, wie wir es bräuchten.

Zunehmende Angst

Das sind Fakten, die wir uns klarmachen könnten. Manchmal merkt man es auch gar nicht, weil die Veränderung der Bedingungen nicht bewusst wird. Mir fällt in meiner Praxis auf, dass wir in unserer Gesellschaft zum Beispiel eine unglaubliche Steigerung der Angst haben. In meinem Studium habe ich überhaupt noch nichts von Panikattacken gelernt – das Wort gab es gar nicht, Panikattacken waren unbekannt. Es gab die Phobien, die führten ein Schattendasein in diesem Schattenbereich Psychiatrie, das war kein großes Thema. Heute hat jeder Allgemeinmediziner ständig mit Panikattacken zu tun.

Woher kommt plötzlich diese Angst?

Das hat sicher viele Komponenten. Es wird immer enger in unseren Gesellschaften – in „angustus“, dem lateinischen Wort für Enge steckt ja unsere Angst noch drinnen. Natürlich, wenn Sie in einer Stadt auf immer kleinerem Raum zusammenleben müssen – und die Menschen suchen ja die Ballungsräume, wie übrigens die Tiere auch, wird es in diesen Ballungsräumen eng. Und in der Enge wächst die Angst.

Das ist der eine Aspekt, aber es gibt sicher auch noch einen Ernährungsaspekt dabei. Wir essen inzwischen wie die Könige und Fürsten. Das ist verständlich, denn vor ein paar hundert Jahren war es ein Traum, ein Fürst zu sein, denn Fürsten konnten sich leisten, immer Fleisch zu essen. Die normale Bevölkerung aß selbstverständlich kein Fleisch oder nur einmal in der Woche am Sonntag. Das hat sich inzwischen dramatisch verändert. In den letzten 30 Jahren hat der Fleischkonsum weiter zugenommen. Zwar nicht so dramatisch, dass alleine diese Zunahme die Angstsyndrome erklären könnte, aber was sich verändert hat, sind die Bedingungen, wie das Fleisch produziert wird.

Vielleicht haben Sie das so nebenbei mitbekommen: Vor einigen Jahren hat die EU die Hofschlachtung für die Bauern verboten. Die EU macht viele Dinge, die wir gar nicht so mitbekommen. In der EU gibt es die Tendenz, zum Beispiel die große Ballung von Energie – und in dem Sinn auch Geld – zu fördern. Da werden Konzerne gefördert – das liegt in der Natur der Sache, weil sich große Firmen dann auch Leute leisten können, die für Sie sprechen – das nennt man Lobbyisten. Die sind in Brüssel tätig und sorgen dafür, dass die Gesetze nicht gegen die großen gehen.

Die Kleinen haben jetzt keine Lobby – den Bauern hat man die Hofschlachtung weggenommen, und zwar mit guten Gründen natürlich. Die EU hat ja – wie Politiker generell – immer gute Gründe. Die Gründe waren schlechte Hygiene am Bauernhof – daher darf dort nicht mehr geschlachtet werden. Nebenbei stellt man fest, dass die kleineren Fleischhauerbetriebe auch zusperren mit der Zeit, die EU fördert so etwas nicht, sie fördert lieber das das Große. Da kann man sich politisch darüber aufregen – ist gar nicht meine Aufgabe hier und bringt auch nichts – aber was wir sehen könnten und sollten: Das verändert natürlich die Produktion, wie das Fleisch hergestellt wird.

Heute muss ein Kalb, bevor es geschlachtet wird, erleben, wie zehn Kälber, eine Sau, ein Ochse und ein Stier vor ihm geschlachtet werden. Wissen Sie, was das bedeutet? Können Sie sich den Zustand vorstellen, wenn dieses Kalb dann selbst zum Schlachten drankommt? Wenn Sie sich das gar nicht vorstellen können – eine etwas unverschämte Analogie: Stellen Sie sich einmal vor, Sie sind dran zur Hinrichtung. Nehmen wir an, es ist Faschismus bei uns, Sie haben etwas Falsches gesagt und Sie kommen jetzt zur Hinrichtung dran – und Sie müssen zuschauen, wie zehn vor Ihnen hingerichtet werden. Wie ist Ihr Zustand, wenn sie dann selbst zur Hinrichtung anstehen? Ich kann es Ihnen sagen, wenn Sie es sich nicht vorstellen können: Ihr Herz rast auf einem Niveau, wie Sie es nicht kennen, Ihr Schweiß bricht Ihnen aus allen Poren, Ihre Muskeln zittern – das liegt daran, dass die Neurotransmitter, die Hormone, die Angst, Stress und Panik vermitteln, ausgeschüttet werden. In dem Zustand wird heute geschlachtet, und wenn Sie dieses Fleisch essen, essen Sie diese Angst mit.

Zu mir kommen Leute mit Panikattacken, die essen fünf Mal die Woche Fleisch, und das zwei Mal am Tag. Denen kann man nur gratulieren zu ihrer Angst. Das ist dann das direkte Ergebnis. Die essen ihre Angst und dann haben sie sie in sich. Das ist nicht erstaunlich, da hält sich sogar mein Mitgefühl in Grenzen, ehrlich gesagt. Denen erkläre ich das kurz, und wenn sie weiter in diesem Ausmaß Fleisch essen, erkenne ich daran den Willen, die Angst weiter in sich zu haben, und dann ist das für mich auch gelaufen. Dann brauche ich keine große Psychotherapie machen. Wer Angst isst, hat nachher Angst. Darf er auch, soll er auch, ist in Ordnung.

Damit könnte man sich aussöhnen, da muss aber eine Entscheidung her. Wenn er das nicht will, muss er sich anders ernähren. Wenn Sie in Ihren hochverdichteten Sportwagen Diesel reinschütten, dann geht er auch nicht, jedenfalls ganz anders als Sie wollen. Der raucht dann dramatisch. Wenn Sie keinen solchen Rauch wollen, dürfen Sie keinen Diesel tanken, so einfach ist das. Aber der springende Punkt ist, dass die meisten Menschen das nicht wissen und auch gar nicht wissen sollen. Wenn ich unter Angst leide, sollte ich aufhören, sie zu essen, das wäre ganz einfach.

Mangel im Überfluss

Was könnte ich denn sinnvoller Weise essen in dieser Situation? Wir haben inzwischen einen dramatischen Mangel im Überfluss, sagen uns die Ernährungsleute. Wir haben enorm viele Kalorien, die können wir uns in einem Ausmaß leisten, wie es noch nie da gewesen ist. Aber weil wir in der Regel nicht vollwertig essen, bekommen wir kaum noch das, was wir brauchen an Spurenelementen, Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und so weiter.

