Geldprobleme der Seele in modernen Zeiten

Wir haben dem Geld seinen sinnlichen Bezug, den es als Goldtaler noch hatte, heute weitgehend genommen. Dabei ist auch das Gefühl für die Qualität immer mehr abhanden gekommen. Viele Menschen erleben, dass sie mit Scheckkarten viel großzügiger sind als mit Bargeld, dessen sinnlich qualitativen Aspekt sie noch viel deutlicher spüren. Das wird mit virtuellem Geld noch ausgeprägter sein. Wobei wir nicht vergessen sollten, dass auch von diesen Zahlen auf PC-Bildschirmen Menschenleben abhängen. Die Seele weiß es jedenfalls und bewertet es entsprechend.

Ähnliches ist über die Digitalisierung und den Vormarsch des Internet in vieler Hinsicht geschehen. Wenn moderne Jugendliche CDs kopieren und Musik aus dem Netz herunterladen, haben sie dabei kein Gefühl von Diebstahl mehr, die bestohlenen Musiker jedoch schon, und die Seelen der modernen Diebe ebenfalls. Ähnliches erleben wir mit Anmeldungen über das Internet. Eigentlich wäre ein Klick genauso bindend wie eine Unterschrift, aber moderne, das Internet gewohnte Menschen erleben das nicht so. Offenbar weil in der Anonymität des Netzes Lug und Trug salonfähig geworden sind, halten sie sich lange nicht so verlässlich an die Konsequenzen ihrer Clicks wie ihre Vorfahren an die ihrer Unterschriften. Auf Anmeldungen über Internet kann man sich jedenfalls nicht annähernd so verlassen wie auf die alten per Unterschrift. Ob die Digitalisierung oder das Netz nun unmoralischer machen, sei dahingestellt, jedenfalls ist unsere Seele langsamer in ihrer Entwicklung und hat die entsprechenden Schritte noch nicht mit vollzogen, beziehungsweise richtet sich weiter nach alten Richtlinien.

Die Seele bewertet nach einer uralten, ja archetypischen Moral, während der moderne Mensch immer amoralischer agiert.

Ähnliches ergibt sich mit an der Börse „verdientem“ beziehungsweise „erspielten“ Geld. Nach deutschem Recht gelten Zinserhebungen oberhalb von 16 % als Wucher und sind folglich verboten, an der Börse aber ist alles erlaubt und deutlich höhere Gewinne sind nicht selten. Wer sich im Sinne von „Woran krankt die Welt“ überlegt, wie es dazu kommt, wird leicht verstehen, dass dieses Zusatzgeld fast nur auf dem Buckel leidender Menschen „erwirtschaftet“ werden kann. Insofern wird es damit ebenfalls zu einer Art Blutgeld und bekommt diese ganz besondere Qualität, die – nach meinen Erfahrungen – dafür sorgt, dass kaum jemand mit solchem Geld glücklich wird. Jedenfalls hat dieses Geld – in den Augen und Seelen vieler Betroffener – einen ganz anderen Charakter als mit „ehrlicher Arbeit“ verdientes. Darüber ob Spekulation ehrliche Arbeit ist, mag man intellektuell streiten. Die Seele aber ist entschieden und bestimmt unsere Lebensqualität. Und daran, dass es im Leben verschiedene Qualitäten gibt, zweifeln ja nicht einmal moderne Menschen.

Früher galt jede Zinserhebung als Wucher, dann nur noch die über 16 %, während die Börse heute den Begriff gar nicht mehr kennt und alles erlaubt. Aber unsere altmodische Seele hat sich diesem Trend nicht angeschlossen.

D.h. nun nicht, dass die Börse etwas Schlechtes ist. Im Gegenteil, sie ist die Bank der Industrie und als solche auch notwendig in unserem Wirtschaftssystem. Wer also Anteile an einer Firma kauft, weil er sich mit dieser und den erzeugten Produkten identifiziert und auf diesem Weg zum Mitbesitzer der Firma wird, ist von diesen Gedanken nicht betroffen, er wird in der Regel aber auch gar nicht so horrende Gewinne machen, sondern von guten Zeiten der Wirtschaft profitieren und schlechte mit seiner Firma durchleiden. Die modernen Spieler des Börsenspiels, denen es darum geht, mit Spekulation schnelles Geld zu verdienen, gewinnen mit ihrem auch „Abzocken“ genannten Verfahren Geld ganz anderer Qualität. Dieses wird für sie selbst beziehungsweise ihre Seele zum Problem, obwohl der Weg seines Erwerbs nach den weltlichen Gesetzen moderner Staaten legal ist.

Letztlich kann Geld jede Qualität annehmen, die Menschen ihm geben. Wenn die Mafia Chicago zeitweise zur reichsten katholischen Diozöse gemacht hat, erscheint uns das verdächtig. Aber ist Geld, das ein gut meinender dortiger Priester zur Unterstützung armer Slumkinder nutzt, deshalb schlecht? Ethik existiert natürlich unabhängig von Geld, aber am Geld zeigt sich die ethische Einstellung von Menschen deutlicher als in vielen anderen Bereichen.

