Unser Geld-Dilemma

Staunend erleben wir im Moment, wie Banken und Versicherungen ausgerechnet von konservativen Politikern vergesellschaftet werden, von denen man dergleichen nie erwartet hätte. Dass George W. Bush in seinen letzten Zügen ausgerechnet Karl Marx Ratschlägen folgt, ist dann doch erstaunlich. Zu Beginn setzte er mit seiner ersten erschlichenen Amtszeit der Demokratie ein besonderes Denkmal, und zum Ende nun auch noch der wirtschaftlichen Gemeinheit. Dem Gemeinwesen der USA, der ersten Demokratie im modernen Sinn, entlockt er wirklich gemeine Züge, indem er 8 Jahre konsequent alle Gewinne privatisierte und nun die dramatischen Verluste einfach sozialisiert.

Die augenblickliche Situation liefert einige Gründe für ein völliges Aussteigen aus dem herrschenden Geldsystem. Die heiligen Schriften der Welt sind voll von Warnungen davor, was wir nur zu gern übersehen. Sowohl das Neue Testament als auch der Koran, aber auch das alte Testament der Juden, sprechen nachdrücklich gegen Geldgeschäfte und das Erheben von Zins. Letzteres ist trotzdem längst zur Basis des modernen Lebens geworden. Wir sind auf breiter Front in diese Falle getappt. Der Islam ist eine Religion, die Zinsen generell verbietet. Aber nur ein Land, Pakistan, hat einmal den Versuch gewagt, die Konsequenzen zu ziehen und das Zinssystem im Inland für Muslime abzuschaffen. All die anderen islamischen Staaten, inklusive der fundamentalistischen, wagen es nicht, an diesem ihnen eigentlich verbotenen System zu rütteln. Wer sich die Mullahs im Iran oder die Taliban Afghanistans vor Augen hält, mag ermessen, wie mächtig die Zinsidee ist, wenn selbst solche Fundamentalisten nicht wagen, sich mit den Regeln des weltweiten Geldsystems anzulegen. Daran lässt sich ermessen, wie massiv die Interessen sein müssen, die es stützen.

Bis ins Mittelalter hielten sich auch Christen noch an das biblische Verbot des Geldverleihens, weshalb es an vielen Orten von Juden übernommen wurde, die sich die Finger damit schmutzig machten. Hier liegt auch der Grund, weshalb bis heute das Judentum mit diesem Thema und seinen Konsequenzen wie im schlimmsten Fall der Wucherei in Zusammenhang gebracht wird. Die Religionen haben mit ihren Warnungen auf breiter Ebene verloren und unsere Wirklichkeit ist von Geld- und Zinspolitik viel mehr geprägt als sich der Normalbürger träumen lässt.

Beim Geld hört die Freundschaft auf, weiß der Volksmund. Wenn er recht hat und die Welt vom Geld beherrscht wird, muss es schlecht stehen um die Freundschaft. Und das ist wohl in der Tat der Fall. Geld hat eine so extreme Spitzenposition erobert, dass es die meisten Werte der Religionen und Traditionen, aber auch die bürgerlichen Ethikvorgaben aushöhlen konnte. Es geht sprichwörtlich soweit, dass manche die eigene Großmutter für Geld verkaufen würden. Nachdem wir die Warnungen der Religionen und des Volksmundes in den Wind geschlagen haben, stehen wir heute ziemlich hilflos da.

Gut gemeinte Versuche wie das Sterntalerexperiment, wo eine Lehrerin ganz auf den Umgang mit Geld verzichtet, faszinieren einen kurzen Moment, aber rasch merkt man, dass sich solche Leben erst recht ständig um Geld drehen. Wer nur Geld haben will, der bekommt auch nur Geld. Wer um jeden Preis auf Geld verzichtet, bekommt auch nur Ersatz für Geld. Das Eigentliche wie der Sinn des Lebens oder der spirituelle Weg tut sich dadurch noch längst nicht auf.

