Unsterbliche Gymnastik oder Unsterblichkeit durch Gymnastik?

In einer Zeit, die sich durch Bewegungsmangel, um nicht zu sagen Faulheit auszeichnet, hat das die Esoterik-Szenen weltweit beherrschende Phänomen der Fünf Tibeter – schon wegen des sensationellen Verkaufserfolges – etwas Herausforderndes. Eines der Erfolgsgeheimnisse war sicher das Versprechen, den Alterungsprozeß aufzuhalten, ja physische Unsterblichkeit zu ermöglichen. Das ist natürlich das absolute Nonplusultra in einer Zeit, die nichts so fürchtet wie das Alter und deshalb gerade vom Alter so heimgesucht, ja bedroht wird. Kaum eine Woche, wo uns Politiker nicht mit der beängstigend wachsenden Alterspyramide kommen. Die Altersstruktur der Bevölkerung entwickele sich immer bedrohlicher, die Renten seien nicht mehr zu zahlen, zu deutsch es gibt inzwischen viel zu viele Alte und zu wenig Junge, die für sie aufkommen könnten oder wollten.

Tatsächlich wollen bei uns alle möglichst alt werden, allerdings will dann niemand wirklich alt sein. Wenn aber alle etwas anstreben, was dann niemand sein will, ist das der direkte Weg in Unzufriedenheit und Unglücklichsein. Nichts außer dem Tod ist bei uns so verdrängt wie das Alter mit seinen typischen Krankheitsbildern, seiner Gebrechlichkeit und vor allem seinerunübersehbaren Nähe zum Tod, der heute immer weniger (Er-)Lösung und immer mehr Horror ist.

Der Gedanke, es durch fünf einfache, für jedermann schnell erlenbare Übungen überflüssig zu machen, mußte dem Westen als wahres Wunder erscheinen. Genaue Leser der „Fünf Tibeter“ hatten natürlich bemerkt, daß das wirkliche Geheimnis – wenn überhaupt – im sechsten Tibeter steckte, einer sexualmagischen Übung, die sich mit der Sexualkraft einer der stärksten wenn nicht überhaupt der wichtigsten Energiequellen des Menschen bedient.

Durch die im Osten wohlbekannte Umlenkung der Lebenskraft entlang der Wirbelsäule durch die Chakren nach oben Richtung Scheitel und unter zusätzlicher strenger Einhaltung des Zölibats sind enorme Kräfte zu mobilisieren. Davon wissen neben der tibetischen auch die indische und verschiedene andere Traditionen. Daß die Mehrheit der westlichen Menschen den sechsten Ritus übersah und all die Wunder schon von den fünf ersten Riten erwartete, ist dem Büchlein nicht vorzuwerfen, auch wenn sein Autor das wohl spekulativ in Kauf genommen hat. Vielleicht sollten wir uns aber doch rechtzeitig an den Gedanken gewöhnen, daß die Unsterblichkeit, von der alle Religionen und Traditionen berichten, wohl eher auf die Seele gemünzt ist. Allein, wenn wir die Unsterblichkeit unserer Seele erfahren würden, wäre schon so viel gewonnen. Die Frage ist, können Körperübungen dazu verhelfen? Hinter diese Frage steht die andere nach der Authentizität der Geschichte, die zur Verpackung der Fünf Tibeter im Buch dient, weit zurück. In letzter Zeit von einem großen Nachrichtenmagazin ernsthaft in Zweifel gezogen, und genauso engagiert von den Tibeter-Fans verteidigt, handelt es sich hier – für mein Gefühl um eine Nebenschauplatz der Auseinandersetzung. Auch wenn die Geschichte nur gut erdacht ist, würde die Übungen halten, was sie versprechen, wäre es gleichgültig.

