Lebensstimmung und Serotonin im Hinblick auf Seeleninfarkte wie Burn- und Bore-out und Depression

Eine der Aufgaben des Neurotransmitters Serotonin ist es, für gute Stimmung im Leben zu sorgen. Das geschieht durch Aktivierung der Stimmungszentren im Gehirn mit dem Ergebnis eines entspannten Gefühls von Wohlbefinden und Zufriedenheit. Mit Stress und Sorgen sinkt auch die Stimmung rasch und mit ihr der Serotoninspiegel. Wer sich viel ärgert, verbraucht demnach mehr Serotonin und erntet schlechte Laune. Je mehr Stress ein Mensch im Leben ausgesetzt ist, desto mehr Serotonin (ver)braucht er und desto weniger steht zur Stimmungsanhebung zur Verfügung. Das ist für den modernen Menschen ein bedrohliches Szenario. Könnte das Serotonin aber nachgeliefert werden, wäre das von Vorteil, wenn nicht, wird die Stimmung unweigerlich sinken. All die Menschen im Seeleninfarkt leiden genau an diesen Stimmungstiefs.

Bei extremen Situationen wie Depressionen und Zwangsstörungen ist der Serotonin-Spiegel tatsächlich um bis zu 50 % erniedrigt. Beide Störungen sind deshalb auch gut mit Medikamenten zu behandeln, die den Serotoninspiegel hoch halten. Sie tun dies durch Unterdrückung der Wiederaufnahme des Hormons an seinen Rezeptoren. Medikamente, die zusätzlich Serotonin ins Gehirn bringen, gibt es bisher nicht.

Aber natürlich wäre es am besten, es gar nicht erst zum Absinken der Serotoninspiegels kommen zu lassen. Es ist ein Funktionsprinzip unseres Körpers, alle seine komplexen Wirksubstanzen nach Gebrauch aus dem Verkehr zu ziehen und neue Agenzien durch Nahrungsaufnahme aufzunehmen oder selbst aufzubauen. Ganz offensichtlich sollen so Fehlsignale und Fehlfunktionen verhindert werden, die von strukturellen Veränderungen der komplexen Substanzen durch ihren Arbeitseinsatz zu erwarten sind. Die pharmazeutischen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, die die Serotoninmoleküle zu immer neuen Arbeitseinsätzen zwingen, haben hier ihre Nachteile und möglichen Nebenwirkungen, die bis zu schwerwiegenden Blutbildveränderungen gehen können. Die bessere Lösung wäre der originäre Nachschub ungebrauchten Serotonins.

Außerhalb des Gehirns baut es sich im Körper ausreichend aus der essenziellen Aminosäure L-Tryptophan auf, die in vielen Lebensmitteln enthalten ist. Der Weg dieses Bausteins ins Gehirn durch die Blut-Hirn-Schranke ist allerdings recht kompliziert und aufwendig.

Wissenschaftler wissen seit Jahren, dass eine an Tryptophan reiche Nahrung in Kombination mit Zuckern, die das Insulin locken, den Serotonin-Spiegel im Gehirn erhöht. Das Insulin spielt dabei insofern eine Rolle, als es die Zellen für alle möglichen Aminosäuren außer L-Tryptophan öffnet und sie so aus der Konkurrenz an der Bluthirnschranke nimmt. Indem es dem L-Tryptophan die Konkurrenz mit anderen Aminosäuren am Carrier-System vom Hals schafft, ermöglicht es ihm leicht ins Gehirn vorzudringen. Einen ähnlichen Effekt hat auch Bewegung, die Muskelzellen für Aminosäuren öffnet, aber eben nicht für L-Tryptophan, das auf Grund seiner räumlichen Struktur zur Aufnahme in die Mitochondrien der Muskeln grundsätzlich nicht in Frage kommt.

