Liebe und Lebensfreude

raspberries-215858_640Wer von Liebe spricht, denkt in der Regel an große Gefühle und romantische Lebenssituationen, aber es gibt auch eine viel bodenständigere Ebene dieses weltbeherrschenden Phänomens, nämlich die körperliche. Und dabei denkt dann so ziemlich jeder an Sexualität, den körperlichen Ausdruck der Liebe. Aber wir können heute noch eine Ebene tiefer gehen und uns mit der Chemie, genaugenommen mit der Biochemie der Liebe beschäftigen, die immer besser erforscht, wirklich spannende Einsichten in das spannendste Thema unseres Menschseins ermöglicht.

Wissenschaftlich schon längst entschlüsselt sind die Hormone, die unsere Lust entfachen, die Östrogene und Androgene. Dass es auch hormonelle Gründe hat, wenn wir mit jemandem ins Bett gehen, mag auf den ersten Blick desillusionierend wirken. Wichtig ist dabei, sich jederzeit bewusst zu sein, dass das nur eine Parallelebene zu jener geistig-seelischen ist und keine die andere durch ihre Existenz unwichtig oder minderwertig macht. Beide kommen untrennbar und in jedem Moment der Liebe zusammen.

Nun wurde auch noch das Phänomen jener zauberhaften Anziehung, das zum Phänomen euphorischer Verliebtheit führt und Schmetterlinge in den Bauch zaubert biochemisch entschlüsselt oder sollten wir sagen entzaubert? Kaum schauen wir uns nämlich in die Augen, spielen auch schon die sogenannten Neurotransmitter verrückt, jene Hormone oder Botenstoffe, die zwischen Nervensystem und Drüsen stehen und über das Blut verschickt werden. Vermehrt gebildetes Dopamin zieht unsere ganze Aufmerksamkeit auf den jeweiligen ins Auge gefassten Partner. Wir haben ihn noch längst nicht angefasst, aber schon ins Auge gefasst, und schon beginnt es biochemisch in uns zu arbeiten. Immerhin bleibt aber der Akt, des Anschauens noch unserer Seele überlassen, wobei wir auch dabei – wenn wir uns mit der Bedeutung der Duftstoffe befassen – auf einige wissenschaftliche Überraschungen gefasst sein sollten.

Wenn unsere Aufmerksamkeit vom Dopamin gefesselt ist, stürzt ein anderer Neurotransmitter, das Serotonin in den Keller und Norepinephrin wird ausgeschüttet. Das ist jener ebenfalls lange bekannte Stoff, der für die Prägung neugeborener Tiere auf ihre Mütter verantwortlich ist. Wenn er einmal kreist wird jede der Gesten des potentiellen Partners zu einer einzigen Offenbarung von Anmut und jedes Lächeln verwandelt sich in eine Flut von unwiderstehlichem Charme und Liebreiz.

Das abstürzende Serotonin, das immer im Zusammenhang mit Dopamin zu sehen ist, lässt uns das Verliebtsein auf der Körperebene wie Stress erleben, denn das Fehlen dieses Wohlfühlhormons, erlebt der Organismus als Stress. Wer andererseits genügend Serotonin zur Verfügung hat, wie etwa die Genießer von TAKE ME, jener Serotonin im Überfluss sicherstellenden Rohkost, hat doppeltes Glück, denn sein Verliebtsein wird nicht zum Stress, er kann sich dabei auch noch wohlfühlen und so doppelt genießen.

Schließlich kommt beim Verlieben auch noch Phenyläthylamin hinzu und bringt uns in jene ebenso verrückte wie wundervolle Gemütslage, wo wir weder Schlaf noch Nahrung brauchen, Gott und die Welt umarmen wollen, und nur noch den (biochemischen?) Traumpartner im Auge haben. Diese Verrücktheit kann so stark werden, dass Menschen Ihre Familien, ihre Arbeit, ja ihr ganzes bisheriges Leben im Stich lassen, um den neuen Impulsen nachzugehen, die die Neurotransmitter vermitteln.

Eigentlich könnten uns solch moderne Entdeckung helfen, uns ein wenig von der Unsitte der Schuldprojektion zu befreien. Wenn es doch Hormone sind, die derlei auslösen oder – landläufig gesprochen – sogar verursachen, könnten wir mit den Betroffenen milder umgehen und vielleicht ganz darauf verzichten, sie zu bewerten oder sogar zu verurteilen. Vielleicht geschieht es ja sowieso nur aus Neid auf den begnadeten Zustand, der einem selbst im Moment verschlossen ist beziehungsweise den man sich verschlossen hat. Hinzu kommt obendrein noch, dass sich niemand vorsätzlich verliebt, also fehlt mit dem Vorsatz sogar juristisch die Hauptkomponente der Schuldfähigkeit.

