Medizin für den ganzen Menschen

Wer eine Medizin sucht, die noch den ganzen Menschen meinte und sich nicht mit seinen Einzelteilen beschäftigt, muss weit zurück in der Zeit gehen. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Medizin verweist mit demselben Stamm wie das Wort Meditation auf die Mitte. Der Meditation geht es bis heute darum, die Mitte zu finden, während die moderne Medizin dieses höchste Ziel im Laufe ihrer langen Geschichte und eindrucksvollen Kette von Erfolgen aufgegeben hat. Eine Medizin, die den Menschen von seiner körperlichen bis zur spirituellen Dimension umfasst, muss zu diesem ursprünglichen Anspruch zurück. Eines ihrer Anliegen muss es sein, dem Wortstamm medere = (er-)messen wieder gerecht zu werden und zu helfen, das rechte Maß zu finden, um schlussendlich Selbstverwirklichung zu ermöglichen. Erst ein Mensch der in seiner Mitte ruht und die Einheit gefunden hat, ist demnach wirklich ganz gesund und heil.

In der alten Medizin zeugte von dieser Haltung der Ausdruck „Re-medium“ (lat.: zurück-zur-Mitte) für Heilmittel. Im Englischen „remedy“ wie etwa in der Bachblüten-Mischung „rescue remedy“ hat sich das Wort erhalten.

Auf dem Weg dorthin könnten Krankheitsbilder im Sinne der „Archetypischen Medizin“ wie sie in „Krankheit als Symbol“ zum Ausdruck kommt, statt verdrängt, zum eigenen Wachstum genutzt werden. Dadurch würden sie sich von einer unangenehmen Last zum Dünger für Entwicklung und Wachstum mausern. Körper und Seele werden parallel und in einem ganzheitlich psychosomatischen Zusammenhang gesehen. Dabei gehen wir davon aus, dass alles, was Gestalt und Form hat, auch Sinn und Bedeutung haben muss, wie es bereits Plato annahm, der überzeugt war, dass hinter jedem Ding eine Idee stehe ähnlich wie später Goethe, der in allem Geschaffenen ein Gleichnis sah.

Die ältere Medizin erkannte in Krankheitsbildern noch die gescheiterte Suche. Das Wort Suht (bereits Sucht gesprochen) stand im Mittelhochdeutschen noch für Krankheit im Allgemeinen. Heute zeugt davon fast nur noch die Gelbsucht, wie die Hepatitis nach wie vor auch genannt werden kann, während Ausdrücke wie Schwindsucht für TBC, Bleichsucht für Anämie, Fallsucht für Epilepsie, Wassersucht für Ödeme und Tobsucht für die agitierte Psychose längst aus der Mode sind.

Die Archetypische Medizin, die die spirituelle Dimension der Menschen in all ihre Überlegungen und Therapieansätze mit einbezieht, sieht den Menschen dagegen weiterhin als Suchenden, der erst sein Ziel erreicht, wenn er die Einheit in sich und mit der Schöpfung gefunden hat. Insofern gehören geführte Meditationen ebenso selbstverständlich zu ihr wie Fasten oder Übungen mit dem verbundenen Atem.

Der bekannteste Ansatz aus der Archetypischen Medizin ist die Krankheitsbilder-Deutung, die durch Bücher wie „Krankheit als Weg“, „Krankheit als Sprache der Seele“, „Frauen-Heil-Kunde“ bis hin zu „Krankheit als Symbol“, „Aggression als Chance“, „Depression – Wege aus der dunklen Nacht der Seele“ und zuletzt „Körper als Spiegel der Seele“ bekannt wurde.

In der Universitäts- oder Schulmedizin der modernen Industriegesellschaften wird Krankheit dagegen weder als Sprache noch als Weg, noch überhaupt als sinnvoll betrachtet im Gegensatz zum Beispiel zur archaischen Gesellschaft, wo die Menschen nicht nur bei Krankheitsbildern, sondern grundsätzlich bei allen Ereignissen an deren tieferem Sinn interessiert waren. Bei uns wird Krankheit nicht ein­mal mehr als grundsätz­lich erkannt, son­dern als etwas ausschließlich Widerwärtiges, das mehr oder min­der zufällig ins Leben einbricht. Deshalb spricht die Schulmedizin auch bedenkenlos von Krankheiten in der Mehrzahl. An sich macht das nicht mehr Sinn als von „Gesundheiten“ zu sprechen. Für praktisch alle großen Religionen und spirituellen Traditionen war Krankheit da­gegen immer etwas Grundsätzliches.