Daher wäre es natürlich ideal, wir würden Wildgemüse zu uns nehmen. Aber wer tut denn das außerhalb eines Seminars? Es sind ganz wenige, die sich zu diesem Thema Gedanken gemacht haben. Normalerweise bekommen wir Feldfrüchte, die inzwischen völlig anders hergestellt werden. Früher gab es die Dreifelderwirtschaft und Fruchtwechsel, um den Boden zu regenerieren. Heute gibt es das Kunstdüngersystem, mit dem ein bis zwei Ernten pro Jahr aus diesem Boden herausgeholt werden. Dem Boden wird zurückgegeben, was man ihm weggenommen hat, sagt die Ideologie dahinter. Aber natürlich nie die Spurenelemente und die Vitamine. Sie sehen doch keinen Bauern, der Vitamine oder Selen ausstreut. Das wäre auch unbezahlbar.

So verarmen unsere Böden, und das führt dazu, dass wir nicht mehr satt werden. Die Evolution musste es ja irgendwie zustande bringen, dass wir überleben und das hat sie sehr geschickt gemacht. Die Fortpflanzung wurde an Lust gekoppelt. Das ist heute noch ein Faktor, weil immer noch ungefähr 20 Prozent der Kinder unbeabsichtigt gezeugt werden. Über diese 20 Prozent muss man in der heutigen Zeit sehr froh sein in Ländern wie Österreich, Deutschland und der Schweiz. Es war also eine gute Geschichte, Fortpflanzung an Lust zu koppeln. Das hat bisher gut funktioniert. Jetzt brechen wir dieses System erstmalig und können Lust haben ohne Fortpflanzung.

Die Evolution hat die Versorgung an den Hunger gekoppelt. Wir haben Hunger, bis wir alles haben, was wir brauchen. Wenn Sie im Supermarkt in der falschen Abteilung einkaufen, dann können Sie 10.000, 12.000 Kalorien an dem Tag gegessen haben, und der Körper hat noch nicht was er braucht an Vitaminen oder sekundären Pflanzenstoffen. Dann produziert er gleich nach dem Fülle-Gefühl wieder Hunger – keine besonders günstige Situation.

Wir müssten danach trachten, dass wir die Dinge so bekommen, wie wir es gelernt haben. Der erste Test, den wir zum Thema Ernährung machen müssten, wäre einmal in den Spiegel zu schauen und zu gucken, wer da rausschaut. Wenn Sie da einen Löwen oder einen Tiger sehen, können Sie weiter essen wie bisher. Sehen Sie da einen Menschen, sollten Sie den Verdacht haben, dass Sie sich wie ein Mensch ernähren müssten. Das würde bedeuten, einfach einmal zu schauen: Was habe ich für ein Gebiss, was habe ich für einen Darm – und eine Konsequenz daraus zu ziehen, die nahe liegt.

Der Mensch ist ein – im Wesentlichen – mit Mahlzähnen ausgestattetes Wesen, die defensiven Zähne überwiegen die aggressiven Schneidezähne. Er hat einen langen Darm, nicht so lange wie eine Kuh, aber viel, viel länger als ein Tiger oder Löwe. Also, wir sollten von der „Schlingzeit“, wo wir Fleischlappen verzehren, weg zur „Mahlzeit“. Das müssten wir tun, um uns wirklich etwas Gutes zu tun: artgerechte Ernährung.

Übertragen Sie dann diesen Gedanken einmal auf andere Ebenen. Da haben wir genau die gleichen Probleme. Wir haben einen enormen Mangel im Überfluss, was Information betrifft. Wir haben durch das Internet einen irren Überfluss an Information, aber den Leuten fehlen häufig die wesentlichen Informationen für ihr Leben. Mir haben Freunde früher immer gesagt: „Du musst das einmal googeln, du musst das mit dem Internet ausnutzen, das würde den Büchern noch weiter nützen.“

Dann habe ich einen Versuch gemacht, als ich ein Buch über den Schlaf geschrieben habe „Schlaf – die bessere Hälfte des Lebens“. Ich habe den Begriff „Schlafprobleme“ eingegeben und auf „Drucken“ gedrückt. Der Drucker arbeitete nach einer halben Stunde immer noch, und dann habe ich einmal hingesehen – er wollte über 12.000 Seiten ausdrucken. Also habe ich dann den Stecker gezogen als Notwehrmaßnahme und gar nicht gelesen, was da rauskam. Ich will nicht 12.000 Seiten über Schlafprobleme lesen, das bringt mir nichts. Ich bräuchte eigentlich qualitativ hochwertige Information, aber die kann ich nicht googeln. Ich bekomme da nur eine Flut an Informationen – und diese Flut blockiert sehr viele Menschen.

Jedenfalls bekommen viele Menschen nicht mehr die wirklich wesentlichen Informationen, die sie brauchen, damit ihr Leben genährt wird, damit ihr Bewusstsein genug Nahrung bekommt. Das ist eine schwierige Sache für uns, die wir uns klar machen müssten. Wir haben vor lauter Überfluss an Information einfach keinen Durchblick.

Wenn wir auf Hippokrates zurückkommen, hat er die bewusste Lebenseinstellung in der Mitte. Das ist etwas, das auffällt, diese zentrale Säule, und da gäbe es vieles dazu zu sagen. Damit wir wirklich genährt werden, mit unserem Leben zufrieden sind, damit wir glücklich werden können, müssten wir die Regeln dieses Spiels lernen, das wir „Lila“ nennen – das kosmische Spiel. Es wird auch kein Fußballer anfangen Fußball zu spielen, ohne die Regeln zu kennen. Wenn der Stürmer nicht weiß, dass in der Halbzeit Wechsel ist, dann schießt er in der zweiten Halbzeit nur noch Eigentore.

Das klingt fast zum Lachen – aber andererseits ist es tatsächlich so, dass die meisten Menschen in den Wechseljahren nicht wechseln und nur noch Eigentore schießen – und dies auch nicht merken und ganz entsetzt darüber sind, dass das, was für die erste Lebenshälfte stimmig war, für die zweite nicht passt.

Jeder Fußballer kennt die Abseitsregel – Sie werden demnächst, während der Euro die Abseitsregeln lernen, auch die Damen. Auch meine Frau hat, was ich nie erwartet hätte, währen der letzten WM in Deutschland die Abseitsregel verstanden. Weil einfach irgendwann das Feld so stark war, dass ganz Deutschland Fußball geschaut hat. Sogar wirklich an Sport uninteressierte Menschen wie meine Frau wussten dann, was Abseits ist. Sonst macht es ja gar keinen Spaß.

