Lehren und Lernen – Erziehen? oder Vorbild sein und vorleben?

Als Elisabeth Kübler-Ross, die uns über viele Jahrzehnte mit ihren Büchern und Gedanken bereicherte und mit ihrem Aufruf, endlich die unerledigten Geschäfte der Vergangenheit zu erledigen unvergessen bleibt, auf fast schon wieder tragische Weise starb, brach für viele eine Welt zusammen. Sie konnte leider nicht sterben wie sie gelebt hatte und blieb offenbar in heftigen Projektionen stecken. Aber macht das ihre Lehre weniger wert. Offenbar kann auch etwas wertvoll sein und bleiben, wenn derjenige, der es vertreten hat, gar nicht dem eigenen gesetzten Standart entsprechen konnte. Das Ideal wäre es natürlich, wenn lehren und lernen immer Hand in Hand gingen und das Gelehrte vorher solide gelernt worden wäre.

Richard Bach, der Autor der Möwe Jonathan sagte, wir lehren am besten, was wir gerade lernen. Insofern bin ich froh um die zwei Jahrzehnte, die ich die „Schicksalsgesetze“ und damit die „Spielregeln des Lebens“ lehren durfte. So konnte ich das Wirken des Polaritäts- und Resonanzgesetzes und der Bewusstseinsfelder immer besser verstehen und auf tieferen Ebenen lernen. Es zu lehren machte mir all die Jahre Freude und es schließlich in „Die Schicksalsgesetze – Spielregeln fürs Leben“ aufzuschreiben ging mir ausgesprochen leicht von der Hand und geschah im wahrsten Sinne des Wortes mit links. Nehmen wir Richard Bach ernst, wozu aus meiner Sicht guter Grund besteht, so hat Lehren immer mit Lernen zu tun und Lernen ist die beste Vorbereitung auf Lehren. Demnach müsste sich der Lehrer als Lernender wahrnehmen und seinen Schülern für diese Gelegenheit danken. Die besseren Lehrer kommen diesem Verständnis auch nahe.

Nach dreißig Jahren in der Lehre bezüglich Ausbildung und Beratung einerseits und andererseits ebenso langer Krankheitsbilder-Deutung, Psychotherapie und Arbeit mit inneren Bildern ist heute mein Vertrauen in pädagogische Konzepte und Erziehungsrichtlinien nicht mehr besonders ausgeprägt. Wer erlebt hat wie deutsche Pädagogen die Antwort auf die Pisa-Misere fanden und umsetzten, kann nur deprimiert sein. Ohne überhaupt auf die Idee zu kommen, dass etwas inhaltlich falsch laufen müsse, wenn die deutschen Schüler so abgeschlagen endeten, sah man nur auf Äußerlichkeiten. Finnische Schüler, die ganz vorn abschnitten, hatten vor – und nachmittags Schule, also musste es daran liegen.

Wer als Coach wie die Lehrer dort neudeutsch heißen, einem Unternehmen, das tagsüber rote Zahlen fabriziert, vorschlagen würde, noch eine zusätzliche Nachtschicht nach demselben Prinzip einzulegen, würde dafür nur Hohn und Spott ernten, nicht so aber die deutschen Pädagogik-Professoren. Sie setzen – ohne die geringste Ahnung von Paul Watzlawicks Erkenntnis, dass immer mehr vom selben nichts bringe – durch, dass Nachmittagsunterricht eingeführt werden müsse – und das ohne nennenswerte Gegenwehr. Das spricht nicht nur gegen diese Professoren, sondern auch gegen ein System, das solchen Unfug ermöglicht.

Der ganze pädagogische Bereich scheint mir überhaupt daran zu kranken, dass die Lebensregeln zu wenig bekannt sind. Wo Lehrer sie aus entsprechenden Seminaren und Büchern kennen, sehen sie sich außerstande, sie in Schulen umzusetzen. Aber ohne Wissen um die Polarität, die Resonanz zwischen Lehrenden und Lernenden, das Wirken von Bewusstseins-Feldern und das Gesetz des Anfangs, wird es schwer und fast aussichtslos, Kindern, die den Prototyp der Lernenden darstellen, aber auch allen anderen Lernenden gerecht zu werden.