Geld-Meditations-Übung

  1. Erkenne ich noch Qualitätsunterschiede bei von mir verdientem Geld?

  2. Welche Rolle spielen für mich Geldspiele? Was halte ich davon? Wie stehe ich zur Börse und den dort üblich gewordenen Spielen?

  3. Spiele ich unbewusst und indirekt mit, in dem ich mich an Fonds beteilige?

  4. Vermeide ich solche Erkenntnisse durch Wegschauen und Nichtinteresse?

  5. Wie altmodisch oder modern ist meine Seele bezüglich Geld eingestellt?

Moderne Lotto-Gesellschaft

Die moderne, staatlich geförderte Spieler-Gesellschaft vermittelt allerdings genau die Mentalität des Spielens um nicht zu sagen Abzockens, wo Nehmen ganz weit vor Geben rangiert. Auch wenn diese modernen Strategien finanziell mittelfristig erfolgreich sein mögen, für die Seele sind und bleiben sie eine Zumutung.

Das Spiel mit dem System, die Trickserei und das Sich-Durchlarvieren unter Ausnutzung aller legalen und halblegalen Vorteile ist zu einer modernen Marotte geworden oder sollte man altmodisch Unsitte sagen? Moderne Staaten und besonders Staatenbündnisse wie die EU fördern mit ihrem Wust an Bestimmungen und ihren Wahlgeschenken diese Art von ungesunder Lebenseinstellung fast vorsätzlich. Das Ausbeuten der Solidarsysteme hat diese bereits an den Rand des Zusammenbruchs gebracht, Versicherungsbetrug gilt schon beinahe als normal, die Mentalität aus jedem Unfall Kapital zu schlagen, hat sich rasend verbreitet und ein Leben auf Kosten der Gemeinschaft ist zu einer Art Volkssport geworden.

Inzwischen verspeisen immer mehr unberechtigte Sozialhilfeempfänger die Gelder der wirklich Bedürftigen, die oft längst nicht raffiniert genug sind, das System entsprechend den sich bietenden Möglichkeiten zu nutzen. Das Muster ist einfach zu durchschauen, finanziell mäßig erfolgreich, für die Seele aber desaströs und es wird von immer mehr jungen Menschen entdeckt. Erst liegt man dem Papa möglichst lange auf der Tasche und danach Vater Staat, der inzwischen Beihilfen für fast alles bereithält. Moderne Staaten sind in heutigen Zeiten ebenso ungesund großzügig wie moderne Eltern. Es gibt in Deutschland bereits Jugendliche die auf die Frage, was sie mal werden wollen. Hartz 4 antworten.

Hier ist nicht der Ort für moralische Appelle, die sowieso ihr Ziel verfehlen. Es gilt sich klar zu machen, dass die eigene altmodische Seele bei all den Tricksereien nur widerstrebend mitmacht und die Betroffenen umso sicherer daran leiden lässt. Die Quantität des Geldes bestimmt – wissenschaftlich nachweisbar – keineswegs unser Glück, aber die eigene Seele bestimmt darüber. Ein intelligenter, am eigenen Glück interessierter Mensch wird sich folglich mehr um seine Seele kümmern und sie nicht ständig mit Tricks verärgern, die ihrem Wesen zutiefst zuwider sind.

Folgende Fragen können die persönliche Rolle im Geldspiel enthüllen:

  1. Wie stehe ich zu Trickserein im allgemeinen? Beim Geld und im Leben?

  2. Ist Raffinesse zum eigenen Vorteil für mich wichtig und legitim?

  3. Nutze ich die Solidarsystem aus, oder bin ich eher solidarisch?

  4. Schlage ich heraus, was geht oder nur, was mir auch wirklich zusteht?

  5. Wie weit erlaube ich meinem Egoismus mein Leben zu bestimmen?

Aussöhnung mit dem Geld-System

Wer die Probleme des bestehenden Systems durchschaut von der Zinses-Zins-Problematik bis zu den sich geradezu für Plünderungen anbietenden Solidarsystemen und Bürokratien, hat verschiedene Optionen. Er kann das System boykottieren, es sogar vorsätzlich schädigen und bekämpfen, ja sogar selbst ausbeuten, weil es ja sowieso nichts taugt, oder er kann sich – trotz aller Probleme – damit aussöhnen und andere Prioritäten in seinem Leben setzen, die über Geld hinausgehen. Im Verweigerungs- wie auch im Aussöhnungsfall gibt es eine unerlöste und eine erlöste Variante.