Neben seiner Rolle als Stimmungsbarometer hat Serotonin weitere Auswirkungen auf die Psyche und ist außer bei der Depressionsverhinderung und –behandlung möglicherweise auch bei einer Reihe von anderen seelischen Störungen von ausschlaggebender Bedeutung. Bei Patienten mit Zwangsstörungen wie Wasch- und Kontrollzwängen fand sich – wie erwähnt – ein bis zu 50 % unter der Norm liegender Serotoninspiegel. Weitergehende Forschungen ergaben, dass Hemmungslosigkeit und der Hang zu verrückten und hochgradig irrationalen Handlungen ebenfalls mit einem deutlichen Serotoninmangel einher gehen.

Auch außerordentlich eifersüchtige und von Verlustängsten geprägte Menschen zeigten im wissenschaftlichen Test deutlich reduzierte Serotoninspiegel. Versuche ergaben laut Marco Rauland1, dass Eifersucht durch Medikamente, die den Serotoninspiegel erhöhen wie etwa die modernen Antidepressiva der Klasse der Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer erfolgreich gebessert werden konnte.

Andererseits sind bei der umgekehrten Situation, einem akuten Serotonin-Überfluss im Gehirn wie etwa unter der Einwirkung von MDMA (Ekstasy), die Benutzer meilenweit entfernt von Eifersuchtsgefühlen. Sie erleben im Gegenteil einen Zustand, wo sie Gott und die Welt umarmen könnten und mit offenem Herzen jedem alle Liebe dieser Welt gönnen.

Interessanterweise findet sich auch bei Verliebten ein deutlicher Serotoninmangel. Und tatsächlich hat die Verliebtheit mit dem Schmetterlingsgefühl im Bauch (Serotoninwirkung auf den Verdauungstrakt) und der Bewusstseinseinschränkung auf den einen geliebten Menschen durchaus Ähnlichkeiten mit einer, wenn auch sehr angenehmen Zwangsstörung. Die Wahrnehmung ist eingeschränkt, die Schattenseiten der geliebten Person werden konsequent ausgeblendet und man fixiert sich in extremer Weise auf diese eine Person in ihrer lichtesten Erscheinung, während große Teile des übrigen Lebens ignoriert werden. Mit Nachlassen der Verliebtheit – normalisiert sich mit dem Leben auch der Serotoninspiegel.

Die Bestimmung des Serotonins bietet also die Möglichkeit, Verliebtheit von Liebe zu unterscheiden. Der Zustand der Verliebtheit gleicht biochemisch einer Stresssituation: Serotonin ist reduziert, Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin dagegen erhöht. Auf der anderen Seite sind unter einem besonders hohen Serotoninspiegel, wie nach der Einnahme von MdMA (Ekstasy), tiefe ruhige Liebesgefühle vorherrschend. Die Anwender berichten von der damit einhergehenden Möglichkeit, aus dem Herzen heraus zu leben und zu lieben. Diese Liebe ist aber nicht beschränkt auf eine Person, sondern im Gegenteil weit und offen für alle Welt und sogar alle Natur.

Wirkungsdauer

Serotonin hat eine Halbwertszeit von 21 Stunden, d.h. nach dieser Zeit ist die Hälfte wieder aus dem Blut verschwunden. War Serotonin in dieser Zeit in der Erfüllung seiner vielen Aufgaben stark eingesetzt, etwa beim Stressabbau, kann man sich gut vorstellen, dass sich in den frühen Morgenstunden ein Serotonin-Tief ergibt, das bei zu Depressionen neigenden Menschen als Morgentief bekannt ist. Ein relatives Morgentief haben aber auch all jene, die schwer aus den Federn kommen und denen die Lust auf den neuen Tag am Morgen gründlich fehlt. Diese Missstimmung zu Tagesbeginn ist durch geschickte Lebensführung vermeidbar, denn wir verstehen die Mechanismen dahinter inzwischen ganz gut.