Daß in einer materialistischen Zeit alle Welt von dem Gedanken an die Unsterblichkeit des materiellen Körpers gefesselt wird, ist verständlich und traurig zugleich. Eigenartig dabei, daß wir – obwohl mehrheitlich Materialisten – gerade das Materiellste an uns, den Körper, so extrem vernachlässigen. Allein mit dem Übergewicht der Bundesdeutschen könne man kalorisch die Hungernden der sogenannten Dritten Welt ein ganzes Jahr ernähren, wobei auch noch an den gelben Fettburgen unserer ebenso reichen Nachbarn einige satt werden könnten. Um die Bürger anderer Wohlstandsnationen ist es ja nicht besser, sondern – wenn man zum Beispiel an die Amerikaner denkt – eher noch schlechter bestellt, was Körpergewicht und ausufernde -formen angeht. Wie sehr wir kollektiv außer Form geraten sind, kann niemand besser belegen als die Körper der sogenannten Zivilisationsmenschen selbst. Konrad Lorenz sprach ebenso respektlos wie treffend von der Verhausschweinung des Menschen.

Hier von Hochkultur oder überhaupt nur von Zivilisation zu sprechen, erfordert Mut. Kann es denn wirklich Ausdruck von Zivilisation oder Kultur sein, wenn Millionen Menschen ihren eigenen Körper dermaßen vernachlässigen beziehungsweise quälen, daß er unansehnlich, unästhetisch und schon recht bald ziemlich krank und gebrechlich wird? Selbst in spirituellen Kreisen erlebten wir Jahre lang eine – von einigen Tai Chi- und Yogaanhängern abgesehen – erhebliche Vernachlässigung des Körpers. Obwohl man doch zumindest in diesen Kreisen im Körper das Haus der Seele erkannt haben müßte, ja eigentlich sogar ihren Tempel.

So ist es ursprünglich wesentlich den „Tibetern“ zu danken, wenn sich in der spirituellen Szene ein drastischer Bewußtseinswandel ergeben hat. Verlockt von der Lust nach physischer Unsterblichkeit – darauf zielt ja das Bestreben, das Alter zu besiegen – haben spirituelle Menschen die Lust am Körper wiederentdeckt. So ist es auch nicht verwunderlich, wenn sich im Umfeld dieser Bewegung auch verschiedene andere Exerzitien und Lebensregeln angesiedelt haben, die letztlich dem Ziel eines erweiterten und vertieften Körperbewußtseins dienen und weitere Kreise in andere Lebensbereiche hinein ziehen. Wer die Lust am Körper wiederfindet, wird zum Beispiel auch danach trachten, ihn vernünftig und genußvoll zu ernähren. Daß auch hier die Lösung im Einfachen liegt, braucht uns nicht zu verwundern.

Sicher ist die Einfachheit der jeweiligen Übungen ein weiteres Erfolgsgeheimnis der spirituellen Fitnesswelle. Wenn jeder sie versteht und den Anweisungen spontan und von Anfang an folgen kann, wird sich auch automatisch jeder dort abgeholt, wo er sich im Augenblick befindet. Wer immer morgendliche Dehnungs- oder Chi Gong-Übungen ernsthaft ausführt, wird davon ebenso profitieren. Auch wenn es sich – wie bei den „Tibetern“ wohl nur um fünf Körperübungen handelt, die gar nichts mit Unsterblichkeit zu tun haben, nützen sie schon allein deshalb, weil sie den Organismus bewegen und ihn dabei auf ausgesuchte Art dehnen, strecken und kräftigen, zum zweiten führen sie zu einer bewußten Beschäftigung mit dem Körper. Vor allem aber wecken sie drittens wieder Hoffnung, selbst in Menschen, die diese schon (fast) aufgegeben hatten. Eine der vielen, und sicher nicht die unwichtigste Botschaft solcher Übungen lautet erfrischend einfach: Es ist nie zu spät und zwar für niemanden.

