Integrale Medizin

Die Integrale Medizin verrät schon mit ihrem Namen, dass es hier darum geht, Brücken zu schlagen und Gebiete zusammenzubringen, zu integrieren, die zusammengehören wie Psyche und Soma. In meinen 37 Arztjahren habe ich mich zuerst schwerpunktmäßig der Psychosomatik von der seelischen Seite genähert, was zu Buchtiteln von „Krankheit als Weg“ bis zu „Krankheit als Symbol“ geführt hat, dem Nachschlagewerk, das den seelischen Inhalt, die Lernaufgabe in Symptomen und Krankheitsbildern enthüllt. Dieser Ansatz hat sich inzwischen so weit verbreitet und viele wissen, wie man auch im übertragenen Sinn die Nase voll haben muss, um Schnupfen zu bekommen. Auch die Frage „Hast Du es schon im Dahlke nachgeschaut?“ im Hinblick auf das Nachschlagewerk zeugt von der weitgehenden Annahme dieser ganzheitlichen Psychosomatik in breiten Bevölkerungskreisen. Inzwischen gibt es auch immer mehr Ärzte, die sich dieser Betrachtungsweise bedienen, um ihren Patienten rasch und nachhaltig von zwei Ebenen helfen zu können. Zumal dieser Ansatz die Eigenverantwortung so ideal ins Spiel bringt und die Therapeuten dadurch entlastet und die Patienten zur Mitarbeit gewinnt.

Mit Hilfe zu vielen Krankheitsbildern existierender und einiger allgemeiner für alle Symptome einsetzbaren CD-Programme mit geführten (Seelen- oder Phantasie-)Reisen können Patienten sich wunderbar selbst für ihre Heilung engagieren und die Zeit während eines Krankheitsprozesses in idealer Weise nutzen. Wie so ein umfassendes Selbst-Unterstützung-Programm aussehen kann, wird unsere Ausbildung erarbeiten.

Im Rahmen unseres Anspruches nicht nur Theorie und insbesondere die der Naturheilverfahren zu vermitteln, sondern vor allem praktische Erfahrungen die uns selbst als Therapeuten mit betreffen, ins Spiel zu bringen, wird diese Methode der geführten Reisen oder Meditationen auch in täglichen praktischen Übungen erlernt. Hinzu kommen so moderne und rasch wirksame Ansätze wie EMDR, mit der zuerst Therapeuten, aber bald auch Patienten in kurzer Zeit für den Hausgebrauch lernen können, seelische Traumata aufzulösen.

In all den Jahren galt mein Interesse aber neben solchen die Seelenarbeit ergänzenden Entspannungsmethoden auch der Bewegungs- und Atemtherapie, dem Fasten und in den letzten Jahren auch der Ernährung. Über Kollegen Hobert kommen noch vielfältige Hinweise aus der Ethnomedizin hinzu wie etwa tibetischen Pulsdiagnose und Kräuter-Heilkunde. Über diese verschiedenen „Säulen der Gesundheit“ eröffnet sich eine wundervolle körperliche Ergänzung und macht die Psychosomatik erst komplett und ihrem anspruchsvollen Namen gerecht.

Der entscheidende Unterschied zu anderen Fort- und Ausbildungen liegt neben der Praxis- und Anwendungs-Betonung auf der Beschäftigung mit einer tragfähigen Philosophie der Heilkunde, die alte Quellen und moderne Wissenschaft verbindet. Statt nur nach Ursachen in der Vergangenheit zu suchen, wie es die Schulmedizin lehrt und tut, werden wir uns auch dem Blick auf das jeweilige Lebensmuster widmen und auf die zukünftige und aus der Symptomatik ableitbare Lernaufgabe, die darin steckt. So werden wir den vier Causae von Aristoteles gerecht. Ein praktisches Beispiel mag das deutlich machen.

