„Ganzheitliche Medizin, Spiritualität und Ökologie“

Die moderne Medizin hat den Blick auf die Mitte verloren. Dabei enthält das Wort Medi-zin ausdrücklich die Mitte und zielt darauf. Diese war das erklärte Ziel der alten Medizin, weshalb dort das Heilmittel noch re-medium (lat. für zurück zur Mitte) hieß, wie es auch im Englischen in Rescue-remedy anklingt. Solche Medizin, die den Weg zur Mitte wies, trugen Indianer im Lederbeutel um den Hals. In der Mitte erfährt sich der Mensch als ganz und vollkommen, und so wundert es nicht, dass auch Meditation diesen Wortstamm hat, zielt sie doch selbstverständlich und bis heute auch auf die Mitte.

Die Schulmedizin glaubt heute durch Wegschneiden erkrankter Teile oder durch Unterdrückung unerwünschter Symptome Heilung zu erreichen. Der Weg zum Heil, zum Ganzen braucht aber natürlich im Gegenteil Integration. Heil(ung) umfasst alles und meint Ganzheit und Vollkommenheit. Darauf zielt die sogenannte Ganzheitsmedizin. Zu der muss aber natürlich die ganze Medizin gehören, also auch die Schulmedizin und die spirituelle Dimension des Menschen. Ganzheitsmedizin meint den ganzen Menschen und nicht die Niere von Zimmer 14, von der Schulmedizinern oft sprechen. Auf Zimmer 14 liegt natürlich auch nie eine Niere, sondern ein Mensch mit zwei Nieren und – im Sinne von „Krankheit als Symbol“ – wahrscheinlich einer Partnerproblematik. So wie die Niere zwischen den sauren und basischen Kräften im Organismus die Mitte wahren soll, ist es Aufgabe von Partnerschaft zwischen dem weiblichen und männlichen Seelenanteil zu vermitteln.

Ganzheitliche Medizin muss immer Körper und Seele verbinden wie die Krankheitsbilder-Deutung, die von den körperlichen Symptomen auf deren seelische Bedeutung schließt. Wer also körperlich die Nase voll hat, sollte sich eingestehen, sie seelisch schon länger voll zu haben.

Solche auf den ganzen Menschen und seine Entwicklung gerichtete Medizin schließt natürlich auch die spirituelle Dimension mit ein, die Sehnsucht nach Sinn. All den Menschen mit Seeleninfarkt, ob in Depressionen, im Burn- oder Boreout, fehlt Sinn im Leben. Ohne ihn erkannte schon Viktor Frankl wird das Leben sinnlos. Ob Sinn in religiöser Erlösung, in spiritueller Befreiung oder in der Verwirklichung einer Lebensphilosophie gefunden wird, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. D.h. zu einem erfüllten Leben gehört als Ziel immer das Heil, das Einswerden mit allem.

Körper und Seele gehören zusammen, und die Seele sucht nach Erfüllung und Heil(ung). Gesundheit ist nach Definition der WHO ein Zustand frei von körperlichem, seelischem und sozialem Leid. Das ist bereits ein sehr hoher Anspruch, verlangt er doch Körper, Seele und Umfeld in völlige Harmonie zu bringen. Letzterer Aspekt braucht auch die Aussöhnung mit der Umwelt, und nicht nur der sozialen, sondern auch der natürlichen. Denn wie sollte das soziale Umfeld auf Dauer intakt bleiben, wenn das natürliche geschädigt oder tendenziell zerstört wird. So zielt also Gesundheit auf diesen hohen Anspruch von Vollkommenheit und Einheit mit allem.

Was sind nun praktische Wege, um solch hohes Ziel zu verwirklichen? Eine Medizin, die auf Heilung meint, muss notwendig spirituelle Dimensionen einschließen. Spirituelle Menschen aber werden automatisch auch auf ihr soziales und natürliches Umfeld bewusst achten und im Außen den Spiegel es innen erkennen. Sie werden erleben wie die „Schicksalsgesetze“ sich in Körper, Seele und Geist spiegeln. Bereits Paracelsus ging davon aus, der Mensch als Mikrokosmos spiegelt seine Welt, den Makrokosmos. Der Mensch ist also nicht ohne sein Umfeld zu denken und letzte Heilung verlangt auch nach dessen Sanierung.

Wie ist nun dieser allumfassende Anspruch zu verwirklichen?

Die einfachste Möglichkeit dazu und der nahe liegende erste Schritt ist eine Ernährungsumstellung auf pflanzlich-vollwertige Kost im Sinne von „Peace-Food“. Diese ist wissenschaftlich belegt, minimiert nicht nur die die größten Gesundheitsprobleme wie Herzinfarkte und Krebs, sondern auch die meisten modernen Zivilisationssymptome von Übergewicht, Diabetes II bis Rheuma und Gicht und viele weitere. Sie beugt ihnen vor und hilft auch sie zu therapieren. Sie ist zugleich der mit Abstand wirksamste Beitrag, den Einzelne zur Sanierung der ökologischen Katastrophe beitragen können. Tatsächlich bedingt die Massentierzucht mehr klimaschädliche Gase als alle Land-, Wasser und Luftfahrzeuge zusammen.

„Peace-Food“ ist – nomen est omen – auch der konsequenteste Beitrag zu innerem und äußerem Frieden, weil es nicht nur bessere Gesundheit bewirkt, sondern auch damit Schluss macht, dass die Tiere der Reichen die Nahrung der Ärmsten fressen. Denn Industrieländer wie Deutschland, Österreich und Schweiz importieren riesige Mengen an Futtermitteln aus Hungerländern und solchen, die unter Wasserknappheit leiden.

Im Augenblick haben wir eine Situation, wo Milliarden Wildtiere aus ihren Lebensräumen verdrängt werden von Milliarden Nutztieren, deren Fleisch seine Konsumenten so krank macht, dass wir Millionen Versuchstieren auf unvorstellbar grausame Art zu Tode quälen, um Medikamente zu finden, die wir gar nicht bräuchten, wenn wir keine Tiere essen würden. Das aber macht neben den körperlichen Gesundheits-Schäden auch die Seelen der Fleischesser krank, u.a. weil die mitgegessenen Angst- und Stresshormone in ihnen weiterwirken und uns überhaupt erst Krankheitsbilder wie die Panikattacken beschert haben. Vor der Durchsetzung von Großschlachthöfen, wo Tiere lange zur Schlachtung anstehen müssen, waren sie praktisch unbekannt.

Die Lösung ist verblüffend einfach: die Ernährung auf pflanzlich-vollwertig umstellen, die Psyche im Sinne von „Krankheit als Symbol“ wahr und wichtig nehmen und so seine die eigenen psycho-somatische Gesundheit zu fördern, während man nebenbei die Umwelt sanieren hilft und sein Bewusstsein entwickelt im Sinne von Sinnfindung, die letztlich auf spirituelle Entwicklung in Richtung Einheits-Bewusstsein zielt.