Sorge Dich nicht – werde alt

Dieser Slogan widerspricht den im Methusalem Komplott geäußerten Befürchtungen diametral, die davon ausgehen, dass sich unser Immer-älter-werden zu einer fürchterlichen Belastung der zukünftigen Gesellschaft auswachsen müsse. Aber natürlich sind solche Szenarien immer linear in die Zukunft gedacht, ein Fehler, dem schon der Club auf Rom aufgesessen war. Wer sich mit dem Gesetz der Polarität beschäftigt, lernt die Vielfalt der Möglichkeiten schätzen, die auch immer wieder über den Gegenpol ins Spiel des Lebens kommen. Vielleicht treiben wir jetzt die Ölpreise so hoch, dass – relativ betrachtet – die erneuerbaren Energien immer billiger werden, sodass sich die überfällige und technisch längst mögliche Energie-Revolution dramatisch vollzieht. Schon vor fünf Jahren habe ich ein Passivhaus gebaut, das unter dem Strich mehr Energie liefert als es verbraucht. Es war in der Anschaffung unverhältnismäßig teuer, aber das müsste schon längst nicht mehr so sein, wenn sich viele Menschen zu diesem Schritt durchringen könnten. Steigen die Energiepreise immer noch mehr, wird Energiesparen zu einem Volkssport werden und eine neue saubere Technologie heraufbeschwören, die eine ganz andere Wirtschaft mit sich bringen könnte. Wenn wir uns wieder auf die Natur besinnen, könnten wir ein völlig anderes wirtschaften ohne den Zwang zu ständigen Wachstumsraten entdecken usw. usf.

Auch im Immer-älter-werden und sogenannten Überaltern der Gesellschaft könnten, ja müssten demnach Chancen liegen, die wir bisher noch nicht ausreichend ausloten. Denkbar wäre immerhin, dass alte Menschen wieder den Schritt zur Weisheit schaffen, dass die Groß(en)-Eltern Oma und Opa wieder ersetzten und die Alten zu jenem Ansehen zurückfänden, das sie in klassischen Gesellschaften wie der chinesisch-taoistischen hatten oder den archaischen Gemeinschaften der schamanistischen Traditionen. Dann wäre es sicher kein Problem, wenn es viele Groß(e)-Mütter und -Väter gäbe. Sie könnten die geistige Inspiration der Familien und der ganzen Gesellschaft werden und mit ihrer Lebenserfahrung selbiges fördern und unterstützen.

Zur Horrorvision werden sie nur als riesige Bande, die mit ihren Renten und Pensionen den wenigen Jungen die Butter vom Brot futtert und nichts mehr gibt und beiträgt, sondern nur noch nimmt.

Vielleicht könnten in Zukunft die alten Weisen freiwillig länger mitarbeiten und den Jungen sogar zuarbeiten, sie dabei von ihrer Erfahrung profitieren lassen in einer Weise, die frei von eigenem Ehrgeiz als angenehm und förderlich empfunden wird. Für die immer älter werdenden Menschen wäre es jedenfalls ein Segen, wenn sie länger aktiv zum Gelingen des eigenen und des Lebens der anderen beitragen könnten.

Bei solchen Überlegungen fällt mir immer das Ideal von Barbara Rütting ein, jenes Ökodorf, in dem Alte und Junge konstruktiv mit behinderten Kindern und alten Tieren zusammenleben. So weit ich sie verstanden habe, scheiterte das bisher immer am Mangel an jungen Leistungsträgern. Die behinderten Kinder, die alte Menschen und Tiere haben nichts mehr zu verlieren und würden schon mitwirken an solch einem Gnadenhofkonzept, nur die Jungen fürchten wohl noch soviel zu verlieren zu haben und durch Egoismus mehr gewinnen zu können.