Auch nach christlichem Schöpfungsverständnis sind alle Menschen unheil, nachdem Gott dem Urahn Adam im Paradies eine Seite beziehungsweise Rippe nahm, um daraus Eva zu formen. Seitdem sind wir auf der Suche nach unserer „besseren Hälfte“, wie der Volksmund so deutlich sagt. Die Bibel verspricht den Unheil-gewordenen nach ihrer Vertreibung aus der Einheit in der Zukunft die Rückkehr in die paradiesische Einheit. Christus, der Heiland, ver­mittelt diesen Weg zurück zum Heil(igen), dem Himmelreich Gottes, von dem er sagt, es liege in uns. Vollkommenheit und folglich auch vollkom­mene Gesundheit sind demnach erst hier, also jenseits der polaren Welt der Gegensätze, erreich­bar.

Erstaunlicherweise kommt dem die Auffassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sehr nahe, die Gesundheit als einen Zustand frei von körperlichem, seelischem und sozialem Leid definiert. Gesunde Menschen existieren demnach lediglich in Anato­miebü­chern, aber sicher nicht in der Welt der Gegen­sätze. Was der spirituellen Philosophie selbstverständliche Grundlage ihres Weltbildes ist, wird letzt­lich sogar von Schulmedizin und Naturheilkunde bestätigt. Der (konkret anzutref­fende) Mensch ist krank oder süchtig beziehungsweise ein Suchender nach der Einheit.

Gesundheitsstatistiken sind in Wahrheit Krankheitssta­tistiken und besagen zum Beispiel, dass ein durchschnittlicher Deutscher in 25 Jahren 2 lebensbe­drohliche, 20 schwere und immer noch 200 mittelschwere bis leichte „Krankheiten“ durch­macht. Mit ihren immer raffinierteren Diagnosemethoden findet die Schulmedizin heute auch praktisch keine ganz Gesunden mehr, was sich bis in Ärztewitze niederschlägt: Was ist ein gesunder Mensch? Antwort: eine Fehldiagnose.

Befragt man 1000 sogenannte Gesunde, findet sich darunter prak­tisch keiner, der nicht doch irgendwelche Beschwerden hätte. Die Naturheilkunde mit ih­ren noch sensibleren Unter­su­chungs­me­tho­den etwa aus dem Bereich der bioelek­tro­nischen Funktionsdiagnostik findet heute nicht einmal mehr einen Menschen mit norma­len Le­berwerten, von Gesunden ganz zu schweigen. Das Fazit mag ebenso überraschend wie einfach anmuten: Alle sind sich darin einig, dass der Mensch krank ist. Zur Hoffnung der modernen Medizin, alle „Krankheiten“ irgendwann auszurotten, mag man stehen wie man will, im Augenblick sind wir jedenfalls von absoluter Gesundheit meilenweit entfernt. Zu dieser Tatsache kann man in kämpferische Opposition gehen wie Schulmedi­zin und weite Teile der Naturheilkunde oder sie akzeptieren wie Religion, spirituelle Philoso­phie und „Archetypische Medizin“. Klar ist aber, dass uns Krank­heit offenbar zur Auf­gabe wird.

Aus dem kämpferischen Ansatz der Schulmedizn1 wird sich der Arzt mit dem Pa­tienten gegen die Symptome verbünden und versuchen, sie so schnell wie möglich aus der Welt zu schaffen. Aus der Perspektive der Archetypischen Medizin, die ich im weiteren Verlauf darstellen will, folgt gerade das Gegenteil: Der Arzt verbündet sich mit den Symptomen und findet heraus, was dem Patienten fehlt, sodaß gerade diese Symptome notwendig wurden. Auf diese Weise wird jedem Symptom Bedeutung zuerkannt und daraus gelernt.

