Sonne auf unserer Haut und in unserem Herzen

Die Haut ist unser größtes Organ, sie übertrumpft noch deutlich die Leber, das größte Kompaktorgan. Als unsere Grenze schützt sie uns auf vielfältige Weise und gegen alle möglichen Angriffe von außen, vor allem aber auch gegen Austrocknung. Aber sogar innen sind wir weitgehend von Haut eingekleidet, denn auch die Schleimhäute sind ja noch Häute und bilden z.B. die Tapete im Magen-Darmtrakt, aber z.B. auch in Harnwegen und Scheide. Neben dem Schutz ist Kontakt das zweite zentrale Thema der Haut. Fast die gesamte Sexualität spielt sich auf der Haut ab, insbesondere an den Übergangsbereichen von äußerer Hornhaut zu innerer Schleimhaut. Schließlich hat die Haut auch noch eine geringe Atemfunktion, die aber nur ungefähr ein % der Gesamtatmung ausmacht.

Auf der Haut spielt sich einiges ab und so ist sie ziemlich ins Gerede gekommen. Die Sonne, die wir alle so lieben und deren Siegeszug wir jedes Frühjahr sehnlichst erwarten, soll ihr plötzlich gar nicht mehr gut tun. In Australien, wo sie noch ungehemmter durch das Ozonloch scheint, gilt es bereits als fahrlässige Körperverletzung, wenn Eltern ihre Kinder mit nacktem Oberkörper an den Strand lassen. Tatsächlich ist die Hautkrebsrate in den Ländern der südlichen Hemisphäre so erschreckend gestiegen, daß sich für die dortigen Weißen eine bedrohliche Situation ergibt. Fast ist es, als würde der Planet spät aber nichts destoweniger wirksam für eine Neuordnung sorgen wollen und den Nachfahren der Eroberer in Neuseeland, Australien und Südafrika mit Nachdruck klarmachen, daß sie an für sie gefährlichen Orten gelandet sind. Die Ureinwohner dieser Gegenden von den Zulus über die Maoris bis zu den Aborigines kann die Sonne dagegen wegen deren dunkler mit besonders dicken Pigmenteinlagerungen gut geschätzter Haut nichts anhaben. Nun werden die so weit der Heimat gelandeten bzw. gestrandeten Weißen nach ihrem politischen Rückzug z.B. im südlichen Afrika wohl auch bald einen noch konkreteren Rückzug überdenken müssen. Wenn die Sonne zum giftigen Feind wird, ist das Leben nicht mehr besonders angenehm. Sich wegen der politischen Situation kaum noch vor die Haustür wagen zu können, mag bedrohlich sein, es wegen der Sonne nicht mehr riskieren zu können, dürfte unerträglich werden. Jedenfalls wird die Bademode unserer prüden Vorfahren der Zeit um die Jahrhundertwende wohl schon bald wieder grüßen lassen.

Die Haut ist überhaupt ziemlichen Modeströmungen unterworfen. Die wirklichen Eroberer vor einigen Generationen wußten noch sehr wohl, daß sie sich in Feindesland breit gemacht hatten und mieden die Sonne, wo sie konnten. Erst ihre Nachfahren folgten dem Trend zu „gesunder Bräunung“. Wobei gerade in den Ländern der südlcihen Hemisphäre der Widersinn des Sonnenbadens und Bräunens besonderes deutlich werden müßte. Im südlichen Afrika wurden die Menschen ein Jahrhundert lang desto mehr diskriminiert, je dunkler ihre Haut war. Die Schwarzen galten noch weniger als die Braunen und die Krönung waren die blassen Eroberer von der nördlichen Hemisphäre. Ihre Frauen achteten peinlich darauf, auch nicht den Hauch von Bräunung abzubekommen, galt das doch als vulgär und zeigte, daß man bzw. frau offenbar darauf angewiesen war, im Sonnenlicht zu arbeiten. Bis heute erleben wir diese eigenartige Wertung in Verbindung mit der Hauttönung. Schwarze Afrikaner besonders in den USA aber auch in afrikanischen Ländern geben z.T. ein Vermögen dafür aus, Ihre Haut mit allen Mitteln aufzuhellen. Der Popstar Michael Jackson ist solch ein trautiges Beispiel. Nach unzähligen Operationen und Eingriffen ist an ihm nichts Schwarzes mehr zu entdecken, von der Hautfarbe bis zur Nasen- und Lippenform hat er seine schwarze Vergangenheit wegoperieren lassen und ist so als Kunstwesen zum Idol des künstlichen Zeitgeistes geworden.

Bei Lage der Dinge wird wohl dieses alte Ideal der makellos hellen Haut über die nächsten Jahrzehnte wieder auftauchen in dem Maße, wie uns die energiereiche Strahlung der Sonne immer mehr zum Feind wird. Oder anders ausgedrückt, wir sind der Schöpfung, die wir so nachhaltig in den Griff bekommen wollen, wieder schutzloser ausgeliefert. Die Versuche, jenen Pigmentschutz, den dunkelhäutige Menschen von Natur aus haben, künstlich nachzuahmen, laufen auf Hochtouren. In den letzten Jahren haben wir eine eindrucksvolle Eskalation der sogenannten Faktoren bei den Sonnenschutzcremes miterleben dürfen. In wie weit diese Eskalation der Faktoren objektiven Maßstäben genügt, darf zu Recht bezweifelt werden angesichts der rasanten Inflation auf diesem Gebiet. Den Höhepunkt dieser Entwicklung bilden die absoluten Sonnenblocker, die gar keine Strahlung mehr zu uns hindurchlassen sollen. Drastischer als einst die Ureinwohner der Länder der südlichen Hälfte laufen nun auch die Nachfahren der Eroberer mit einer ständigen Kriegsbemalung herum und blocken die ihnen feindlich gesonnene Welt ab. Radikal ansteigende Hautkrebsraten machen deutlich, daß ihre Haut nicht genug Schutz bietet gegen südliche Sonne, eine Erfahrung, die Millionen von Touristen in abgeschwächter Form ganz ähnlich machen.

