„Krankheit als Symbol“ und die Chance, an Symptomen zu wachsen

Alles was Form und Gestalt annimmt, hat auch Sinn, Inhalt und Bedeutung. Das ist unser aller Erfahrung. Was gäbe es in dieser Welt mit Form und ohne Inhalt? Wohin wir auch schauen, alles hat Sinn und Bedeutung. So ist es erstaunlich, wenn noch immer viele Menschen ausgerechnet so Wichtigem wie ihren eigenen Krankheitsbildern keine Bedeutung beimessen und keinen Sinn in ihnen suchen. Viele Kranke haben andererseits von sich aus das Bedürfnis, die Botschaften ihrer Symptome zu verstehen. Leider versuchen Schulmediziner vielfach noch immer, ihnen diesen Gedanken auszureden.

Historisch ist das verständlich. Als sich die Medizin als Wissenschaft zu etablieren suchte, traf sie auf ein Weltbild, das geprägt war vom Analogiedenken der Religion. Religion versteht die Schöpfung als ein großes Gleichnis, das von Seiner göttlichen Hand geschrieben, auch in allen Aspekten seine Handschrift wiederspiegelt. Alles hatte in dieser Weltsicht Bedeutung, und das war der neuen Naturwissenschaft verdächtig. Damals wurden selbstverständlich auch Krankheitssymptome als Hinweise des Schöpfers verstanden, deren oft dunkler Sinn der Entschlüsselung durch die Betroffenen bedurfte. Davon ging etwa Hildegard von Bingen aus, die große Heilerin, die erst letztes Jahr von der Kirche heilig gesprochen und als Lehrerein anerkannt wurde.

Die Schulmedizin versuchte mit beachtlichem Erfolg, diesem allmählich als überholt empfundenen Weltverständnis objektive Methoden der Welt-Beschreibung gegenüberzustellen, wobei sie leider viel Wichtiges aus den Augen verlor. Trotz großer Erfolge etwa im Bereich der Hygiene brachte es die Medizin zum Verdruss vieler Kollegen nie ganz zur Naturwissenschaft, sondern blieb über weite Strecken Erfahrungsheilkunde. Das analoge Beziehungsdenken wurde nie ganz aufgegeben, insbesondere nicht von den Patienten, aber auch große Forscher wie William Harvey, der Entdecker des Blutkreislaufs, folgte diesem Denken. Dass Patienten ihm treu blieben, dürfte einer der Hauptgründe für die rasante Rückeroberung des Terrains durch die deutende Medizin gewesen sein, wie sie sich im großen Erfolg von „Krankheit als Symbol“ niederschlägt, das als Nachschlagewerk einen festen Platz in vielen Haushalten erobert hat.

Ein ebenfalls wesentlicher Grund dürfte darin liegen, dass zunehmend Menschen das einfache Unterdrückungskonzept der Schulmedizin durchschauen und es ihnen nicht mehr reicht, beziehungsweise sie die dadurch heraufbeschworenen Symptomverschiebungen fürchten. Wer würde schon im Auto die Musik lauter drehen, wenn er ungewohnte Geräusche hört, nur um ungestört weiter fahren zu können. Entsprechend sind zunehmend weniger Patienten bereit, einfach Pillen zur Unterdrückung ihrer Symptome zu schlucken. Viele möchten mittlerer Weile erfahren, woher diese Signale kommen und was sie bedeuten. Diesem Bedürfnis kommt die Krankheitsbilder-Deutung entgegen.