Krankheitsbilder zu deuten, ist eigentlich kein ungewöhnlicher Schritt und in der Bevölkerung seit jeher verbreitet. Tatsächlich sind wir gewohnt, alles Mögliche zu deuten und sind sogar erstaunt, wenn es einmal nicht geschieht. Angenommen, jemand antwortet auf die Frage, wie das neueste Theaterstück gewesen sei: die Bühne hatte die Maße 10 mal 7 Meter und war einen Meter hoch; von den 11 Schauspielern waren fünf Männer und sechs Frauen, die Kostüme waren aus 75 m Seidenstoff und 8o m Leinen gefertigt, die Bühne wurde mit soundsoviel Lux beleuchtet usw. Wir wären verblüfft über solch eine Antwort, weil wir natürlich eine inhaltliche Deutung erwarten würden und nicht eine formale Be­schrei­bung der äußeren Gegebenheiten und des formalen Ablaufs.

Was uns beim Theater noch so selbstverständlich erscheint, ändert sich in der Me­dizin schlagartig. Findet sich der Patient einige Tage nach der Erstanamnese wieder beim Internisten ein, erfährt er nicht selten die Werte seiner Blutuntersuchung, der Elektrophorese und jene der Urin­probe, den Zahlenwert seines Blutdruckes, die Lipidwerte und die des Cholesterins. Wenn daraufhin eine „Therapie“ „gegen das Cholesterin“ empfohlen wird, werden viele Patienten erstaun­li­cher Weise nicht ungehalten, sondern zollen solch wissenschaft­lich arbeitenden Medizinern auch noch Respekt, obwohl auch hier nur vom Form- und nie vom In­haltsaspekt des Krankheitsgeschehens die Rede ist, ähnlich wie bei der naiven Theaterbeschreibung.

Erst wenn der Internist die erhobenen Befunde deutet und eine Diagnose – etwa „Lungenentzündung“ – stellt, bringt er mit dieser Deutung Sinn ins Spiel. Die Frage ist nur, warum er ausge­rech­net in diesem Moment, wo seine Arbeit für den Patienten erstmals wesentlich und sinnvoll wird, wieder mit dem Deuten aufhört. Es ließe sich ohne weiteres in der eingeschlagenen erfolgreichen Richtung fortfahren und nach der Bedeutung von Lunge und Entzündung fragen. Thema der Lunge ist Kontakt und Kommu­nikation. Sie ist für Gas­aus­tausch und die Sprachbildung verantwortlich, die auf der Mo­dulation des Ausatemstromes beruht. In der Ent­zündung somatisiert sich das Thema Kon­flikt. Körpereigene Antikörper kämpfen auf kriegerische Art gegen eingedrungene Erreger, die sich ebenfalls äußerst aggressiv verhal­ten und versuchen, durch Vermehrung das Körperland zu erobern. Hier wird von beiden Seiten belagert, blockiert, angegriffen, getötet und natürlich gestorben. Makrophagen (griechisch für Großfres­ser) und Antikörper, die sich in Kamika­zeart auf die Angreifer stür­zen, um anschließend mit ihnen gemeinsam zugrunde zu ge­hen, geben auf Seiten des Körpers genausowenig Pardon wie die verschiedenen Erreger von Lungenentzündungen. Bei letzterer handelt es sich folglich um einen Konflikt im Kom­munikationsbereich. Das Organ zeigt jeweils die Ebene des Problems, die Art der Erkrankung die des Konfliktes.

Die Häufung von Lungenentzündungen auf Intensivstationen belegt das auf drastische Art und Weise. Auf gehäuft vorkommende Erreger allein lässt sich dieses Phänomen sicher nicht zurückführen, denn wo ginge es Bakterien und Viren schlechter als gerade im OP und auf Intensiv-Stationen, wo sie verfolgt und ausgemerzt werden, wie sonst nirgendwo. Läuft aber die dem Patienten verbliebene Kommunikation ausschließlich über Plastik­schläuche, Kanülen und Elektrodendrähte, entwickelt sich leicht ein unbewusstes Kommunikations­pro­blem, das sich häufig in ei­ner Lungenentzündung verkörpert.