Wir Hellhäutigen gehören offenbar nicht in diese Sonnengegenden, auch wenn uns das Verbotene natürlich gerade lockt und fasziniert. So fahren wir alljährlich trotz widriger Zeichen zu Millionen in die Sonne, blocken sie, die uns eigentlich gerade anzieht, dann aber mit allen Mitteln ab. Unser Fell ist einfach nicht dick und dunkel genug für die modernen, energetisch gefährlicher werdenden Zeiten. Langfristig und über Generationen gedacht werden wir Weißen uns zur Rettung unserer Haut wohl wieder in unsere ursprüngliche Welt zurückziehen müssen und froh sein dürfen, wenn wir hier überleben. In der Zwischenzeit müssen wir dafür sorgen, daß uns die energiereiche Strahlung, die andererseits das Leben auf unserem Heimatplaneten erst ermöglicht, nicht zu sehr auf den blassen Pelz brennt und erst recht nicht unter die Haut geht.

Der beste Schutz ist offenbar Sonnenvermeidung. Erst danach kommt entsprechende Kleidung. Nur wagemutige, die im wahrsten Sinne des Wortes mit dem (Krebs-)Feuer spielen, suchen ihr Heil in Schutzcremes. Eine solch harte, aber dafür ehrliche Bestandaufnahme mag dazu führen, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Natürlich ist die Sonne das beherrschende Licht unserer Welt, und ihre deutliche Rhythmik bestimmt unser Leben über den Tag-Nacht-Wechsel und die Jahrszeiten noch weit nachhaltiger als der Mond, auch wenn der momentan mehr in Mode ist. Hier zeigen sich schon die Zeichen des anstehenden Wandels. Wir werden uns notgedrungen in Zukunft mehr mit dem weiblichen Anteil unserer Seele, der durch den Mond repräsentiert ist, beschäftigen müssen, wie überhaupt der anstehende Paradigmen- bzw. Weltbildwechsel uns vom männlichen zum weiblichen Pol führen wird. Trotzdem ist und bleibt die Sonne, als das abstrahlende männliche Prinzip im Mittelpunkt des Leben auf unserem Planeten. Diesbezüglich sei das Buch im „Einklang mit der Sonne“1 wärmstens empfohlen, um sich mit der Sonne und ihrer Kraft auszusöhnen.

Denn tatsächlich hat die Sonne ja auch wundervolle Wirkungen auf unsere Gesundheit und unser Gemüt, und es macht keinen Sinn, sie jetzt zum Feind hochzustilisieren, nur weil wir mit der Luft- und Atmosphärenverschmutzung ein Ozonloch in die Schutzhülle des Planeten gerissen haben. Eigentlich spiegelt so die relative Schutzlosigkeit unseres Planeten in einer feindlichen Atmosphäre nur unsere eigene relative Schutzlosigkeit gegenüber einer gefährlichen Umwelt. In diesem Fall ist unser generelles atmosphärisches Problem genauso selbstverschuldet wie das Hautkrebsproblem, wenn wir uns vorsätzlich und schutzlos den Sonnenstrahlen aussetzen. Die schon von Paracelsus formulierte Gleichung Mikrokosmos (Mensch) = Makrokosmos (Welt) läßt hier grüßen.

Um Hautkrebs zu bekommen bedarf es nicht nur energiereicher Strahlen, sondern natürlich auch eines entsprechenden seelischen Musters, wie ich es in einer früheren Ausgabe dieser Zeitung dargestellt habe. Allerdings wird die Wahrscheinlichkeit ein Krankheitsbild zu entwickeln sowohl durch die körperliche wie durch die seelische Ebene gefördert. Je größer die Strahlenbelastung ist, desto weniger seelische Tendenz zu Krebs ist nötig und umgekehrt. Insofern sollte sich niemand zu sicher fühlen, und es ist ja nur eine kleine Bewußtheitsübung für den notwendigen Schutz der Haut zu sorgen.

Wenn wir uns den positiven Aspekten der Sonne und ihres Lichtes widmen, fällt unsere große Sehnsucht im Frühling nach den ersten wäremenden Sonnenstrahlen auf. Was sovielen Menschen in unsern nördlichen Breiten so angenehm ist, kann so schlecht wohl auch nicht sein. Die Frühlingssonne mit ihren milden und keineswegs verbrennenden Strahlen wird uns kaum gefährlich, im Gegenteil. Wir wissen noch aus früheren Zeiten, wie wichtig und gesundheitsfördernd diese Sonnenstrahlen sind, um z.B. Rachitis zu verhindern. Sogenannte Kellerkinder, die zuwenig Sonnenlicht abbekommen, sind nicht nur seelisch, sondern eben auch körperlich gefährdet und können keinen gesunden Knochenbau entwickeln. Heute wissen wir, daß das Licht der Sonne auch einen guten Schutz gegen Depressionen darstellt. Unsere Seele braucht ganz offensichtlich Licht, sowohl das Licht der Bewußtheit als auch das konkrete Licht der Sonne. Wenn im Herbst und Winter stabile Hochdrucklagen monatelang eine undurchsichtige Nebelsuppe heraufbeschwören, nimmt die Depressionsneigung erschreckend zu. Den Menschen fehlt die Aussicht, die Stimmung sinkt und nicht wenige werden sogar richtiggehend lebensmüde. Hier wirken die ersten Sonnenstrahlen, die in das graue Einerlei einbrechen, geradezu Wunder. Sie brechen den Bann und verhelfen dem Licht zu seinem in der Jahreszeit liegenden Siegeszug. Wie in der äußeren Natur brechen auch in unserer inneren Seelenwelt die Kräfte des Lichts auf und das Leben bekommt wieder Kraft und Schwung. Dieser Frühlingssonne gegenüber zum Sonnenanbeter zu werden, ist also durchaus wichtig.