Erstaunlich ist, dass die meisten Menschen im Leben keine Ahnung haben, was Abseits ist. Die stehen solide im Abseits und wundern sich, dass ihre Tore nicht anerkannt werden. Sie projizieren das dann auf den Schiedsrichter – den nennt man im Leben Partner, Politiker, Journalist, Arzt, Chef, Unternehmer – das sind die beliebtesten Projektionsflächen, und man selbst bleibt im Abseits. Das ist etwas ganz Erstaunliches.

Erst bestellen, dann aber auch bezahlen

Auf der Bewusstseinsebene entstehen da ziemliche Defizite. Man weiß enorm viel über alle möglichen Details – das kann man alles aus dem Internet holen – aber die ganz wesentlichen Strukturen des Lebens bleiben unbekannt. Das gilt in ähnlicher Weise für viele andere Bereiche ebenso.

Ein typisches Phänomen ist auch die Esoterik-Szene: Es gibt eine Fülle an Büchern, zu der ich auch beigetragen habe – ich hoffe nicht auf dem heute üblichen Niveau. Sie haben heute eine Fülle von Informationen über maximal die halbe Wahrheit. Es ist erstaunlich, was da alles geschrieben wird. Papier ist ja geduldig, und es werden ganze Wellen entfacht, die die Leser mit Sicherheit an die Wand fahren lassen.

Dabei wäre es wirklich banal einfach, würde man ein paar grundlegende Gedanken berücksichtigen. Meinetwegen bestellen Sie doch beim Universum, was Sie wollen, das ist schön, machen Sie das. Dann bekommen Sie viel – aber bitte denken Sie daran, dass Sie das auch bezahlen müssen. Sie müssen alles bezahlen in dieser Welt. Das ist eine der Grundregeln in diesem Universum. Diese hirnlosen Bücher suggerieren, dass Sie alles bekommen und nichts bezahlen müssten. Das ist natürlich Unsinn, das ist nicht der Fall. Man muss immer bezahlen. Sie können auch in jedem Gasthaus bestellen, was Sie wollen – und ich würde Ihnen auch raten, bestellen Sie das Richtige und Wichtige für sich – aber erwarten Sie nicht, dass Sie es zum Schluss geschenkt bekommen. Am Anfang ist man in jedem Restaurant großzügig, aber zum Schluss wird dann schon auch die Rechnung präsentiert.

Das Gleiche ist beim Hausbau. Die Leute glauben, die Banken wären einfach so freundlich – und das sind sie ja auch, aber nicht ganz uneigennützig. Die wollen das zum Schluss bezahlt haben. Und wenn Sie sich 30 Jahre Zeit lassen mit dem Zahlen, dann zahlen Sie es drei bis vier Mal. Das ist so in dieser Welt, und es ist in diesem Universum so. Bestellen Sie also, was sie wollen, aber rechnen Sie auch mit der Rechnung. Dann ist es wieder ganz in Ordnung. Das sind so ganz einfache Dinge.

In dem Buch “The secret” – Sie kennen die Welle wahrscheinlich – haben amerikanische Erfolgsgurus das Resonanzgesetz beschrieben. Für die Amerikaner war ja eines der wesentlichen Lebensgesetze, auch wenn es natürlich schon vor Jahrtausenden bekannt war, scheinbar immer ein Geheimnis. Aber in dem ganzen Buch findet sich keine Erwähnung des Polaritätsgesetzes, das nämlich in der Hierarchie oben drüber steht. Deswegen werden mit „The secret“ viele Menschen an die Wand fahren, und irgendwann merken, hoppla, das war noch nicht alles. Es funktioniert zwar, aber es gibt noch etwas darüber, und die halbe Wahrheit ist oft eine gefährliche Wahrheit.

Man könnte sich einfach alle diese Bücher sparen und nur Goethes „Faust“ lesen und verstehen. Im Faust steht das alles schon drin. Faust geht ja auch so einen Pakt ein – heute würden wir sagen ein Leasinggeschäft oder einen Ratenkauf. Er will gleich einmal Macht und Erkenntnis haben, aber zahlen will er erst später mit seiner Seele, an die er nicht glaubt. Das ist so ein typischer Pakt, wie man ihn heute überall finden kann. Das Dumme ist nur, es gibt einen zweiten Teil des Faust. Der wird in der Schule nicht mehr durchgenommen, den führen wir nicht auf – aber den gibt es, den hat Goethe ernst gemeint. In diesem zweiten Teil muss Faust hinunter ins Reich der Mütter, und da muss er zahlen. Da kommt Mephisto und sagt: „Du hast von mir bekommen, was wir ausgemacht haben, jetzt will ich die Bezahlung.“

Das Polaritätsgesetz steht da nebenbei auch schon drinnen. „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, und stets das Gute schafft“. Nur, wir sind dann häufig Teil von der Kraft, die immer das Gute will und das Böse schafft.

Nehmen Sie diese ganze Lichtarbeiter-Geschichte – ich meine, irgendwann müsste es doch einmal Licht werden, oder fällt Ihnen das nicht auf? Jetzt arbeiten diese Lichtarbeiter schon seit Jahrzehnten am Licht. In ihrer Not lassen sie dazwischen immer wieder die Welt untergehen, Sie kennen diese rhythmischen Äußerungen zum Weltuntergang, weil sich das System irgendwie nicht ausgeht. Die Welt geht ja Gott sei Dank an den Esoterikern nicht unter, sonst wäre sie schon ruiniert.

Eine eigenartige Geschichte. Wir hätten eigentlich die Information, die wir bräuchten, mit dem Faust wäre schon viel geklärt. Aber, wir haben in dieser Fülle von Information so ein paar grundlegende Gesetze nicht mehr parat, wir lassen sie nicht mehr an uns heran. Das gilt für viele Dinge in so vieler Hinsicht.

Artgerecht und vollwertig auf allen Ebenen

Zurück zu unserer Essenssituation: Artgerecht – wir müssten wie Menschen essen. Die Basis der Ernährung sollte jedenfalls aus Kohlenhydraten bestehen. 40 bis 60 Prozent – je nach Typ. Es gibt die Ackerbauer- und die Jägertypen, wobei die Ackerbauer überwiegen. Dann brauchen wir ungefähr 20 Prozent Fette, und 20 oder 25 Prozent Eiweiße – diese Grundstruktur müsste eigentlich stimmen. Das würde für viele Menschen in Österreich eine dramatische Veränderung bedeuten: weniger Fleischkonsum, weniger Fett, mehr Kohlenhydratkonsum.

