Schicksalsgesetze – Spielregeln fürs Lebens („Wellness“)

drop-of-water-545377_640Wer mit Kindern ein Spiel spielen will, nimmt sich in der Regel zuerst die Zeit, Ihnen dessen Regeln zu erklären. So lernen sie bei Monopoly die Gesetzmäßigkeiten unserer Wirtschaftsordnung und bei Mensch-ärgere-dich-nicht mit Rückschlägen umzugehen ohne aufzugeben und ihre Emotionen in Schach zu halten. Dumm nur, dass unsere Eltern uns die Regeln von Lila, dem kosmischen Spiel, wie die Inder das Leben nennen, nicht beibringen konnten, weil sie sie meist selbst nicht wirklich kannten.

Jeder Fußballer kennt die einschlägigen Regeln und wechselt zur Halbzeit die Seiten. Im Leben kennen wir zwar den Ausdruck Wechseljahre, doch die meisten ignorieren dieses ungeschriebene Gesetz des Wechsels und spielen in der zweiten Hälfte weiter in dieselbe Richtung, um sich dann zu wundern, dass sie nur noch Eigentore schießen. Jeder Fußballer kennt auch die Abseitsregel. Im Leben aber spielen die Allermeisten ohne solche Regelkenntnisse und wundern sich, dass ihre Tore beziehungsweise Leistungen keine Anerkennung finden. Ein bewusster Mensch würde sich in solch einer Situation an die eigene Nase fassen. Die meisten aber schieben die Verantwortung ab und die Schuld am eigenen Scheitern auf den Schiedsrichter. Im Leben heißen die Schiedsrichter Chefs, Politiker, Ärzte, Journalisten und nicht zuletzt Partner.

So lässt sich das Dilemma um nicht verstandene Gesetze kurz zusammenfassen: Je mehr Schuldige jemand für eigenes Scheitern findet, desto weniger hat er die Schicksalsgesetze verstanden. Wenn ganze Gesellschaften im Jammer versinken – wie in Deutschland zu beobachten – liegt das wesentlich an den nicht verstandenen Spielregeln.

Wer Hilfe braucht, kann nach einem Formular fragen oder am Ende seiner Unterarme nach Händen suchen und selbst zupacken. Zwischen diesen beiden Lebenseinstellungen liegen schlussendlich Welten.

Nun leben wir in einer Zeit, die die Notwendigkeit nach besseren Spielregeln zunehmend spürt, etwa für das ins Chaos tendierende System der Geldwirtschaft. Auch das Konglomerat aus Pharmaindustrie, Medizinern und Medien braucht wohl neue Regeln, wenn wir uns in Zukunft die nun schon mit schöner Regelmäßigkeit inszenierten Panikattacken von SARS über Vogel- bis zur Schweinegrippe ersparen wollen.

Tatsächlich hat der in Hollywood-Manier inszenierte Boom um das Buch „The Secret“ eines der beiden wesentlichen Schicksalsgesetze weltweit bekannt gemacht. Geheim war das Gesetz der Resonanz oder Entsprechung nie, aber tatsächlich wurde es von breiten Kreisen ignoriert. Nun pfeifen es die Spatzen von den Dächern und das ist gut so.

Aber leider kann Halbwissen ähnlich gefährlich sein wie Unwissenheit, und das Resonanzgesetz ist tatsächlich nur das zweitwichtigste Gesetz. Wer sein Leben völlig darauf aufbaut, ist in Gefahr, zu scheitern, weil das übergeordnete Gesetz der Polarität immer wieder für Ausgleich sorgt.

Wer nur den Tag schätzt und Nacht und Schlaf ignoriert, wird schließlich so tot müde werden, dass der Schlaf zwanghaft sein Recht einfordert. Wer aus dem Heiligen Abend an Weihnachten unbedingt und unter allen Umständen ein Fest des Friedens und der Liebe machen will, erntet umso leichter Unfrieden und Streit, je absoluter sein Anspruch war. Wir leben in einer Welt der Gegensätze und das Ignorieren oder gar Bekämpfen eines Pols bringt diesen umso sicherer in den Vordergrund.

Wer nur den Chef wechselt, anstatt sein Problem mit diesem zu klären, kommt in der Regel vom Regen in die Traufe. Das gilt aber nicht nur für Probleme mit Vorgesetzten, sondern generell. Wer das Polaritätsgesetz nicht anerkennt, wird nur zu leicht Opfer des sogenannten Gesetzes der Serie. Er erleidet, was der Volksmund mit dem Ausdruck „ein Unglück kommt selten allein“ formuliert.

Am deutlichsten wird das Dilemma in der Partnerschaft. Verliebte trauen sich in der Phase heißer Liebe nicht selten vor den Traualtar. Später landen sie, wenn sich die heiße Liebe in kalten Hass gewandelt hat, allerdings häufig vor dem Scheidungsrichter. Man könnte den Eindruck gewinnen, das sei nur eine Frage der Zeit und je heißer die Liebe war, desto kälter würde der Hass im Anschluss. Niemand wählt diesen Weg absichtlich, im Gegenteil sind die Liebenden guten Willens, aber der reicht nicht angesichts der Macht des Polaritätsgesetzes.

Der Ausweg aus diesem Dilemma wäre, von vornherein achtsam im Hinblick auf den sich aus dem Polaritätsprinzip ergebenden Schatten zu sein und sich auf ihn einzustellen. Die Erfahrung zeigt, dass die verdrängte andere Seite oder der Gegenpol in Gestalt des Schattens in jedem Fall auftauchen wird. Wer sich aber von Anfang an darauf einstellt, ist gut gewappnet.

Wer sich verliebt, könnte sich also gleich von Anfang an darauf gefasst machen, dass die Zeit kommen wird, wo der oder die über alles Geliebte anfangen wird, eigene Schattenseiten zu spiegeln. D.h. er oder sie wird Aspekte zeigen, die man an sich selbst nicht ausstehen kann. Diese kann man nun im Anderen verteufeln oder bei sich selbst suchen und annehmen lernen. Letzteres könnte, anstatt zu Wut zu Dankbarkeit führen bezüglich der Möglichkeit, zu lernen und zu wachsen.

Ein ähnliches Vorgehen würde sich bei neuen Arbeitsstellen inklusive neuen Chefs bewähren. Was zu Beginn wundervoll erscheinen mag, wird mit der Zeit auch anderen Seiten hervorbringen, die weniger leicht zu akzeptieren sind. Dann wird der Gesetzesunkundige die neue Arbeitsstelle hinschmeißen, der Gesetzeskundige aber die Chance erkennen, sich selbst und seine eigenen Schattenseiten besser kennen zu lernen und an ihrer Bewältigung zu wachsen. Wer so offen für die eigenen dunklen Aspekte durchs Leben geht, wird ungleich erfolgreicher vorankommen und wachsen, bis er schließlich aus all seinen Fehlern das Fehlende gelernt und all seine Enttäuschungen genutzt hat, die Täuschung zu beenden, um in der Wirklichkeit eines entwickelten und verwirklichten Lebens zu landen. Ganz abgesehen davon, dass das Spiel des Lebens denjenigen viel mehr Spaß macht, die seine Regeln kennen und es insofern ungleich mehr genießen können.