Trotzdem spüren viele bei solchen Gedanken den Charme eines Lebens, das sich weniger um Geld als um Werte wie Freundschaft und Liebe dreht. Einige erinnern auch frühe Lebensphasen, wo selbiges mit weniger Geld eher mehr Spaß machte. Ich denke gern an den Charme meiner ersten Reisen mit vergleichsweise wenig Geld und ganz ohne Scheckkarten. Beim Trampen habe ich nette, hilfsbereite Menschen kennen gelernt. Als ich Jahrzehnte später einmal per Anhalter fahren wollte, weil das Auto in der Werkstatt war, spürte ich nicht nur Ungeduld, sondern auch Wut, wenn große, bis auf den Fahrer leere Wagen an mir vorüberrauschten. Solche Reaktionen hatte ich früher nicht gekannt. Da hatte ich mehr Zeit und Geduld und viel weniger Geld. Möglicherweise besteht da ein Zusammenhang.

Auf der Jagd nach Geld, kommt uns – entsprechend der (Un-)Gleichung „Zeit ist Geld“ – auch noch die Zeit abhanden. Der Gedanke an Michael Endes Momo1 mag hier auftauchen, die den grauen Männern unserer Zeit versucht, dieselbe wieder abzujagen. In Beppo Straßenkehrer, dem fegenden Zen-Meister, findet sie einen Verbündeten, der nicht dem Geld nachjagt, sondern immer nur genau das Stück Straße kehrt, wo er gerade kehrt und so in den Augenblick des Hier und Jetzt eintaucht. Die Tibeter sagen es so nett und treffend: „Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit“.

 

Meditative Fragen über Zeit, Geld und Zins

  1. Hab ich Freundschaften, die über Geld hinaus reichen?

  2. Wie weit würde ich meinen besten Freunden helfen, wenn es um Geld geht?

  3. Könnte ich mir ein Leben ohne Geld in einer Gemeinschaft vorstellen?

  4. Was würde sich dadurch in meinem Leben alles ändern?

  5. Hab ich schon Geld verliehen oder verschenkt außerhalb des üblichen Zinssystems? Wie ist es mir damit gegangen?

  6. Gehöre ich – in der Momo-Geschichte – mehr zu den grauen Männern oder lebt das Kind Momo noch in mir?

Moderne Geldfallen und –chancen: Geld als Tauschmittel

So verlockend der Komplettausstieg aus der Geldgesellschaft für einige sein mag, für die Mehrheit ist er keine gangbare Alternative, weil ihre Bedürfnisse im Hinblick auf materiellen Besitz, aber auch Partnerschaft dabei zu kurz kämen. Abgesehen davon gibt es keinen besseren Ort als die Geldgesellschaft, um das Geldspiel zu lernen und darüber die Regeln der Wirklichkeit, so wie man Tennis am besten auf dem Tennisplatz lernt.

Tatsächlich gibt es auf dieser Welt auch noch all die bisherigen verschiedenen Lebensformen, in Papua-Neuguinea kann man noch Steinzeit (er-)leben, in Teilen von Tunesien Mittelalter und im Silicon-Valley die High-tech-Zukunft. Das Resonanzgesetz sorgt dafür, dass jede(r) am richtigen, d.h. seiner Affinität entsprechenden Ort agieren und lernen kann.

Für all die Menschen in den spätkapitalistischen Geldgesellschaften bietet es sich insofern an, das Geldspiel spielen zu lernen und am besten unter Kenntnis seiner Regeln, damit die Erfolgschancen steigen. Wer sich mit für seine Seele vertretbaren Mitteln das notwendige Geld zum Leben verschafft, um seine eigentlichen Ziele etwa in sozialer, zwischenmenschlicher oder spiritueller Hinsicht zu verwirklichen, wird das Geld benutzen, anstatt sich von ihm unterwerfen und knebeln zu lassen. Solchen Menschen merkt man die vom Geld vermittelte Entspannung oft dadurch an, dass sie verzichten können, etwa in dem Sinne wie es in der Bibel heißt: „Ich habe genug, mein Bruder; behalte, was du hast.“ (Mose, 33,9) Und auch dadurch, dass sie großzügig spenden und damit zurückgeben von dem, was sie ihnen zugeflossen ist. In den Vereinigten Staaten etwa spielen Spenden im Bildungssystem der Elite-Universitäten eine wesentliche Rolle. Für die Seele des Spenders hat diese Methode auf jeden Fall etwas Erhebendes und Beglückendes. Wenn andererseits mit Verantwortungsbewusstsein gespendet wird, ohne Rücksicht auf das eigene Ego, kann daraus auch Wachstum und Entwicklung für die Beschenkten entstehen. Steht dagegen die Befriedigung des eigenen Egos im Mittelpunkt der Spendenaktion, eröffnet sich hier die nächste Falle auf dem Entwicklungsweg – allerdings nur für den Spender.