Aber wenn wir das einfach tun, dann landen wir in der nächsten Katastrophe. Wenn Sie die erforderlichen Kohlenhydrate essen, dann haben Sie ganz schnell zwei andere Probleme: Typ-2-Diabetes und Fettsucht. Das werden die großen Seuchen der Zukunft sein, sagt uns die WHO. Man dürfte nicht auf die Allergien vergessen und auf die Depression – das sind auch zwei Probleme im Ausmaß von Seuchen, die da auf uns zurollen.

Wir müssten jedenfalls gleich noch einen zweiten Schritt schaffen: Wie ich vorher schon gesagt habe, wir müssten uns vollwertig ernähren. Die Lebensmittel müssten das enthalten, was wir brauchen. Die teuerste Nahrung, die sie bekommen können, ist die Billignahrung im Supermarkt. Da ist vergleichsweise die vollwertige Nahrung viel billiger, allerdings nicht an der Kasse im Supermarkt – und das ist das Problem. Die Billignahrung wird subventioniert.

Die Schäden aus dieser Fehlernährung sind gewaltig. Ich glaube auch, dass die Schäden aus der gedanklichen Fehlernährung der meisten Menschen gewaltig sind. Nur das errechnet natürlich niemand. Bei der Fehlernährung ist es noch errechnet worden – in Deutschland sollen die Schäden vor der Eingemeindung der DDR bei 80 Milliarden gelegen haben. 80 Milliarden pro Jahr. Das wären auf Österreich umgerechnet 8 Milliarden Euro, die jedes Jahr einfach durch Fehlernährung vernichtet werden. Im Endeffekt gehen da riesige Summen drauf.

Niemand hat auch je ausgerechnet, was da passiert und was das kostet, dass wir den Kindern keine Seelennahrung mehr geben, indem wir ihnen Märchen vorenthalten. Das rechnet niemand aus, und das kann man auch schwer ausrechnen. Das wird alles später über die Solidarsysteme irgendwie aufgebracht – über Therapien, die je später, umso schwieriger sind. Das ist eine ganz erstaunliche Geschichte.

Wir würden artgerechte und vollwertige Ernährung brauchen, und das auch auf der Gedankenebene. Das was wir lesen, müsste schon relativ vollständig sein. Und mit „The secret“ – so gut der Gedanke ist, für Amerikaner ist es eine Sensation, für die ist es ja ein großes Geheimnis, was uns längst vertraut ist – mag das eine tolle Sache sein. Wenn wir das aber einfach wiederkäuen, müssen wir damit rechnen, dass das schief geht. Es ist nicht vollwertig. Es ist halbwertig, es fehlt die wichtigere Hälfte. Wenn wir das vergessen, gibt es Schäden und das gilt für alle möglichen Ebenen.

Das kann man auch auf die Industrie übertragen, auch da ist es ganz ähnlich, da wird sehr einseitig vorgegangen. Ich bin oft eingeladen zu Seminaren über „Work-Life-Balance“. Dazu braucht man eigentlich kein Seminar, um eine Balance zwischen Arbeit und Leben herzustellen, man müsste nur die Woche durch zwei teilen: dreieinhalb Tage arbeiten, dreieinhalb Tage regenerieren – dann wäre es schon in Ordnung. Aber das ist nicht das, was die Firmen meinen, wenn sie mich einladen. Die wollen, dass man die wenige verbleibende Freizeit so organisiert, dass die Mitarbeiter mehr leisten.

Typgerechte Ernährung

Da gibt es Möglichkeiten. Natürlich kann man durch einen Mittagsschlaf den Nachmittag retten, und durch einen Schlaf nach der Arbeit oder eine Tiefenentspannung – was noch besser wäre – könnte man auch den Abend retten. Das ist ein System, auf das ich nie mehr verzichten möchte. Es gibt solche Möglichkeiten, aber auch die haben Grenzen. Wir müssen uns vollwertig ernähren, und wir müssen uns als dritten Schritt typgerecht ernähren – essen, was zu uns passt. Das läuft in der Gesundlebe-Szene auch völlig verkehrt. Da gibt es dutzende Bücher über gesundes Essen. Das ist ein furchtbarer Fehler, wir sind ja nicht alle gleich.

Wir waren vier Kinder zu Hause und wurden von unserer Mutter im besten Willen ernährt. Sie hatte es im Nachkriegsberlin nicht leicht, uns irgendwie zu ernähren, und sie hatte so viele Devisen. Mindestens einmal am Tag warm essen, morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein Bürger, abends wie ein Bettler. Das ware auch für meine Schwestern und sie sicher ideal. Die essen heute noch so, und das bekommt ihnen gut. Für meinen Bruder und mich war das jedoch völlig daneben. Ich hatte noch nie morgens Hunger und habe dieses Konzept auch, sobald ich selbstständig war, also mit 17, aufgegeben und morgens nicht mehr gegessen. Das geht für mich gut, wäre aber für meine Schwestern offenbar völlig verkehrt.

Dann kam irgendwann das Buch: „Fit for life“, in dem wurde plötzlich gesagt: Morgens nichts mehr essen und am Abend entsprechend, und so weiter. Das war dann für Leute wie mich ganz passend, aber für meine Schwestern völlig falsch. Derartige Bücher haben fast immer den Anspruch: Wir haben die Weisheit gefunden und jetzt macht das alle so nach diesen Rezepten. Das funktioniert nie. Es kann diese gesunde Ernährung für alle nicht geben, es gibt nur typgerechte Ernährung. Da könnte man einmal nachschauen, welcher Typ man ist. In dem Buch „Vom Essen, Trinken und Leben“ ist ein kleiner Test, in drei Minuten wissen Sie, welcher Typ Sie sind. Wenn sie ein langsamerer Typ sind, brauchen Sie vier Minuten, aber dann wissen Sie es auch.

Wir sind eben komplett verschieden. Das gesunde Essen für alle kann es daher nicht geben. Zuerst müsste man schauen, welcher Typ bin ich? Kalt, kühl, neutral, warm, heiß? Und dann müsste ich mich entsprechend verhalten.

In der Gesundlebe-Szene läuft das völlig falsch. Die Gesundlebe-Szene ist ja wesentlich geprägt von Ballaststoffen. Und die haben in der Regel gar nicht so viel Energie, wie Sie für all ihre wunderbaren Projekte brauchen würden. Diese Leute essen abenteuerlich – ich sehe das ja auch zum Teil auf Seminaren. Da wird Pfefferminztee getrunken, weil er gesund sein soll, da wird Müsli gegessen – was ein Obstsalat ist, wenn Sie es sich leisten können, ist es ein exotischer Obstsalat. Dann werden Salatplatten bestellt mit Joghurtdressing, und dann gibt es noch Rohkost und so weiter, dazu Grander-Wasser – schön kalt.

