Krankt die Welt am Geld?

euro-96594_640Gerade erleben wir – etwas ungläubig vielleicht noch – wie konservative Politiker, die über Jahrzehnte alles und vor allem die Gewinne privatisierten, nun mit großem Engagement Kernforderungen von Kommunisten umsetzen und große Banken praktisch verstaatlichen. Täglich kommen neue hinzu, darunter so gewaltige Institute wie die Schweizer UBS, gegen die die Deutsche Bank ein kleiner Fisch ist. Politiker, die in den letzten Jahren weder Geld für Bildung noch Familien hatten, machen plötzlich Hunderte von Milliarden ganz locker locker. Mit staatsmännischen und bedeutungsschwangeren Gesten, die offenbar verantwortungsvoll wirken sollen, machen sie uns weis, wie wichtig es ist, nun mit Steuergeldern die Spielschulden von leichtsinnigen Investment-Bankern zu sanieren?

In einer Zeitung lesen wir, dass die Manager der belgischen Dexia-Bank, nachdem sie dieselbe so vor die Wand gefahren hatten, dass die belgischen Steuerzahler sie mit Milliarden-Krediten retten „mussten“, diese Rettung gehörig feierten. 150 000 Euro soll die Party im mondänen Hotel de Paris im Fürstentum Monaco gekostet haben, bei Champagner in Strömen floss zu Trinksprüchen wie: „Auf alle, die ihr Geld verloren haben!“

Kredit“ kommt von glauben, wer aber kann noch daran glauben, dass mit dem Geld alles mit rechten Dingen zugeht? Banker und Politiker, die jetzt so verblüffend gut zusammen spielen, spielen da ein Spiel, das die meisten nicht mehr durchschauen können. Wir haben zur Kenntnis genommen, dass der Krieg gegen den Terrorismus, der auch schon Milliarden kostete, den Terrorismus verfünffacht hat. Aber Krieg konnten wir immerhin noch verstehen, die neue Geld-Milliarden-Show ist schwerer zu verstehen.

Was für ein Spiel ist das, das da (mit uns) gespielt wird? Wieso spielen unsere Politiker auf der Seite der Banker? Wieso werden die Verantwortlichen für die angeblich größte Finanz-Katastrophe aller Zeiten nicht mal gesucht, gestellt und zur Verantwortung gezogen? Das Gegenteil ist der Fall. Der Schweizer Bankier Wufli, der die UBS mit zugrunde gerichtet hat, gab nun einen Teil seiner Abfindung – 12 Millionen Franken – zurück. Damit steht er allein, und zu seinem Glück ist das ja auch nur ein Teil der Abfindung. Wie aber kann es sein, dass diese Leute noch Abfindungen im zweistelligen Millionenbereich kassieren für das Desaster, das sie angerichtet haben? Das sind Fragen die Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller allmählich dämmern.

Kommt der Ausdruck Gemeinwesen für Staat vielleicht doch von gemein? Frau Hinz und Herr Kunz haben durchaus ihre schlechten Erfahrungen mit den Stellen des Staates, wenn es um Schulden geht. Sie kennen eine harte Linie im kleinen Einzelfall und jetzt erleben sie eine verblüffend sanften Umgang mit den Verantwortlichen, die sich eben nicht nur in guten Zeiten skrupellos selbst bedient und ihre Taschen bis weit über die Peinlichkeitsgrenzen vollgestopft haben. Sie tun es jetzt noch weiter!

Man fühlt sich langsam an Bert Brecht erinnert, der einmal gesagt haben soll, was ist schon der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer solchen?

Inzwischen haben die Einbrüche der Banken die Einbrüche in Banken längst aus den Schlagzeilen verdrängt. Ein aus den Fugen geratenes Geld- und Wirtschaftssystem, das die schlechtesten Seiten der Menschen belohnt und folglich fördert, macht die Wirtschaft und damit die Gesellschaft krank und lässt nicht wenige verzweifeln.

Nach dem Gesetz der Polarität liegt aber in allem Schrecken auch etwas Gutes. Wir aus dieser Misere die Chance machen, Positionen, die jetzt wie faule Früchte in Staatshand fallen, nie mehr bedingungslos in die Hände privater Spekulanten zu legen. Ein krankes System braucht eine Kur und Geistheilung wäre hier durchaus angebracht, wir könnten unseren Geist nutzen, und endlich Spekulationsgewinne so besteuern, dass der Anreiz dazu schlicht entfällt. An diesem entscheidenden Punkt ließe sich die an der Geldgier erkrankte Welt in eine menschlichere Welt wandeln.

