Heimat

Heimat assoziieren wir meist mit Geographie, dem Land in dem wir leben. Bei Adligen wird die Heimat schon im Namen deutlich. Sie sind „von“ einem Landsitz oder Schloss, das ihnen gehört und wo sie hingehören. Auf dem Land spielen Hofnamen ähnliche Rollen. „Wem ghärst dann Du?“ wurde ich als Achtjähriger gefragt, vom Schicksal aus Berlin ins Bayernland versetzt. Verunsichert sagte ich, dass ich niemandem gehöre, höchstens mir selbst. Dabei wollten Fragende nur den Hofnamen wissen, wo ich wohnte. Für die Landbevölkerung ist der Hofname oft wichtiger als der Familienname.

Als Flüchtlingskind hatte ich keine Heimat, erlebte stattdessen viele Orte, Gegenden, Länder und Menschen, die sich für besser als Flüchtlinge hielten. Der Vorteil war die daraus folgende Ungebundenheit, der Nachteil, nicht zu wissen, wo mein Platz und ich sicher und geborgen war.

Auf dem Gegenpol zum an den Platz seiner Abstammung gebundenen Adligen, dessen Stammbaum weit zurückreicht, werden Märchenhelden meist früh aus der äußeren Heimat vertrieben, um in sich innere Heimat zu finden. Manchmal ziehen sie bewusst aus, das Fürchten zu lernen, öfter werden sie von bösen (Stief-)Eltern verjagt und müssen lernen, sich allein in einer fremden Welt durchzuschlagen.

Mir waren sie immer Vorbilder, die niemandem gehörten und nirgendwo hin, auf der Suche nach ihrer inneren Heimat. Odysseus, auch ein entwurzelter Held, rette sein Leben, als er auf die Frage des einäugigen Riesen Polyphem „wer bist du“, „niemand“ antworten konnte. Schwerer als die Märchenhelden hatte es der Gautama Buddha, der aus eigener Kraft, die wunderschöne äußere Heimat, den Fürstenhof der Eltern, verlassen musste, um zuerst ein Niemand zu werden und dann in sich Heimat zu finden.

Der Unterschied zwischen äußerer Heimat und innerer gleicht dem zwischen Gläubigen, die äußere Kirchen brauchen, und Spirituellen, die Christus im eigenen Herzen tragen getreu seinem Hinweis, das Himmelreich Gottes liege in uns.

Die Parallelen zwischen innen und außen sind zahlreich entsprechend dem Satz des Hermes Trismegistos „wie oben so unten, wie innen so außen“. Heimatverbundene Menschen sorgen sich um dieselbe, sie wollen zum Beispiel keine Schweinezucht-Häuser oder Großschlachthöfe bei sich, wobei sie meist durchaus Schweine essen. Menschen mit innerer Heimat würden eher darauf verzichten, sich Schweinefleisch einzuverleiben aus Sorge um ihren Körper, den sie als Heimat ihrer Seele erkennen.