Homöopathie

Die von Samuel Hahnemann der Welt geschenkte Homöopathie ist durchaus mehr als eine konkrete Behandlungsmethode, die Kügelchen oder Tropfen mit potenzierten Arzneimitteln verschreibt. Es handelt sich auch um eine Methode, mit der Welt umzugehen. Wir können grundsätzlich gegen etwas vorgehen, das uns missfällt oder mit ihm umgehen, ersteres ist der allopathische Weg der Schulmedizin, letzteres der homöopathische, der zum Beispiel auch die Krankheitsbilder-Deutung ausmacht, die mich seit drei Jahrzehnten beschäftigt. Das berühmte Similia similibus curentur – Ähnliches möge Ähnliches heilen ist eine grundsätzliche Art, sich der Welt zu nähern.

Erfrorene Füße kann man aufwärmen oder mit Schnee einreiben, beides wird gemacht, nur letzteres bringt die besseren Ergebnisse. Wenn jemand unter niedrigem Blutdruck leidet, kann man ihn animieren, sich zusammenzureißen und dagegen anzukämpfen etwa mit Kaffee- oder Sekt-Trinken, mit Joggen oder anderen Übungen. Wir könnten aber auch darauf vertrauen, dass die Kreislaufschwäche etwas Wesentliches anzeigt und darauf hören. Schon wenn er morgens nicht auf die Beine kommt, sondern nach zu schnellem Aufstehen Schwindel erlebt und wieder zurück in die Kissen sinkt, ließe sich statt mit rabiater Überwindung mit der Schwäche umgehen. Wenn Betroffene sich in ihrer Zeit langsam auf die Hinterbeine kämpfen, geht es ohne Schwindel, einfach weil es jetzt zu ihr und ihrer Lebenseinstellung passt.

Auf diese Weise ist alle Krankheitsbilder-Deutung wie sie sich im Nachschlagewerk „Krankheit als Symbol“ findet, das Tausende von Symptomen von der Körperebene auf die seelische Bedeutungsebene übersetzt, homöopathisch zu verstehen.

Bei der Herzinsuffizienz, dem sogenannten Altersherz, ginge es etwa darum, statt das physische Herz immer größer und weiter und damit insuffizienter werden zu lassen, das Herz im übertragenen Sinn zu weiten und zu vergrößern, also dem Körper diese Aufgabe abzunehmen. Das wäre nicht nur harmlos, sondern wundervoll. Alles was wir im Bewusstsein nicht haben wollen, sinkt in den Körper und verkörpert sich. Heilung bedeutet, es zurück ins Bewusstsein zu holen, und statt dagegen vor zu gehen, es sozusagen – homöopathisch – wieder ins Leben einzugliedern.

Demenz-Patienten etwa wären besser beraten, statt auf der körperlichen Ebene wieder zu werden wie die Kinder, die seelische zu wählen und frühzeitig das innere Kind in sich zu entdecken. Ähnliches gilt für alle Krankheitsbilder.