Frauen-Power

Von 35000 bis 10 000 vor Christus finden wir nur weibliche Gestalten von den Ausmaßen der Venus von Willendorf mit ihren riesigen Brüsten und Hüften, dem gewaltigen Bauch und Becken und einem Gesäß, das für erhebliches Durchsetzungsvermögen und Sitzfleisch spricht. Erst 25 000 Jahre später erscheinen die ersten Darstellungen von männlichen Jägern und ihrer Jagdbeute. Diese gewaltigen Frauengestalten sind natürlich Darstellungen der großen Göttin, auch wenn unsere vorzugsweise männlichen Archäologen mit dieser Interpretation ihre Probleme haben. Wenn Sie Gestalten wie Zeus oder Apoll finden, kommen sie allerdings auch darauf, dass es Götter gewesen sein müssen. In diesen frühen Zeiten war das Individuum einfach noch so wenig wichtig, dass unsere Vorfahren nur Götter darstellten. Hinz und Kunz ließen noch keine Statuen von sich anfertigen. Aus den Erfahrungen der Reinkarnations-Therapie wissen wir im Heil-Kunde-Zentrum Johanniskirchen darüber hinaus über viele Therapiesitzungen, dass in den langen Zeiten vor unserer Geschichtsschreibung das Matriarchat herrschte.

Das ist auch schon deswegen logisch, weil die frühen Menschen bei einer Schwangerschaft von 9 Monaten gar nicht gewusst haben dürften, welche Rolle den Männern bei deren Entstehung zukommt. Klar war dagegen immer, dass Frauen die Kinder gebaren und sie allein auch stillen konnten und so den Fortbestand der Art und Sippe sicherten.

Für das Matriarchat spricht auch die Tatsache, dass in Zeiten, wo noch kein künstliches Licht existierte, alle Frauen im selben Rhythmus menstruierten und zwar zu Neumond. Wenn aber die Hälfte der Menschheit im selben Rhythmus schwingt, entsteht Resonanz und damit ein Kraftfeld so großen Ausmaßes, dass die andere Hälfte dagegen wenig zu bestellen hatte.

Das Auftauchen der ersten männlichen Jägergestalten und Tiere in den Höhlen der Cromagnon Menschen dürfte der Anfang von Ende des Matriarchats gewesen sein und der Beginn des Patriarchats. Wahrscheinlich war es ein intuitiver oder genialer Mann, der das erste Feuer in die Höhle zerrte und damit Licht machte und die Frauen aus ihrem Rhythmus brachte.

Seitdem ging es mit der weiblichen Macht stetig und dramatisch bergab. Das Blutopfer für die große Göttin in Gestalt der Periode wurde von einer sakrosankten zu einer verdächtigen und dann unreinen Zeit. Heute macht die Tamponwerbung klar, dass frau, sofern sie das richtige Tamponmodell wähle, fast wie ein richtiger Mensch, nämlich ein Mann, leben könne. Es gab Zeiten, wo die Frauen unserer Kultur ein Neugeborenes Kind zuerst vor dem Mann auf den Boden zu legen hatten und nur, wenn er es aufhob, ihr Kind überhaupt behalten durften.

Männer schafften es mit der Zeit, alle weiblichen Herrschaftsgebiete zu männlichen Domänen (von domins: lat. Herr) zu machen. Und heute sind selbst in weiblichen Vorherrschaftsbereichen wie dem Kochen die Spitzenköche überwiegend Männer. Im Bereich der Schneiderei beherrschen einige männliche Modedesigner geschmacklich die ganze Welt. In Gebieten wie Politik, Wirtschaft und Wissenschaft ist die männliche Dominanz sowieso unübersehbar.

Allerdings gibt es inzwischen deutliche Anzeichen eines beginnenden Wandels. In den weiterführenden Schulen dominieren längst Mädchen, auf den Karriereleitern ist es enger geworden, seit Frauen sie zielstrebig erklimmen und oft ihren Mann männlicher stehen als männliche Kontrahenten. Das Selbstbewusstsein junger Mädchen ist so gestiegen, dass es bereits beeindruckende Schäden setzt. Jungen unter 20 Jahren suchen therapeutische Hilfe wegen Impotenz – ein ganz neues Phänomen. Geht man diesem therapeutisch nach, finden sich häufig von ebenso jungen Partnerinnen geäußerte Sätze wie „Geh Du erst mal üben, ich bin nicht eifersüchtig.“ oder „Wenn´s das war, dann war es das, ciao!“ Die heute sowieso leicht überforderten Seelen junger Männer, die so ein heißes Thema wie die erste Liebe ganz cool inszenieren sollen, sind damit rasch in die Enge getrieben. Sie strecken dann nicht selten die Waffen und lassen sich – zumindest teil- beziehungsweise gliedweise – hängen.