Ein wichtiger Punkt, bevor man sich entspannt dem Geldverdienen oder –ausgeben widmen kann, wäre, den ursprünglichen Tauschaspekt des Geldes zu verstehen. Als Tauschmittel erfunden, hatte Geld etwas enorm Befruchtendes und brachte den Handel und letztlich die ganze Wirtschaft in Schwung. Heute dagegen ist ein Großteil der weltweiten Geldflüsse nicht mehr dem Handel, sondern der Spekulation gewidmet, wobei natürlich Geldhandel heute auch ein Aspekt des Handels ist. Geld wurde vom Tauschmittel zur Ware. Wenn wir Geld aber sinnvoll, d.h. in seinem ursprünglichen Sinn anwenden wollen, müsste es dem Austausch dienen und damit fließen, also in Bewegung bleiben und in Bewegung bringen.

Gebunkertes Geld wird durch Inflation weniger, insofern kommt der gute alte Sparstrumpf immer mehr aus der Mode. Tatsächlich ist das Horten von Geld sogar gesetzlich verboten. Es muss ständig im Umlauf bleiben. Selbst Münz-Sammler stören den Geldfluss.

Auch die viel gescholtene Inflation hat natürlich zwei Seiten – wie alles in dieser polaren Welt – und zeigt hier ihre positive, denn sie hält das Geld in Umlauf und zwingt es dadurch seiner Bestimmung zu folgen und zwar ungleich wirksamer als staatliche Sammel- und Hortungsverbote.

Geld muss also etwas tun, ist die allgemeine Auffassung. Aber was? Die einzige Antwort, die geblieben ist, heißt, selbst wieder Geld verdienen. Deshalb verleihen wir es. Heute ist praktisch jeder der Geld hat, eine Art Geldverleiher und damit eine kleine Bank. Er verleiht sein Geld für Zinsen und bricht damit schon einmal die Gebote der christlichen, islamischen und jüdischen Religion. Die Frage bleibt aber, muss Geld wirklich immer nur Geld verdienen, wie moderne Menschen selbst? Und was kommt dabei heraus?

 

Stellen Sie sich einmal folgende Fragen:

  1. Bewegt mich Geld noch?

  2. Dreht sich bei mir alles ums Geld? Oder vieles?

  3. Oder drehe ich mit Hilfe von Geld am Rad der Welt?

  4. Wie bewegt ist mein Leben und was bringe ich über Geld in Bewegung?

  5. Neige ich dazu, mein Geld zu bunkern oder verleihe ich es Banken, die es wiederum verleihen oder Freunden, die damit Träume verwirklichen?

  6. Leihe ich mir eher Geld oder verleihe ich es mehr?

  7. Wie fühle ich mich als Bank?

  8. Fasziniert mich die Möglichkeit, mein Geld arbeiten zu lassen?

  9. Wie gern arbeite ich selbst? Für wie viel Geld? Oder unabhängig davon?

Auswege?

Was können Einzelne in solcher Situation tun? Die beste Chance läge wohl darin, die Gesetze nicht nur des Geldes, sondern des Lebens zu verstehen wie die der Polarität und Resonanz. Letzteres sorgt etwa dafür, dass Geld zu Geld kommt bzw. „der Teufel immer auf den größten Haufen scheißt“, wie schon der Volksmund sagt. Wer sich danach richtet, erhöht seine Chancen im Hinblick auf Geld beträchtlich. Wenn er noch das Polaritätsgesetz dazu nimmt, dass uns ständig mit dem Gegenpol droht und zum Beispiel so viele in heißer Liebe geschlossene Ehen in kaltem Hass vor dem Scheidungsrichter enden lässt, steigen die Chancen weiter. Schon Goethe durchschaute diese Gesetzmäßigkeit, als er Mephisto die zeitlosen Worte in den Mund legte „ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“

Schließlich gilt es, die „Die Psychologie des Geldes“ zu verstehen und mit den eigenen seelischen Bedürfnissen in Übereinstimmung zu bringen. Wer etwa erkennt, dass Zeit nicht Geld ist, weil man am Ende für Geld keine Zeit bekommt, erspart sich viel. Zu all dem gebe ich in dem eben erschienenen Buch „Die Psychologie des Geldes“ Anleitung und Tipps.