Unsere Chance des Jahrhunderts:

Lassen Sie uns einmal – trotz all des Widersinns auf Erden – träumen und hoffen – lassen Sie sich dazu einladen. Sicher hat der neue Papst seinen Namen nicht ohne Absicht, sondern sehr bewusst gewählt. Als Jesuit kommt er vom intellektuellen Flügel der Kirche und wenn er einen Namen vom Gegenpol wählt, hat das Bedeutung. Was, wenn Franziskus I wirklich dem ersten Franziskus nachfolgt, der von Gott selbst den Auftrag bekam, die Kirche wieder aufzubauen? Er bezog ihn erst nur auf die kleine Landkirche von St. Damiano, aber merkte rasch, dass Gott die ganze große Kirche gemeint hatte. Diese Geschichte kennt der Papst natürlich und hat diesen Namen und mit ihm die Aufgabe bewusst angenommen.

Vieles, was er bisher schon unternommen hat von der Fußwaschung im Gefängnis gleich nach seinem Amtsantritt, seiner Weigerung in die päpstlichen Gemächer zu ziehen und dem Wunsch im Gästezimmer des Vatikans zu bleiben bis zu seinen Signalen an die zu Luxus-Kapriolen neigenden Kardinals-Paradiesvögel, spricht davon, wie nahe er sich den „minderen Brüdern“ des ersten Franziskus fühlt.

An der Geldherrschaft des Kapitalismus hat er bereits erhebliche Kritik geäußert und natürlich kennt er das Gleichnis vom Weinberg, wo der Meister allen Arbeitern im Weinberg denselben Lohn zugesteht, egal wann sie mit der Arbeit begannen, weil sie alle die gleichen Bedürfnisse hätten. Daraus lässt sich vielleicht das bedingungslose Grundeinkommen, aber sicher nicht der Raubtierkapitalismus der Moderne ableiten. Was wäre, wenn der Papst hier eindeutig Stellung beziehen würde. Immerhin hat er die Flüchtlinge in Lampedusa besucht, statt sich auf die Seite der Politik zu schlagen, die Europa zu einer unsolidarischen Festung macht und billigend in Kauf nimmt, dass an ihren Mauern verzweifelte Flüchtlinge sterben.

Was wäre, wenn Franziskus I sich wie der erste Franziskus öffentlich zur Liebe zu allen Kreaturen bekennen würde und die Tiere ausdrücklich mit einschlösse? Das würde ihm jedenfalls die Herzen aller Tierfreunde öffnen und Veganer wie mich beflügeln. Was, wenn er 1,2 Milliarden Katholiken aufriefe, statt Tiere in Massen-Tier-Zuchthäusern zu quälen, sie zu ehren und auf Fleisch dankend zu verzichten. Dann wäre immer Ostern und die Auferstehung der Kirche und die Erneuerung des Mysteriums nahe.

Was, wenn Franziskus seine eine Milliarde Menschen für dieses Ideal der Liebe zu allen Kreaturen begeisterte? Sicher würden ihm sogar die gutwilligen, aber orientierungslose Protestanten folgen, die sich an Albert Schweitzer und die von ihm gepredigte Ehrfurcht vor dem Leben erinnerten und auch die Buddhisten an von ihnen zu erwartendes Mitgefühl mit allen fühlenden Wesen. Was, wenn ein ganz neues Feld entsteht und diese Art von Nächstenliebe zurückkehrte in die Religionen? Was für Ressourcen würden frei?

Das moderne Rattenrennen um den Platz des Reichsten auf dem Friedhof könnte abgesagt werden. Unsere Politiker könnten mangels Gefolgschaft den kalten Krieg nicht wieder in Gang bringen und auch keinen heißen anzetteln. Der heilige Krieg würde in die Herzen zurückverlegt und das Ego zum Gegner. All das könnte in die Hoffnung münden, das Himmelreich Gottes in sich zu verwirklichen. Eine riesige Koalition der Gutwilligen könnte sich den Schattengestalten der eigenen Seele stellen, und denjenigen in der Politik nicht länger die Erde überlassen. Frieden könnte innen wie außen einziehen. Fast alle Menschen wollen ihn, und Franziskus I könnte die Weichen stellen für eine neue Richtung in eine neue Welt – und wir würden mitmachen und ihm bereitwillig folgen. Für die „Peace-Food“-Anhänger kann ich meine Hand ins Feuer legen. Wer schon sein Essen für den inneren und äußeren Frieden umstellt, ist bereit zu mehr und einiges in diese Richtung zu wagen. Auch wenn es sehr vermessen erscheint, werde ich dem Heiligen Vater „Peace-Food – vegano-italiano“ schicken in der Hoffnung, dass er auch diesen Schritt noch schafft, der groß sein mag für einen Latino, der gerne Schnitzel isst. Aber wie anspruchsvoll auch immer, der Heilige Franziskus hat ihn auch geschafft. Und was, wenn der Heilige Vater wirklich heilig würde und die Welt an und mit ihm gesunden könnte?