„Peace-Food“ – Essend zu innerem und äußerem Frieden

Auf dem spirituellen Weg gibt es eine Fülle von Meditationstechniken, die mehr oder weniger raschen Fortschritt versprechen. Immer aber bleibt der Körper die Basis aller Bewusstseinsanstrengungen. Er ist das Fundament und das Haus, in dem die Seele wohnt und auf dem Fortschritte aufbauen. Insofern ist es wichtig, den Organismus in Ordnung zu halten. 30 Jahre habe ich mich vor allem der seelischen Hintergründe der Krankheitsbilder angenommen wie in „Krankheit als Symbol“. Das ist die eine Seite der Medaille, der Körper ist die andere und ebenfalls nicht zu unterschätzen – beide zusammen ergeben, was wir Psycho-somatik nennen.

Die meisten Gurus und Lehrer fordern deshalb für den Körper verschiedenste Vorkehrungen zu treffen, damit die Seele gute Fortschritte machen könne. Neben Übungen im Sinne von Hatha-Yoga geht es vor allem um Essensrichtlinien, die mehrheitlich auf vegetarische Lebensform hinauslaufen. So hab auch ich schon in den Teenagerjahren aufgehört Fleisch zu essen, weil Maharishi, der Guru der Beatles, das forderte. Es fiel mir als Tierfreund besonders leicht und ließ sich die folgenden 40 Jahren leicht durchhalten. Milch hab ich seit dem Abstillen nie mehr getrunken, Eier widerstanden mir. All das aber hielt ich für persönliche Marotten, denen ich für die Ernährungsberatung keine größere Bedeutung beimaß, zumal die indische Kultur Milchprodukte als satvisch erkannte und – im Ayurveda – sogar empfahl.

Vor zwei Jahren aber entdeckte ich mit der China-Study von Colin Campbell jene Sammlung von Forschungsergebnissen, die mich mit ihren harten Fakten erschreckte und die in der Ernährungslehre gemachten Fehler schlagartig verdeutlichte. Sie wies mit wissenschaftlicher Präzision nach, wie sehr wir durch Verzehr von tierischem Eiweiß unser Leben gefährden. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen und ich wechselte sofort auf pflanzliche Kost. Meinem Körper war ich nachträglich dankbar für seine weise Aversion gegen Dinge, die sich rückwirkend als so gesundheitsbelastend erwiesen. Hatte nicht auch die TCM immer gewusst, dass Milch das System verschleimt und leiden nicht so viele Menschen unter Milchunverträglichkeit? Das wären richtige und wichtige Hinweise gewesen, allein ich ignorierte sie und akzeptierte noch vor drei Jahren in einem Buch wie „EssensGlück“ Rezepte mit Milchprodukten. Zu breit war der Strom der Gewohnheit und der Druck einschlägiger Werbung gewesen.

Tatsächlich ignorierten wir Ärzte, was sensiblere vegan lebende Menschen uns schon lange zu sagen versuchten. Sie hatten Recht und wir haben uns geirrt! Dass wir die breite Mehrheit waren, macht die Angelegenheit rückwirkend nur schlimmer.

Die Situation erinnert mich an jene vor Jahren, als Mediziner Frauen vor und im Wechsel Hormone aufdrängten mit blumigen Versprechungen wie Sicherheit vor Infarkten und Depressionen, vor Alzheimer und Osteoporose und dabei ohne alle Nebenwirkungen. Dabei stützten sie sich auf kleine und kleinste, meist Pharma finanzierte Studien. Dann aber kamen die beiden großen unabhängigen Untersuchungen mit jeweils über einer Millionen Teilnehmerinnen und brachten die schreckliche Wahrheit zu Tage. Weder nützten die Hormone bezüglich Depressionen und Alzheimer, nicht einmal bei Osteoporose, die Herzinfarktrate erhöhten sie sogar, und die Brustkrebsrate trieben sie in schwindelnde Höhen. 20 Jahre hatte ich gegen die Hormongaben argumentiert, aber gegen all die Versprechungen nicht genügend Frauen erreicht. Die beiden Studien aber mit ihren (wissenschaftlich) harten Fakten, beendeten den Hormonwahnsinn in kürzester Zeit. Die meisten Ärzte hörten sofort damit auf, einige Medizyniker versuchten noch mit lächerlichen Argumenten die Studienergebnisse anzuzweifeln. Zum Glück war die Wahrheit stärker.