Meine Motivation, diese uralte Tendenz der Medizin wiederzubeleben, liegt in der Möglichkeit, dadurch wirkliche Heilung zu erreichen und sogar Vorbeugung möglich zu machen. Denn in diesen beiden zentralen Punkten stößt die Schulmedizin an die Grenzen. Mit Unterdrückung lässt sich günstigstenfalls akut bedrohtes Leben erhalten, aber nie heilen. Damit Heil(ung) und Ganzheit verwirklicht werden, muss etwas dazu, aber nicht wegkommen. Da die moderne Schulmedizin sich ausschließlich auf allopathische und damit unterdrückende Maßnahmen beschränkt, ergibt sich, dass sie gar nicht heilen kann und zwar grundsätzlich nicht. Mit Allopathie lässt sich ein vom allergischen Schock bedrohtes Leben retten, aber die Allergie ist so nicht zu heilen und nicht einmal ein weiterer Schock zu verhindern. Auch Vorbeugung ist so unmöglich. Natürlich ist die Rettung des bedrohten Lebens die vordringlichste ärztliche Pflicht, aber Vorbeugung wird deswegen nicht unwichtig. Im Gegenteil gilt sie seit Urzeiten als eine der vornehmsten Pflicht der Ärzte. Im alten China galt sie noch als so vorrangig, dass Ärzte angeblich nur bezahlt wurden, solange es den Menschen gut ging: Wurden sie dagegen krank, galt das als Versagen der Ärzte im Hinblick auf Vorbeugung und die Bezahlung blieb aus. Nach diesem Modell, wäre heute die Mehrheit der Kassenärzte Sozialhilfe-Empfänger.

Zur Gesichtswahrung griff die Schulmedizin zu einem Etikettenschwindel und gab ihre Früherkennungsmaßnahmen als Vorbeugung aus. Natürlich ungleich besser als Späterkennung hat Früherkennung aber gar nichts mit Vorbeugung gemein. Letztere will Krankheit verhindern, erstere frühzeitig entdecken. Häufige Röntgenaufnahmen der weiblichen Brüste sind heute als Früherkennung üblich, aber sicher wird so dem befürchteten Brustkrebs nicht vorgebeugt. Im Gegenteil, häufige Mammographien fördern – wissenschaftlich nachgewiesen – sogar das Entstehen von Brustkrebs, weil die dazu nötige weiche Röntgenstrahlung im Gewebe absorbiert wird. Wirkliche Vorbeugung fordert, sich zu beugen, bevor das Krankheitsbild einen beugt. Dazu aber müsste das Wesen der Krankheitsbilder erkannt werden. Von einer Medizin, die ihr ausschließliches Ziel im Kampf gegen Krankheit sieht, kann man das gar nicht erwarten. Die allermeisten schulmedizinischen Mittel sind Antimittel von den Antihypertonika gegen hohen Blutdruck über Antihistaminika gegen Juckreiz bei Allergie bis zu Antidepressiva und Antiepileptika zur Unterdrückung der Symptome dieser Krankheitsbilder. Ansonsten gibt es viele Hemmer wie die Säurehemmer und Blocker wie die Betablocker. Wer sich so gegen Symptome engagiert, wird sie in ihrem Wesen natürlich nicht verstehen.

Hier setzt die deutende Medizin an, indem sie sich nicht gegen das Symptom stellt, sondern versucht, seinen Symbolgehalt zu verstehen. Aus den vorsichtigen inzwischen 35 Jahre zurückliegenden ersten Versuchen „Krankheit als Weg“ zu sehen, entwickelte sich die Gewissheit, dass „Krankheit als Sprache der Seele“ zu verstehen ist und die Notwendigkeit, hinter jedem körperlichen Symptom den verschlüsselten seelischen Sinn zu deuten. Das Ergebnis nach Jahren war „Krankheit als Symbol“, das Hunderte von Krankheitsbildern und Tausende von Symptomen in ihrer Be-Deutung entschlüsselt. Es schließt nach dreieinhalb Jahrzehnten den Kreis und zeigt anschaulich, dass alles zum Annehmen einer Form auch Inhalt braucht und dieser im Sinn der Krankheitsbilder zu finden ist. So enthüllt jedes körperliche Krankheitsbild Sinn im Zusammenhang mit den persönlichen Lebensgeschichten der Patienten und der (arche)typischen Symbolik ihrer Symptome.

Heute wissen wir, dass es nicht nur möglich ist, aus individuellen Symptom-Mustern die seelischen Probleme herauszulesen, sondern auch aus den großen Krankheitsbildern jeder Zeit auf deren Hauptprobleme und Aufgaben.

