Leben – Lieben – Lachen

man-802062_640Wenn wir in diese drei wundervollen Begriffe hineinspüren, mögen fast alle alle drei. Kaum jemand, der sich nicht Liebe und Lachen im Leben wünschte. Andererseits fällt auf, wie wenig häufig wir auf Menschen treffen, deren Leben voller Liebe und Lachen ist. Wie kann es sein, dass etwas so Wundervolles, nach dem sich so viele sehnen, so selten vorkommt?

Tatsächlich haben die meisten Menschen ihr Leben unbewusst in Phasen eingeteilt. Das vorbehaltlose Lachen gehört in die Kindheit, die Zeit zwischen Pubertät und Adoleszenz ist der (körperlichen) Liebe gewidmet, das Leben aber verschieben viele auf die Pensionszeit, wo oft nicht mehr viel Liebe übrig ist und sie meistens auch nur noch wenig zu lachen haben. Zusammen kommen alle drei so nur sehr selten. Wenn das geschieht, wenn Verliebte miteinander lachen und das Leben genießen, ist das wundervoll. Wo Kinder, die sich geliebt fühlen, lachend im Augenblick versinken, sind sie dem Himmel nahe. Erwachsene tun sich da schon ungleich schwerer. Im Fasching versuchen sie sich etwa ziemlich vorsätzlich mittels Witzen und Whiskey in Schwung und zum Lachen zu bringen und ein paar sexuelle Highlights mit zu nehmen, aber das sind schon etwas schale Aspekte von Liebe, Leben und Lachen.

Die Liebe des Anfangs kommt in der Mutterliebe und deren Umkehrung in der grenzenlosen Liebesbedürftigkeit der Kinder der himmlisch-göttlichen Liebe noch nahe. Es ist eine Liebe, die nichts fordert und nichts will, keine Gegenleistung erwartet und aus vollem Herzen vorbehaltlos gibt. Je älter wir werden, desto älter und schaler wird oft auch die Liebe und das Lachen vergeht so vielen mit der Liebe.

Dabei beginnt das Leben mit dem himmlischen Lächeln der Säuglinge. Kaum sehen sie ein menschliches Gesicht, lachen sie, was die Eltern gern auf sich persönlich beziehen. Mit der Zeit wandelt sich das Lächeln vom unschuldigen der Kleinkinder zum charmanten anmachenden oder auch zum raffinierten und berechnenden oder sogar hinterhältigen und schadenfrohen Lachen vieler Erwachsener. Während wir von Baby nur Offenheit und Zuneigung erwarten und ausgelöst und angeregt vom „süßen Kindchenschema“ auch wieder zurückgeben, haben Kinder gegenüber Erwachsenen schon Vorbehalte, Jugendliche bereits Vorurteile im Sinne von „traue keinem über 30“ und Erwachsene gegenüber Erwachsenen nicht nur einen Rucksack voll Vorurteile, sondern auch Aggressionen und Angst.

Andre´ Heller bringt das auf den Punkt mit seiner Geschichte vom dunklen Wald, in dem in dunkler Nacht ein Wolf einem anderen Wolf begegnet und spontan denkt: „Aha, ein Wolf“. Geht aber in dunkler Nacht ein Mensch durch den dunklen Wald und trifft auf einen anderen Menschen, denkt er sofort: „Ma, a Mörder!“ Bei solchen Erwartungen kann einem natürlich das Lachen vergehen und die Liebe findet keinen Mutterboden mehr, auf dem sie gedeihen könnte.

Was ist zu tun, wenn wir wieder lieben und lachen wollen im Leben? Zuerst und vor allem könnten wir unseren Kindern die Liebe und das Lachen erhalten, indem wir ihnen eine ideale Ausgangsposition fürs Leben schaffen. Und das geschieht ganz sicher nicht durch verziehen, over-protection oder verweichlichen. Sie brauchen einen sicheren Rahmen und erst in diesem Freiheit. Ihre Seelen wollen Erfahrungen machen und ihre Körper müssen lernen, sich in der modernen Welt zu behaupten.