Die archetypische Medizin geht davon aus, dass alles körperliche Geschehen Ausdruck eines dahinterliegenden seelischen Inhalts ist, d.h. der Körper erscheint uns als Spiegel der Seele. Wird das körperliche Geschehen lediglich zugedeckt wie so häufig mit den unterdrückenden beziehungsweise allopathischen Methoden der Schulmedizin, verstärken wir folglich die seelische Problematik. Das Be­seitigen von Symptomen schiebt diese, wie das Wort in aller Ehrlichkeit verrät, auf die Seite bzw. ins Unbewusste. Solch plumpe Art von Symptomverschiebung würde uns in anderen, etwa technischen Bereichen niemals einfallen. Wenn irgendwo eine technische Alarmanlage aufheult, kommt niemand auf die Idee, die alleinige Lösung in der Abschal­tung des Alarms zu sehen. Bei Kopf-, Gelenks- oder anderen Schmerzen finden viele Ärzte (und Patienten) dagegen nichts dabei, durch entsprechende Schmerzmit­tel lediglich das Warn­signal zu blockieren. Hart ausgedrückt führt diese Haltung dazu, Symptome von Organ zu Organ und Patienten von Facharzt zu Facharzt zu ver­schieben.

Aus den Naturwissenschaften könnten wir – durch die Energie-Erhaltungs-Sätze – längstens wissen, dass sich grundsätzlich nichts aus der Welt schaffen, aber vieles auf verschiedenste Weise umwandeln lässt. Insofern kann auch der Ansatz von „Krankheit als Symbol“ nur Symptom­verschiebung bieten, der allerdings auf eine weit sinnvollere Weise von statten geht als der der Schulmedizin. Eine Verschiebung von der körperlichen auf die geistig-seelische Ebene bietet nämlich durchaus Heilungschancen im Ge­gensatz zur Symptom­verschiebung, die sich auf die körperliche Ebene beschränkt.

Krankheitsbilder entstehen, wenn inhaltliche Themen, deren bewusste Bearbeitung die Betroffenen bewusst oder unbewusst verweigern, in den Körper sinken und sich hier somatisieren. Zur Lö­sung eines Problems trägt es wenig bei, seine Verkörperung mit biochemischer (z.B. Korti­son) oder gedanklicher (z.B. Affirmationen) Hilfe zu unter­drücken. Das Gegenteil wäre notwendig. Statt sich gegen das Symptom zu verschwören, ginge es darum, es verstehen zu lernen, d.h. den Inhalt hinter dem körperlichen Geschehen bewusst zu ma­chen. Wo es gelingt, das Thema ins Bewusstsein zurückzuholen, besteht zu­mindest die Chance, es hier zu bewältigen. Dadurch wird der Körper von seiner Darstel­lungsarbeit entlastet. Je deutlicher und damit auch unangenehmer das Problem ins Be­wusstsein rückt, desto leichter fällt es dem Körper, es loszulassen. Tatsächlich ist der Körper nur Aus­weichbühne für unser Be­wusstsein. Bewusst abgelehnte Themen verkörpern sich folglich mit Vorliebe ersatzweise auf der Kör­per­bühne. So wird Krankheit zum Symbol und zum Weg.

Auf jedem Weg lässt sich daran etwas lernen, wobei es natürlich geschickte und weniger sinnvolle Wege gibt. Zumeist eleganter und fast immer zielführender, allerdings oft ebenso unangenehm ist es, direkt auf der Bewusstseinsebene zu lernen, oh­ne vorher auf die Kör­perbühne auszuweichen. Nur so eröffnet sich z.B. die Möglichkeit echter Vorbeu­gung. Schulmediziner sprechen viel von Vorbeugung – etwa von Krebsprophylaxe – wenn sie in Wahrheit Früherkennung meinen. Unbestritten ist Früh­er­ken­nung besser als Späterkennung, nur mit Vorbeugung hat sie nichts zu tun. Krankheitsbilder durch Be­wusst­seins­arbeit überflüssig zu machen, indem das betreffende Thema freiwillig auf gei­stig-seelischer Ebene bearbeitet wird, ist da­ge­gen echte Prophylaxe.