Abends, wenn es dunkel wird, werden wir müde, weil der Organismus beginnt, vorhandenes Serotonin in das Schlaf- und Nachthormon Melatonin umzuwandeln. Im Gehirn gibt es in Gestalt der Epiphyse beziehungsweise Zirbeldrüse ein Art Lichtschalter, der unseren Tag-Nacht-Rhythmus steuert. Am helllichten Tag schaltet die Epiphyse den Serotoninschalter ein und den Melatonin-Schalter aus, bei Dunkelheit umgekehrt. In den frühen Morgenstunden ist der Serotoninspiegel in jeder Hinsicht auf dem Tiefpunkt. Einerseits ist ein guter Teil verbraucht auf Grund der Halbwertszeit, andererseits ist es während der Nacht in Melatonin umgewandelt worden. Es braucht nun Zeit bis unter dem Einfluss von Sonnenlicht wieder neues nachproduziert werden kann, sofern überhaupt die dafür notwendigen Rohstoffe zur Verfügung stehen – etwa in Gestalt ihrer Zufuhr beim Frühstück.

Diesem morgendlichen Elend haben schon immer einige etwa mittels Gute-Nacht- oder Schlaftrunk entgegen zu wirken versucht. Insofern kann es nicht verwundern, dass holländische Forscher kürzlich belegten, dass ein tryptophanreicher Schlaftrunk im Sinne von Honig-Milch hier eine gewisse, wenn auch nur beschränkte Abhilfe schaffen kann und obendrein noch das Einschlafen fördert. Biochemisch ist das logisch, denn ein Serotoninanstieg erlaubt die Produktion von mehr Melatonin (also besserem Einschlafen) und andererseits ist am Morgen auch noch mehr Serotonin übrig, was die Stimmung deutlich bessert. Einiges spricht dafür, dass das Sandmännchen-Hormon Melatonin morgens auch wieder zurückverwandelt werden kann in Serotonin. Denn auch das Hormon Melatonin wird nach seinem Einsatz vom Körper wiederaufgenommen, was bedeutet, es wird zerlegt und verwertet, wobei sein Hauptbaustein Serotonin wieder auftaucht. Omas guter alter Gute-Nacht-Trunk erscheint plötzlich in ganz anderem Licht. Die holländischen Forscher bewiesen, dass solch tryptophanreiche Schlafgetränke nicht nur das Erwachen erleichtern und die Stimmung dabei bessern, sondern obendrein, dass die solcherart versorgten Menschen auch bei frühmorgendlichen Reaktionstest deutlich besser abschnitten. Andere Forschungen zeigen, dass auch ein besonders tryptophanreiches Frühstück unsere Stimmung deutlich heben kann. Wissenschaftlich gesehen verkürzt jedes Frühstück die Reaktionszeit und verbessert die geistige Aufnahmefähigkeit. Je höher sein L-Tryptophan-Anteil ist, desto ausgeprägter ist dieser Effekt.

Nach meinen persönlichen Erfahrungen ist das allerdings sehr relativ, da wir nüchtern auch viele Vorteile haben, wie ich sie vom Fasten kenne. Wenn wir 12 Stunden oder mehr Nahrungskarenz einhalten, haben wir eine deutlich höhere Ausschüttung von Wachstumshormon (HGH = human growth hormone), was wiederum neben den Möglichkeiten verstärkten Wachstums seinerseits auf allen Ebenen auch die Stimmung hebt.

Insofern habe ich – mit gutem Erfolg – drei Jahrzehnte lang meist ganz auf Frühstück verzichtet, bis ich vor fünf Jahren meine Lösung fand. Ich nehme bald nach dem Erwachen ein tryptophanreichen Getränk zu mir in Gestalt eines in Fruchtsaft gelösten Löffels „Take me“, was mir all die Vorteile eine frühmorgendlichen Serotonin- und damit Stimmungsanstiegs schenkt, ohne meinen Verdauungstrakt zu fordern. So kann ich den einen Vorteil mit dem anderen verbinden.