Die unerlöste Möglichkeit im Verweigerungsfall kann darauf hinauslaufen, die Systeme zu boykottieren, auszubeuten und nach Kräften zu bekämpfen, Schulden anzuhäufen, den Offenbarungseid zu leisten, der dann völlige Narrenfreiheit gewährt. Vielleicht gelingt es so das Ganze ein wenig zu schwächen, vor allem wird derjenige aber sich selbst treffen und schwächen. Zwei solcher Menschen, die mit gescheiten Argumenten ihren Boykott untermauerten, hab ich mit ihrem Anliegen und vor allem auch persönlich scheitern sehen. Die Grundhaltung macht es – in meinen Augen – fast zwingend. Aus der eigenen Schwäche heraus lässt sich nichts erreichen.

Die erlöste Variante wäre ein kritisches Bekämpfen der Systemauswüchse und vor allem –fehler, politisches Engagement für Reformen oder radikale Änderungen wie es sich etwa im Kreis von Attac findet. Voraussetzung dafür ist aber auch ein vorläufiges persönliches Arrangement mit diesem System, das nun einmal diese, unsere Welt bestimmt. Das könnte aber so bewusst passieren, dass die Seele keinen Schaden daran nimmt.

Die unerlöste Variante im Aussöhnungsfall ist am weitesten verbreitet und läuft darauf hinaus, voll mitzumachen und das Beste für sich selbst herauszuholen unter Ausnutzung aller sich bietenden Chancen. Das ist letztlich nur eine andere Form der Ausbeutung des Systems. Dabei kann man reich und erfolgreich werden nach den Kriterien der Geldgesellschaft. Die eigene Seele wird allerdings leiden.

Die erlöste Variante im Aussöhnungsfall läuft darauf hinaus, in einem System, dessen Schwächen und Fehler man erkannt hat, trotzdem mit zu spielen, um sich Entwicklungsräume für Wichtigeres als Geld zu schaffen. Wer dabei seine alt(modisch)e Seele im Auge hat, kann ihr Leid ersparen, indem er Chancen auslässt, die zwar Geld versprechen, aber der Seele schaden. Wenn er Frieden schließt mit dem jetzigen System einschließlich seiner Banken, Zinsen usw., kann er auch selbst zu Geld kommen auf Wegen, die seine Seele toleriert. Geld lässt sich, selbst für empfindliche Seelen, ethisch vertretbar anlegen und so erhalten oder sogar moderat vermehren. Auf dieser Grundlage lassen sich andere Prioritäten setzen wie die Entwicklung der Seele und die Erweiterung des Bewusstseins und ein relativ glückliches Leben führen in einem relativ unglücklichen System.

Schlecht dran ist, wer ständig im Konflikt bleibt und auf ein besseres System wartet. Da kann er wohl lange warten, während das Leben vergeht. Die beiden erlösten Varianten sind sogar miteinander zu verbinden. Es ist durchaus keine Schande in einem Spiel mitzuspielen, das man kritisiert, aber nicht umgehen kann und dabei auch noch erfolgreich zu sein.

So kann man sich und andere beschenken, kann sich für der eigenen Seele wichtige Projekte finanziell einsetzen. Die beste Geldanlage aber ist sicher dort gegeben, wo man Menschen damit Freude machen kann und warum eigentlich nicht auch sich selbst. Was immer wir in die Entwicklung der eigenen und der Seele anderer investieren, ist absolut krisensicher und sogar noch garantiert über den Tod hinaus bestens angelegt. Die beste Pensionsvorsorge ist, es zu schaffen, bis dahin immer noch ein glücklicher Mensch zu sein oder es gegebenenfalls zu werden. Denn davon hängt vor allem ab, wie sich die Pensionszeit gestaltet und anfühlt.

Natürlich sollte das Geld auch reichen, aber auch dafür ist es am wichtigsten, dafür zu sorgen, eine Arbeit zu finden, die Freude macht und erfüllt, denn das wird für ein entsprechendes Entgeld sorgen. Wer aber aus Freude arbeitet, dessen Geld braucht weniger zu arbeiten und kann mehr Freude machen.

Kindern sollte man aus meiner Sicht nicht das Leben dadurch erschweren, dass man es darauf anlegt, Ihnen Geld zu vererben. Das bewährt sich vom psychologischen Standpunkt nicht. Erbschaften sorgen vor allem für Unglück und Unwohlsein, schlechtem Gewissen und einer unfrohen Lebensstimmung, schlimmerenfalls behindern sie sogar das Selbstbestimmungsrecht der nächsten Generation.

Viel besser wäre da Kinder in der armen Welt zu adoptieren und Ihnen durch monatliche überschaubare Zahlungen eine Zukunft zu schenken. Ich bin aus eigener Erfahrung tief davon überzeugt, dass solche Projekte insgesamt und auf lange Sicht für alle die beste „Rendite“ bringen.

Wer die „Die Psychologie des Geldes“ verstehen und mit den eigenen seelischen Bedürfnissen in Übereinstimmung zu bringen lernt, wird erkennen, dass Zeit nicht Geld ist, weil man am Ende für Geld keine Zeit bekommt, und sich viel ersparten. Zu all dem gebe ich in dem eben erschienenen Buch „Die Psychologie des Geldes“ Anleitung und eine Fülle von Tipps.