Der Anfang vom Ende und letztlich das Ende von allem ist das Nachlassen der Hoffnung, das Sich-Aufgeben in diesem resignativen Sinn, der das Leben von Millionen Menschen in unserer Überflußgesellschaft so deprimierend macht. Wo noch Hoffnung ist, kann auch noch ein Wunder geschehen, wo aber keine Hoffnung mehr in den Betroffenen keimt, ist alles zu spät. Während mehr als 20 Jahren habe ich in der Behandlung von Patienten und in der Auseinandersetzung mit der Medizin erlebt, wie wenig ärztliche Diagnosen und vor allem gegebene Lebenserwartungen aussagen im Vergleich zum Lebenswillen der Menschen und ihrer Hoffnung. Solange es noch möglich ist, einen Funken Hoffnung zu wecken, ist es nie zu spät und kann noch Unglaubliches geschehen. Wer den Mut hat, solche Hoffnungen zu wecken, wird entsprechende Erfolge anstoßen und auf den Weg bringen. Die Fünf Tibeter haben unzähligen Menschen, die weit entfernt von Körperbewußtsein und sportlicher Leistungsfähigkeit waren, wieder Hoffnung gemacht und dabei automatisch auch Freude am eigenen Körper geschenkt.

Ein Mensch, der den Tag schon damit beginnt, sich genußvoll zu räkeln und zu strecken wie ein Katze und sich mit Freude zu bewegen, wird einen guten, und jedenfalls einen viel besseren Tag haben als jemand, der steif und mißmutig sein Tagewerk beginnt. Wer aber über lange Zeit voller Schwung und Elan an den neuen Tag herangeht, wird sich viele Krankheitsbilder schlicht und einfach ersparen. Warum sollte er denn an Grippewellen teilnehmen, wenn er doch gar nicht die Nase voll hat, sondern sich mit Spaß in den neuen Tag hineinstrecken und voller Hoffnung seinem Leben eine gute neue Richtung und jedenfalls genüßliche Beweglichkeit geben kann? Über Jahre haben wir mit solchen sehr einfachen, den Dehn- und Streckbewegungen von Tieren am Morgen nachempfundenen Übungen solche positiven Effekte bei Seminarteilnehmern erlebt1.

Tatsächlich können solche Übungen Alterungsprozesse stoppen und jedenfalls verlangsamen, auch wenn das wohl nicht an geheimnisvoller tibetischer Magie liegen mag. Sicher gelingt es dagegen über die Begeisterung, die Lebensfreude und die Hoffnung, die solche Übungen oft auslösen. Es ist ja kein Geheimnis, daß Johannes Heesters mit über 90 Jahren noch täglich abends auf den (Bühnen)Brettern steht, die sein Leben bedeuten und die er liebt und von denen er Schwung und Freude vermittelt und offensichtlich auch bezieht. Genauso wenig Geheimnis ist es, daß Luis Trenker im hohen Alter noch mit Begeisterung hohe Berge bezwang und dabei Kraft und Energie ausstrahlte wie ein Junger. Auch er war jung geblieben – innerlich. Die Liebe zu seinen Bergen hatte da wohl mehr Anteil als irgendeine spezielle Ernährung oder eine besondere Durchblutungspille. Das Geheimnis hinter Churchills Vitalität und Aktivität noch mit 90 Jahren, war offenbar das Ziel, das er noch immer hatte. Alter ist sicherlich ganz wesentlich auch eine Einstellungssache und innerlich jung bleiben kann jeder – Christen ist es sogar aufgetragen wieder jung zu werden, heißt es doch in der Bibel, wir sollten „wieder werden wie die Kinder“. Ob das allerdings auf den Körper zu beziehen ist, muß bezweifelt werden, für die Seele aber gilt es sicherlich. Und wäre es nicht schon phantastisch genug, wenn all die Menschen, die heute unsere oder ähnliche Dehnungs- und Meditationsübungen nutzen, wenn sie dann doch einmal sterben müssen, diesen letzten großen Übergang des Lebens innerlich jung geblieben und voller Bewußtheit erleben könnten?

So haben zwar die „Fünf Tibeter“ wohl noch niemanden zur physischen Unsterblichkeit gebracht – und aus meiner Sicht ist das Kokettieren damit wohl ein wenig von Geschäftsinteressen geprägt – aber sie haben millionenfach bewiesen, daß es Spaß machen kann, lebendig zu sein, und daß man das am besten schon gleich früh morgens für ein paar Minuten unter Beweis stellt. Daß Tieren morgendliches Räkeln und Strecken gut bekommt, ist millionenfach bewiesen und kann jeden Morgen von Haustierfreunden neuerlich miterlebt werden.