Wer sich so ernährt, wird von Mahlzeit zu Mahlzeit immer kälter. Wer eine Tendenz zum niedrigen Blutdruck hat – dieses weibliche Bindegewebe, was nicht schwach ist, sie werden sieben Jahre älter damit, so schwach kann es wohl nicht sein, aber es ist weiblich, es ist anders, es reagiert viel schneller, es ist viel empfindlicher – kalte Hände, kalte Füße (das kann man alles deuten: wenig Kontaktbedürfnis, wenig Verwurzelung mit den kalten Füßen, hat den Platz noch nicht gefunden) – und sich so gesund ernährt, dann geht es immer mehr bergab. Diese Leute brauchen dann am Abend einen Fernet oder ähnliches, um mit ein bisschen Feuerwasser und wärmenden Kräutern nachzuheizen. Das ist leicht machbar. Sie sollten Fencheltee trinken oder Ingwertee – der heizt richtig. Sie könnten Currysaucen zu sich nehmen, um zu heizen, dann brauchen sie kein Feuerwasser mit wärmenden Kräutern.

Wir könnten damit viel lernen über uns – das ist so die Basis. Übersetzen wir das wieder auf die anderen Ebenen, etwa die der Gedanken: Es wäre natürlich ideal, wenn wir uns auch typgerecht mit Gedanken versorgen. Wir brauchen auch auf dieser Ebene nicht alle das gleiche. Unsere Kultur – soweit man davon noch reden kann, denn einen verbindlichen Kult haben wir ja gar nicht mehr – unsere Gesellschaft hat diese Tendenz zum Bestseller-Lesen. Da lesen alle zunehmend dasselbe und dann setzt sich etwas, das zum Teil absurd sein kann, trotzdem durch. Solche Felder sind unglaublich stabil. So ist auch diese pseudo-gesunde Ernährung, die für viele so falsch ist, schwer zu ändern. So wie auch andere völlig absurde Dinge nicht zu ändern sind.

Falsches Körperbild

Mein vorletztes Buch, das ich geschrieben habe, war über die Figurtypen – Körper als Spiegel der Seele. Wir haben ein komplett krankes Figurideal für die Frauen. Die Models sind magersüchtig oder kokainsüchtig und nur ganz wenige sind natürlicherweise so dünn. Die haben sich durch die Evolution durch Zähigkeit durchgemogelt. Die Mehrheit der Frauen schaut aber ganz anders aus, und das falsche Körperbild führt nur zu Elend. Es sterben wirklich Tausende von Mädchen an Magersucht. 63 Prozent der Mädchen in Deutschland zwischen zwölf und 18 sind schon essgestört. Das liegt wesentlich an diesem Figurideal, von dem niemand etwas hat.

Frauen ziehen sich an, kasteien sich, trainieren, um 11 Prozent der Bevölkerung zu gefallen – den homosexuellen Männern, die sich gar nicht für Sie interessieren. Das ist ein Drama. Das soll kein Vorwurf an Homosexuelle sein, ich habe Homosexuelle Freunde, ich mag die sehr – sie sind mir oftmals lieber als die anderen, da können Sie über Kultur reden, über Philosophie, die zerdrücken im Kino keine Bierdosen mit einer Hand, die rascheln nicht mit Chips, die legen ihre Füße nicht auf den Vordersitz, die haben Takt, Stil und Geschmack und empfinden oft Scham – ich stehe auf homosexuelle Männer. Außerdem sind sie für mich völlig außer Konkurrenz, da gibt es gar kein Problem von meiner Seite.

Sollen sie für Männer Mode machen – Armani, super! Das Problem ist, wenn Homosexuelle Mode für Frauen machen, dann geht es völlig daneben, weil die natürlich das Männliche lieben. Das ist ihnen ja gar nicht zu verdenken. Was ich nicht verstehe ist, dass Frauen konsequent und beharrlich auf diesem Trip bleiben und sich für diese elf Prozent so quälen. Ich würde auch an Sie appellieren – denken Sie an uns 89 Prozent. Wir sind nicht nur die Mehrheit, wir interessieren uns für Frauen – für Sie nämlich – und haben nichts gegen weibliche Figuren. Das wäre denkbar, aber dieses Feld ist ungemein stabil.

Ich hatte das Vergnügen, vor über 50 der führenden Frauenzeitschriften-Redakteurinnen einen Vortrag zu halten. Dabei konnte ich feststellen, die wollen gar nicht raus aus diesem Muster. Das ist derart eingefahren. Die Frauenzeitschriften sind es so gewohnt, sich mit diesen Mustern zu quälen. Da werden immer neue Diäten erfunden und neue Tests – 80 Prozent der Frauen haben laut Bleistifttest einen Hängebusen. Damit werden schon Mädchen gequält. Das sind doch absurde Zustände. Aber Sie sehen daran, wie zäh solche Felder sind, und die können auch wirklich dramatisch gefährlich werden.

Felder hat eine enorme Wirkung. Mein Onkel ist noch am vorletzten Kriegstag hingerichtet worden. Da waren die Obernazis alle schon geflohen. Aber das Feld hat noch funktioniert. Da oben waren schon alle weg, und unten lief das noch auf dieser Ebene weiter. Bei solchen dramatischen Dingen funktioniert das sogar – bei Ernährung funktioniert das natürlich ganz locker und bei Figuridealen auch. Außerdem gibt es natürlich starke Assoziationen. Das Essen ist bei uns mit enorm vielen Themen befrachtet, die wirklich nicht dazugehören – wenn man nur Ernährung im Auge hat.

Was unseren Körper nährt, ist nicht alles – damit ist inzwischen noch vieles anderes verbunden. Da wird gegessen, weil man nicht genug Liebe bekommt. Kummerspeck ist ein bekannter Ausdruck. Da wird gegessen, weil man ein dickes Fell braucht, weil man sonst dem Mobbing zum Opfer fällt. Da wird gegessen, weil man seine Figur verschwinden lassen will, weil man die Polarität so nicht erträgt. Und es gibt noch viele andere Gründe dahinter, die müsste man immer mitbedenken.

Dazu kommt, dass auch die Seele typgerecht ernährt werden müsste. Auch das ist nicht für alle gleich. Es ist doch offensichtlich, jeder der mehrere Kinder hat, weiß, wie verschieden die sind und wie verschieden sie auch behandelt werden wollen. Darauf müssten wir eingehen und das würde uns glücklicher machen.