Tatsächlich hat man bei Depressionen mit einfachen Lichtanwendungen gute Erfolge. Viele Menschen organisieren sich ihre winterliche Lichttherapie an der Medizin vorbei in eigener Regie und buchen in dieser Zeit Reisen in südlich lichte Regionen. Was der Seele und ihrem Lichthunger scheinbar so gut tut, ist allerdings nicht unproblematisch, denn die südliche Sonne des Sommers hat für Menschen, die von ihrer inneren Rhythmik auf Winter eingestellt sind, besonders leicht fatale Auswirkungen nicht nur auf der Haut. Durch diesen Bruch mit der natürlichen Rhythmik kommt nicht selten das Immunsystem durcheinander, was die sich häufig anschließenden Erkältungen auf unangenehme Weise zeigen. Natürlich haben sie auch damit zu tun, daß wir einfach die Nase voll haben angesichts des grauen Alltags, der uns hierzulande wieder empfängt.

Im Winter ginge es darum, vermehrt das Licht der Bewußtheit zum Zuge kommen lassen und sich der Zeit der Ruhe, des Ausruhens, ja des Winterschlafes hinzugeben. In sehr frühen Zeiten der Menschheitsgeschichte blieb unseren Vorfahren wohl gar nichts anderes übrig, als sich in aller Ruhe der Regeneration, dem Auftanken ihrer Kräfte, hinzugeben. Beide Seiten Licht und Schatten sind wichtig und für einen gesunden, seelisch ausgeglichenen Menschen haben ja auch gemütliche Winterabende etwas wunderbar Anheimelndes. Die Zeit des Winterschlafes kommt heute insgesamt zu kurz, während Sonnen- und Lichthunger sicherlich überbetont werden. Wie immer liegt die Lösung auch hier in der Mitte. Wir müssen uns sowohl mit unseren lichten als auch mit unseren Schattenseiten bewußt auseinandersetzen. Wenn wir die dunklen Seiten unserer Existenz, wie sie in Schlaf und Tod aufscheinen, verdrängen, werden sie zu Zeiten und in Bereichen des Lebens auftauchen, wo wie sie am wenigsten brauchen können. Depressionen mit ihrer Lebensmüdigkeit sind ja nichts anderes als eine Auseinandersetzung mit dem Sterben, wenn auch auf ganz unerlöste Weise. Während wir heute die Beschäftigung mit dem Tod hauptsächlich auf dieser Ebene führen und in Depressionen selbstquälerisch der Frage nachhängen „Strick oder Kugel“, beschäftigen sich die Tibeter bewußt und rechtzeitig mit dem Tod und ihrer eigenen Sterblichkeit, wovon das tibetische Totenbuch eindrucksvoll Zeugnis ablegt. Depressionen in unserem Sinn kennen sie dafür nicht. Es dürfte keine Frage sein, daß dieser bewußte Weg dem unbewußten der ausgelebten Depression vorzuziehen ist. Das Licht der Bewußtheit kann also Depressionen überflüssig machen, das Licht der äußeren Sonne kann sie verscheuchen. Auf die Dauer ist ersteres vorzuziehen, denn etwas so wichtiges und tiefes wie unser Schatten läßt sich nicht dauerhaft zur Seite drängen. Das aber braucht uns nicht zu hindern, auch unsere innere Sonne, die symbolisch im Herzen ihre Entsprechung findet, so oft wie möglich scheinen zu lassen. Sie wird uns auch kein bißchen gefährlich, im Gegenteil kann sie doch unser und das Leben unserer Mitmenschen in ein ganz anderes wundervolles Licht tauchen.

Lit.: Benno Werner, Im Einklang mit der Sonne, Hugendubel, München 1996

Ruediger Dahlke, „Krankheit als Symbol“, Bertelsmann, München 1996

Hautprobleme

Unser größtes Organ, die Haut, hat einerseits eine Schutz- andererseits eine Kontaktfunktion. So schützt sie uns gegen die UV-Strahlen des Sonnenlichtes, aber auch gegen alle möglichen mechanischen, thermischen, chemischen und energetischen Einflüsse. Ohne unsere Haut würden wir sofort austrocknen, was zum großen Problem bei Verbrennungen wird. Zum Kontaktthema gehört die geringe Atemfunktion, die zu einem Prozent zur Gesamtatmung beiträgt. Selbst dieser minimale Anteil ist noch so wichtig, daß bei ihrem Ausfall der Tod droht. Als bei den Dreharbeiten zum James-Bond-Film Goldfinger ein Starlet von Kopf bis Fuß in Goldbronze getaucht wurde, kam die junge Frau schnell in eine lebensbedrohliche Krise. Zum Kontaktorgan wird die Haut aber vor allem, weil wir uns mit ihr und über sie berühren und unser ganzer direkter Kontakt zur (Um-)Welt über sie läuft. So ist es nicht verwunderlich, daß die Haut auch in diesen beiden Hauptbereichen, Schutz und Kontakt, zum Problemfeld werden kann.

Bei der Schuppenflechte oder Psyoriasis liegt der Schwerpunkt auf dem Schutz-thema, panzern sich die Patienten doch mit einer zum Teil enormen Hornschicht gegen die Außenwelt. Dieser Panzer kann so gewaltig werden, daß die Betroffenen an Eiweißmangel zu leiden beginnen, weil sie zuviel von diesem kostbaren Lebensstoff in die körpereigene Rüstung stecken. Tatsächlich gleichen sie in mancher Hinsicht einem mittelalterlichen Ritter, der sein ganzes Vermögen in die Rüstung steckt, um so gegen alle äußeren Feinde gewappnet zu sein. Dabei wäre die Haut bereits mit einer ausreichenden Schicht aus toten Hornzellen an der Oberfläche geschützt. In der Übertreibung liegt das Problem der Schuppenflechtenpatienten, denen diese Überrüstung ähnlich teuer zu stehen kommt wie vielen Rittern. Wenn diese vom Pferd fielen, waren sie aufgrund ihres Panzers so unbeholfen, daß sie die Hilfe eines ungepanzerten Schiildknappen brauchten, um überhaupt wieder auf die Beine zu kommen. Bis dahin lagen sie ihren Gegenern zu Füßen und waren ihnen recht schutzlos ausgeliefert. Vergleichsweise ähnlich schlecht geht es den gepanzerten Patienten, insbesondere wenn ihr Panzer dann doch einmal bricht, wozu ja alle Panzer neigen.