Was wäre zu gewinnen, wenn wir all diese schon unübersichtlich werdenden Milliardensummen, die jetzt so locker von den Politikern an Banken verschleudert werden, für sinnvolle Projekte wie Bildung, Entwicklungshilfe etwa im Sinne der Gramen-Bank aufwendeten, für Umwelt- oder Arten- oder gar Kinderschutz? Nicht auszudenken, was für ein Segen über die Welt hereinbrechen würde. Den Terrorismus könnten so über eine weltweite Bildungs- und Entwicklungshilfe-Offensive noch nebenbei und nachhaltig erledigen und könnten die Kriegs-Milliarden einsparen.

Aber scheinbar sind wir noch nicht so weit. Wie weit aber muss es mit uns noch kommen, damit wir endlich kapieren, was mit uns und unserer Welt passiert? Wie weit wollen wir sie noch aus Geldgier und Habsucht ruinieren?

Und natürlich liegt die Lösung nicht in der Projektion auf Politiker und Banker – fast jeder kennt ja auch ein paar nette und verantwortliche darunter. Wir haben die Politiker und Banker, die wir – nach dem Resonanzgesetz – verdienen. Folglich müssten wir uns entwickeln, um reif für ein besseres menschlicheres System zu werden. Dazu gehörte, dass wir alle ganz persönlich unser Verhältnis zum Geld klären und nicht selbst gierig ein Spiel mitspielen, dessen Folgen alle krank machen vor Sorge, Habsucht und Neid.

Am Geld hängt soviel und viele zahlen jeden Preis dafür, auch und vor allem den ihrer Gesundheit. Bei sich selbst anzusetzen, ist zwar weder spektakulär noch angenehm, aber gerade hier – im persönlichen Bereich – bieten sich beträchtliche Chancen für eigenes Wachstums. Mein wie zu dieser Krise verfasstes Buch „Die Psychologie des Geldes – Erfolgreicher und glücklicher mithilfe der Lebensgesetze“ bietet in Theorie und viel Praxis die Chance, die eigenen Geldthemen zu durchschauen und neu zu ordnen – und dabei auch gleich noch die Gesetze des Lebens zu lernen, um mit den Spielregeln in Zukunft mehr Verständnis für und Freude am Leben zu haben. Vor allem liegt darin auch die Chance, statt mit sich spielen zu lassen, aktiv und bewusst mitzuspielen. Wer nicht nur das Resonanzgesetz, das nie ein Secret (Geheimnis) war, versteht, sondern auch die Tiefe des Polaritätsgesetzes erfasst, wird sich hüten, das Geldspiel in der heute üblichen und gerade so übel zum Himmel stinkenden Form weiter zu spielen. „Die Psychologie des Geldes“ kann dabei helfen, sein Geld zu besitzen, statt von ihm besessen zu sein und so zum hilflosen Spielball niederer eigener und fremder Instinkte zu werden.

Geld brauchte in seiner Anfangszeit der sich handelnd entwickelnden Menschheit wunder-vollen Fortschritt. Die heutigen Probleme liegen nicht an ihm, sondern an unserem Umgang mit ihm. Wir könnten es wieder zu einer Chance und sogar zu unserer ganz persönlichen machen. Wenn ihnen die „Psychologie des Geldes“ helfen kann, am Geld zu gesunden statt zu kranken, hätte sie ihren Sinn mehr als erfüllt.

Dass die äußeren Probleme nicht neu, sondern so alt sind und in der Tiefe und persönlich angegangen werden müssen, mag Ihnen zum Schluss dieses Gedicht zeigen. Vor allem das Datum seiner Entstehung könnte so manches Licht aufgehen lassen.

Wenn die Börsenkurse fallen, regt sich Kummer fast bei allen, aber manche blühen auf:

Ihr Rezept heißt Leerverkauf. Keck verhökern diese Knaben

Dinge, die sie gar nicht haben, treten selbst den Absturz los, den sie brauchen – echt famos! Leichter noch bei solchen Taten tun sie sich mit Derivaten: Wenn Papier den Wert frisiert, wird die Wirkung potenziert. Wenn in Folge Banken krachen, haben Sparer nichts zu lachen, und die Hypothek aufs Haus heißt, Bewohner müssen raus. Trifft’s hingegen große Banken, kommt die ganze Welt ins Wanken –

auch die Spekulantenbrut zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden? Da muss eingeschritten werden: Der Gewinn, der bleibt privat, die Verluste kauft der Staat. Dazu braucht der Staat Kredite, und das bringt erneut Profite, hat man doch in jenem Land die Regierung in der Hand. Für die Zechen dieser Frechen hat der Kleine Mann zu blechen und – das ist das Feine ja – nicht nur in Amerika! Und wenn Kurse wieder steigen, fängt von vorne an der Reigen – ist halt Umverteilung pur, stets in eine Richtung nur. Aber sollten sich die Massen das mal nimmer bieten lassen, ist der Ausweg längst bedacht: Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky veröffentlichte diese Zeilen in der „Die Weltbühne 1930