An der Spitze der Sterbestatistiken moderner Industrieländer stehen Herzprobleme wie Insuffizienz und Infarkt, letzterer meist auf dem Boden des Bluthochdrucks. US-Mediziner nennen ihn „silent killer“, den stillen Mördern, weil er still und ohne groß aufzufallen so viele Menschen hinwegrafft. Still und heimlich kann solch ein Mörder aber nur in einer Hochdruckgesellschaft wirken, wo so viele unter so hohem Druck stehen und arbeiten ohne es recht zu merken. In einer Niederdruck-Gesellschaft wie etwa der indianischen würde der Hypertoniker ständig auffallen und Anstoß erregen mit seinem verrückten Verhalten. Bei uns gilt es dagegen als normal, wenn Menschen ihr ganzes Leben Geld zusammenraffen und auch dann noch weiter machen, wenn sie schon genug für viele Inkarnationen haben, obwohl sie nur an eine glauben. Ein Indianer, der nicht aufhören würde, Vorräte für den Winter zu sammeln, obwohl er schon genug für drei Winter hätte, würde sogleich zum Medizinmann gebracht.

Hochdruck ist eigentlich an sich gar kein Problem, sondern in Situationen von Lebensgefahr, etwa in einem Kampf auf Leben und Tod durchaus on Ordnung. Auf der Autobahn mit hoher Geschwindigkeit einem Geisterfahrer entgegen rasend, darf und sollte sich der Blutdruck erhöhen, jedenfalls bis die Gefahr überstanden ist, um dann zur Norm zurückzukehren. Beim Hochdruckpatienten geschieht das nicht mehr, er kämpft dauerhaft – auf Körperebene – um sein Leben, ohne es zu merken und jemals damit fertig zu werden. Sein Organismus stellt sich darauf ein und verstärkt die unter permanentem Hochruck stehenden Arterienwände, bis sie schließlich hart und fest und verkalkt diesen Zustand immer aufrecht erhalten. Schließlich behindern sie dadurch den Blutdurchfluss bis die Gewebeversorgung im abhängigen Bereich nicht mehr reicht wie bei der Angina pectoris oder ganz zusammenbricht beim Infarkt. Dieses Szenario kann neben den Herzkranz-, auch Gehirn- oder Beingefäße betreffen und alle anderen. Beim Herzen ist die Deutung auch nicht schwer – es wird im wahrsten Sinne des Wortes stranguliert. Der Schmerz – immer ein Hilferuf des Gewebes – bei Angina pectoris, der Enge der Brust, lenkt die Aufmerksamkeit genau dorthin, wo sie fehlt, aufs Herz. Betroffene müssten sich mehr und freiwillig um ihr Herz, die entsprechenden Herzensthemen und -angelegenheiten kümmern. Wer rechtzeitig auf die Stimme seines Herzens hört, zwingt es nicht unter Schmerzen um Aufmerksamkeit und Hilfe zu schreien. Bezüglich des hohen Blutdrucks, ist Betroffenen zu raten, sich den Druck bewusst zu machen, unter dem sie stehen. Es wäre ihre Aufgabe, den eigentlichen Kampf, um den es ginge, im seelischen oder sozialen Bereich auszutragen, anstatt ihren Körper stellvertretend in den Kampf zu schicken. Die Auseinandersetzung mit ihren seelischen Herzenthemen, -wünschen und –angelegenheiten ist vorrangig.