Wachstumshormon und Serotonin

Wir müssten uns auch noch typgerecht, der thermischen Wirkung entsprechend ernähren. Wenn wir die drei Basispunkte auf die Reihe bekommen haben, dann kann man natürlich noch so Glanzlichter draufsetzen. Sie könnten zum Beispiel schauen, dass Sie nach dem Abendessen nichts mehr essen – gar nichts! Dann haben Sie nämlich genügend Wachstumshormon, oder wenigstens ein bisschen Wachstumshormon. Denn wenn Sie zwölf Stunden nichts Essen, dann wird das Frühstück „break fast“ – Fasten brechen. Da kommt die Dinnercancelling-Idee her. Auch das Abendessen noch weglassen, dann haben Sie noch mehr Wachstumshormon, weil die Fastenzeit länger wird.

Johannes Heesters sagt das so nett. Wenn Sie dem am Nachmittag irgendetwas anbieten, sagt er: „Diese Lippen sind nach 14 Uhr nur noch zum Küssen geeignet.“ Und er steht auf der Bühne und tanzt mit 104 Jahren. Das hat sicher damit zu tun, dass er sein Leben einfach genießt. Aber es hat wahrscheinlich auch damit zu tun, dass er ein Leben lang am Abend und Nachmittag nichts gegessen hat und daher viel Wachstumshormon spürt.

Wachstumshormon fühlt sich an wie so eine aufgeräumte Stimmung. Beim Fasten kennen das ja viele, diese Fasteneuphorie, diese gute Stimmung. Da kommen Sie heim, räumen den Schreibtisch auf und gleich noch den Keller und den Speicher. Der Körper wird aufgeräumt, die Seele wird geklärt, das Bewusstsein wird klarer – das ist Wachstumshormon. Es wäre so einfach, lassen Sie nach dem Abendessen den Schrott weg. Ich würde nicht empfehlen, das Abendessen zu streichen, denn was bleibt Ihnen dann noch vom Leben. Für mich persönlich ist es angenehm, mit Freunden am Abend zu essen, das würde ich nicht missen wollen. Aber, ich kann das Frühstück leicht weglassen. Das ist aber vom Typ abhängig. Das müssen Sie ausprobieren, ob das für Sie geht.

Wir könnten zum Beispiel aus der Vergangenheit lernen – wie haben die Kärntner vor 100.000 Jahren gelebt? Da könnten Sie auch viel profitieren. Vor 100.000 Jahren ist so ein Kärntner in seiner Höhle aufgewacht, und dann war der Kühlschrank nicht voll – noch schlimmer, es war gar kein Kühlschrank da. Der arme Kerl hatte Hunger. Die Menschen hatten die längste Zeit Hunger. Das Phänomen, dass wir uns überhaupt kalorienmäßig sättigen können, ist neu. Unsere Vorfahren sind in die Tundra hinausgetrottet, nicht gesprintet, das hätte viel zu viel Energie verbraucht. Und dann haben sie Rohkost gegessen, also Wildkräuter, was sonst? Die haben ständig gekaut und sind getrottet, gekaut, getrottet.

So ähnlich verhalten wir uns noch beim Bergsteigen. Morgens um fünf, wenn ich auf einer Hütte aufwache, will ich ja gar nichts essen. So ein opulentes Frühstück will niemand dort, gibt es auch gar nicht. Da geht man los, gibt ein paar Karotten, ein paar Fenchel in den Rucksack, einen Kanten Brot, und dann geht es los. Und nach einer Stunde, wenn man warm ist, fängt man an, eine Karotte zu essen, und die kaut man dann richtig gut. Bergsteigen ist – wenn man während des Gehens isst – eine der besten Kauschulungen. Niemand schlingt eine Karotte in großen Stücken hinunter, das wäre gar nicht zu verdauen. Die wird sie zu Möhrensaft gekaut.

Wenn Sie das eine Zeit lang so gemacht haben und kommen dann um halb zwölf an den Gipfel, sind Sie gut drauf. Ich dachte immer, wie ein Gipfelerlebnis, aber das ist gar nicht der Punkt. Gipfelerlebnis ist noch einmal ganz etwas anderes. Der springende Punkt ist, dass Sie bei moderater Bewegung im Sauerstoffgleichgewicht Rohkost zu sich nehmen. Dabei werden nämlich die Serotoninspeicher gefüllt. Den biochemischen Weg will ich jetzt nicht erzählen, der ist auf unserer Homepage, in den Rundbriefen sehr ausführlich beschrieben.

Es ist sinnvoll, genug Serotonin zu haben. Die Leute sind auch auf der Suche nach Serotonin. 60 Millionen Amerikaner schlucken „Prosec“, ein Serotoninwiederaufnahmehemmer. Bei uns heißt das Zeug „Cipralex“ und „Fluctine“, es gibt Millionen, die das nehmen – auch ohne depressiv zu sein. Oder die Technokids, die Raver, die nehmen beispielsweise Ecstasy, ein Amphetamin, das Serotonin ausschüttet – dann sind sie gut drauf für ein paar Stunden. Die dritte Gruppe in diesem Boot sind die Süßigkeitenfans und die Schokoladenesser. Gute Bürger also, die auch schauen, dass sie genug Serotonin bekommen. Denn in der Schokolade und in Süßigkeiten ist L-Tryptophan enthalten, die Vorstufe von Serotonin.

Wer von den drei Gruppen hat die schlechteste Lebenserwartung? Es sind die Bürger mit der Schokolade. Die sind anfällig für Typ-2 Diabetes und Fettsucht. Die Raver nicht. Die nehmen fast dasselbe Zeug wie die hyperaktiven Kinder – „Ritalin“ ist ein Amphetamin, praktisch ähnlich wie Ecstasy und wird inzwischen auch auf Partys genommen. Und die Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI) haben bisher keine so dramatischen Nebenwirkungen gezeigt.

Wir suchen also ohnehin Serotonin. Eine einfache Methode wäre, sich mit Rohkost zu ernähren, am besten 120-mal kauen und sich dazu bewegen. Aber das schaffen wir nicht. Ein Notar hat nun das Geheimnis gelöst, indem er hat eine einfache Mischung kreierte, in der L-Tryptophanreiche Gemüse enthalten sind, faserfein vermahlen. Einen halben oder einen Esslöffel voll eine halbe Stunde vor dem Essen und Sie haben ihren Tagesbedarf an Serotonin. Das ist das Wohlfühlhormon – es geht Ihnen einfach besser. Die Mischung heißt „TAKE ME“, gibt es auch in Österreich, aber nur über das Internet.