Ein Beispiel mag das erhellen. Es scheint mir in der Pädagogik etwa noch immer viel zu wenig bekannt, dass im Anfang alles liegt und Kinder ihre ersten Jahre völlig in einer Welt der inneren und äußeren Bilder verbringen und so anfangs gar nicht und später nur wenig in der Lage sind, gedankliche Abstraktionen zu verstehen. Auf diesen beruhen aber die meisten Erziehungsmaßnahmen. Jede Verneinung und jedes Verbot ist bereits deutlich Abstraktion. Bedenken wir, mit wie vielen Verboten und Verneinungen wir Erwachsenen in diesem Teil der Welt Kindern begegnen, zeichnen sich die hier entstehenden Probleme schon ab. Wer zu einem Kleinkind sagt: “Wehe Du schüttest Deinen Kakao heute wieder um!” richtet in seiner Wirklichkeit die Botschaft aus: “Kakao umschütten!”, weil ein Kind die Abstraktion der Verneinung noch nicht umsetzen kann. Erwachsene können das nachempfinden, wenn sie nur einmal versuchen, nicht an ihre eigene Nase, eine Wiese oder das Meer zu denken. Im Moment, wo das betreffende Wort fällt beziehungsweise gelesen wird, ist das damit verbundene Bild auch schon da. Solange jemand aber wie Kinder ganz in Bilderwelten lebt, kann er Abstraktionen gar nicht gerecht werden.

In der Werbebranche ist das Geheimnis der Bilder den Fachleuten längst selbstverständlich. Dort würden die Fehler, die die Erziehung nach wie vor bestimmen, nicht vorkommen. Niemals werden Produkte der Konkurrenz verboten oder auch nur herabgesetzt, sondern die eigenen in leuchtenden Bildern und Farben angepriesen auf eine Weise, der sich das Unbewusste kaum entziehen kann.

Nun haben viele Eltern und Pädagogen aber das gegenteilige Gefühl und glauben mit ihren Verneinungen und Verboten doch durchzukommen. Wo es stimmt, hat es aber mehr mit Dressur als mit Verständnis und Pädagogik zu tun. Wenn ein Elternteil jeweils sehr ungehalten oder gar tätlich auf ein bestimmtes kindliches Verhalten reagiert, wird das Kind diese Reaktion mit seinem eigenen Verhalten innerlich koppeln und diese unangenehme Erfahrung zukünftig zu meiden suchen. Das aber ist Dressur auf jener Ebene, die Pawlow schon seinen Hunden angedeihen ließ. Werden diese immer bei einem Klingelzeichen gefüttert, koppeln sie das Futter innerlich mit dem Klingelzeichen, und nach kurzer Zeit wird ihnen das Wasser im Munde zusammenlaufen, wenn es klingelt, selbst wenn gar kein Futter angeboten wird. Was aber im positiven Sinne funktioniert, geht auch im negativen und bestimmt weite Strecken der sogenannten frühkindlichen Erziehung – sehr zum Schaden der kindlichen Entwicklung. Diese ist aber – auf Grund des Gesetzes vom Anfang – noch viel wichtiger als alle späteren pädagogischen Maßnahmen.

Die Erziehung über das eigene Vorbild hat dagegen viele Vorteile. Hier ist es das Bild, das prägend wirkt. Die Macht solcher Prägung hat schon Konrad Lorenz mit seinen berühmten Graugansexperimenten demonstriert. Nachdem er den gerade aus dem Ei geschlüpften Graugänsen statt der Mutter gleich nach der Geburt sein eigenes Gesicht gezeigt hatte, waren diese auf ihn als Bezugsperson geprägt und gingen fortan selbstverständlich mit ihm ins Büro und auch zum Schwimmen in den Teich. Von einem solchen Ausflug in den Teich stammt jenes berühmte Bild, mit dem Graugansgeschwader, das den alten Meister der Verhaltensforschung schwimmend verfolgt. Seit dem wissen wir auch für das Tierreich, dass im Anfang alles liegt, wovon die spirituelle Psychologie ja schon immer ausgeht. Deshalb ist es so wichtig, dass das Kind gleich nach seiner Geburt die eigenen Eltern oder zumindest die Mutter zu sehen bekommt und nicht – wie über Jahrzehnte – auf die Gesichter fremder Hebammen und Gynäkologen geprägt wird. Diese erste Prägung wäre demnach der wichtigste Schritt frühkindlicher Erziehung. Auch wenn wir Menschen keine Graugänse sind, zeigt sich bei genauer Beobachtung doch immer mehr, wie wichtig erster Eindruck und damit die früheste Prägung auch für uns sind.