Wie das Altern aufzuhalten ist, braucht eigentlich auch nicht mehr bewiesen zu werden. Wo all die bunten Pillen gegen Durchblutungsstörungen, das Grundübel der modernen Wohlstandsgesellschaft, das bei uns bereits mit der Pubertät beginnt, nur den Herstellern nützen23, ist sicher, daß Lebensmut und -freude wahre Lebenselexiere sind und uns und unsere Organe vital erhalten können. Mit sinnvollen Übungen und hier wären eben besonders Dehnungsübungen für den Morgen empfehlenswert, die einem obendrein Spaß machen, sind hier wahre Wunder zu wirken.

Oft sind unerwartete Heilungsphänomene vordergründig zu klären. Wenn etwa der Rheumatiker seine Gelenke sanft und bewußt bewegt, wie es die Morgenübungen anregen, wird das die Produktion von Gelenkschmiere fördern und die morgendliche Steifheit bessern. Andererseits gibt es viele Krankheitsbilder, wo solch ein Zusammenhang sich nicht so einfach abzeichnet, weder für den naturheilkundlich engagierten noch erst recht für den schulmedizinisch orientierten Arzt. Aber auch für Chi Gong- oder Tai Chi Übungen sind ähnlich positive Auswirkungen auf die Gelenke, jedenfalls was die Gelenkschmiere angeht, seit langem bekannt.

Aus der Sicht des Krankheitsbilder deutenden Arztes, der Krankheit als Symbol versteht, wird manches darüber hinaus klar, denn unter dem Aspekt der Hoffnung und des neu aufkeimenden Körperbewußtseins muß bei den täglich Übenden eine Kraft erwachen, die es ihnen ermöglicht, schon vorhandene Beschränkungen anzunehmen ohne Hader und Groll, sondern im Gegenteil in dem Bewußtsein, daß es trotzdem geht. Praktisch jeder kann sanfte Dehnungsübungen sofort ausführen, es braucht keine Voraussetzungen und alles kann sogleich beginnen. Jeder hat dafür genug Raum zuhause und auch das bißchen Zeit, das notwendig ist. Man beginnt einfach und wenn das Bewußtsein für den Körper wächst und durch das tägliche Morgenritual sich die Bewußtheit insgesamt ausweitet, wird das Bedürfnis nach anderen Anregern wie Cafe oder Nikotin oft schwächer und allmählich vielleicht sogar ganz nachlassen. Nicht weil ein Antinikotin- oder Coffeinfaktor in einer speziellen Drüse durch eine spezielle Übung aktiviert wird, sondern ganz einfach weil der jeweilige Raucher allmählich das, was er bisher über Rauchen bekam, jetzt vielleicht unbemerkt über andere Wege bezieht. Hat er sich vorher mit Zigaretten selbst belohnt, wie der Marlborocowboy nach getaner harter Arbeit, bekommt er jetzt, wo er den Tag freudig übend beginnt und dann geschmeidig fortsetzt, u.U. viel mehr Anerkennung und Zuwendung von seinen Mitmenschen. Was er von anderen bereitwillig erhält, braucht er sich aber nicht mehr selbst auf so fragwürdige Weise wie durch Rauchen zu verschaffen. War es dagegen sein Genußbedürfnis, sein orales Unbefriedigtsein, wäre es möglich, daß er soviel Freude über die neu entdeckte Beweglichkeit seines Körpers erfährt und solchen Genuß an Bewegung im allgemeinen erlebt, daß er auf das nuckelnde Gefühl im Mund verzichten kann. Aber selbst wenn sich einfach nur seine Ausstrahlung verbessert, weil er sich wohler fühlt in seiner Haut und deshalb auf andere einen gewinnenderen Eindruck macht, sodaß sich eine Liebesbeziehung anbahnt, die nun ganz andere orale Befriedigungen ermöglicht, wäre immer noch den Übungen als Quelle dieser anderen Art von Lust zu danken. Allein bezüglich des Rauchens gäbe es noch eine Fülle weiterer Muster und einschlägiger Beispiele, die Fülle der Krankheitsbilder, die von wachsendem Körpergefühl und Bewußtsein profitieren kann, ist geradezu unübersehbar.