Wie stark und prägend solche Zustände sind wissen wir alle von der persönlichen Erfahrung der Großhirnvergiftung mittels Alkohol. Wer im alkoholisierten Zustand aktiv wird, bekommt ja auch mildernde Umstände, warum also nicht auch diejenigen, die sich unter dem Einfluss von Phenyläthylamin „wahnsinnig verliebt“ haben.

Irgendwann – so ist zu vermuten – wird dieser bezaubernde Cocktail gerade entdeckter Neurotransmitter sicher aus dem Labor der Wissenschaftler entweichen – wie noch alles andere bisher auch – und seinen Weg auf den freien Markt finden. Wer dann einen Schluck aus dem entsprechenden Liebesfläschchen nimmt, wird wohl sehr offen dafür sein sich unsterblich zu verlieben. Ob es allerdings völlig gleichgültig sein wird, wen man dann gerade als ersten zu sehen und zu fassen bekommt, muss sich erst zeigen. Die Liebe über diesen Weg zu zwingen ist ja ein alter Traum der Hexenmedizin. Über diesen biochemische Zugang könnte die alte Welt der Liebes- und anderer Zaubertränke wieder sehr aktuell werden.

Heute haben wir immerhin über die simple morgendliche Einnahme von TAKE ME auf nüchternen Magen bereits die Möglichkeit, unsere Serotoninspeicher so zu füllen, dass die Liebe immer eine gute Basis in Gestalt von Serotonin findet und eine Verliebtheit, die Dopamin braucht, nicht auf Kosten von Serotonin geht und so das Wohlgefühl erhält und den Stress des Serotoninmangels verhindert.

Oder ist es möglicher weise doch so, dass wir uns über die Augen verlieben, über diesen besonderen Blick und die Seele dabei eine Rolle spielt und dass sich parallel dazu das ganze Szenario der Hormone und Neurotransmitter aufbaut? Die Zukunft wird es wahrscheinlich in dieser Richtung offenbaren, denn Körper und Seele gehen letztlich immer parallel. Wir wären nur gut beraten, wenn wir der Seele diese Möglichkeit, in Liebe aufzugehen, ermöglichen, indem wir dann auch schauen und uns berühren lassen, lange bevor uns ein Partner berührt.

Möglicherweise ist es aber nicht einmal „Zufall“, wer uns in dieser Hinsicht auffällt und wem wir tiefer in die Augen schauen. Denn dass wir angelockt von speziellen Duftstoffen unseren Weg zum für unseren Nachwuchs besten Immunsystem finden, mussten wir schon vor langer Zeit desillusioniert zur Kenntnis genommen. Wissenschaftler hatten belegt, wie wichtig die sogenannten Pheromone sind, jene Duftstoffe, die die Geschlechter auf subtile Art aufeinander „hetzen“. Sie werden heute in Ihrer Macht weitgehend zu gering eingeschätzt, zumal die Zeiten vorbei sind, wo das reizende Mädchen ihr Taschentuch durch die Achselhöhle zog und dem angebeteten Herrn Leutnant zuwarf.

Diesbezüglich hab ich einige spektakuläre Erfahrungen bei der psychotherapeutischen Arbeit machen können. Einmal fand eine Patientin während ihrer vierwöchigen Reinkarnationstherapie rückwirkend heraus, dass Sie Ihren Mann nur geheiratet hatte, weil er genau wie ihr Vater roch, weil er nämlich dasselbe Rasierwasser verwendete. Von dem Vater hatte sie nie genug Zuwendung und Anerkennung bekommen, weil er zuwenig zuhause war. Als sie dann endlich einen Mann fand, der für sie Zeit hatte und so roch wie Papa, ohne dass sie sich dessen bewusst war, gab sie seinem Werben rasch nach und heiratete ihn. Scheiden ließ sie sich mit vielen guten Gründen einige Jahre später. Den bestimmenden Grund aber fand sie erst Jahre später in der Psychotherapie: ihr Mann hatte das Rasierwasser gewechselt und sie hatte schlagartig das Interesse verloren. Als sie das heraus fand, war sie schon jahrelang geschieden und ziemlich erstaunt über diese tiefere Ebene des Verstehens.