Im Bild seiner Mutter sieht das Kind alle Frauen, im Bild seines Vaters alle Männer, weshalb es so sehr wichtig ist, dass es sich gute Eltern „einbilden“ kann. Im ersten Lehrer aber wird ebenfalls ein Archetyp deutlich und wesentlich. Wenn diese Figuren positiv geladen und eingebildet werden können, ist schon viel für die Zukunft gewonnen. Demnach wären Kindergärtnerinnen und Grundschullehrerinnen noch viel wichtiger als Gymnasiallehrer und Uniprofessoren, was unsere pädagogische Wirklichkeit völlig auf den Kopf stellen müsste.

Nach dem Resonanzgesetz wird die Vorbildfunktion zur alles entscheidenden. Der Volksmund weiß schon in der Wortwahl die Vorbildfunktion zu schätzen und sagt, wie entscheidend es ist, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wie sehr diese Prinzipien wirken, wissen wir längst von der Wirkung des negativen Vorbildes. Rauchereltern haben mit größter Wahrscheinlichkeit Raucherkinder, rauchende Ärzte sind als Negativbeispiel so wirksam, dass es ihnen praktisch kaum gelingt, Patienten vom Rauchen zu entwöhnen. Auch beim sogenannten PMS, dem Prämenstruellen Syndrom, wissen wir heute, dass es gar nicht genetisch vererbt wird, wie lange angenommen, sondern über die negative Vorbildwirkung von Generation auf Generation übertragen wird. An Vererbung dachte man zuerst, weil praktisch immer eine ebenfalls daran leidende Mutter als Negativ-Vorbild zu finden war. Inzwischen wissen wir, dass ein Mädchen, das seine ganze Kindheit und Jugend über die eigene Mutter an ihrer Weiblichkeit leiden sieht, unbewusst dieses Muster von ihr übernimmt und so selbst zur Patientin wird.

Weiters schaffen wir unbewusst ständig sogenannte Entwicklungsfelder, die weit wichtiger sind als wir gemeinhin annehmen. Dass lesende Eltern lesende Kinder haben, liegt ja nicht primär an der Ermahnung der Kinder zum Lesen, sondern daran, dass sie die Eltern nachahmen, d.h. mit ihnen in Resonanz gehen. So entsteht bewusst oder unbewusst mit der Zeit ein Feld, das auf die Dauer wenig Alternativen lässt. Wenn Akademikereltern später ihre Kinder gar nicht fragen, ob sie studieren wollen, sondern gleich, was sie denn studieren möchten, schaffen sie ebenfalls ein eindeutiges Feld. Solche Kinder kommen auf gar keine anderen Ideen mehr. Insofern gehen Resonanzgesetz und Felder-Entstehung Hand in Hand. Was im Tierreich so lapidar mit “nachäffen” umschrieben wird, bezieht sich nicht nur auf die Beziehung von Affeneltern und -jungen, sondern auf alle Eltern-Kind-Beziehungen und ist letztlich auf Resonanz zurückzuführen, die heute noch immer viel zu wenig beachtet wird. In diesem Sinne wirken Vorbilder, schon weil sie vorher da sind und wenn sie in Bewusstseins-Felder eingebettet sind gar keine Alternativen mehr lassen.

Es ist eine Binsenweisheit, dass Väter, die ihren Lebenssinn auf Fußballplätzen finden und ihre Söhne schon frühzeitig dorthin mitnehmen, fußballbegeisterte Jungen haben. Glücklicher natürlich jene wenigen, deren Väter sich selbst (Fußball-)spielend betätigen, zu bedauern all jene, deren väterliche Vorbilder passive Konsumenten auf den Rängen oder Sofas sind. Erstere werden mit großer Wahrscheinlichkeit Sportler, letztere passive Konsumenten.

Die Familienstimmung prägt mit ihren Vorbildern und unausgesprochenen Grundannahmen in einem noch immer weit unterschätzten Ausmaß das Familien-Feld. Kinder aus Teetrinkerfamilien neigen später selbst genauso zum Teetrinken wie Kinder aus Kaffeetrinkerfamilien ihren Kaffee brauchen. Leider gilt das auch für Alkoholikerfamilien und ihren Nachwuchs. Walter Lechler, der die Anonymen-Alkoholiker im Nachkriegs-Deutschland eingeführt hat, erzählt folgende Geschichte: Ein kleiner Bub wird nach seinem Berufswunsch gefragt und antwortet spontan: “Alkoholiker wie mein Vater!” Dabei meinte er das durchaus positiv, da er die familiäre, von Mitmenschlichkeit geprägte Atmosphäre bei den Treffen der AA-Gruppen liebte.