Wer Krankheit als Sprache der Seele versteht, erlebt, dass Form und Inhalt nicht nur zusammenpassen, sondern immer auch zusammengehören. Krankheit ist der formale Aspekt eines geistig-seelischen Inhalts oder an­ders ausgedrückt: Symptome sind Verkör­perungen seelischer Themen. Zu dieser alten Weisheit eines Plato und Goethe zurück­zufinden, ohne die unbestreitbaren Errungenschaften moderner Medizin zu verwerfen, ist eines der zentralen Anliegen der Archetypischen Medizin, die die Ergebnisse der Wissenschaft deutet und mit den Exerzitien und Meditationen der spirituellen Traditionen verbindet.

Die Symptomsprache als Sonderfall der allgemeinen Körpersprache, der mit Sicherheit verbreitetsten Sprache der Erde, ist dabei eine große Hilfe. Diese universelle symbolkundige Sprache wird leider nur noch von wenigen Menschen unserer Gesellschaft bewusst verstanden. Dabei wäre es leicht, sich wieder an sie zu erinnern, denn unser Körper spricht nicht nur, unsere Sprache ist auch körperlich. Folglich kann sie zur Brücke zwischen Körper und Seele werden. Ob wir be­greifen oder verstehen, bestimmte Dinge uns an die Nieren gehen oder uns andere zu Kopf steigen, ab wir uns etwas zu Herzen nehmen, oder es uns auf den Magen schlägt, ob Läuse über die Leber laufen oder der Atem vor Schreck stockt, überall zeigen uns psycho­somatische Ausdrücke die enge Verbindung von Körper und Seele.

Neben der Körpersprache, die durch umgangssprachliche Wendungen, Sprich­worte und Sprachbilder ergänzt wird, und den erlebten Symptombildern lassen sich eben auch die von der Schulmedizin erhobe­nen Befunde für die Deutung verwenden. Die formale Beschreibung des Krank­heits­ge­schehens ist ja keineswegs falsch oder auch nur überflüs­sig. Erst die Bühne macht es mög­lich, dem Theaterstück zu folgen, ohne Be­leuchtung bliebe alles unsichtbar und ohne Ko­stüme wäre es peinlich usw. Bei aller Wichtigkeit dieser äußeren Vorausset­zungen gilt es jedoch den Inhalt des Stückes nicht zu übersehen. Will man am Theater­stück etwas Grundsätzliches ändern, macht es wenig Sinn, bei den formalen Aspekten an­zusetzen, es ist nötig, den Inhalt anzugehen.

Insofern richtet sich die deutende Psychosomatik der Archetypischen Medizin nicht gegen die Schulmedizin, sondern ergänzt sie und führt sie weiter. Bei Reparaturen im körperlichen Bereich ist die Schulmedizin sogar eindeutig überlegen. Ihr Vorwürfe zu machen, dass sie sich nicht um den ganzen Menschen kümmere, ist unsinnig, weil sie das auch nie verspro­chen hat. Der Besucher eines städtischen Schwimmbades, der sich über mangelnden Meeresblick beklagt, ist im Unrecht. Wer Meer will, muss dorthin fahren. Wer Heilung anstrebt, müsste sich um eine Medizin bemühen, die Körper, Seele und Geist im Blick hat, und, ohne die Schulmedizin entwerten zu wollen, weit über diese hinaus bis in spirituelle Dimensionen reicht.

Erlebte Symptome und erhobene Befunde können gleichermaßen gedeutet und Mosaiksteinchen für Mosaiksteinchen zum umfassenden Muster des Krankheitsbildes zu­sammengesetzt werden. Betroffene Region bzw. das jeweilige Organ geben die Ebene an, auf der das Problem besteht, bei Lungenentzündung also den Kommunikationsbe­reich, für den die Lunge steht. Das spezielle Symptomgeschehen enthüllt die Art des Problems, bei unserem Beispiel also das Thema Konflikt. Hilfreich beim Deuten sind die Fragen: Warum geschieht gerade mir gerade das, gerade jetzt? Woran hindert mich die Symptomatik? Wozu zwingt sie mich? Welchen Sinn erfüllt sie gerade jetzt in meinem Leben? Diese Deutungen können mit jeder anderen Art praktischer Medizin kombiniert werden, sowohl der Schulmedizin als auch der Naturheilkunde und Komplementärmedizin, wobei es sich empfiehlt so oft wie möglich mit den sanfteren, weil nebenwirkungsärmeren Methoden letzterer zu arbeiten und nur so selten wie notwendig mit den in der Regel aggressiv unterdrückenden der Schulmedizin.