Das Auslassen des Frühstücks hat dabei einen ähnlichen Effekt wie Dinnercancelling, das ich aus sozialen Gründen der Gemütlichkeit nicht anwenden mag. In beiden Fällen verlängert sich die nahrungsfreie Zeit erheblich, wodurch die Ausschüttung an HGH steigt. Das Frühstück (break-fast) wird so zu einem echten Fastenbrechen, auch wenn es schon eher ein Mittagessen ist. Diese Methode ist im mediterranen Bereich schon immer sehr beliebt. Das Frühstück wird in Ländern wie Italien und Spanien weitgehend ausgelassen. Das mag alten deutschen Ernährungsrichtlinien im Stil des „Morgens wie ein Kaiser, mittags ….“ widersprechen, hat sich aber – bei mir und vielen Patienten – sehr bewährt.

Da ein hoher Serotoninspiegel auch den Hunger reduziert, esse ich anschließend bis in die Mittagszeit nichts und habe so zusätzlich den positiven Effekt von vermehrt ausgeschüttetem Wachstumshormon (HGH). Früher konnte ich sagen, all meine Bücher seien nüchtern entstanden, entweder während des Fastens oder doch während der Morgenstunden zwischen 6 und 11 Uhr. Heute ist das noch immer ähnlich, allerdings möchte ich nicht mehr auf den zusätzlichen Serotonin-Effekt verzichten. Diesen einen morgendlichen Löffel getrockneter Rohkost in verdünntem Fruchtsaft nehmen meine Teilnehmer und ich inzwischen sogar mit bestem Erfolg während der richtigen Fastenseminare zu uns. Durch den täglich erfolgenden Anstoß zur körpereigenen Synthese von Serotonin in der Nährlösung des Gehirns ist die Gefahr der Entstehung eines Morgen-Tiefs von vornherein gebannt. Denn die Nacht über bis in den Morgen hinein bleibt die Verfügung über Serotonin trotz seiner teilweisen Umwandlung in Melatonin ausreichend erhalten. Das ist noch aus anderen Gründen sehr wichtig. Denn im Gehirn hat Serotonin nicht nur eine große Fülle von Kontrollaufgaben. Es ist auch neben einigen anderen Neurohormonen ein für die Grundfunktionen des Gehirns wie Denken, Fühlen und Handeln ein – auch die ganze Nacht hindurch- unerlässlicher Botenstoff. Obendrein spielt er eine zentrale Rolle in der uns in ihren Abläufen erst im Ansatz druchschaubaren selbständigen Zusammenarbeit aller Hormone untereinander. Ein Fall solcher Interaktion ist das Zusammenspiel von Serotonin und Oxytocin. Das bekannteste Beispiel für ein solches selbsttätiges Zusammenspiel der Hormone ist die Beobachtung, dass in einer plötzlich auftretenden Notlage Serotonin, das u.a. auch als Impulskontrollhormon fungiert, aus den für die Steuerung aktiven Handelns maßgebenden Hirnbereichen zurückweicht und Platz macht für den Auftritt von Adrenalin und anderen Stresshormonen. Anschließend kommt es wieder zur Zurückdrängung der Stresshormone und neuerlichen Aktivierung von Serotonin. So wechseln wir – auf biochemischer Ebene – von ruhigem und besonnenem, auch couragiertem Agieren zu plötzlichem, auch unüberlegtem, wild entschlossenen und mutigen Handeln und zurück.

