Krebs und die Reise zu sich selbst

Eine wunder-volle Reise zu sich selbst ausgelöst von einer Krebserkrankung zeigt in berührenden Bildern der Film „Schicksalsgesetze“. Die Patientin Rinetta Morin hatte sich telefonisch an mich gewendet und mir ihre Befunde geschickt, und die waren derart, dass ich dem Schulmediziner zustimmen musste, zuerst eine Operation und dann erst Psychotherapie, denn sonst bestand die Gefahr, dass der längst alle Grenzen überschreitende Tumor einfach mechanisch das Leben beendete durch Blockierung des Magens. Aber entgegen allen Ratschlägen entschied sich Frau Morin „nur“ zu einer Krankheitsbilder –Psychotherapie und lehnte jedes Ansinnen an Operation und andere schulmedizinische Therapie entschieden ab.

Und sie schaffte das – medizinisch gesehen – Unmögliche, nämlich jenes Wunder der Heilung, das die Schulmedizin verschämt Spontan-Remission nennt. Rinetta Morin machte sich auf eine lange Reise zu sich Selbst auf und erzählt davon eindrücklich im genannten Film. Erst die Diagnose und die für sie inakzeptable Behandlung ließen sie aufwachen und sich aufmachen – erstmals im Leben – auf den Weg zu sich Selbst.

Das Wachstum, was sie sich anschließend, statt auf der Körperebene im Bewusstsein gönnte, durfte ich in vielen Ausbildungen miterleben vom Training zur Bildertherapeutin über die für verbundenen Atem bis zur Schattentherapie. Sie machte Schritt für Schritt auf sich zu und ihre Reise geht noch immer weiter. Die Krebsdiagnose hat sie im wahrsten Sinne des Wortes in Gang gebracht und war der Startschuss zu einer beeindruckenden Selbstfindung.

Eine vom Wesen her ähnliche Geschichte, die viele sehr berührt hat und die viele miterlebt durften, erzählt der Hollywood-Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Morgan Freeman und Jack Nicholson in den Hauptrollen. Letzerer spielt begnadet einen Kotzbrocken und Zyniker, der mit Kliniken viel Geld macht, ersterer ist ein herzensguter Familienvater, der sich für seine Kinder aufopfert und seiner Frau erlaubt nicht nur sein Leben, sondern auch sein Sterben zu organisieren. Beide Männer haben ein eklatantes Kommunikationsproblem und in der Konsequenz Lungenkrebs. Sie begegnen sich in Jack Nicholsons Klinik, wo Morgan Freeman seine Chemo schon durchlitten hat. Es entwickelt sich eine Art Hassliebe zwischen beiden, Nicholson übernimmt den Hass, Freeman die Liebe. Nach entsetzlichem Leiden an der Chemo erfahren beide fast zeitgleich, dass diese bei ihnen versagt hat.

Nun greift Nicholson, Freemans Bucket- oder Eimerliste auf, die dieser mit all seinen nun vermeintlich offen gebliebenen Lebenswünschen gefüllt und angesichts seiner hoffnungslosen Situation anschließend resigniert zerknüllt hatte. Nicholson überredet den zögerlichen Freeman, sich wohl erstmals im Leben und kurz vor dem Tod, dem Einfluss seiner dominanten Frau zu entziehen und mit ihm auf Welt- und Traumreise zugehen, um die offen gebliebenen Träume noch im letzten Moment zu verwirklichen.

Beide erkennen das Problem des anderen ganz klar, sind aber völlig blind für das eigene und damit auch wieder (arche)typisch. Nicholson hat gar keinen wirklichen Kontakt mehr zu Menschen, er kommandiert sie nur noch herum, seine einzige Tochter hat mit ihm gebrochen, weil er ihren Mann, als der sie geschlagen hatte, von professionellen Schlägern verprügeln ließ. Morgan Freeman dagegen macht allen in seiner Familie und besonders seiner Frau alles Recht. Sein eigenes Leben mit dem Wunsch Geschichte zu studieren, hat er aufgegeben, als sie schwanger wurde und lebt seitdem nur noch bei Quizsendungen auf, wo er alle Fragen beantworten kann. Inzwischen zum Freund geworden versucht Nicholson, Freemans Lebensgeister wieder zu wecken, aber vergeblich, der hat seine Frau immer dabei, zwar nicht physisch, aber im Hinterkopf und traut sich keinen Schritt aus dieser Falle hinaus. Freeman erkennt seinerseits glasklar, dass Nicholson wieder in Kontakt mit seiner Tochter treten muss, aber daran lässt der in ebenso sturer wie trotziger Weise lieber die Freundschaft scheitern.

Schließlich meldet sich der Krebs bei Freeman zurück und holt sie so beide wieder zurück nach Hause: Freeman in seine traute Familienidylle, Nicholson in seine superteure Hightech-Einsamkeit. Aber während Freeman lieber stirbt, als seine Fesseln auch nur zu lockern und das anschließend auch mit viel Anstand und sogar Witz tut, schafft Nicholson den Besuch bei seiner Tochter und küsst das schönste Mädchen der Welt. Das aber ist nun nicht eine Miss World, wie er viele hatte, sondern seine kleine Enkelin. Er findet zurück zu den Menschen zuerst über die Freundschaft zu Freeman und dann zu seiner Tochter und Enkelin, und wird wie er es selbst nennt „ein verdammtes Wunder“.