Das wären einfachste Tricks, wie Sie Ihr Leben doch ziemlich verändern können. Wieder gilt das natürlich auch in übertragener Hinsicht. Es gibt ein paar Dinge, mit denen man sich raffinierterweise in seinem Leben besser positionieren kann. Wir müssen z. B. auch genug Schlaf bekommen. Ich rate nicht zu langen Schlafzeiten mit schlechter Qualität, sondern immer sollten Quantität und Qualität beachtet werden. Wir haben heute überhaupt kein Problem mit Quantität, wir haben ein Qualitätsproblem. Es muss guter Schlaf sein. Da gibt es ein paar Bedingungen zu beachten – die sind überschaubar.

Wenn sie bei ihrem Auto 10.000 Euro einsparen, was locker geht, das merken Sie ja kaum, dann können Sie die eingesparte Summe in eine Matratze oder solche einfachen Dinge investieren, damit könnten Sie die Schlafqualität verbessern.

Was wir jetzt bisher besprochen haben, sind im Wesentlichen die Themen Dünndarm und Großhirn, die übrigens beide auch von der Signatur ziemlich gleich ausschauen. Das Dünndarmkonvolut und das Großhirn haben diese gleichen Schleifen – sehr ähnlich. Da geht es um Verdauung, und das müssen wir lernen. Wir müssen uns so ernähren, dass wir satt werden – auf beiden Ebenen.

Sinne und Herz

Wenn man das geregelt hat, gibt es noch einen, unter Umständen sogar wichtigeren Aspekt: die Sinne und das Herz. Wir müssen ja auch unsere Sinne nähren, und das tun wir heute viel zu wenig. Den meisten ist gar nicht bewusst, dass das Sehen etwas ganz Wesentliches ist. Beim Gedanken an Blindheit würde man das sofort merken.

Wäre das bewusst, würde man nie ein Sanatorium in das Ruhrgebiet bauen mit Aussicht auf eine Industrielandschaft. Da wird der Mensch nicht leicht gesund. Der braucht – da gibt es Studien dazu – viel weniger Rekonvaleszenzzeit, wenn er auf unverbaute Naturlandschaften schauen kann.

Oder das Hören: Wir wissen heute, dass Kühe, wenn sie klassische Musik hören, mehr und bessere Milch geben. Wir haben auch umgekehrte Versuche, die zeigen, dass unter Technomusik die Milchproduktion dramatisch zurück geht. Man kann sowas ausnützen. In Hamburg wurde der Bahnhof saniert, und es gibt dort heute keine Sandler mehr am Bahnhof wie in München. In München lassen sie ab und zu die Gummiknüppel auf die Sandler niedersausen, aber sie kommen wieder, wenn die Gummiknüppel weg sind. In Hamburg haben sie einen ganz einfachen Trick. Dort rieselt leise, klassische Musik aus vielen Lautsprechern, und so ein Sandlerhirn mag dieses hohe Ordnungsniveau klassischer Musik einfach nicht. Daher siedeln sie weg – und schon hat der Bahnhof eine ganz andere Stimmung.

Bruder David Steindl-Rast hat einmal ein Buch geschrieben: „Mit dem Herzen horchen“. Das ist noch eine ganz andere Art des Hörens, eine ganz andere Ebene, die wir auch brauchen, um unser Herz zu nähren. Alle reden über die Ernährung, aber die ist sekundär bis tertiär – verglichen mit solchen Themen.

Riechen ist ein wichtiges Thema. Unsere Städte stinken inzwischen wirklich abenteuerlich, aber das merkt man nicht mehr, wenn man dort wohnt. Unser Riechsystem ist von der Evolution her sehr alt und hat eine enorme Macht, weil es eine gute Beziehung zum limbischen System hat, in dem die Emotion, die Gefühle zu Hause sind. Riechen ist also ganz wichtig.

Ich habe das einmal mit einer Patientin erlebt: Sie hat ihre Vergangenheit aufgearbeitet und in der Therapie herausgefunden, warum sie ihren Mann geheiratet hat. Der hat nämlich genau so gerochen wie ihr Vater, das war ihr vorher nie klar. Es war offensichtlich ein ähnliches oder das gleiche Rasierwasser, nämlich „Old Spice“ – „alte Gewürze“. Die Frau hatte sich immer gewundert, dass sie so einen inkompetenten Mann geheiratet hat, der ihr in keiner Weise das Wasser reichen und sie auch gar nicht ernähren konnte.

In der Therapie fand sie auch heraus, warum sie sich von ihm getrennt hat. Sie hatte natürlich viele gute Gründe für die Scheidung gehabt und dem Anwalt mitgeteilt. Aber der entscheidende Grund – das wurde ihr erst in der Therapie klar – war, dass der Mann das Rasierwasser gewechselt hatte. Als er nach acht Jahren nicht mehr roch wie Papa, wollte sie auch nichts mehr von ihm wissen, da sah sie nur noch die Nachteile. Die waren aber immer da.

Riechen ist sehr wichtig. Sie brauchen sich nur einmal auf eine Terrasse zu setzen, wo Pflanzen und Kräuter in Überfülle blühen. Da ist ein Duft – eine ganz besondere Erfahrung, die etwas in uns nährt und glücklich macht. In Italien kenne es einen „Pfad der tausend Düfte“. Wenn es da im Sommer geregnet hat – selten genug – oder im Frühling, dann ergibt sich eine ganz verblüffende Duft-Stimmung. In Indien kann man das manchmal merken, wenn man länger in einem Ashram ist. Die Inder sagen: Der gesunde Mensch riecht nach der zuletzt genossenen Frucht. Wer so vier, fünf Wochen vegan lebt auf diesem indischen Niveau, der merkt bald, wie die Haut nach den Gewürzen zu riechen anfängt.

Und was machen wir? Wir stinken aus allen Löchern und schmieren dann Deos und Parfums drüber. Das ist nicht die sensibelste Art und wird diesem großen Gehirn, das so viel mit Emotion zu tun hat, überhaupt nicht gerecht.

Beim Schmecken, da könnten wir natürlich die gesunde Ernährung – artgerecht, vollwertig, typgerecht mit den paar Hormontricks, die ich schon erwähnt habe – mit der feinen Küche verbinden. Es gibt überhaupt keinen Grund, das nicht zu tun. Ich habe das mit Dorothea Neumayr gemacht, einer Dreihaubenköchin aus Salzburg, die schon immer vollwertige Produkte für eine schöne Küche verwendet.