Sie wird es auch jetzt sein, selbst wenn Situation und Faktenlage noch härter sind und sogar alle betroffen sind. Die Erkenntnis, dass Tierprotein in der Nahrung die großen Geißeln der modernen Menschheit, Herzinfarkte und Schlaganfälle, Krebs und Allergien, Diabetes und Fettsucht, Alzheimer und Demenz dramatisch fördert, ist nicht mehr zu leugnen. Milch(produkte) machen genau jene Osteoporose, die sie laut Medizinern und Milchwirtschaft verhindern sollten. Und auch wenn sie hart ist, die Wahrheit ist immer zumutbar!

Damit schließt sich ein Kreis und vieles wird durchschaubar. Seit Jahrzehnten ahnen wir das Unrecht, Millionen Hungernden in den ärmsten Ländern große Kalorienmengen Kohlenhydrate wegzukaufen, um bei uns damit Tiere zu mästen und so kleine Kalorienmengen Tierprotein zu gewinnen. Jetzt wissen wir, wie teuer solch tierisches Eiweiß erkauft ist: während es dort so viele verhungern lässt, bringt es hier viele ins frühe Grab.

Jahrzehntelang erzählte uns die Schulmedizin Tierprotein sei wertvoller als pflanzliches, weil es unserem eigenen Eiweiß näher stehe. Nach dieser absurden Logik müssten wir Menschenfleisch bevorzugen, weil es uns noch näher ist und also noch „wertvoller“. Im Übrigen ist die Vorstellung, dass wir es dem Körper leicht machen sollten, absurd. Inzwischen haben selbst Orthopäden begriffen, dass der Körper zu fordern und nicht zu schonen ist, sonst hätten wir keinen Bewegungs- sondern einen Schonungsapparat. Lange hatten sie auf Ruhigstellen und Schonung beharrt. Selbst Argumente wie „Herr Kollege schonen sie ihr Hirn, dann haben sie lange etwas davon“ beeindruckten sie wenig. Aber jetzt gilt hier die angelsächsische Erkenntnis „use it or loose ist – benütze es oder verliere es“. Das stimmt gleichermaßen für den Darm, der mit (pflanzlichen) Ballaststoffen zu fordern ist, um gut zu arbeiten und Verstopfung, die Vorstufe von Enddarmkrebs, zu vermeiden. Selbiges gilt für den Stoffwechsel. Der Organismus ist bestens in der Lage aus Pflanzen jene Aminosäuren zu gewinnen, die er zur Herstellung eigenen Eiweißes braucht. Ein deutscher Arzt, der sich seit Jahren vegan ernährt, ist Weltmeister im Bodybuilding geworden. Er kann also auf ansehnliche, aus pflanzlichem Eiweiß aufgebaute Muskelberge verweisen. Unsere persönliche Ernährungswende kann den Hunger auf der Welt beenden und uns damit äußerem Frieden einen großen Schritt näher bringen.

Zugleich könnte sie das Essen von Angst beenden. Vor gut 30 Jahren, zu meiner Examenszeit, waren Panikattacken noch gar kein Thema. Erst seit die EU Hofschlachtung und kleine Metzgereien behindert, müssen Schlachttiere in Großschlachthöfen mit ansehen, wie Artgenossen vor ihnen dran kommen und schütten so aus, was sie an Angst- und Stresshormonen haben. Wer ihr Fleisch isst, ist Angst und Stress gleich mit, haben doch Säugetiere dieselben Neurotransmitter. Wer dagegen vegan lebt, verliert solch hausgemachte Angst. Und wie sollten wir inneren Frieden finden, solange wir ständig Angst essen?