Die Rolle des Serotonins bei der Verdauung

Eine zweite, wenn auch weit weniger populäre Aufgabe des Serotonins ist es, die Verdauung in Gang zu bringen. Ca. 10 mg Serotonin kreisen ständig im Körper, aber nur 1 % davon im Gehirn, die für die Stimmung zuständig sind, der Rest ist vor allem im Darm anzutreffen. Im Verdauungstrakt regelt Serotonin die so Peristaltik, d.h. es steuert die sanften Wellen, die über unser Darmrohr laufen und dafür sorgen, dass der Nahrungsbrei langsam aber sicher durch die meterlange Darmpassage gelangt. Starker Stress kann diese Passage dramatisch beschleunigen und die gesamte Verdauung aktivieren mit dem durchaus sinnvollen Ziel, die Verdauungsarbeit so rasch wie möglich abzuschließen. Wer allen schwerwiegenden Ballast losgeworden ist, tut sich bei anstehenden Auseinandersetzungen, bei Flucht oder Kampf deutlich leichter. Das erklärt zum Beispiel den Durchfall vor Prüfungen. In solchen Situationen wird also noch mehr oder sogar alles Serotonin im Verdauungstrakt benötigt und fehlt von daher im Gehirn. D.h. Stimmung und Laune sinken, während die Peristaltik geradezu verrückt spielt. Wir sagen der Stress schlägt uns auf den Magen, wir bekommen Schiss und Magengrimmen. Im Darm ist folglich ein erhöhter Serotoninspiegel, der uns im Gehirn so wundervoll beschenkt, eine ziemliche Zumutung.

Auf der anderen Seite kann eine ruhige gelassene Lebenssituation frei von Angst und Anspannung den Serotoninbedarf im Verdauungstrakt reduzieren, so dass mehr davon im Gehirn zur Verfügung steht und folglich Stimmung und Wohlbefinden parallel steigen.

Der österreichische Fasten-Arzt F.X. Mayr ging davon aus, dass der Tod im Darm sitzt und erkannte in letzterem die Heimat aller Übel dieser Welt. Auf alle Fälle hat der Verdauungs- und damit Bauchbereich ganz entscheidend mit unserer Stimmung zu tun. Das können wir auf Grund der Serotonin-Thematik heute schon mit Sicherheit sagen, auch wenn wir die Logik unseres Bauchhirns noch nicht annähernd verstehen.

Wenn wir bedenken, dass nur 1 % des im Organismus kreisenden Serotonins im Gehirn landet und also 99 % im übrigen Körper und besonders im Darm, können wir ermessen, wie sehr unsere Verfassung vom Zustand des Verdauungstraktes abhängt.

Der Hunger dämpfende Effekt des Serotonins ist mittlererweile ebenfalls wissenschaftlich nachgewiesen. Viele kennen ihn aus Erfahrung. Wenn wir glücklich und zufrieden sind, und das ist praktisch immer wenn der Serotoninspiegel hoch ist, verspüren wir kaum Hunger. Liebende leben bekanntlich ganz gut von Luft und Liebe – möglicherweise aber auch von Luft, Liebe und Licht. Die Erfahrung depressiver Patienten, die nach der Einnahme von Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern an Appetit und Gewicht verloren, weist ebenfalls in diese Richtung.

Auf dem Gegenpol treibt es uns vermehrt Richtung Kühlschrank, wenn wir übel gelaunt und schlecht drauf sind. Ein niedriger Serotoninspiegel macht logischerweise Hunger, weil der Organismus die Hoffnung hat, dadurch neues L-Tryptophan zu bekommen. Man könnte also mit etwas Know-how diese Art des Frustessens durchaus nutzen und die Stimmung noch viel gezielter heben, indem man L-Tryptophan-reich essend dafür sorgt, dass der Körper wieder genug Serotonin nachproduzieren kann. Hier haben sich in letzter Zeit für eine pflanzliche Ernährung die Einnahme von erst gekeimten und anschließend getrockneten und gemahlenen Gemüsen wie Amaranth und Quinoa bewährt und Eingang in „Take me – Glücksnahrung“ gefunden.