Das zweite Beispiel konnte ich direkt miterleben. Ein Mitarbeiter verliebte sich für alle offensichtlich während eines Seminars in eine über 20 Jahre ältere Teilnehmerin, die darüber ebenso erstaunt war, wie alle anderen. Auch nach eindeutigen Warnungen schaffte er es nicht, sich von ihr fernzuhalten. Hinweise, wie viel attraktiver, jünger und passender seine Freundin sei, halfen gleichfalls nicht. Während einer kurzfristig angesetzten Psychotherapie-Sitzung, stellte sich nebenbei und von ihm wenig beachtet heraus, dass die Teilnehmerin so duftete, wie seine vorletzte Freundin, die ihn verlassen hatte. Daraufhin sprach ich die Dame an und erkundigte mich nach ihrem Parfum, ließ es besorgen und rüstete alle Mitarbeiterinnen und noch einige mir bekannte Seminarteilnehmerinnen damit aus. Das Ergebnis war beeindruckend. Wie ein verwirrter Jagdhund nahm der Mitarbeiter ständig neue, für ihn ganz ausgesprochen wundervoll duftende Fährten auf. Als wir ihm das ganze Spiel enthüllten, konnten alle herzhaft lachen, der Bann war gebrochen und der Spuk ging trotzdem weiter. Der Macht dieses Duftes konnte er sich trotzdem kaum entziehen. Das Bewusstsein kann uns also helfen, über solche biochemischen Wirkungen hinwegzukommen, beziehungsweise uns darüber zu stellen, aber es tut sich sehr schwer gegen die olfaktorische Wirklichkeit zu bestehen.

Eines zeigen beide Beispiele klar, wir reagieren wahrscheinlich auf Duftstoffe mindestens so stark wie auf den Anblick, nur manchen wir es uns nicht bewusst. Wissenschaftlich lässt sich auch das wieder erklären. Unser Riechhirn ist viel älter und größer als die Sehrinde, jener Gehirnteil, der die optischen Eindrücke verarbeitet. Außerdem ist es eng mit dem Hypothalamus assoziert und anderen Regionen, die für die Verarbeitung mit Gefühlen zuständig sind. Das Riechhirn hat also den direkteren und mächtigeren Draht zur Gefühlswelt und ist viel beherrschender als wir uns meist träumen lassen.

Dem entspricht jedenfalls auch die Erfahrung vieler Partnerschaften, dass man sich an ein hübsches Aussehen sehr rasch gewöhnt, aber nie an einen unangenehmen Geruch. Wer auf eine haltbare Beziehung aus ist, müsste also eher seiner Nase als seinen Augen folgen. Andererseits zeigt es auch, wie wichtig Düfte und auch künstliche im Sinne von Parfum sind. Die Franzosen, die noch die Kunst des Duftes verstehen, sind hier also ganz gut beraten. Sie wenden Parfums durchaus bewusst im Bereich der sekundären Geschlechtsmerkmale an, um den eigenen Körperduft im Sinne der Benutzer zu verfeinern. Insofern kann man Parfums eigentlich nicht an den Fingerrücken einer Hand testen, da sie nur im Zusammenhang mit der eignen Duftnote wirklich einzuschätzen sind.

Wie weit Duft in unserem Liebes- und Partnerschaftsleben unbewusst mitspielt, hat eine wissenschaftliche Untersuchung von den Partnerpräferenzen schwangerer und nichtschwangerer Frauen aufgezeigt. Die nichtschwangere Frau fühlt sich duftmäßig zu Männern hingezogen, die ihrer eigenen Sippe genetisch fremd sind. Das hat vom Standpunkt der Evolution unbedingt Vorteile, denn dadurch wird das Erbgut besser durchmischt und die Nachkommen sind gesünder und mit größerer genetischer Vielfalt ausgestattet. Wenn sie dann aber empfangen hat, ändert sich das und sie tendiert wieder mehr zu Männern aus der eigenen Verwandtschaft. Auch das ist evolutions-logisch, denn so wird sie eher treu bleiben und kann das Kind in der Geborgenheit des eigenen vertrauten Umfeldes von diesem beschützt aufziehen.

