Seeleninfarkt – Von Burn- und Bore-out bis zur Depression

woman-565133_640Ein Krankheitsbild erobert die moderne Welt. Mit 9 Millionen Burnout-Opfern allein in Deutschland, ungezählten und wenig beachteten „Bore-out-Fällen“ und dem wachsenden Heer der Depressiven droht eine Seeleninfarkt-Welle, die Tsunami-Charakter annimmt. Ob Herz- oder Verkehrsinfarkt, immer handelt es sich um völlige Zusammenbrüche, sozusagen Generalstreiks – das trifft auch auf die Seelenebene zu. Wo die Seele nicht mehr kann und die Hoffnung aufgibt, kommt es zum Infarkt.

Die Psychiatrie macht keinen Unterschied zwischen Depression und Burnout, wobei aus Sicht von „Krankheit als Symbol“ beide bei deutlichen Unterschieden doch in den Seeleninfarkt führen.

Depressive sind ohne Antrieb, ohne Kontakt zu ihren Gefühlen und drehen sich gedanklich in immer gleichen Denkkreisen bezüglich der Sinnlosigkeit ihres Lebens oder schlimmer noch in Selbstmordgedanken-Schleifen. Die Antriebshemmung verhindert in der tiefen Depression deren Ausführung. Aber Suizide sind die gefährlichste „Nebenwirkung“ der Depression, kommen aber vor allem in der seelischen Aufschwungphase vor. Hinzu kommen sehr häufig massive Schlafstörungen.

Betrachten wir die Essenz dieser Symptome im Sinn von „Krankheit als Symbol“ mag die Genialität von Krankheitsbildern durchscheinen. Der Depressive hat alle Zeit der Welt – durch die Schlafstörung deutlich mehr als andere – um sich mit seinem einzigen vorrangigen Thema zu beschäftigen. Alle Aktivität und selbst Gefühle sind gestrichen und es bleiben nur die Sinnlosigkeit seines Lebens und die Auseinandersetzung mit dem Tod. Denn nichts anderes sind Selbstmordgedanken, wenn auch auf extrem primitiver Ebene von Strick oder Kugel, Gift oder Gas.

Offensichtlich haben wir gar nicht die Wahl, ob wir uns mit unserer Sterblichkeit auseinandersetzen, sondern – wie immer bei großen Lebensthemen – nur die Ebenenwahl. Alle Religionen schlagen vor, sich mit der eigenen Endlichkeit auf anspruchsvoller Ebene und rechtzeitig zu beschäftigen. In der Moderne aber ziehen offenbar immer mehr Menschen unbewusst die Krankheitsbilder-Ebene der Depression vor. Eine rechtzeitige Schatten-Therapie würde da vergleichsweise bewussten Umgang mit der Nachtmehrfahrt der Seele bringen. Eine CD wie die zum Buch „Depression – Wege aus der dunklen Nacht der Seele“ erschienene kann hier schon wichtige Schritte weisen.

Beim Burn-out bleiben viele Betrachtungsansätze auf der Phänomen-Ebene hängen und führen zu Schuldprojektionen wie: die Wirtschafts-Bosse sind schuld, weil sie den Druck ständig erhöhen, die Lebensarbeitsplätze zugunsten von Zeit- und Leiharbeit abgeschafft haben, was Unsicherheit und Entwurzelung mit sich bringt. Tatsächlich überarbeiten Firmen andere und streichen unter dem Vorwand Leerlauf und Sand aus dem Getriebe zu holen, inoffizielle Verschnaufpausen und damit die Zeiten des Innehaltens. Wer aber nicht mehr innehalten kann, verliert leicht den inneren Halt und wird erst haltlos und dann oft ungehalten. Schließlich geht ihm der Inhalt verloren und die Arbeit erscheint sinnlos. Ohne Inhalt und Sinn und gehetzt und getrieben von Leistungsdruck droht bereits der Seeleninfarkt.

Selbstverständlich sehen Industrie nahe Wissenschaftler das Problem eher im Perfektionismus der Einzelnen und deren Unfähigkeit, sich die Zeit einzuteilen und rechtzeitig Pause zu machen.

Bevor wir Partei ergreifen und uns in Schuldprojektionen verlieren, läge es näher die Betrachtung zu erweitern. Tatsächlich finden wir im anderen vorrangigen Lebensbereich neben der Arbeit, der Beziehungswelt, ganz ähnliche Entwicklungstendenzen ohne Schuldige ausmachen zu können. Parallel zur Lebensarbeitsstelle wurde auch die lebenslange Ehe bis dass der Tod sie scheidet zum Auslaufmodell. Von der Groß- über die Klein-, ging es zur Ein-Kind- und Kein-Kind-Familie (DINKS – double incom, no kids) und inzwischen zu Singles mit der Hoffnung auf One-night-stands. Auch das bietet – etwa im Fall von Krankheit oder bei Pflegebedürftigkeit oder anderen schweren Zeiten – weder Sicherheit noch Schutz oder gar Geborgenheit.

Da hier niemand verantwortlich gemacht und keine Schuld projiziert werden kann, bleibt nur, in dieser parallelen Entwicklung einen Trend zu sehen, der im Sinne von „Krankheit als Symbol“ auch tieferen Sinn haben muss. Die uns verbleibenden Zeiten werden immer kürzer und offenbar will der Trend in den Augenblick zwingen. Tatsächlich läge im Eintauchen ins Hier und Jetzt und in der Sinnfindung die große Chance bei Burnout, aber auch Bore-out und sogar Depression, all den Krankheitsbildern, die in den Seeleninfarkt führen. Das rechtzeitig zu akzeptieren, wie es die spirituelle Tradition in vielen Übungen und Meditationen anbietet, wäre die ideale Vorbeugung für Seeleninfarkte. Wer schon in diesem Dilemma steckt, kann über die in „Seeleninfarkt“ angegebenen (Aus)Wege seiner Seele wieder Luft unter den Flügeln verleihen.