Neben diesem Sinnaspekt der Krankheitsbilder kümmert sich die Archetypische Medizin aber auch um so körpernahe Themen wie die Ernährungs-, Bewegungs- und Entspannungslehre, wie auch um den Umweltbezug. Auch all diese Themen sind natürlich nicht neu, sondern bereits von Hippokrates unter dem Begriff „Säulen der Gesundheit“ zusammengefasst worden. Nach seiner Auffassung trugen diese das Dach des Gesundheitstempels.

 

Der Weg zu prickelnder Vitalität und ansteckender Gesundheit

über die „Säulen der Gesundheit“

Im alten China sah die Medizin ihre Aufgabe noch völlig anders. Es galt als Versagen, wenn ein Arzt akupunktieren musste, zeigte es doch, dass er versäumt hatte, im Vorfeld die richtigen Übungen zu verordnen, sodass das Energie-Gleichgewicht des Patienten durcheinander geraten konnte. Deshalb rangierte Chi Gong über der Akupunktur. Damals zählte die richtige Ernährung noch mehr als die Behandlung mit Heilkräutern. Über Bewegungs- und Ernährungslehre stand die Kunst der Entspannung und weit darüber noch das Bewusstsein und folglich die Meditation. Denn wo der Geist in Harmonie und das Bewusstsein in Ordnung war, musste man sich um den Rest wenig sorgen. Wenn Hippokrates sagte „eure Nahrung sei eure Medizin, eure Medizin sei eure Nahrung“ lag er noch ganz auf dieser Linie. Heute haben wir diese Hierarchie umgekehrt und müssen zunehmend erkennen, dass es so nicht weitergehen kann.

Dabei braucht es gar nicht soviel Einsatz, um an Körper, Seele und Geist zu gesunden, und das Wissen um die alten „Säulen der Gesundheit“ kann die Weichen in diese Richtung stellen. Niemand müsste an der nächsten Grippewelle teilnehmen, jeder könnte essen, worauf er Lust hat, ohne dick zu werden, könnte morgens frischer aufwachen und abends besser einschlafen, könnte Energie im Überfluss haben und obendrein die besseren Ideen. Oft ist es dazu allerdings notwendig, zuerst aus verschieden Teufelskreisen auszusteigen.

Von ihrer Körperwärme her kühle Typen mit schwachem Bindegewebe und niedrigem Blutdruck, kühlen sich mit Nahrungsmitteln wie Obst und Rohkost noch weiter ab, während heiße Typen, denen schon beim Gedanken an die Gulaschsuppe Schweiß ausbricht, sich über diese Nahrungswahl weiter aufheizen. Dabei ist es einfach, auf den Spuren der alten Chinesen diesen und andere Problemkreise zu durchschauen und zu verlassen. Wir müssten uns artgerecht, also wie Menschen d.h. überwiegend vegetarisch, typgerecht wie gerade beschrieben und vollwertig ernähren, weil wir in der Evolution nichts anderes gelernt haben.

Auf dieser Basis könnten wir mit einfachen Tricks weitere Schritte zur Gesundheit leicht machen. Wer nach dem Abendessen nichts mehr isst und wenigstens 12 Stunden fastet, erlebt mit dem Frühstück wirklich ein „break-fast“, wie die Angelsachsen sagen und hat die Chance auf genug Wachstumshormon. Dieses fühlt sich aufgeräumt an und wie Kreativität und gute Ideen.

Einen noch größeren Effekt kann die Einnahme von einem Esslöffel einer Rohkost namens TakeMe haben, die nüchtern mit Fruchtsaft genommen und mit viel Wasser durch den Magen gespült, die Serotonin-Speicher des Organismus auffüllt. Wer danach noch wenigstens 30 Minuten nüchtern bleibt, erlebt in der Regel eine deutliche Stimmungsverbesserung – Serotonin ist unser Wohlfühl- und Glückshormon – wie auch eine Verbesserung des Schlafes, weil der Organismus daraus auch sein Schlafhormon Melatonin macht und eine Reihe anderer Verbesserungen wie die der Haut. Genaueres zu diesen und weiteren Ernährungs-Tricks bringt das Buch „Vom Essen, Trinken und Leben“.