Kinder sind meist originell und damit auch witzig und das wiederum legt Lachen nahe. Tatsächlich werden wir als Originale geboren – jeder Mensch ist völlig einzigartig und selbst eineiige Zwillinge haben ihre individuellen Fingerabdrücke – und sterben immer häufiger als Abziehbilder.

Wir könnten also schon von Anfang an ein Augenmerk darauf legen, Kindern ihre Originalität, ihren Humor und Witz zu erhalten und ihr Lachen zu fördern. Kleine Kinder bringen wir noch gern zum Lachen und freuen uns daran, ja lassen uns anstecken. Tatsächlich ist Lachen ja genauso ansteckend wie Gähnen und Gesundheit, wie der Volksmund weiß. Eltern lachen von daher natürlich viel mehr als Kinderlose, auch wenn sie in modernen Zeiten, wo in Deutschland Kinder zum Armutsrisiko geworden sind, vergleichsweise wenig zu lachen haben. Aber was immer die Politik ihnen noch antun mag nach den jeweiligen Wahlen, die sie mit ihren Stimmen und eigenen Versprechen gewonnen hat und anschließend kühl lächelnd oder hinter vorgehaltner Hand lachend oder sich gar ins Fäustchen lachend ad absurdum führt.

Schon bald dringt die Erziehung in die Kinderwelt und sie haben schon weniger zu lachen. Wenn mit Schule oder Vorschule der Ernst des Lebens beginnt, vergeht den meisten das Lachen immer mehr. Vielen Erwachsenen ist es nach Abschluss von Schule und Ausbildung schon fast ganz vergangen. Der Ernst des Lebens greift rücksichtslos um sich und es bleibt kaum noch Lachen übrig. Manchmal bleibt es auch erhalten und wandelt sich nur in unerlöste Spielarten wie „auslachen“ oder „lachen vor Schadenfreude“, wie sie etwa im Fernsehen noch gefördert werden durch all die Darbietungen von Fehlleistungen und Hoppalas. Dieses Lachen ist längst nicht mehr so gesund wie das unschuldige der Kleinen.

Wenn Erwachsene noch richtig herzhaft, d.h. aus vollem Herzen lachen können, schütten sie ihr Herz dabei aus und machen ihm somit Luft, und das ist eine wundervolle Medizin. Wer davon dreimal täglich eine (-n Anfall) nähme, sollte tunlichst nicht seinen Arzt oder Apotheker fragen, sonst würden sie ihm garantiert eine andere weniger durchschlagende Therapie empfehlen beziehungsweise verkaufen. Ernsthaftigkeit steht hoch im Kurs, bringt aber ganz andere Ergebnisse. Nicht umsonst weiß der Volksmund Lachen sei die beste Medizin. Die Clown-Therapie, die um den genialen Arzt und Clown Patch Adams entstanden ist, heilt mit Lachen. Sobald ein Patient in schwieriger Lage wieder über sich selbst lachen kann, ist Grund zur Hoffnung. Wir wissen also aus Erfahrung, wie gesund lachen ist und haben inzwischen sogar positive Studienergebnisse dazu. Versuche mit Lach-Yoga muten etwas gewollt an, zielen aber auf diese wunder-kräftige Therapie.

Die Aufgabe könnte also darin liegen, Kindern den Humor und den Witz zu erhalten, ihnen Gelegenheiten zum Lachen zu schaffen und die humorvollen und witzigen Seiten des Lebens zu zeigen und zu betonen – und sie diese genießen zu lassen. Wichtige Voraussetzung dafür wäre, Kindern ihre Energie und Abwehrkraft zu erhalten, sie zu lehren, sich ihrer Haut zu wehren, was Erreger und Fieber angeht, aber auch was andere Kinder und Erwachsene betrifft. Wenn Kindern erlaubt wird, ihre Erfahrungen im sozialen Raum und in der eigenen Seele und ihrem Körperhaus zu machen, Angriffe abzuwehren und Erfolge zu feiern, werden sie stärker und selbstbewusster und können sich mehr Humor und Witz leisten. In dieser Richtung tendiert das gerade erschienene Buch „Krankheit als Sprache der Kinderseele“. Wo Erwachsene die Symptomsprache ihrer Kinder verstehen, können sie darüber hinaus deren Bedürfnisse besser befriedigen und das werden natürlich oft auch Bedürfnisse nach Grenzsetzungen sein. Zu all dem müssten aber Eltern selbst noch über Humor und Liebe verfügen, die sie ausstrahlen und vermitteln.