Doch trotz solcher Anzeichen kann von wirklicher Frauenpower noch kaum die Rede sein, solange ein weibliches Figurideal Mädchen und Frauen weltweit mit einem männlichen, ja sogar pädophilen Ideal quält, dass fast alle Frauen unglücklich und auch kaum einen Mann glücklich macht.

Da eben im Patriarchat alle Führungspositionen geradezu zwanghaft in männliche Hand gehören, und heterosexuelle Männer wenig Ambitionen zeigten, Frauen anzuziehen, übernahmen das homosexuelle Modeschöpfer. Dass diese auf männliche Formen und Figuren stehen, ergibt sich von selbst und so hatten die Frauen lange ihre Schultern aufzupolstern und die Hüften zu verbergen. Inzwischen ist das Ideal wirklich ausgesprochen magersüchtig. Von Twiggy der ersten Magersüchtigen bis zu Kate Moss zeichnet sich eine lange Leidensspur in den Modehimmel. Mit wenigen Ausnahmen mager- und kokainsüchtige Jammergestalten tanzen auf den Laufstegen der Welt eine Art Totentanz, der niemandem etwas bringt, aber Millionen unglücklich und nicht wenige ins Grab bringt. Über Magersucht „verdünnisieren“ sich noch immer unheimlich viele Mädchen. In Deutschland waren bereits vor Jahren 62 % der Mädchen zwischen 12 und 18 eßgestört. In USA werden angeblich über 50 % der Damenmode von Jungen vorgeführt.

Warum – lässt sich fragen – quälen sich fast alle Frauen und die meisten obendrein vergeblich mit einem Ideal, das den Männern nicht einmal gefällt beziehungsweise höchstens den 11 % Homosexuellen, die sich aber wieder nicht für Frauen interessieren. Um die 89 % Heteros, die nichts gegen weibliche Formen haben und sich für Frauen interessieren, kümmert sich dagegen kaum eine Frau. Schnell findet man die Modezeitschriften als Schuldige und Verfechter des kranken Ideals, die aber heute wiederum von Frauen gemanagt und geschrieben werden. Als ich die Gelegenheit bekam vor diesen Frauen einen Vortrag über Figurideale zu halten anlässlich des Erscheinens meines neuen Buches „Körper als Spiegel der Seele“ war ich erstaunt, wie wenig Wille zur Veränderung aus diesem Kreis kommt. Als hätte sich das dürre Ideal bewährt, wird es erhalten und die Energien zur Selbstbefreiung bleiben blockiert. Soweit kann es also mit der Frauenpower noch nicht her sein.

Aber bevor wir nun auf Mode- und Frauenmedien projizieren, wäre es besser zu erkennen, dass das Figurelend jeden Morgen von fast jeder Frau neuerlich initiiert wird in ihrer ganz persönlichen Folterkammer, die andere Badezimmer nennen. Sie bewegt sich in der Regel so lange vor Ihrem ersten und wichtigsten Folterinstrument, dem Spiegel, bis sie eine möglichst ungünstige Position gefunden hat, die ihr erlaubt ausgesprochen frustriert um nicht zu sagen angewidert hinein zu schauen. Aus dem Spiegel schaut ihr eigenes Gesicht entsprechend zurück und der Tag ist gelaufen. Die hermetische Philosophie weiß, dass im Anfang alles liegt und wer so beginnt, wird nicht in seine Kraft kommen. Aber damit nicht genug, nach der Spiegelfolter, tritt sie auf ihre zweites Folterinstrument, die Waage und frustriert sich ein weiteres mal. Denn wenn sie wird ja die Vorgaben der Modezeitschriften nicht erreichen und ihr Versagen digital angezeigt bekommen. Mit Sätzen wie „Du schaffst es nie!“, die sie innerlich zu sich spricht, unterminiert sie ihre Kraft weiter. Ausgeprägte Masochistinnen treten dann noch auf die Fettwaage und erleben der Folter dritte Variante, denn auch hier lassen sich die offenbar von Sportpädagogen an Männern gewonnenen Vorgaben kaum erreichen, dafür aber die eigene Stimmung schwer belasten.

