Innere Entrümpelung

Vor Jahren wagte ich als Herausgeber einer Buchreihe das bei uns erste Feng Shui Buch zu präsentieren. Die Verlagsleitung konnte sich nicht durchringen, das fremd klingende Wort als Titel zu wählen und so hieß das Buch dann „Vom richtigen Wohnen“. Inzwischen ist Feng Shui in aller Munde, wir haben darüber die Qualität des Raumes wiederentdeckt, wie seinerzeit über die Astrologie die der Zeit. Wie schön wäre es, nun noch die Qualität aller Erscheinungsformen wieder schätzen zu lernen, etwa die des Geldes, der Arbeit, aber auch der Beziehungen. Dazu wäre es notwendig, durch die Welt der Erscheinungen hindurch auf die Ebene der Ideen, Archetypen oder Urprinzipien vorzudringen.

Beim Raum sind wir heute schon einen guten Schritt weiter und entdecken den Wert der Leere bzw. deren Kehrseite in Gestalt vollgestopfter Räume. Die große Entrümpelung steht nun ins Haus. Dieses Konzept müsste sich ausweiten etwa auch auf die Entrümpelung der Seelenwelt und des Geistes. Dann wären wir schon fast so weit wie östliche Traditionen, die etwa im Buddhismus die große Leere, das Nirvana, herbei sehnen oder im Taoismus die Leere der Nabe in der Mitte des Rades preisen.

Im Augenblick sind wir davon – auf fast allen Gebieten weit entfernt. Politiker jeder Couleur hoffen, den Konsumwahnsinn wieder anzukurbeln, um die Konjunktur zu beleben und im Nebeneffekt die Lebensräume mit Überflüssigem voll zu stopfen. Noch krasser bei der Bildung.

Nachdem sich auch von hartgesottenen Leugnern deutscher Bildungsmisere das Elend nicht mehr schön reden lässt, muss Abhilfe her. Das momentane System, das Deutschland schon weit zurückfallen ließ, soll nun vom Vormittag auch noch auf den Nachmittag ausgedehnt werden frei nach dem von Watzlawik längst entlarvten Motto „Immer mehr vom selben“. Bildungspolitiker kommen gar nicht mehr auf die Idee, dass etwas grundsätzlich falsch läuft, sie meinen im Gegenteil alles sei bestens nur eben zu wenig. Fixiert auf den Quantitätsaspekt übersehen sie, dass wir längst ein Qualitätsproblem haben. In der Folge werden die Hirne deutscher Kinder nun bald auch noch am Nachmittag zugemüllt mit Dingen, die bestenfalls auf einer CD-Rom Sinn machen. Mit dieser Politik wird man bildungsmäßig noch hinter der Elfenbeinküste landen.

Die Lösung läge eher in weniger konkretem Stoff und mehr Freiräumen zu kreativem Denken und Spielen. Bildung hat offenbar mit Bildern und Visionen zu tun. Die Kinder bräuchten wieder Zeit für die Entwicklung eigener innerer Bilder, die sich aus den von Pädagogen vermittelten äußeren Bildern ergeben. Werden aus äußeren keine inneren Bilder, ist Bildung fern. Heute fehlt uns die innere Leere, der Raum, in dem Dinge entstehen, sich entwickeln können. Viel zu schnell werden Kinder voll- und zugestopft und man wundert sich, dass nichts Gescheites mehr herauskommt. Wie sollte denn, wenn man nur Informationen hineinpresst?

Die Schönheit eines gelehrten und dann wieder geleerten Geistes, eines Bewusstseins, das Befreiung gefunden hat, wird gerade noch von einigen östlich angehauchten Spirituellen erkannt. Dabei sagte schon Sokrates für unsere Kultur: „Ich weiß, das ich nichts weiß“, obwohl er das Wissen seiner Zeit im Kopf hatte. Von Weisheit sind wir heute so weit entfernt, wie von Bildung.

Die Schönheit eines leeren Raumes im Zen-Stil, erschließt sich wohl auch nur wenigen. Ein leerer Raum ist dabei voller wundervoller Möglichkeiten, die sich alle manifestieren könnten aber nicht müssen. Welche Freiheit?

Der Charme eines aufgeräumten und in der Folge leeren Schreibtisches eröffnet sich uns dagegen schon eher, weil er die Freiheit gibt, zu tun was man will, auch einmal nichts. Er strahlt auch nichts mehr von der Nötigung durch drängende Arbeit aus. Ein leerer Schreibtisch lässt uns im wahrsten Sinne des Wortes in Ruhe, ein überladener dagegen drängt und bedrängt.

Ähnlich würde unsere Seele es genießen, Ballast abzuwerfen, etwa all das, was wir anderen nachtragen. Was für ein Denkfehler, wir haben die Last und in der Regel gar nicht die Kraft, damit zu schaden. Hätten wir diese, würden wir solch einen Unsinn erst recht nicht machen. Fragen Sie sich einmal, ob diejenigen, denen sie etwas nachtragen, diese Plackerei wirklich wert sind. Wenn Sie den Unsinn beenden, riskieren sie lediglich, dass es den Opfer möglicherweise auch ein klein wenig besser geht, gewinnen aber selbst enorme innere Erleichterung. Nachtragen lohnt sich unter keinem Aspekt, es verstopft lediglich die Seele mit nicht zu Ende gedachten (Rache-)Programmen.

Oder ganz ähnlich beim Beleidigtsein: wir haben das Leid, nicht der, dem wir es anhängen wollen. Mit einfachen Ritualen des Loslassens wie auf der CD „Entgiften-entschlacken-loslassen“ kann man sich solchen seelischen Ballastes entledigen und leichter und leerer werden. Papst Johannes XXIII soll auf die Frage, warum Engel Flügel haben, gesagt haben, weil sie sich leicht nehmen. Eine aufgeräumte Seele wird leicht und kann ein beschwingtes Leben genießen. Wer seelischen Ballast abwirft, indem er sich zum Beispiel einer Schattentherapie unterzieht, um den alten Seelenmüll endgültig loszulassen, wird danach ungemein erleichtert und verblüffend frei sein. Er kann sich und sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes leicht nehmen.