Mit dem persönlichen Schritt zum veganen Leben können wir auch die Klimakatastrophe dramatisch bessern, denn Tierzucht leistet dazu einen viel größeren Beitrag als aller Verkehr zu Wasser, Land und in der Luft zusammen. Auch unser Trinkwasser wäre nicht länger von Kotbergen und Gülleseen bedroht. Inzwischen übersteigen die anfallenden Exkremente von Schlachttiere bei weitem die der Menschen, nur gibt es für erstere keine Kanalisation…

Und nicht zuletzt könnten wir allein 60 Millionen Schweine pro Jahr in Deutschland vor einem beispiellos grausamen Schicksal bewahren, 450 000 000 000 Tiere auf der Welt. Für uns selbst, für die Hungernden, für die Ökologie und unsere Mitgeschöpfe, die Tiere, wäre wir mit einer einzigen Entscheidung so viel zu erreichen wie mit keinem anderen Schritt. Wir könnten so leicht mit Franz von Assisi sagen „Herr mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens“.

Viele schaffen es jetzt wie ich auf Vortragstour für „Peace-Food“ erlebe. Warum aber sind es gemessen an den Bedürfnissen der Erde noch immer viel zu wenige? Wie damals nach den großen Hormonstudien, versuchen auch jetzt sogenannte Wissenschaftler in Diensten der produzierenden Industrie gegen die harten Fakten an zu rationalisieren, sogar der österreichische Gesundheitsminister spannt sich vor diesen Karren und wirbt für drei mal Milch pro Tag.

Am meisten aber erschüttert mich, wenn Menschen auf dem spirituellen Weg, derlei Rationalisierungen aufsitzen. In einem auf meinen „Peace-Food“-Vortrag folgenden Referat schwadronierte der Redner vom weißen Blut der Salatköpfe und ein bekannter Eso-Szenen-Redner entdeckt auf ähnlich peinliche Weise die Sensibilität der Pflanzen, nur um weiter sein Fleisch vertilgen zu können. Warum eigentlich isst er dann nicht nur reife Früchte, wenn er doch so sensibel ist? Solche Peinlichkeiten und Rationalisierungen vorausahnend, sagte Buddha im Lankavatara-Sutra: «Es mag in Zukunft Menschen geben die eine Vielzahl ausgeklügelter Argumente hervorbringen werden, um ihren Fleischverzehr zu rechtfertigen. … Dennoch ist Fleischessen in jeder Form, unter allen Umständen und überall verboten – ohne Ausnahme und ein für allemal. … » Darin übrigens sind sich alle großen Religionen einig, wie ein Kapitel in „Peace-Food“ belegt. Auch praktisch alle großen Weisheitslehrer teilten diese Auffassung.

Und wir hätten soviel zu gewinnen und könnten etwa aufhören zu stinken wie typische Alles-Esser und uns stattdessen dem indischen Ideal annähern, wonach der gesunde Mensch nach der zuletzt genossenen Frucht riecht. Neben der Ausdünstung wird auch die Ausstrahlung um vieles angenehmer. Wer sich in die Natur zum Meditieren begibt kann erleben, wie „wilde“ Tiere sich vertrauensvoll nähern. Es ist beglückend, die Früchte veganen Lebens zu genießen: die Durchblutung wird besser, damit auch alle möglichen Körperfunktionen, die Bewegungslust nimmt zu und sorgt für eine bessere Figuren in jeder Hinsicht, die Sinne werden feiner und die Augen strahlender. Ohne schlechtes Gewissen lässt sich so viel leichter und beschwingter leben. Von Verzicht kann also keine Rede sein, veganes Leben ist ein großes Geschenk an sich selbst, die Mitgeschöpfe – Menschen wie Tiere und an die Erde.