Auch in der makrokosmischen Welt gibt es dafür unzählige Beispiele. Die festeste Burg wird irgendwann schwach, die stärkste Mauer brechen und die höchste Festung wanken. Selbst die große chinesische Mauer, das größte Bauwerk von Menschenhand, hinderte die Mongolen nicht, außen herum und mitten ins Reich der Mitte zu reiten. Ein Land, das an einer Art Schuppenflechte litt, war die alte DDR. All ihre Reserven steckte sie in die Rüstung besonders der Grenzen, bis der eiserne Vorhang sie nach innen und außen hermetisch abschottete. Es war leicht vorauszusagen, daß im Fall des Mauerbruchs das Land besonders schnell ausbluten würde, ein Prozeß, der ja dann tatsächlich eintrat und heute fast abgeschlossen ist. Verglichen damit ist die Schweiz viel besser gerüstet, obwohl sie keinerlei Grenzbefestigungen hat. Da aber praktisch jeder Bürger bewaffnet und auch wehrbereit ist, würde sich an diesem Bollwerk wohl jeder Feind die Zähne ausbeißen.

Den Schuppenflechtenpatienten ist ihre Angst vor der äußeren Welt und ihre Bedrohung im allgemeinen nicht bewußt, selbst ihre oft enormen Rüstungsanstrengungen erkennen sie kaum als solche. In der Bewußtwerdung dieser Situation liegt ihre erste Aufgabe. Um damit dann aber fertig zu werden, müssen sie andere bewußtere und bessere Wege finden, sich ihrer Haut zu wehren. Zuerst einmal gilt es zu erkennen, daß sie im Körper etwas tun, was eigentlich besser auf die Bewußtseinsebene gehört. Dann folgt die Aufgabe, Wege zu finden, sich z. B. mit Worten wehren und schützen zu lernen. Die Entwicklung einer gewissen verbalen Schlagfertigkeit kann hier helfen, wie aber auch echte Absicherungsmaßnahmen, in dem Sinne, daß der eigene Lebensraum besser geschützt wird. Eine verläßliche und befriedigende Beziehung, eine scharfe bzw. spitze Zunge, schlagkräftige Argumente, ein sicheres Zuhause, ein gutgepolstertes Bankkonto usw. bieten allesamt und jedes auf seine Weise Schutz vor äußerer Bedrohung. In dem Maße, wie die nach innen oder nach außen in den sozialen Raum verlegten Schutzmaßnahmen anfangen Sicherheit zu bieten, wird die konkrete Grenzbefestigung der Haut weniger wichtig werden. Um die richtige Ebene für solche Maßnahmen zu finden, wären meditative Reisen in die eigenen Seelenlandschaften2 hilfreich. So ließe sich am ehesten entdecken, in welchem individuellen Lebensbereich am meisten Schutz von Nöten ist und wie dieser am besten zu verwirklichen ist.

Nach diesem Beispiel eines Krankheitsbildes, das die Haut in ihrer Schutzfunktion zeigt, nun noch ein sehr verbreitetes für den Kontaktbereich: die Pubertätsakne. Der Name macht hier alles schon sehr deutlich. In der Zeit der Pubertät, wenn eigntlich die jugendliche Sexualität die eigenen Grenzen auf dem Weg zum anderen Geschlecht überwinden sollte, brechen häufig stellvertretend die Aknepickel aus und nehmen dem Körper so stellvertretend seine Aufgabe ab. Wie bei kleinen Vulkanen braut sich erheblicher Druck in der Tiefe zusammen und läßt schließlich das Ganze über die Grenze und nach draußen durchbrechen. So weit kommt es indes meist gar nicht, denn die Betroffenen haben eine solch tiefe Lust, auszudrücken, was nun so dringend heraus muß, daß sie – unter Inkaufnahme von häßlichen Narben- die explosiven Pusteln mit den eigenen Fingernägeln ausquetschen, um sich so wenigstens stellvertretend Befreiung auf dieser Ersatzebene zu verschaffen. Die Pubertätsakne betrifft im allgemeinen die Zeit der Pubertät und wirkt solange nach, bis das Thema bewältigt ist, was in Extremfällen bis in spätere Lebensjahrzehnte dauern kann. Und sie betrifft genau die Körperregionen, um die es bei der pubertären Sexualität ginge – kurz gesagt, alles, was ein mutig geschnittenes Abendkleid freiläßt, wird zum Schauplatz.

Den gequälten Jugendlichen wäre zu raten, dem eigentlichen Thema verstärkt zum Durchbruch zu verhelfen, über den eigenen Schatten zu springen und den Sprung über die Grenzen zum anderen Geschlecht zu wagen. Ihnen von ärztlicher Seite das Ausdrücken der Pickel wegen der häßlichen Narbenbildung zu untersagen, is tzwar verständlich, nützt aber gar nichts. Der Druck, sich auszudrücken, ist viel zu stark, und wenn es schon nicht auf der eigentlichen Ebene klappt, geschieht es mit umso mehr Leidenschaft stellvertretend auf der Haut. Wir sind in unserer Praxis längst dazu übergegangen, statt dem Verbot lieber eine gute Anleitung zum Pickelausquetschen zu geben. Da es sowieso nicht zu verhindern ist, und kaum ein/e Pubertierende/r die Geduld hat, abzuwarten bis die kleinen Vulkane reif sind und von selbst explodieren, hat es sich bewährt, aus dem Ausdrücken lieber gleich ein bewußtes Ritual zu machen. Das hat den Vorteil, daß die Jugendlichen sich dabei das eigentliche Thema in Erinnerung rufen können und etwas, was ihnen nun einmal Spaß macht, auch mit Spaß statt mit schlechtem Gewissen tun können. An sich ist es ja geradezu unmenschlich, wenn die ältere Generation, nachdem sie die Jungen durch Moral- und andere Vorstellungen schon um den Genuß dieser frühen Sexualität bringt, ihnen auch noch die Ersatzbefriedigung des Pickelausdrückens verdirbt. Mit der einfachen Technik von zwei mit Papiertaschentüchern gepolsterten, seitlich angelegten Finger und erheblichem Druck kann so die Erleichterung verschaffende Befreiungsaktion gefahrlos und ohne dauerhafte Spuren zu hinterlassen, unternommen werden. Macht man den Jugendlichen dabei noch klar, worum es eigentlich ginge, ist diese Methode sehr erfolgversprechend.