Das Besondere an dem Film, der ganz ohne Action- und Liebesszenen auskommt, ist die Stimmung am Schluss. Auch Nicholsons Asche wird schließlich neben der von Freeman in einer Kaffeedose auf einem Himalaya-Berggipfel – illegaler Weise – beigesetzt. Die Zuschauer sind nicht deprimiert, sondern berührt und sogar beglückt, denn sie spüren, dass sie nicht warten müssen, bis eine Krebsdiagnose ins Leben rauscht und die Chemo scheitert, sondern gleich beginnen können, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Statt im Rattenrennen mit dem einzigen absurden Ziel, Reichster auf dem Friedhof zu werden, wie es Nicholson lebte oder sich aufzuopfern für ein Thema, das nicht das eigene ist, wie es Freeman vorexerzierte, könnte das eigene Leben auch jederzeit beginnen, mit dem Ziel, dass einmal auf dem Grabstein steht: Er oder sie lebte noch als er starb.

Krebs ist offensives invasives brutales Wachstum, das sich infiltrierend und Tabuzonen wie Basalmembranen und sogar Organgrenzen überwindend, seinen Weg bahnt und schließlich in Selbstzerstörung endet. Die entartende Zelle geht auf einen Ego-Trip, der sich dem Pathologen am unregelmäßig vergrößerten, sich ständig teilenden Kern zeigt, mit dem Ziel, sein Erbgut überall zu verbreiten. Dieses Wachstum gilt es bei Vorbeugung und Therapie dadurch zu vermeiden, dass es auf sinnvolleren Ebenen gelebt wird. Es ist das Prinzip von „Krankheit als Symbol“, dass im Hinblick auf eine Herzinsuffizienz etwa die Aufgabe beinhaltet, das physisch viel zu groß gewordene Herz im übertragenen Sinn zu erweitern, sodass die Körperebene Entlastung erfährt. Der Körper ist immer nur Bühne für jene Stücke, die im Bewusstsein nicht mehr gegeben bzw. gespielt werden und die dann in den Schatten oder eben auf die Körperbühne sinken.

Bei Krebs geht es darum, statt des destruktiven auf Körperebene auf Bewusstseinsebene konsturktiveres oder erlösteres Wachstum zu entwickeln. Statt Ihre Zellen auf den gnadenlosen Egotripp gehen zu lassen, ist es Aufgabe Betroffener sich selbst auf einen mutigen Selbst-Entwicklungs- und Verwirklichungs-Weg zu machen und ihre Besonderheit zu auszudrücken, das zu Leben, was nur sie leben können, (zu) sich (Selbst) zu finden.

Hier läge natürlich auch – wie grundsätzlich beim Ansatz von „Krankheit als Symbol“ – zugleich die ideale Vorbeugung. Wer seinen ganz persönlichen, überaus individuellen Weg zu sich (Selbst) findet und geht, erlebt und verwirklicht damit die beste denkbare Krebsvorsorge. Er nimmt auf erlöste Art seinem Körper die Wachstums-Aufgabe ab.

Und tatsächlich zeigte sich schon manches Mal wie der kompromisslose und mutige Beginn dieses Weges als einer Reise zu sich Selbst einen aus schulmedizinischer Sicht bereits aussichtslos ausgebrochenen Krebs wieder in die Schranken wies wie bei Frau Morin.

Diese Reise ist die wichtigste im Leben und sie kann lebensrettend sein, wenn der Krebs schon auf dem Weg ist.

Aber Psychosomatik meint nicht nur die Seele, sondern muss auch den Körper einbeziehen. Hier ist an erster Stelle von der Ernährung zu sprechen, die sich im letzten Jahrzehnt als starke Unterstützung der Krebstherapie erwies. Der Verzicht auf alles Tierprotein hat sich in vielen Studien als immens hilfreich erwiesen. Hier ergibt sich eine zusätzliche Reise zu sich (Selbst). Prof. Colin Campbell konnte im Tierversuch zeigen, wie sich durch das Weglassen von Kasein, dem Milch(protein) Krebs bei Mäusen gleichsam ein- und auch wieder abschalten ließ. Tatsächlich ließ sich das auf Menschen übertragen. Beim häufigsten, wenn auch nicht tödlichsten Krebs überhaupt, dem Prostata-Karzinom, gibt es einen Tumor-Marker oder –anzeiger in Gestalt des PSA-Wertes. Da die Operation mit häufigen Nebenwirkungen wie Impotenz und extrem belastenden wie Inkontinenz (Windeln) belastet ist, lassen sich immer mehr Männer auf die Ernährungsumstellung Richtung „Peace-Food“ ein. Innerhalb eines halben Jahres kann diese wissenschaftlich belegte pflanzlich-vollwertige Nahrungsumstellung in der Regel den PSA-Wert wieder so senken, dass nicht operiert werden muss. Hier haben wir also eine wundervolle zusätzliche Hilfe.

Mit dem Dreigestirn, seelischer und ernährungsmäßiger Umstellung und naturheilkundlich-biologischer ebenfalls abwehrsteigernden Therapie sind Wunder häufiger geworden.