Ähnlich leicht gelingt es im Bewegungsbereich, die Weichen richtig zu stellen, wo vielen modernen Menschen sanfte Ausdauerbewegung im Sauerstoffgleichgewicht fehlt, die das Herz stärkt und zur erstrebten Fettverbrennung führt. Leider aber trainiert die eine Hälfte der Menschen (meist Männer) zu selten zuviel und die andere (vor allem Frauen) macht zu häufig zu wenig. So bleiben beide Gruppen Herz-Kreislauf-schwach und verfehlen obendrein ihr Idealgewicht. Das Taschenbuch „Säulen der Gesundheit“ kann hier weiterhelfen und so raffinierte Tricks wie die der Bewusstseinsgymnastik vermitteln, die über den Körper den Geist fit machen.

Im Bereich der Entspannung liegen die Dinge kaum besser, und dabei wären auch hier die Auswege sehr einfach. Schon ein kurzer Mittagsschlaf kann die ganze zweite Tageshälfte energetisch verbessern, geführte Meditationen können auf angenehme Weise Regeneration und Entspannung fördern.

Über die Jahre konnten wir in vielen Seminaren erleben, wie Teilnehmer ihr Lebensschiff erfolgreich in gesunde Gewässer steuerten. Aus diesen Erfahrungen sind Bücher wie das „Das große Buch der ganzheitlichen Therapien“ oder „Schlaf – die bessere Hälfte des Lebens“ aber auch „Das große Buch des Fastens“ entstanden, deren Hinweise das Leben drastisch verlängern und vor allem seine Qualität deutlich verbessern können – durch einfache konsequente Schritte zu ansteckender Gesundheit.

Wie all die großen alten Medizinsysteme von der chinesischen TCM über die tibetische bis zur indisch-ayurvedischen Medizin war es notwendig auch die Archetypische Medizin auf einer Philosophie aufzubauen, die jedem Einzelaspekt seinen Platz zuerkennt. Mit der hermetischen Philosophie der alten Weisheitslehren ist das geschehen, die die Gesetze der Wirklichkeit vermittelt wie das der Polarität, gefolgt von dem der Resonanz. Aus dieser Philosophie ergibt sich aber auch zwingend die Notwendigkeit der Urprinzipien- oder Archetypenlehre, die erst echte Vorbeugung ermöglicht.

Wo die Grundgesetze der spirituellen oder hermetischen Philosophie verstanden werden, macht es Sinn, bessere Einlösungsebenen für die Energien hinter Symptomen zu suchen. Solange jemand das Polaritätsgesetz nicht durchschaut und lediglich staunend und angewidert feststellt, dass es immer gerade die besten erwischt, wie etwa die Friedenspolitiker, oder solange er das Resonanzgesetz nicht versteht, wird er nie begreifen können, warum einige ständig Glück haben oder immer mehr Geld anhäufen. Erst wenn man die Spielregeln des Lebens durchschaut und die Gesetze der Wirklichkeit versteht, macht das Spielen und damit das Leben wirklich Freude. Dann treten Jammern und das Projizieren von Schuld zurück und Entwicklung in Richtung ansteckender Gesundheit und spiritueller Verwirklichung kann beginnen.

1 Diese kämpferische Antihaltung der Schulmedizin ergibt sich schon aus den Bezeichnungen ihres Waffenarsenals, mit dem sie die Krankheitsbilder besiegen will: Antihypertonika und Antikonvulsiva, Antikoagulantien und Antibiotika, Antipyretica und Antihistaminika, Antidepressiva und Antiepileptika usw. usf.. Was nicht Anti ist, erweist sich als Blocker (Säure- und Betablocker) oder Hemmer (ACE-Hemmer). Aus dieser Antihaltung konnte sich natürlich nie ein Verständnis für das Wesen von Krankheit ergeben.