Solange solche Rituale den Morgen bestimmen und die weiblichen Badezimmer im Wesentlichen Folterkammern bleiben, wird die Frauenpower wohl gebremst bleiben. Dabei wäre der Ausweg nicht schwer. Frau könnte hier von fast jedem Mann lernen: Männer benutzen Badezimmer und Spiegel viel vorteilhafter, wenn auch seltener. Bauchträger stellen sich nie im Profil vor den Spiegel, sondern werfen sich wie der Rest ihrer Geschlechtsgenossen ganz kurz in eine möglichst vorteilhafte Pose, genießen das zufriedene Gesicht im Spiegel und meiden selbigen anschließend geflissentlich. Wer den Tag so beginnt, kommt viel eher in seine Kraft und macht das Beste aus seinen Möglichkeiten.

Dabei gäbe es auch für Frauen leichte Wege, bessere Lösungen zu finden und in ihre Kraft zu kommen. So wie man mit einer Stunde Lektüre in „Krankheit als Symbol“ die wesentlichen eigenen Lernaufgaben über die bereits aufgetretenen Symptome finden und deuten kann, lassen sich am Körper die Chancen und Möglichkeiten ablesen, die in den eigenen Formen liegen. Statt sich am Hungerhaken-Ideal zu orientieren und daran scheiternd auf dem Gegenpol der Venus von Willendorf mit ihren opulenten Formen zu landen, könnte sie sich mit Deutungen der eigenen Statur sowohl aus dem dürren als auch dem überladenen Elend befreien und ihre Kraft in der Mitte dazwischen finden.

Im Sinne von „Körper als Spiegel der Seele“ steht zum Beispiel das Reithosen-Pänomen für eine Betonung des Weiblichen. Es will anregen, den Schwerpunkt nach unten in den weiblichen Pol zu verlegen, der Mutter Erde näher zu treten und sich auf Mutter Natur einzulassen, die Anima, den weiblichen Seelenanteil zu entwickeln, sich mit dem Frausein auszusöhnen und es sogar zu genießen.

Ein großes Gesäß will in gleicher Weise anregen, den eigenen Körper von Darstellungsaufgaben zu entlasten und die eigene Durchsetzungsfähigkeit zu entwickeln und auf Sitzfleisch im übertragenen Sinn zu setzen. Außerdem wäre natürlich an der eigenen Signalwirkung zu arbeiten. Denn bevor die Missionare die nach ihnen benannte Stellung entwickelten, galt ja die andere, die das Hinterteil in den Mittelpunkt des Interesses stellte. Während die Pavianweibchen auf Farbspiele setzen, versuchen es Frauen häufig mit Größe. Aber auch da gäbe es im übertragener Hinsicht Signalmöglichkeiten, die heute viel besser ankommen. Die einfachste Lösung hat Jennifer Lopez gefunden, die mit einem Hinterteil, für das sich heute die Mehrheit der Frauen schämen würde, eine beeindruckende Karriere macht und auf den Bildschirmen dieser Welt bei Männern und Frauen gleichermaßen punktet. Sie nimmt offenbar ihren weiblichen Körper an und bewegt ihn mit Hingabe und Millionen Männer sind begeistert. Sie könnte das Modell der Zukunft werden und Frauen anleiten in ihre weibliche Kraft zu finden und mit Männern zu spielen anstatt Spielball kranker Ideale zu bleiben. Hier läge der Weg zu wirklicher und nachhaltiger Frauenpower.

Der überdimensionierte runde Bauch könnte anregen, eigene innere Rundheit zu entwickeln, darauf zu schauen, dass das Leben rund und vollständig wird und bleibt. Die äußere Fülle der Pfunde ließe sich durch innere Erfüllung ersetzen. Wer mit seinen Pfunden im übertragenen Sinn wuchert, kann dem Körper helfen, Pfunde loszulassen und das eigene Leben körperlich zu entlasten. Physisch mächtige Schenkel erfahren Erleichterung durch entsprechenden Fortschritt auf anderen Ebenen. Gewaltige Brüste könnten davon profitieren, dass das eigene Leben genährt und der Mond-Archetyp ausgelebt wird.

In diesem Sinne ließe sich jede Körperform als Anregung verstehen, mehr zu sich zu finden und mehr und Wesentlicheres aus sich zu machen. So wie frau die eigene Figur lesen, verstehen und als Lernaufgabe nutzen kann, ließe sich das auch mit dem Gesicht und den Spielarten des eigenen Ausdrucks machen. Jedes Annehmen der eigenen Wirklichkeit ist aber ein Schritt zur eigenen Kraft und damit in Richtung Frauenpower.