Serotonin und Licht

Licht kurbelt ebenfalls die Serotonin-Produktion an, wobei wir noch nicht genau wissen, wie das geschieht. Ist es die Stimmung, die durch Licht gehoben wird, und mehr Serotonin im Hirn erfordert, oder hat Licht direkten Einfluss auf die Serotonin-Produktion. Lichtstärken ab 2500 Lux regen die Serotonin-Produktion merkbar an (1 Lux entspricht einer Kerzenflamme). An einem Sommertag herrschen ca. 10 000 Lux, in einem normalen Büro etwa 1000. Das Ergebnis dieser Situation schlägt sich im Winter-Blues nieder, der in in den nördlichen sonnenarmen Ländern immerhin 10 bis 25 % der Menschen trifft. Typisch sind in diesen Breiten in dunklen Zeiten Heißhunger-Attacken auf Süßigkeiten, die auf ihre Art einerseits die Stimmung über den Zuckeranteil anheben, andererseits aber auch über den Nachschub an L-Tryptophan, das in der Schokolade vorhanden ist. Insofern haben Schokoladen-Nikoläuse und –weihnachtsmänner also durchaus eine verständliche Funktion.

In diesen Zusamenhang gehören die bekannten Winterdepressionen, die im lichtarmen Norden weit häufiger sind, und auch die weit höheren Selbstmordraten in den nördlichen Ländern. Die Endokrinologie nennt das Neurohormon Serotonin zu Recht auch das Suizidkontrollhormon. Kein Mensch mit serotoninbedingt guter Lebensstimmung denkt daran, sich von der Welt zu verabschieden?

„Frauen-Heil-Kunde“ und Serotonin

Ein Anstieg von Östrogen führt auch zu einem Anstieg von Serotonin und Dopamin, dem anderen Glückshormon. Woraus sich ersehen lässt, was für ein zauberhafter Stoff Östrogen ist. Unter diesem Aspekt wird auch verständlich, warum sich nicht wenige Frauen mit den ersten Antibabypillen, die wahre Östrogenbomben waren, so wohl gefühlt haben. Mit sinkendem Östrogenspiegel gehen auch Serotonin und Dopamin zurück. Das mag erklären helfen, warum die Depressionsanfälligkeit mit der Menopause so wächst. Denn in dieser Zeit, sinkt mit dem Östrogen auch das Serotonin. Dass dessen Mangel die Entstehung von Depressionen begünstigt, ist schon lange bekannt. Drei Viertel der Depressiven erfahren durch Steigerung des Serotoninspiegels deutliche Besserung. Eine Rolle mag auch noch spielen, dass das weibliche Gehirn nur etwa die Hälfte des Serotonins des männlichen bekommt. Diese Tatsache könnte die höhere Anfälligkeit von Frauen bezüglich Depressionen erklären.

Die Verbindung mit Östrogen erklärt auch, wie der weibliche Zyklus die Stimmung über den Serotoninspiegel mitbestimmt. Das Wohlgefühl wächst in der ersten östrogenreichen Periodenphase kontinuierlich bis zum Eisprung und ist anschließend wieder rückläufig mit dem Sinken von Östrogen und Serotonin. Der Tiefpunkt im Hinblick auf beide Hormone wird kurz vor der Monatsblutung erreicht, genau in der Zeit, wo viele Frauen besonders leiden. An den Tagen vor den Tagen macht sich zunehmend das so genannte Prämenstruelle Syndrom (PMS) breit, das bereits 30 % der Frauen quälen soll und bei 5 % die Lebensqualität erheblich mindert.

Die Beschwerden, die unter diesem Syndrom zusammengefasst werden, reichen von Stimmungsschwankungen bis zu richtigen Missstimmungen, von Niedergeschlagenheit, Lust- und Antriebslosigkeit bis zu depressiven Beklemmungen. Eher harmlose Varianten wie Konzentrationsschwäche, Hungerattacken und Reizbarkeit kennen die meisten Frauen. Auf der körperlichen Ebene finden sich an die 100 Symptome im Zusammenhang mit dem PMS. Sie reichen von Hitzewallungen und Unterleibsbeschwerden über Übelkeit, Kopfweh bis zu Wassereinlagerungen und Völlegefühl.