In ähnlicher Weise werden die Grundlagen für ein von Bildung und Kultur bestimmtes Leben genauso frühzeitig gelegt wie die für gesunde Ernährung, Achtsamkeit im Umgang mit Schwächeren oder Behinderten usw. Hier dürften die Vorteile von pädagogischen Konzepten wie denen von Maria Montessori und Rudolf Steiner liegen. Auch wenn beide in vielem sehr weit auseinander liegen, haben sie doch die Idee gemeinsam, dass die Pädagogen auch persönlich die Inhalte und vor allem die Geisteshaltung leben müssen, die sie den Kindern vermitteln. So aber können sie als Beispiel und Vorbild wirken und im idealen Fall wirklich etwas bewirken. Die Montessoripädagogik hat gezeigt, wie Kinder, die von Anfang an lernen, mit Schwächeren und vom Schicksal Benachteiligten behutsam und verständnisvoll umzugehen, zu achtsameren und verständnisvolleren Erwachsenen heranwachsen. Das von Steiner propagierte Waldorfschulen-Konzept achtet immerhin noch darauf, von jedem Temperament annähernd gleich viele Schüler in einer Klasse zu haben, so dass sich die Kinder von Anfang an mit der großen Bandbreite menschlichen Seins aussöhnen können. Natürlich setzt das voraus, die vier Temperamente und entsprechend die Elemente überhaupt erkennen zu können, was im pädagogischen Normalfall schon gar nicht gegeben ist.

Pädagogische Lehrpläne sind ein, was die Charakterbildung angeht, recht hilfloses Konzept, sonst müsste etwa der in den normalen Schulen eingeführte Ethikunterricht allmählich Früchte tragen. Im Gegenteil werden die Sitten in öffentlichen Schulen aber immer rauer und weniger von ethischen Erwägungen geprägt. Die vielen Amokläufe, aber auch dass ein hilfsbereiter Mensch von aufsässigen Schülern einfach erschlagen wird, wie kürzlich in München, sind ebenso eindeutige wie bedenkliche Zeichen.

Wichtiger aber, weil im Leben früher relevant, sind da sicher die Vorbildfunktion der eigenen Eltern und die von Kindergärtnerinnen und frühen Lehrern unbewusst transportierten Bilder. Heute kommt – was Bilder angeht – auch dem Fernsehen enorme Vorbild- und Prägungsfunktion zu. Zwar glaube ich nicht, dass aggressive Fernsehbilder aus einem sanftmütigen Wesen einen Unhold machen, aber angelegte Strukturen können in eindrucksvoller Weise herausgeholt, belebt und verstärkt werden. Vor allem aber werden über diese zentrale Bildquelle Felder von großer Tragweite aufgebaut. Das Ergebnis können wir heute sehr gut sehen. Während einige kirchlich beeinflusste Institutionen mit ziemlichem Erfolg darauf achten, alles Geschlechtliche und Nackte von Kindern und uns fernzuhalten, gibt es keinerlei solche Ambitionen im Bereich von Gewalt und Brutalität. Hier wird ein – was Kinderseelen angeht – nachhaltiges Feld von einer mächtigen Unterhaltungsindustrie aufgebaut.

Wobei natürlich nie sicher zu klären ist, was zuerst war, die Henne oder das Ei. Die zunehmende Brutalisierung von Kindern und Jugendlichen hat sicher verschiedene Quellen. Und natürlich produziert die Unterhaltungsindustrie den in Quoten sichtbar werdenden Bedürfnissen hinterher. Gäbe es kein Verlangen nach Horror- und Gewaltfilmen, würden wohl auch keine produziert. Andererseits prägt das Fernsehen über seine Bilder sicher stärker als anderes, und wenn ein kleines Kind von Anfang an in einem Feld aufwächst, wo die Abende der Brutalität vor dem Bildschirm geweiht sind oder auch nur der Hektik des ständigen Programmwechsels, wird das prägende Funktion haben und aggressive und hektische Persönlichkeitsanteile herausholen und verstärken.