Im Zusammenhang mit der Anti-Baby-Pille ergaben Untersuchungen nun folgendes Duft-Fiasko. Die Frau, die die Pille einnimmt, reagiert wie eine Schwangere, sie fühlt sich zu Männern ihres eigenen (genetischen) Kreises hingezogen. Wenn Sie sich dann in einen davon verliebt, die Pille absetzt und mit ihm ein Kind bekommen will, wird er ihr schon weniger gut schmecken, weil er zwar noch riecht wie vorher, sie das aber durchaus nicht mehr so wundervoll findet. Jetzt tendiert sie geruchsmäßig zu Fremden, die ihr genetisch ferner stehen. Insofern ist die Pille auf dieser Ebene durchaus bedenklich oder jedenfalls Beziehungstechnisch für einige Verwirrung gut. Das mag mit ein Grund sein für die Tatsache, dass doch immerhin 15 % der Kinder Kuckuckskinder sind, nach dem Krieg sollen es sogar 20 % gewesen sein.

Inzwischen gibt es aber noch neuere Durchbrüche im Bereich wissenschaftlicher „Liebesforschung“. Es hat sich gezeigt, dass es ein für die Dauer einer Beziehung viel wichtigeres Hormon gibt als es Östro- und Androgene sind. Es kommt bei beiden Geschlechtern vor und wird wegen seiner entsprechenden Eigenschaften auch schon als Bindungshormon bezeichnet. Sein Name ist Oxytocin, und es ist eigentlich schon lange bekannt, seine Wirkung wurde aber bisher lediglich auf das Stillen bezogen. Jetzt wissen wir, dass es obendrein auch beim Austausch von Zärtlichkeiten und vor allem bei Orgasmen ausgeschüttet wird. Indem es ein starkes Gefühl von Verbundenheit auf der seelischen Ebene vermittelt, erhöht es die Bindungsfähigkeit ungemein. Beim Stillen ist das natürlich überaus sinnvoll, und in der Praxis zeigt sich dann auch, dass Brustfüttern nicht nur für das Kind, sondern gerade auch für die Mütter ganz entscheidend ist, weil es ihr Gefühl und ihren Bezug zum Kind so deutlich verstärkt.

Wenn auch beim „Schmusen“ und erst recht auf dem Weg zum und am Höhepunkt des Liebesaktes ebenfalls Bindungsmittel freigesetzt wird, dient das offensichtlich dem Erhalt der Beziehung. Hier zeigt sich, um wie viel konservativer die Natur ist gegenüber unserer heutigen Gesellschaft, die immer mehr zum One-night-stand tendiert. Die Natur wirkt mit dem Oxytocin diesem modernen Trend entgegen. Wenn zwei sich einmal auf diese Ebene des Geschlechtsverkehrs einlassen, will sie offenbar ihren Zusammenhalt fördern und erhalten. Dahinter steht das Bestreben, die Art zu erhalten und eine familiäre Situation sicher zu stellen, um Kindern ein Nest zu schaffen.

Wir können also beim Liebesspiel selbst einiges mitbestimmen. Wer nur einen One-night-stand im Auge hat, sollte zum Beispiel fairer weise auf das Reizen der Brustknospen verzichten, denn dadurch wird besonders viel Oxytocin ausgeschüttet. So viel, dass manche Frauen über diesen Weg zum Orgasmus kommen können. Wer andererseits eine längere Beziehung will, könnte über diesen immer stärker werdenden Reiz für mehr Bindungsenergie zwischen beiden sorgen.

Diese Art Wissenschaft auf ein sehr konkretes und für alle so wichtiges Thema anzuwenden, kann geradezu Spaß machen, es zeigt aber auch, wie komplex die Zusammenhänge letztlich sind, zumal wir wahrscheinlich erst die Spitze des Eisberges erforscht haben und noch eine Menge unter der Oberfläche darauf wartet.

Wer nun Angst hat, dass sein ganzes (Liebes)Leben von Neurotransmittern und Pheromonen bestimmt sei, mag entspannen. Aus Sicht der spirituellen Philosophie gibt es gar keinen Zufall, stattdessen fällt einem gesetzmäßig zu, wozu man sich reif gemacht hat und wofür man reif geworden ist. Dahinter steckt das Gesetz der Resonanz. Es gibt also durchaus ein größeres und höheres Gesetz, und wir sind keineswegs Marionetten unserer eigenen Biochemie. All diese Forschung ist wichtig und erhellend, aber sie findet auch ihre Grenzen an den großen Zusammenhängen des Lebens.