Beide sind aber Stiefkinder in der bürgerlichen Welt. Die Humoralpathologie der alten Medizin war eng mit der Säftelehre verbunden. Von diesen Säften war eines klar, sie mussten fließen. Die modernen Menschen sind aber kaum noch in Fluss, oder anders ausgedrückt, der „Humor“, ist ihnen vergangen. Sie benutzen inzwischen mit fortschreitendem Alter immer häufiger Blutverdünnungsmittel, damit der Lebenssaft überhaupt noch fließen kann. Sowohl im arteriellen Schenkel des Blutsystems als auch im venösen wird verdünnt, was das Zeug hält, damit es weiter geht und den Anschein von echtem Fließen vermittelt. Damit ergibt sich eine Art künstlicher „Humor“, der Lebenssaft schleppt sich mehr chemisch unterstützt dahin als lebendig zu fließen. Nun könnte man sagen, beim Anblick der Welt und ihrer Situation könne einem aber auch das Lachen vergehen. Wirklicher Humor aber wäre, wenn man trotzdem lacht und in Fluss bliebe ohne ständig ASS oder Marcumar nachzuwerfen.

Die bessere Lösung wäre natürlich das Leben wieder in Gang beziehungsweise Fluss zu bringen. Wenn die Säfte fließen, kann auch die Liebe leichter in Fluss kommen und das Lachen perlen. Wo dagegen alles stockt, ist man auch vor den Wellen oder gar Stürmen der Liebe sicher. Das Lachen vergeht einem in der Stagnation sowieso. Um wieder lachen und lieben können, muss der Fluss des Lebens in Gang kommen und müssen folglich die Barrieren in Gestalt von Symptomen und Krankheitsbildern überwunden werden. Wo das nicht mehr möglich ist, reicht es manchmal schon, sie zu verstehen und zu akzeptieren und ihre Aufgabe anzunehmen im Sinne von „Krankheit als Symbol“. Und es ist wichtig die bedrückenden Probleme im sozialen Bereich anzugehen und wo möglich zu lösen, wie etwa die des Geldes, die im Augenblick so viele am Lachen, Lieben und Leben hindern. Noch ist niemand durch Geld glücklich geworden, aber schon so viele unglücklich, da wäre es Zeit die Spielregeln im gesellschaftlichen Monopoly zu lernen. Letztlich wäre es natürlich ideal, die Gesetze des Schicksals im umfassenden Sinn zu verstehen, die auf alle Bereiche des Lebens übertragbar sind. Wer die Spielregeln kennt, versteht und beachtet, wird Erfolg haben und sich gut und glücklich fühlen. Das verschafft Resonanz zu Offenheit und Weite und lädt die Liebe geradezu ein und legt häufiges Lachen nahe.

Um als Erwachsene zurück zum kindlichen Lachen zu finden und in den Fluss der Liebe einzutauchen, müssten also auch wir unsere Vitalität zurückerobern, die äußere Abwehrkraft stärken, um im übertragenen Sinn wieder offener zu werden und uns einzulassen, denn nur dann kann uns Liebe geschehen. Nur offene Herz lassen sich von anderen berühren. Wo wir die staunenden großen Augen der Kindheit zurückgewinnen, kann die Welt auch zu uns hereinschauen und uns mit ihren Bildern berühren. Tatsächlich könnten wir uns ja auch der Welt und all ihren Geschöpfen mit Liebe zuwenden. Wer mit den lachenden Augen der Liebe die Welt betrachtet, wird im Fluss bleiben und seinen Humor bewahren und uns und sich viel Stoff zum Lachen schenken.