Im Vergleich zum modernen Mann ist frau tatsächlich gut unterwegs, denn wenn wir auf den Gegenpol schauen, geht es Männern seelisch heute bereits deutlich schlechter. Das kann aber nur ein schwacher Trost sein, das Ideal wäre natürlich, wenn beide Seiten wachsen und sich in ihre Kraft entwickeln könnten, wobei Männer das Thema noch gar nicth entdeckt haben.

Betrachten wir das Geheimnis Mann, seine Gesundheit, seine Ängste und Sehnsüchte, brauchen Frauen diesen Vergleich wirklich nicht zu scheuen. Männer leben statistisch gesehen in den meisten modernen Gesellschaften ca. 7 Jahre kürzer, sie fragen später und oft zu spät um Hilfe und kommen so auch viel öfter zu spät zum Arzt. Zur Partnerschaftsberatung kommen sie – nach meiner Erfahrung – meist erst, wenn sie mit den Kindern schon über alle Berge ist. Männer sind deutlich schmerzempfindlicher, was sie sich aber kaum zu zeigen trauen. Einer Frau, die Kinder geboren hat, kann man im Stehen Blut abnehmen, einen Mann legt man immer hin, einen Bodybuilder am besten gleich in Schocklage. Männer sind oft noch nicht einmal mit ihrem Körper identifiziert, geschweige denn mit der Seele. Fragt sie ihn nach dem Theater, wo er stehe, verweist er in der Regel auf ein Parkhaus. So ist es auch nicht verwunderlich, dass er zwar sein Auto – zur Erhöhung von dessen Lebenserwartung – regelmäßig zur Inspektion bringt, sich selbst aber kaum Erholung und schon gar keinen Regenerationsurlaub oder sogar eine Kur gönnt. Er lässt sich verheizen in Sport und Job für Ehrgeiz und Erfolgsprogramme oder tut es gleich selbst. In der modernen Gesellschaft findet er im Rahmen der fortschreitenden Globalisierung genügend Anlässe dazu. Machen Männer Sport, ist es in der Regel zu selten, zu viel auf einmal und zu anstrengend. Alles, was Ihnen Spaß macht, ist nicht gesund wie Fuß-, Hand- und Volleyball, Tennis, Squash und Kampfsport oder im Hinblick auf Herz-Kreislauf unwirksam wie Golf und Reiten. Ersteres kommt von der Belastung knapp nach Nasenbohren, letzteres ist zwar ein guter Ausdauersport, aber nur für Pferde. Was aber gesund ist, wie Bewegung im Sauerstoffgleichgewicht, macht ihnen kaum Spaß. Männern müsste eigentlich geholfen werden, aber sie wollen nur sehr selten! Insofern ist es dann auch für sie wahrscheinlich am besten, Frauen machen es vor.

Sich an der noch ärmlicheren Situationen der Männer zu orientieren und sich im Vergleich besser zu fühlen, macht wenig Sinn. Tatsächlich wäre es der größere Segen, Frauen nutzten ihre heutige Aufbruchstimmung, um in ihre Kraft zu kommen, wobei sie sich aus den Fesseln des Patriarchats und der damit verbundenen männlichen Dominanz in so vielen Bereichen der Gesellschaft befreien müssten. Vorrangig erscheint mir dabei der Kampf um das eigene Körperhaus, das es aus den Schlingen des modernen Modediktates zu erlösen gilt, damit die Seele gern in ihm wohne, wie es schon vor Jahrhunderten die heilige Theresa von Avila formulierte.

Dabei könnten Sie die Männer gleich mitnehmen, denn die haben – mit Ausnahme von wirtschaftlichen Vorteilen – selbst schon lange das größere Leid auf dem Boden der partriarchalen Lebensmisere.

Persönlich würde ich mich natürlich freuen, wenn ein Buch wie „Körper als Spiegel der Seele“ dabei helfen könnte und eine ähnliche Welle auslöste, wie seinerzeit „Krankheit als Weg“ und heute „Krankheit als Symbol“, die grundsätzlich beiden Geschlechtern auf die Sprünge helfen wollen, im Grunde aber ganz überwiegend von Frauen genutzt wurden, von denen schon lange die entscheidenden Impulse zur Erneuerung unserer Gesellschaft kommen.