Natürlich wäre es noch besser und vor allem erleichternder, sich gleich auf der richtigen Ebene auszudrücken, aber für jemanden, der auf so vielen Pulverfässern sitzt, ist auch die punktuelle Erleichterung, vor allem wenn sie gedanklich und gleichsam rituell an das eigentliche Thema gekoppelt wird, viel besser als nichts. Ratschläge, die auf die eigentlich drängende Problematik zielen und den Schritt zum anderen Geschlecht einleiten, sind naturgemäß schwer zu formulieren und bedürfen in dieser heiklen Übergangszeit von erwachsener Seite sehr viel Einfühlung und Takt.

An einem Krankheitsbild wie der Akne wird auch schnell der Teufelskreis deutlich, in den Patienten oft geraten. Ein junger Patient, dem ich bzgl. seiner Akne die entsprechenden Vorschläge machte, fomulierte das einmal sehr drastisch und hielt mir entgegen: Wenn Sie mich von der Akne befreien, werde ich mir gern eine Freundin suchen, so aber kann ich keine finden, weil keine Lust auf meine Pickel hat. Mit diesem Argument im Reisegepäck braucht er nicht an das heikle Thema heranzugehen und die Akne wird schlimmer. Dadurch aber hat er dann ein noch besseres Argument, um der eigentlich anstehenden Aufgabe weiterhin aus dem Weg zu gehen. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen die Betroffenen im wahrsten Sinne des Wortes über ihren Schatten springen, was immer schwer ist. Ich riet dem jungen „Mann“ also trotzdem am Wochenende in die Disko zu gehen und sein Glück zu versuchen. Beim nächsten Praxistermin war er nur umso enttäuschter, denn kein Mädchen hatte sich für ihn interessiert, ja sie hatten nicht einmal mit ihm tanzen wollen. Darauf schickte ich ihn wieder in dieselbe Disko, nun aber mit der Aufgabe die ersen zehn Körbe, die er sich ja sicher einhandeln würde, genau zu dokumentieren, um mir seine Aufzeichnungen zum nächsten Treffen mitzubringen. Danach erschien er etwas verwirrt zu unserem Termin, denn es wr ihm einfach nicht gelungen zehn Körbe zusammenzubringen, obwohl er die halbe Nacht daran gearbeitet hatte. Immer wieder hatten Mädchen mit ihm getanzt. Jetzt wo er es weniger auf sie als auf die Körbe abgesehen hatte, war er mit seinem Mißerfolgsprogramm in die Zwickmühle geraten. Er konnte in dieser von mir beabsichtigten ja Situation nur an einer Front versagen. Als nächstes und nachdem der Tanzstress beigelegt war, stellt ich ihm die Aufgabe, bevorzugt mit Mädchen zu tanzen, die ebenfalls Akne hätten und sich unter ihnen eine Freundin zu suchen. Zuerst wies er dieses Ansinnen entrüstet zurück, unterstellte mir Gefühllosigkeit und andere Niedrigkeiten, da es ihm doch nicht um die Pickel, sondern die Menschen ginge. Ich versuchte ihm klarzumachen, daß er das gefundene Mädchen ja nicht heiraten müsse, sondern daß wir noch mitten in seiner Therapie steckten. Widerwillig folgte er schließlich auch diesem Auftrag. Schließlich verliebte er sich dann sogar in eines der Mädchen, und deren Akne spielte dabei keine problematische Rolle. Während sich die Beziehung weiterentwickelte, stellte er einmal bei einer der letzten Beratungen geradezu entrüstet fest, daß das Problem auch bei seiner Freundin nachließe, obwohl diese gar nicht in Therapie sei.

Es ist niemals leicht, den Lernaufforderungen, die sich in der Symbolik eines Krankheitsbildes verbergen, nachzukommen, denn es steckt immer Schatten, also Verdrängtes dahinter. Vielen wird es wie dem beschriebenen Aknepatienten gehen. Es fallen einem unzählige Ausreden ein, um nur ja nicht der unangenehmen, in symbolische Gewänder gekleideten Aufgabe nachzukommen. Dem sich wehrenden Intellekt ist kaum ein Mittel zu peinlich. Natürlich hatte mein Patient nur einfach keine Lust auf eine Freundin mit Akne, er hatte ja schon genug von seinem eigenen Streuselkuchengesicht. Diese Abneigung und Unlust gegenüber seinem Thema kleidete er aber sehr edel in die wunderbarsten Gedanken über Beziehung. Er wolle sich eine Freundin nach dem Herzen und nicht nach dem Gesicht suchen usw. Erst nach gewonnener Schlacht konnte er selbst sich diese Zusammenhänge eingestehen. Und natürlich machte es ihm jetzt mehr Spaß, sein Pulver dort zu verschießen, wo es wirkliche Befriedigung brachte. Auf den Genuß des Pickelausdrückens verzichtete er umso leichter, als er einen Weg gefunden hatte, seine natürlichen in dieser Zeit der Pubertät liegenden tieferen Bedürfnisse auszudrücken.

In uns sind immer diese beiden Teile vertreten, der Intellekt im Dienste des Ego, das bloß nicht an den dunklen Seiten der Symptome rühren will, und dann aber auch jener Seelenanteil, der auf Selbstverwirklichung und Wachstum drängt und durchaus den Mut aufbringen kann, sich den Aufgaben zu stellen und neue Wege in die Freiheit zu beschreiten.

In die gleiche Richtung wie die Akne zielen alle Ausschläge, die eben nach draußen schlagen, und das wäre auch die Aufgabe, der sich die Betroffenen zu stellen hätten. Bei der Neurodermitis drängt auch etwas über die Hautgrenze nach draußen. Nur ist das zugrundeliegende Thema hier ein viel allgemeineres in Gestalt der mit der Allergie so eng verbundenen Aggression. Die Patienten müßten mehr ausschlagen, aber natürlich auf bewußteren Ebenen, um so ihren Körper von dieser Aufgabe zu entlasten. Auch alle Kinderkrankheiten, soweit sie mit Hautausschlägen verbunden sind, haben noch mit dieser Thematik zu tun, wenn auch hier noch andere Wachstumsimpulse hinzukommen.