Ein Extrembeispiel mag das noch deutlicher machen. Eine Schweizer Mutter sucht weinend Beratung. Ihre vierzehnjährige Tochter wurde beim ersten Geschlechtsverkehr von einem indiskutablen Jungen geschwängert. Auf die Frage, ob sie die Tochter denn nicht aufgeklärt habe, meinte sie wörtlich: “Nein, aber sie hat auch nie gefragt”. Damit ist eine Mutter die Verantwortung natürlich nicht los, denn sie schafft das häusliche Feld, in dem sich die Tochter zu fragen traut oder eben nicht. Wo Lust an Sinnlichkeit und Erotik die Familienatmosphäre bestimmen, entsteht ein entsprechendes Genussfeld und damit erst die notwendige Gesprächsbasis. Wo aber Verklemmung und Lustfeindlichkeit herrschen, wird das entsprechende Feld auch alle einschlägigen Fragen schon im Keim ersticken. So hatte diese Mutter, die selbst Sexualität nur als abstoßend und belastend erlebt hatte, ein entsprechendes häusliches Milieu geschaffen. Aus diesem heraus musste die Tochter dasselbe Drama, das – wie sich herausstellte – die Mutter schon als junges Mädlchen erlitten hatte und das zur Tochter geführt hatte, wiederholen.

Wir bestimmen unsere Welt, sehr weitgehend selbst über die Muster und Felder, die wir unabsichtlich oder auch absichtlich um uns herum schaffen. Da dem so ist, wäre es nahe liegend, sich der Felder bewusst zu werden und sehr sorgsam und vorsichtig mit ihnen umzugehen bzw. entwicklungsförderliche Felder vorsätzlich zu schaffen. Wie das geht bzw. was dabei wichtig ist, beschreibt das Buch „Schicksalsgesetze – Spielregeln fürs Leben“, die zugehörigen drei CDs machen es erlebbar.

Entscheidender als alle Erziehungskonzepte ist also sicher die alte Weisheit, die darauf hinausläuft, mit gutem Beispiel voranzugehen. Wer lehrt, sollte folglich die gelehrten Inhalte leben und dabei ständig weiter vertiefen, also selbst lernen. So wird er zum idealen Vorbild, mit dem Lernende erfahrungsgemäß gern in Resonanz gehen.

Oder einfacher ausgedrückt: Wer andere so behandelt, wie er auch sich selbst behandelt sehen möchte, kann ziemlich sicher sein, dass die eigenen Kinder, ihm nichts antun werden, was er nicht mag. Eine andere ebenso wichtige Lebensweisheit weiß, dass wir nur ernten können, was wir selbst gesät haben. Insofern wäre es nahe liegend, nur zu säen, was wir auch ernten möchten. Lehrende säen und Lernende ernten. Der Volksmund weiß natürlich, dass es so, wie man in den Wald hineinruft, auch wieder herausschallt. In all dem lässt wieder das Resonanz-Gesetz grüßen.

Die größte Gefahr der Erziehung liegt darin, mit zweierlei Maß zu messen nach dem Motto des antiken Gottes Jupiter “Quod licet Jovi non licet bovi” – oder: „was Jupiter erlaubt ist, geziemt noch lange nicht jedem Rindvieh”. Bei solchen bewussten oder uneingestandenen Konzepten werden auch noch so autoritäre Maßnahmen nicht verhindern können, dass nach anderem Maß zurecht gestutzte Kinder in den Tiefen ihrer Seelen nicht den Ge- und Verboten folgen, sondern dem von den Eltern vorgelebten “Ungerechtigkeiten”. Daraus aber werden sich die Muster bilden, nachdem diese Kinder später auf ihre Umgebung einwirken. Das werden die Eltern dann im Alter zu spüren bekommen, wenn sie zu ernten haben, was sie in ihren Kindern gesät haben.

Um den Kreis zu schließen, wäre es natürlich noch viel besser gewesen, Elisabeth Kübler-Ross hätte wie für ihr einzigartiges und rundes Lebenswerk auch noch den entsprechenden Abschluss für ihr Leben gefunden. Denn so werden immer wieder Menschen ihre unbequemen und doch so wahren Lehren an diesem Punkt verwerfen, nach dem Motto: „Sie hat es ja selbst nicht geschafft“ oder „Wasser predigen und Wein trinken“. Der Anspruch, dass Lehre und Leben übereinstimmen und Lehren und Lernen zusammenpassen, ist damit tief in uns und unserer Tradition verankert.