85 % aller weiblichen Gewalttaten werden in der prämenstruellen Phase begangen. Die allermeisten Gewalttaten werden natürlich von Männern verübt, Frauen sind in dieser Statistik weit abgeschlagen. Es handelt sich also nur um eine Betrachtung der wenigen weiblichen Gewalttaten in Abhängigkeit vom zyklischen Geschehen.

Auch der so genannte Babyblues oder die Wochenbettdepression dürften sich über den Abfall des Östrogens erklären und dem damit verbundenen Rückgang des Serotonins. Denn nach der Geburt erleidet die Frau ja einen dramatischen Absturz des Östrogenspiegels.

Die besondere Launenhaftigkeit, die seit alters her dem weiblichen Geschlecht unterstellt wird, wäre mit der um 50 % geringeren Fähigkeit des weiblichen Gehirns Serotonin zu produzieren, einerseits und der Östrogenschwankungen andererseits zu erklären. Gut möglich, dass eine Erhöhung des Serotonin-Spiegels auch seinerseits Östrogen aktiviert. Das würde erklären, warum vermehrt Konsumentinnen von „Take me – Glücksnahrung“ im entsprechenden Alter davon berichten, ihre Regel wieder zurückbekommen zu haben und mit ihr eine fühlbare Stärkung der Libido.

Die einfache Lösung

Vieles spricht bei all den angeführten Symptombildern und nach einigen Jahren Erfahrung für die ausgesprochen einfache Lösung, Serotonin über „Take me – Glücksnahrung“ zu substituieren. Die in der Praxis sehr einfach durchzuführende Anwendung der Rohkostvariante „Take me“ ist eine ebenso einfache wie preiswerte Therapie. In Deutschland darf sie sich allerdings aus juristischen Gründen nicht so nennen. Das aber ist eigentlich kein Problem. Wenn sich mit einer einfachen Ernährungsmaßnahme neben dem Problem der Lebensstimmung auch eine solche Fülle von körperlichen Symptomen wie oben angegeben, lösen lässt, ist die Benennung egal. Es hat sogar letztlich Vorteile, dass es sich hier nur um eine Ernährungsvariante und nicht um eine Therapie handelt, denn tatsächlich lässt sich „Take me“ natürlich gar nicht überdosieren.

Ein Kursteilnehmer, der in der Begeisterung über die Veränderungen, die „Take me“ bei ihm und seiner Umgebung auslöste, genehmigte sich – der typisch männlichen Devise „viel hilft viel“ folgend, gleich viele Löffel „Take me“ . Das Ergebnis wurde nicht besser, was auch verständlich ist. Wir können unsere Serotoninspeicher füllen, aber mehr als er braucht, nimmt der Körper nicht, der überflüssige Rest bleibt als L-Tryptophan zurück und wird anderweitig verstoffwechselt. Insofern erlebte der Bekannte zwar nicht die erhoffte Ekstase, aber auch keinerlei negative Nebenwirkungen, im Gegenteil, er hatte eine gesunde Mahlzeit fein vermahlener Rohkost zu sich genommen, die ihm viele wertvolle Enzyme und Faserstoffe zugeführt hat. Deren Bedeutung für unsere Verdauung bleibt noch zu erforschen wie auch viele andere Gebiete der Medizin.

Bevor hier aber noch weiter gehende Wundererwartungen geweckt werden, sei auf folgendes hingewiesen: Es ist durchaus nicht ausreichend, dem Organismus genug Serotonin zur Verfügung zu stellen, um ein glückliches Leben zu bekommen. Aber ohne diese körperliche Basis des Wohlfühlens ist es auch nicht möglich, die entsprechenden seelischen Wahrnehmungen zu haben. Der Stoff allein ist noch nicht die Lösung, aber er ist Voraussetzung zur Lösung, und es wird viel leichter zu Lösungen auf der Bewusstseins- und der seelischen Ebene kommen, wenn die körperliche Grundlage schon einmal gegeben ist.

1 Marco Rauland, Feuerwerk der Hormone, S. 107