Für die wissenschaftliche Untersuchung eines Sportereignisses, wie eines olympischen 100 Meter-Endlaufes, sind selbst dessen knapp 10 Sekunden noch zu komplex. Wir beschränken uns also auf den Start und die Frage, warum rennen 10 Männer wie von der Tarantel gestochen los? Während die Schulmedizin die aus der Vergangenheit wirkende causa effiziens beisteuert in Gestalt des Startschusses, der reproduzierbar also immer vorausgehen muss, lässt diese Sicht den Sportfan recht unbefriedigt. Er kann sich nicht vorstellen, dass die Läufer jahrelang nur wegen dem Startschuss trainiert haben. Dazu brauchen sie die auf die Zukunft zielende Causa finalis, die in dem Wunsch die Goldmedaille zu gewinnen, deutlich wird. Außerdem ließe sich fragen, warum die Sportler keine Mopeds und dergleichen benutzen, was uns zur causa formalis oder Musterursache bringt, hier in Gestalt der Leichtathletik-Regeln bei Olympia, die das ausschließen. Die causa materialis in Gestalt der notwendigen Muskeln usw. rundet das Bild ab.

Übertragen auf die Medizin werden wir also fragen, worauf zielt das Ganze und wie passt es ins Lebensmuster des Betroffenen. Dazu dienen Fragen wie: Warum passiert gerade mir, gerade das, gerade jetzt, in dieser Phase meines Lebens? Woran hindert mich die Symptomatik? Wozu zwingt sie mich?

Das nur als ein Beispiel, wie wir uns eine ungleich breitere Theoriebasis schaffen, um Krankheitsbilder ganzheitlicher erfassen und behandeln zu können.

Insofern ist die erste Woche der Integrale Medizin-Ausbildung den Schicksalsgesetzen oder Spielregeln des Lebens gewidmet wie dem Polaritäts-, dem Resonanz- und dem Prinzip des Anfangs. Diese Gesetze mit Hilfe von Beispielen aus der Medizin und der Gesundheitsthematik zu erlernen und je nach Wunsch auch auf eigene Situationen zu beziehen, ist unser erstes großes Ziel. Schon aus dieser Möglichkeit, auch an eigenen Themen zu lernen und zu wachsen, erwächst noch eine ungewohnte, aber wichtige Dimension der Integrale Medizin –Reihe.

Das zweite Ziel, dem zwei Wochen oder vier Wochenenden (in Steinhude) gewidmet sind, liegt darin, uns die Welt der Archetypen zu erschließen. Um so großen Themen wie Heilung und Vorbeugung gerecht zu werden, ist das unerlässlich, und nicht in die von der Schulmedizin hinlänglich bekannten Fallen zu geraten, wo versucht wird, Heil-ung durch Unterdrücken und Wegschneiden zu erreichen, oder Vorbeugung mit Früherkennung verwechselt wird. Beides ist manchmal natürlich notwendig, aber kann dem Anspruch an Heilung und Vorbeugung, den beiden vornehmsten Zielen der Medizin, nicht gerecht werden. Um Heil-ung zu verwirklichen, muss alles integriert werden und sicher nichts unterdrückt, wahre Vorbeugung will sich beugen, bevor das Krankheitsbild einen beugt. Früherkennung ist natürlich besser als Späterkennung, aber hat mit echter Vorbeugung gar nichts zu tun. Um zu erkennen, was einem Patienten zum Heil, zur Ganzheit fehlt, braucht es die Archetypenlehre, genau wie für echte Vorbeugung. Erkenne ich aber das Prinzip in einer Symptomatik kann ich diesem auf einer erlösteren Ebene gerecht werden als sie sich in der Erkrankung ausdrückt.

Bei einer Entzündung etwa herrscht ein Kampf zwischen Abwehr und Erregern im Organismus, bei Fieber sogar mit Generalmobilmachung und richtigem Krieg. Will ich dem vorbeugen, muss ich mutig und offensiv, heiße Eisen in meinem Leben anpacken und diesem Thema des Aggressionsprinzips gerecht werden. Über die 12 Archetypen oder Lebensprinzipien werden wir mit der Psychosomatik aller großen Krankheitsbilder vertraut.

Die vierte Woche beschäftigt sich mit praktischen Anwendungen wie Fasten und Ernährungsfragen und vielem aus dem reichen Schatz der Naturheilkunde. In der fünften Woche geht es um die primär seelischen Krankheitsbilder von Ängsten bis zu den schweren psychiatrischen Symptombildern, die wir auf der Basis der vier Elemente kennen lernen und im Idealfall mit vielen praktischen Übungen und Erfahrungen im Thermalwasser im norditalienischen Montegrotto verbinden. Die sechste Woche dient schließlich der praktischen Diagnostik aus der Körperlichkeit, der Deutung von Figur, Erscheinung und Gang, der Hände, Füße und Augen, aber auch des Gesichts.