Literatur: Ruediger Dahlke, „Krankheit als Sprache der Seele“, Bertelsmann, München 1993

R. Dahlke: „Reisen nach Innen“ (+ zwei Kassetten); Hugendubel, München 1994

Ruediger Dahlke, „Krankheit als Symbol“, Bertelsmann, München 1996

Pilze – Modekrankheit oder ernste Bedrohung

Bevor ich mich diesem aktuellen Thema widme, möchte ich einige allgemeine Bemerkungen vorausschicken. In den ersten 15 Jahren meiner Praxiszeit spielten Pilze kaum eine Rolle, selbst die vorhandenen Pilzinfektionen wurden noch meistens übersehen. Heute dagegen gibt es Behandler, die finden bei jedem ihrer Patienten Pilzprobleme und behandeln diese auch mit Nachdruck und unter Einsatz aller Waffen. Hinter dem Pilzthema steckt aber ein viel größeres Problem, dem wir bisher noch nicht einmal im Ansatz gerecht werden.

Ganz offensichtlich sind wir Menschen nicht die einzigen Lebewesen in dieser Schöpfung. Es hat schon einige Zeit gedauert, bis die Christen sich darauf einigen konnten, daß auch Frauen eine Seele haben und folglich als gleichwertige Menschen anzusehen wären. Noch viel länger hat es gedauert, bis wir uns durchringen konnten, auch in den Indianern, Negern und überhaupt allen sogenannten Eingeborenen Seelenwesen und damit gleichwertige Menschen zu erkennen. Vor noch nicht allzu langer Zeit wurden sie noch in Käfigen öffentlich ausgestellt und wie Tiere im Zoo begafft. Noch kürzer ist es her, daß wir mehrheitlich erkannt haben, daß auch die großen Säugetiere dieser Erde schützenswerte Lebewesen sind, die zu dieser Schöpfung gehören und deshalb nicht nach Lust und Laune abgeknallt werden sollten. Das hat sich zwar noch nicht bei allen herumgesprochen, wird aber doch wenigstens hierzulande, wo diese Tiere ja kaum leben, akzeptiert. Schwieriger wird es natürlich sogleich, wenn das eigene Land betroffen ist und es um ein paar verhärmte Bären oder scheue Wölfe geht. Inzwischen sind Naturschützer sogar bewußtseinsmäßig schon so weit fortgeschritten, daß sie alle Tiere und Pflanzen für erhaltens- und damit schützenswert erklären und es lebhaft und öffentlich beklagen, daß wir noch immer täglich einige Pflanzen- und Tierarten ausrotten. Auch wenn das auch noch immer eine Minderheitenposition ist, glaube ich, daß hier die Lösung liegt. Wir müssen erkennen, daß alles Leben in dieser Schöpfung seinen Platz und damit auch sein Lebensrecht hat. Diesbezüglich bräuchten wir uns ja eigentlich „nur“ auf jenes Niveau erheben, das Franz von Assissi bereits erreicht hatte. Dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zu erkennen, daß auch die Bakterien, Viren und Pilze als die kleinsten Lebewesen, die wir heute kennen, dazugehören.

Ohne Bakterien könnten wir überhaupt nicht verdauen und somit nicht überleben, unser ganzer Darm ist besiedelt von Milliarden lebenswichtiger Bakterien, mit denen wir in Symbiose, d.h. friedlicher Zusammenarbeit leben. Wir brauchen sie und sie brauchen uns. Diese Symbiose in unserer Innenwelt erscheint mir überhaupt als ideales Modell für das notwendige Zusammenleben auf diesem Planeten. Wenn wir den amerikanischen Medizintraum verwirklichen würden und alle Bakterien und Keime ausrotten, würden wir uns damit nur selbst umbringen. Es würde ja nicht bloß unsere Verdauung zum Erliegen kommen, sondern auch die der Erde, da sich kein Humus mehr bilden könnte und so auch der Stofffwechsel der Erde zum Stillstand verurteilt wäre. Pantarei – „alles fließt“ hatte bereits Heraklit erkannt und dazu ist das Zusammenwirken aller Lebewesen aller Naturreiche notwendig. Statt einen heillosen Krieg gegen Bakterien, Vieren und Pilze zu entfesseln, sollten wir uns lieber darauf einstellen, mit all diesen Kleinstlebewesen ein Zusammenleben zu unser aller Vorteil anzustreben.

Bereits am Anfang jener Ära, wo wir erkennend ins Reich der Kleinstlebewesen vordrangen, wurden die Weichen in eine gefährliche Richtung gestellt. Robert Koch hatte in Berlin mit der Endeckung jener Mikroorganismen, die er Bazillen nannte, und die hinter der Tuberkulose steckten, eine richtigggehende Euphorie in der Medizin ausgelöst. Man dachte nun hinter jedem Krankheitsbild die entsprechenden Erreger zu finden und durch deren erfolgreiche Bekämpfung mit allen Krankheiten fertig zu werden. Als dann auch noch andere Erreger hinter weiteren Krankheitsbildern gefunden wurden, schien sich diese Hoffnung zu bestätigen. Aber schon damals warnte aus München Max von Pettenkofer, indem er darauf verwies, daß die Erreger zwar wichtig, das aber das Umfeld noch entscheidender sei. Pettenkofer wurde überhört und die Medizin ging mit ihrer Vorliebe für Halbwahrheiten letztlich in die Irre. Louis Pasteur, nach dem wir bis heute die Erhitzung und damit Abtötung unserer Milch benennen, hatte sein Leben lang Bakterien gejagt und erst auf dem Totenbett erkannt, daß wichtiger noch als die Keime das Milieu ist, in dem sie wachsen können. Aber auch Pasteurs späte Erkenntnis wurde ignoriert und lange totgeschwiegen. Inzwischen hingen viel zu viele Interessen an der weltweiten Bakterienhatz, mit der sich so richtig Geldverdienen ließ.