Wo immer die Lebensfreude zurückkehrt, wo äußere Beweglichkeit auch innere wieder anregt, sind verblüffende Regenerationserfolge eher die Regel als die Ausnahme. Wer den Bedeutungen von Krankheitsbildern nachspürt, wie ich es jetzt über zwei Jahrzehnte gemacht habe, kann davon viele Lieder singen. So kommt es einerseits zu den in viele andere Bereiche ausufernden Wirkungen der Übungen und andererseits breiten sich solche Übungen hoffentlich auch in Zukunft immer noch weiter aus. Das das inzwischen schon längst und weit über die spirituelle Szene hinausführt, ist besonders positiv einzuschätzen.

In Österreich ist unter dem Einfluß des Laufpapstes Dr. Strunz und wohl auch unseren in „Säulen der Gesundheit“ niedergeschriebenen Erfahrungen ein wahrer Bewegungsboom ausgebrochen. Beide Bücher behaupten seit Monaten die Spitzenpositionen der Bestsellerlisten – der ganz normalen und nicht nur der in spirituellen Zeitschriften. Es breitet sich ansteckende Gesundheit aus, wie ich dieses Phänomen am liebsten nenne. Daß da auch große Erwartungen im Spiel und einige Versprechen einzulösen sind, versteht sich von selbst. Was die Bewegung im sogenannten Sauerstoffgleichgewicht angeht, eine ausgewogene Dehn- und Kräftigungsgymnastik oder die herausfordernden Übungen der Bewußtseinsgymnastik, kann ich aus jahrelangen Erfahrungen versprechen, daß jedes Durchhalten über einige Wochen in geradezu wundervoller Weise belohnt wird.

Es ist jedenfalls typisch und mir oft aufgefallen, daß Menschen, die konsequent an den Übungen dranbleiben, bald auch Lust verspüren, Ihre Ernährung auf ein höheres Niveau zu stellen, überhaupt anfangen, die Bedürfnisse ihres Körpers ernster zu nehmen, ihre Krankheitsbilder nicht mehr mit Tabletten unterdrückt wissen, sondern lieber verstanden haben wollen, über die Körperübungen aber auch entdecken, daß der Körper nicht alles ist, ja daß er wirklich der Tempel der Seele ist. Können dehnende Morgenübungen nun die Ursache für all das sein? Sagen wir lieber, sie schaffen ein Feld, in dem all das und vieles mehr möglich wird. Es ist nicht wohl nicht das ganz große Wunder der physischen Unterblichkeit, aber die wundervolle Erfahrung, Lust am Leben in einem vitalen Körper zu empfinden und in vollen Zügen zu genießen.

Und noch ein letztes Geheimnis mag hinter der beindruckenden Auswirkung solch einfacher Übungen liegen. Nicht umsonst sprechen wir von einem Morgenritual und hier dürfte vielleicht das wichtigste Erfolgsgeheimnis liegen. Die kleine Entdeckungsreise in die eigene Muskelwelt zum Beispiel ermöglicht ein Morgenritual zu einer Zeit, wo die letzten Rituale verschwinden. Noch können wir gar nicht wirklich ermessen, wie sehr uns Rituale zur Bewältigung unseres Lebens fehlen und wie groß ihre Wirkung ist. Diejenigen, die für sich dieses neue und zugleich uralte Morgenritual entdeckt haben, das ja immerhin jede Katze und jeder Hund ganz ähnlich durchführen, dürften eine Ahnung davon bekommen haben und wissen ein Lied davon zu singen.

In ähnlicher Weise kann ein Abendlauf oder ein zehnminütige Bewußtseinsgymnastik zu einem Ritual und damit festen und verläßlichen Tagesbestandteil werden. Natürlich ist der erste Schritt der schwierigste, wie schon der Volksmund weiß, der 100-ste geht dann schon wie von selbst. Insofern wäre es im Sinne ansteckender Gesundheit angezeigt, sich auch einmal von belebenden Ideen anstecken zu lassen, alte Gewohnheiten zu brechen und neue gesunde Ritual lebendig werden zu lassen.