Dass unsere Hochdruckgesellschaft nicht anregt, sich diesen Themen zu stellen, sondern lieber Normalwerte erhöht, ändert natürlich die Infarktsterblichkeitsrate nicht. Zum Glück ist dieser Irrweg inzwischen durchschaut und der normale Blutdruck ist wieder 120:80. Über Jahrzehnte behaupten Mediziner, normal sei 100 + Lebensalter. Und sie hatten durchaus recht, das war normal für die Hochdruckgesellschaft, nur nicht gesund für ihre Menschen und vor allem Opfer. Bei den Cholesterinwerten gab es dasselbe Spiel. Es zeigte nur, dass das bei uns Normale nicht natürlich und gesund ist. In Industriegesellschaften beginnt die Arteriosklerose bereits nach der Pubertät. Das ist zwar normal, aber offensichtlich ungesund. Sich mit Hochdruck seinen zentralen Lebensthemen im Herz(ens)bereich zu widmen, ist demnach die herausragende Aufgabe für alle diesbezüglich gefährdeten. So ähnlich ließe sich auch die zweithäufigste Todesursache der modernen Gesellschaft angehen, der Krebs, und wir kämen zu Themen wie Wachstum auf der falschen eben körperlichen Ebene. Die beiden Hauptthemen, die in unserer Gesellschaft zu kurz kommen sind also die Herzensangelegenheiten und die Liebe und das Thema Wachstum oder genauer, welches Wachstum brauchen wir, beziehungsweise unsere Seelen.

Entscheidend erscheint mir noch, dass selbst auf der ihr vertrauten körperlichen Ebene, die Schulmedizin durch die Verteidigung von Lehrmeinungen gegen neue Studienergebnisse wesentliche Entwicklungen verschläft. Beide gefährlichsten Krankheitsbilder unserer Zeit und noch viele andere wie beiderlei Diabetes, Übergewicht und Rheuma, Alzheimer und Demenz, aber auch Allergien und Autoaggressionskrankheiten sprechen wundervoll auf Ernährungsumstellung an. Tatsächlich haben wir hier heute eine einfache und unglaublich wirkungsvolle Ernährungs-Therapie, die durch viele wissenschaftliche Studien abgesichert, verblüffende Hilfe bringen. Gemeint ist die vegane Ernährung, die inzwischen eine Welle ausgelöst und eine richtige Bewegung in Gang gebracht hat. Wobei vegan noch nicht reicht, da auch Whiskey und Vodka, Weißmehl und –zucker vegan, aber nicht gesund sind. „Peace-Food“ ist die Lösung und meint pflanzlich-vollwertige durch wissenschaftliche Studien gut abgesicherte Kost. Der Kurs- und Kostwechsel ist mit einem Buch wie „Peace-Food – das vegane Kochbuch“ sehr leicht zu bewältigen und das neue Leben schmackhafter und ungleich gesünder, ganz abgesehen von den spezifischen Effekten auf die wesentlichen Krankheitsbilder unserer Zeit. Psychosomatik meint ja gerade von der Seele und vom Körper aus anzusetzen, und das bietet in der Praxis wirklich wundervolle Möglichkeiten. Meine ganze Hoffnung geht in die Richtung, dass sich die Schulmedizin diesem wirklich ganzheitlichen Ansatz noch weiter öffnet und sowohl die Krankheitsbilder-Deutung als auch „Peace-Food“ als die Chancen erkennt, die sie für Betroffene darstellen. Tatsächlich gibt es schon eine Reihe hoffnungsvoller Zeichen, immerhin gebe ich seit 10 Jahren von der Ärztekammer anerkannte Fortbildungen in Krankheitsbilder-Deutung und bin inzwischen sogar befugt, Ärzte zum Zusatztitel „Arzt für Naturheilverfahren“ auszubilden, sogar zusammen mit anderen Interessierten. Mittlerer Weile wird Fasten von US-Medizinern sogar parallel zur Chemotherapie empfohlen, weil Wissenschaftler seine enorme Potenz zur Stärkung gesunder und Schwächung kranker Zellen belegt haben. Die Psychoneuroimmunologie bestätigt die heilenden Wirkungen der geführten Meditationen usw. Es gibt also viel Grund zur Hoffnung und jeder kann jederzeit für sich selbst beginnen. Die Buchtrilogie „Die Schicksalsgesetze – Spielregeln fürs Leben“, „Das Schattenprinzip“ und „Lebensprinzipien“ ermöglicht einen leichten Einstieg in das Weltbild der deutenden oder Integralen Medizin, das durchaus auch Platz für die Schulmedizin hat, was man von Ganzheitsmedizin auch erwarten kann.