Erst heute – in einer Zeit, wo die Situation z.B. in der Urologie, jenem Gebiet der Medizin, das sich mit Nieren und Blasenproblemen beschäftigt, so bedrohlich geworden ist, daß einige Ärzte davon ausgehen, daß wir nun schon wieder schlechter dran sind, als in der Vorantibiotika-Ära, gibt es vereinzelt ein zartes Erwachen auf der jahrzehntelang befahrenen Einbahnstraße. Allmählich könnten die bedrohlich ansteigenden Mißerfolge und der Druck der zunehmend mächtiger werdenden naturheilkundlichen Konkurrenz zu einer Umorientierung in der Schulmedizin führen. Tatsächlich sterben heute schon wieder Beatmungspatienten an Lungenentzündungen, weil die Antibiotika nicht mehr greifen. Bei unserem Krieg gegen die Bakterien hatten wir nämlich übersehen, daß wir alles, was wir bekämpfen, dadurch indirekt auch stärken. Mit den Flächenbombardements haben wir Milliarden und Abermilliarden von Keimen umgebracht, aber einige, nämlich die widerstandsfähigsten, haben trotzdem überlebt und sich gerade durch die Vernichtung der übrigen Keime mächtig vermehren können. Wir haben so durch unser kritikloses Verteilen von Antibiotika gleichsam durch die Auslese der „Stärksten und Besten“ unter ihnen gerade den gefährlichsten Bakterien geholfen, sich die Vorherrschaft im Terrain zu erobern. So haben wir die wundervollen Chancen, die uns die Antibiotika im Notfall geboten hätten, leichtfertig verspielt und tun es noch immer.

Bei der Bekämpfung der Malaria, dem gefährlichsten Krankheitsbild auf dieser Erde, dem mit Abstand die meisten Menschen zum Opfer fallen, sieht die Situation ganz ähnlich aus. Zwar interessiert uns dieses Thema gar nicht so sehr, weil es ja im allgemeinen die anderen sind, die daran sterben, aber im Zuge der zunehmenden Globalisierung rücken uns auch die Krankheitsbilder der anderen näher auf den eigenen Pelz. Als vor Jahren die Waffen der Schulmedizin fast erschöpft bzw. die meisten Erreger resistent geworden waren, fand sich mit Lariam dann glücklicherweise doch noch eine weitere. Besonnene Tropenmediziner warnten fast einhellig davor, nun auch dieses Mittel in der sogenannten Porphylaxe zu verpulvern. Heute ist es bereits geschehen und damit auch wieder nur eine Frage der Zeit, bis auch dieses unwirksam wird. In einem System, wo die Pharmaindustrie über den Verkauf eines Heilmittels viel Geld verdienen kann, ist es praktisch ummöglich, es für den wirklichen Ernstfall zurückzuhalten. Der Druck der Industrie ist offenbar viel stärker als das zarte Pflänzchen Vernunft.

Bei den Pilzen sind wir nun in der Gefahr, denselben offensichtlichen Fehler zu wiederholen. Dabei gehören auch sie in diese Schöpfung und sind praktisch überall anzutreffen. Sie müssen aber normalerweise nicht bekämpft werden, sondern nur dort, wo sie in einem Mißverhältnis zu den anderen Mikroorganismen stehen. Wir müssen uns einfach an den Gedanken gewöhnen, daß der Mikrokosmos, unser eigener Körper, genauso belebt ist wie der Makrokosmos, die Erde. Wir selbst sind wie ein einladender Planet für die Heerscharen der Mikroorganismen. Probleme gibt es immer dort, wo das empfindliche Gleichgewicht gestört wird und die eine oder andere Fraktion ein unnatürliches Übergewicht bekommt. Entscheidend ist diebezüglich natürlich auch noch unsere eigene Abwehrkraft, die dafür sorgt, daß zuallererst die Interessen des Körpers gewahrt bleiben. Wird diese Abwehr schwächer, brechen herrliche Zeiten für die Mikroorganismen an, die nun in eigener Regie um das schlecht verteidigte Terrain kämpfen.

Schauen wir uns nun an, was das Lieblingsgebiet der Pilze ist, wo sie sich bevorzugt ansiedeln. Schon bei den Pilzen die wir aus Wald und Wiesen kennen, fällt auf, daß sie feuchtwarme dunkle Plätze bevorzugen. Häufig finden wir sie auf morschen, modernden Baumstämmen, niemals dagegen auf frischem vitalem Holz. Schon das erlaubt den Hinweis, daß sie das Tote, Abgestorbene oder doch wenigstens Absterbende und damit Abwehrschwache suchen. Die Biologie weiß denn auch, daß es sich bei ihnen um Saprophyten handelt, Pflanzen also, die totes organisches Material bevorzugen. Das ist übrigens auch der Grund, warum sie in verschiedenen spirituellen Traditionen als Nahrung tabu sind. Sie sind sozusagen die Aasfresser unter den Pflanzen.

Übertragen wir diese Erkenntnisse auf unseren Körper und seine zunehmende Last mit Pilzen, kann uns einiges klarwerden. Pilze werden wir nur dort bekommen, wo wir abwehrschwach geworden sind, wo unser Gewebe nicht mehr ausreichend lebendig ist, um das eigene Terrain intakt zu halten und zu schützen. Wenn wir also Pilze im Darm haben, die dort in diesem Ausmaß nicht hingehören und Symptome verursachen, liegt der Verdacht nahe, daß unsere Art, das Leben zu verdauen, nicht lebendig genug ist. Im Sinne der Inder, die von Bhoga = Weltessen sprechen oder vom notwendigen Verzehr der Karmafrüchte, sind wir zu wenig lebendig. Wenn uns das aber nicht bewußt wird, muß schließlich im Sinne von „Krankheit als Sprache der Seele“ wieder der Körper einspringen und auf seiner Bühne das Stück inszenieren, das im Bewußtsein keinen Raum bekommt. Jetzt wird unser Darm stellvertretend leblos und läßt so den Pilzen viel Freiheit, ihr Lieblingsthema auszudrücken. Sie sind gleichsam die notwendigen Schauspieler in diesem Drama.