Es ist also möglich. Sie können die wunderschönsten Gerichte (wie im Buch Dahlke/Neumayr: „Vom Essen, Trinken und Leben“) produzieren, und bei jedem Gericht schauen, wie viele Wärmeeinheiten es hat, wie es säure- und basenmäßig zusammengesetzt ist, wie viel Kohlenhydrat, Fett und Eiweiß enthalten sind. Und wenn sie sich darauf einstellen und einmal ein viertel Jahr nach diesem System – das nebenbei auch noch ausgezeichnet schmeckt – leben, dann wird sich etwas enorm ändern. Das macht dann obendrein wirklich satt. Schönes Essen ist für viele, die so viel essen, eine ganz gute Antwort. Mit schönem Essen befriedigen Sie das gleiche Urprinzip, das orale oder Venusprinzip. Eines der wenigen Urprinzipien, das die Psychoanalyse auch gefunden hat.

Alle Archetypen nähren

Wir könnten natürlich überhaupt fragen, wie steht es mit den Urprinzipien? Denn, wenn wir fragen, was uns wirklich satt macht, können wir davon ausgehen, dass wir bezüglich aller Archetypen genährt sein müssen. Da dürfte keines vernachlässigt werden. Nur dann wären wir wirklich von der Seele, vom Bewusstsein her, satt. Wenn wir diese Prinzipien der Reihe nach durch gehen, beginnt es mit diesem marsischen oder Aggressionsprinzip, wie es die Psychoanalyse nennt. Diese zwei Prinzipien sind so unübersehbar, dass sie auch den Psychoanalytikern nicht entgehen konnten.

Da geht es um Energie, Geschwindigkeit, Dynamik. Das Marszeichen hat etwas mit Männlichkeit zu tun. Das ist eine Energie, die auch als Animus in jeder Frau lebt. Damit bräuchten wir auch genug Erfahrung.

Oder von der Venus. Venus Aphrodite – das orale Prinzip, die Liebe. Johanna Maier, die Vierhaubenköchin, die uns das Vorwort zu dem Buch geschrieben hat, sagt das auch so schön: Nach einem guten Essen muss man noch Lust auf Liebe haben. Da kommen diese beiden Aspekte zusammen – auch, wenn Sie jetzt wieder nur diesen sinnlichen Aspekt der Liebe meint, den ich zuvor gar nicht weiter verfolgt habe. Wenn wir heute Sinnlichkeit hören, denken wir sofort an Erotik. Und dann denken viele auch schon an das, was da nach 23.00 Uhr beim Privatfernsehen abläuft. Eine unheimliche Fülle an Angeboten bei praktisch null Qualität, äußere Form – Sex statt Liebe. Die Venus hat aber auch mit Balance zu tun, mit Harmonie, mit Frieden.

Aber auch das Merkurprinzip – Information und Wissen – ist etwas, was uns wichtig ist. In dem Maße, wie uns das wirkliche Wissen vorenthalten wird, werden wir ja nicht mehr genährt, werden wir unzufrieden, bleibt nur Wissensdurst und Wissenshunger.

Beim Mondprinzip geht es um Rhythmus. Jeder Mensch braucht Rhythmus. „Alles Leben ist Rhythmus“ hat Steiner gesagt. Wir müssen Rhythmus erleben. Da müssen Sie keine Technoparty mitmachen, aber irgendeine Form von Rhythmus muss in unser Leben rein, sonst ist es nicht genährt.

Gemütlichkeit gehört da noch dazu – das innere Kind muss am Leben erhalten werden – und das Nest und so weiter. Oder das Sonneprinzip – da geht es darum, im Mittelpunkt zu stehen, im rechten Licht zu erscheinen. Es geht um Ausstrahlung – das will auch jeder Mensch auf seiner Ebene, nicht an derselben Stelle, wir sind eben vom Typ her sehr verschieden, aber jeder will es.

Das Plutoprinzip – dieses „stirb und werde“, von dem schon Goethe spricht – da geht es um radikale Schritte zu sich selbst – Umwandlung im tiefsten Sinne der Metamorphose, der Metanoia, der Umkehr.

Beim Jupiterprinzip geht es um Wachstum, Expansion, seinen Raum einnehmen. Das Saturnprinzip meint Struktur und Ordnung. Jeder Mensch hat auch ein Bedürfnis nach Struktur und Ordnung im Leben. Dann gibt es das uranische Prinzip, das auf Spontanität zielt, mit Originalität zu tun hat. Jeder Mensch will ein Original und originell sein, er selbst sein. Das, was die Bürgerwelt dagegen erfunden hat an Konformität macht uns krank, mit 40 sterben und dann erst mit 80 eingegraben werden. Das ist ja ein furchtbares Konzept. Da werden wir natürlich nicht satt, sondern frustriert.

Das neptunische Prinzip, das letzte in diesem archetypischen Muster, zielt auf mystische Einsichten, letztlich die allumfassende Liebe. Danach hat jeder Mensch Sehnsucht, und wenn der noch so festgefahren ist in seinem Geldstreben. In der Tiefe findet man immer diese Sehnsucht nach allumfassender Liebe. Ich habe noch keine Therapie erlebt, in der das nicht am Ende doch irgendwie angesprochen wurde, auch wenn der Betreffende mit ganz anderen Dingen kämpft – Krankheitsbilder, die schon entstanden sind, weil er seine Seele, sein Bewusstsein nicht genährt hat.

Wenn Sie das alles zusammenfassen und sich dann fragen: Wo sind Sie genährt, in welchen Bereichen? Das wäre eigentlich nicht so schwer. Schauen sie eine Stunde in „Krankheit als Symbol“ ihre Krankheitssymptome nach. Da finden Sie unter tausenden von Symptomen auch Ihre. Schlagen sie ausnahmsweise nicht die von Bekannten und Verwandten und die von Kollegen nach, sondern die eigenen, und schauen Sie einmal, was alles noch offen geblieben ist. Wo Sie sozusagen schon ins Defizit gekommen sind. Wo Bewusstsein, Seele und Körper nicht genug genährt wurden.

Aber sie können das auch für einen gesunden Körper machen, so im Sinne des Buches „Der Körper als Spiegel der Seele“. Das zeigen sich Aufgaben, die wir bekommen haben. Die sind sichtbar in uns in den Formen, die wir zum Ausdruck bringen mit unserem Körper.

Wenn Sie die Urprinzipien durchgehen – da habe ich jetzt natürlich nicht alle Ebenen treffen können und Ihre wahrscheinlich auch gar nicht. Aber irgendwo hat jeder mit diesen Themen zu tun, und die Seele müsste satt werden von jedem dieser zehn Architypen. Nur dann wird unser Leben rund und sind wir wirklich genährt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.