Rituale & Rhythmen

Alles Leben ist Rhythmus formulierte Rudolf Steiner, und alles gibt ihm Recht. Mittels Rhythmus gelang es ihm, Pflanzentinkturen zu stabilisieren, wovon bis heute die anthroposophische Pharmakologie zehrt. Dass Rhythmus für Leben spricht, weiß inzwischen auch die Schulmedizin, denn sobald der Herzrhythmus in unveränderlichen Takt übergeht, droht der Tod. Die Messung der Herzfrequenz-Variabilität beruht darauf. Insofern haben unsere Maschinen einschließlich Herzschrittmacher immer nur Takt zu bieten, wohingegen Leben Rhythmus braucht. Letztlich lieben wir den Rhythmus auch, er kann uns nicht nur beim Tanzen in Fluss bringen, sondern auch sonst unserem Leben den richtigen Schwung geben. Dass er seinen Rhythmus gefunden habe, sagt der Sportreporter von einem Tennisspieler, der gut ins Spiel gekommen ist und dem vieles gelingt. Ist das nicht der Fall, ist er nicht in seinem Rhythmus, sondern im Widerstand. Das kann ihn den Sieg kosten. Das gilt aber natürlich auch für Golfer, die um ihren Schwung ringen und eigentlich für alle Sportler und letztlich Menschen in allen Lebenslagen.

Rhythmus ist Schwingen um eine Mitte. Diese Mitte ist das Ziel aller Medi-zin, die genau wie die Meditation diesen Anspruch noch im Wort trägt. Auch im Heil-mitte-l schwingt er mit, früher noch deutlicher, als es Re-medium (lat. zurück zur Mitte) hieß, wie heute noch im angelsächsischen „remedy“, etwa in Rescue-remedy, der Bachblüten-Mischung für Notfälle.

Wie aber kommen wir in unseren Rhythmus? Wir können es dadurch erreichen, indem wir einfach etwas anfangen und hoffen, dass wir hineinfinden. Ein Reiter mag aufsteigen und losreiten und darauf vertrauen, dass er schon einen gemeinsamen Rhythmus mit dem Pferd findet. Ähnlich beim Tanzen, einfach loslegen und hoffen, dass sich der gemeinsame Rhythmus ergibt. Wir könnten aber auch auf Rituale setzen, um es uns von Anfang an zu leichtern. Primitive, die wir lieber archaisch nennen sollten, weil sie etwa im Hinblick auf Übergangsrituale des Lebens weniger primitiv sind als wir, können uns das lehren. Fast alle Trommler und Tänzer, nutzen sie Rhythmen, um sich in ein gemeinsames Feld zu begeben. So finden sie zusammen und können ihre Kraft und Energie erhöhen. Ein weiterer wichtiger Faktor, der Rituale fördert, ist Achtsamkeit. Wer sich bewusst vor dem Essen die Hände in Unschuld wäscht, hat ungleich mehr davon, als wenn es nur leere Gewohnheit ist.

Wo es gar nicht klappt mit dem Rhythmus im Leben sind Rituale entscheidende Hilfen. So können einfache Lebensrituale wie gemeinsames Essen etwa Drogenabhängigen helfen, wieder in einen gesünderen Lebens-Rhythmus zu finden.

Wo es überhaupt nicht gelingen will, wäre eine Widerstandsanalyse zielführend und die Frage, womit bin ich so im Widerstand, dass ich meinen Rhythmus nicht finde? „Das Buch der Widerstände“ leistet dabei Hilfestellung für die Widerstände mit der äußeren Welt. „Krankheit als Symbol“ für die Widerstände innen, die sich als Krankheitssymptome manifestieren.