Leiden wir dagegen unter Fuß- bzw. Nagelpilzen, müßten wir uns sagen, daß unser Kralleneinsatz, die Nägel sind ja die Reste unserer Krallen und symbolisieren so einen Aspekt unserer Aggression, nicht lebendig und offensiv genug ist. Es könnte also z.B. sein, daß wir uns nicht ausreichend festkrallen an unserem Platz auf dieser Erde. Wieder werden die konkreten Krallen dann genötigt, diese Thematik auszudrücken, um sie uns so wenigstens noch auf diesem Wege zu Bewußtsein zu bringen. Und deutlicher als in den unansehnlichen ungeschliffenen gelblichen Pilznägelen läßt sich kaum ausdrücken, daß hier jemand seine Krallen nicht zeigen kann und es bei dieser Lage dann auch gar nicht mehr will.

Die Lösung der Problematik auf der Bewußtseinsebene ist der vorrangige Schritt, er braucht aber auch Unterstützung von den anderen Ebenen. Z.B. wäre die Ernährung hier zu nennen. Wir haben hier die Wahl, ob wir uns oder die Pilze dabei in den Vordergrund stellen wollen. Wenn wir tote Nahrung zu uns nehmen, geht es unseren Pilzen blendend und uns verdientermaßen schlecht. Ernähren wir uns dagegen mit wirklichen Lebensmitteln, also mit vitaler vollwertiger Kost, geht es uns gut, aber den Pilzen schlecht, denn sie stehen ja viel mehr auf totes Material. Insofern könnten wir die Pilze geradezu als Anzeigeinstrumente verwenden auf dem Weg zu einer sinnvollen Ernährung. Leben wir auf, liegen wir richtig mit unseer Ernährung, leben die Pilze auf, sind wir wieder zu sehr zurückgefallen in die tote Kost. Allerdings ist auch hier vor Einspurigkeit zu warnen, nur über die Ernährung ist das Problem nicht in denGriff zu bekommen. Selbst radikale Schritte, wie eine Fastenkur unter zusätzlicher Einnahme z.B. von Grapefruitkernextrakt, sind zwar die Hölle für die Pilze, reichen aber als alleinige Maßnahme oft nicht aus, um ihrer Herr zu werden. Am wichtigsten bleibt die Wiederherstellung des inneren Gleichgewichtes und das erfordert immer auch die Einbeziehung der anderen Ebenen.

Schließlich sei noch darauf hingewiesen, daß wir momentan in der naturheilkundlichen Medizin mancherorts dabei sind, das Kind mit dem Bade auszuschütten, denn nicht jede Müdigkeit geht auf Pilze zurück und nicht alle vegetativen Symptome weisen auf Pilze hin. Manche Therapeuten scheinen heute dazu zu neigen, immer dann, wenn sie früher die Diagnose „Vegetative Dystonie“ aufschrieben, eine Pilzerkrankung zu diagnostizieren. War Vegetative Dystonie früher schon ein anderer Ausdruck für „keine Ahnung“ so scheint das heute mit der Pilzdiagnose oft ähnlich zu sein. Hier ist auch dringend vor jener Illustriertenmedizin zu warnen, die Symptomlisten aufführt, die oft so allgemein sind, daß sich jeder mit jedem Krankheitsbild identifizieren kann. So sorgt man natürlich dafür, daß die Artikel für alle interessant sind, der eigenen Orientierung und erst recht Gesundung leistet so etwas aber natürlich keinen Vorschub.

Zu deuten wäre schließlich noch das Phänomen der zunehmenden Pilzerkrankungen in unserer Zeit, das, auch wenn man die Überreaktionen abzieht, noch festzustellen ist. Vieles neben der Pilzinvasion spricht dafür, daß unsere Abwehrlage insgesamt schlechter wird und wir zunehmend dazu neigen, innerlich abzusterben. In der Überflußgesellschaft herrscht vor allem Überfluß an totem Zeug, das wir für ein erfülltes, insbesondere spirituelles Leben gar nicht bräuchten. Wir haben so z.B. viel zu viel und viel zu schlechte, weil tote Nahrung. Das Übergewicht in den Ländern der sogenannten ersten Welt hat beängstigende Ausmaße angenommen. Wir kommen zunehmend aus dem Gleichgewicht. Letztlich ist ja auch die Überproduktion in unserem Teil der Welt mit dem entsprechenden Übergewicht in so vielen anderen Bereichen neben dem Körper auch wieder nur ein Gleichgewichtsproblem. Mikrokosmos und Makrokosmos geraten zunehmend aus den Fugen, und das ruft die Pilze als Spezialisten für unbelebtes Terrain auf den Plan.

Die Hoffnung läge darin, sich und seiner (Um-)Welt wieder zu einem ausgewogenen natürlichen Gleichgewicht zu verhelfen. Der Weg dazu führt nicht über Bombardements mit Antipilzmitteln, sogenannten Antimykotika wie Nystatin, sondern über innere Prozesse, die sich dann in der Umwelt spiegeln. Wer sich wegen Fußpilz schon einmal der Maximaltherapie der Schulmedizin unterzogen hat, kann ein Lied davon singen. Der Nagel wird gerissen, die Wunde ewig mit antimykotischer Tinkur bestrichen, täglich werden die Antipilzbomben geschluckt und das Ergebnis ist deutlich: Solange der Nagel nicht da ist und man das Gift schluckt und ordenltich pinselt, läßt sich der Pilz fernhalten. Hört man aber auf mit der Pilz- und Selbstvergiftung, wächst mit dem neuen Nagel der alte Pilz wieder zu alter Form heran. Ein zweites Mal folgen die meisten Menschen diesen hautärztlichen Ratschläge schon kaum noch, lieber tolerieren sie einfach ihren Fußpilz. Besser wäre noch, ihm durch eine entsprechende innere Haltung und dazu passende Lebensweise die Lebensgrundlage zu entziehen.