Die weibliche Brust als Symbol

Schönheitsoperationen um der Natur auf die Sprünge zu helfen

Die weibliche Brust wird immer mehr zum Modellierobjekt des Zeitgeistes und des von ihm diktierten Geschmacks. Dem Trend der Zeit folgend wird im gleichen Maß wie die Seele ignoriert wird, der Körper überbetont und zur Bühne erstaunlichster Demonstrationen. Wo Bequemlichkeit das Körpertraining behindert und Pillen das gewünschte Ergebnis nicht bringen, tendieren immer mehr Menschen zu sogenannten Schönheitsoperationen, vor allem beim weiblichen Busen, wo den beiden erstgenannten Methoden kaum Chancen gegeben werden.

Allmählich bekommen diese Operationen auch bei uns eine ganz selbstverständliche Akzeptanz wie etwa in Italien, wo sich der Regierungschef kürzlich das Gesicht generalüberholen ließ. In den USA sind solche Aktionen längst salonfähig.

Dort ist man schon einen Schritt weiter. So wie jemand, der es sich leistet, seinen Body nicht zu trainieren, milde Verachtung zu spüren bekommt, weil er dem Zeitgeist trotzt und das Auge des Betrachters beleidigt, ergeht es allmählich auch denen, die Möglichkeiten der plastischen Chirurgen verschmähen. Tatsächlich hat eine kleine Gruppe von Modells schon darauf reagiert und wirbt damit, nur natürliche, das heißt nicht zurechtoperierte Schönheit zu bieten. Solch kleine eher belächelte Gegenbewegungen können aber dem Trend nichts anhaben. Wer es sich leisten kann, lässt sich möglichst gut operieren, ansonsten zeigt er oder sie, dass sie es sich nicht leisten kann.

Auf diesem Weg ändert sich in den USA bereits das Figurbild. Ist man Europa noch gewöhnt, dass sich die weibliche Brust beim Hinlegen in ihrer Form verändert, ist das moderne amerikanische Modell beständiger, sowohl was die Lage als auch die Lebensdauer angeht. In amerikanischen Sexfilmen, in denen große Brüste eine ebenso große Rolle spielen, findet sich kaum noch eine nicht überarbeitete Darstellerin. Die große Brust symbolisiert das Mütterliche und ist in einer kindlichen bis kindischen von Männern dominierten Gesellschaft besonders wichtig.

Auch in Europa immer beliebter wird das sogenannte Liften, das sich neben der Brust vor allem dem Gesicht widmet. Dabei wird die müder und welker werdende Gesichthaut – man bekommt sozusagen mit der Zeit mehr Platz in seiner Haut – wieder gestrafft und gespannt wird, so dass das Gesicht von vorne wie neu ausschaut. Solche Runderneuerungen haben aber natürlich ihre Grenzen im wahrsten Sinne des Wortes, denn irgendwo kommt der Übergang zum alten Körper mit seiner von den Jahren angestrengten Haut zum Vorschein. Der aber wird genauso ungewollt wie unweigerlich durch die Überarbeitungen an einigen besonders vordergründig sichtbaren Stellen betont. Der Blick von der Seite, zum Hals oder ins Dekolletee kann so überraschende Abgründe der Zeit enthüllen. Die Ganzkörpernachstraffung aber ist noch nicht im Angebot der Operateure. Wir lassen uns mit der Zeit ja überall mehr oder weniger hängen und der Chirurg soll wieder hochziehen, was wir nicht mehr hochhalten können. Er bleibt aber bis jetzt noch auf Spezialgebiete wie Brust und Gesicht beschränkt, auch wenn diese allmählich regional ausgeweitet werden.

Was im übrigen beim ersten Mal noch ganz reizvoll sein mag, wird mit der Zeit und den notwendigen Wiederholungen im Gesicht immer schwieriger. Wenn die Gesichtslage dann schon extrem angespannt ist und langsam die Haut ausgeht, kann es schwer werden des nachts noch die Augenlider zu schließen. Das Gesicht ist schon längst zur Maske geworden und enthüllt statt jugendlicher Frische nur noch Peinlichkeit, kann doch spätestens jetzt jeder sehen, dass hier jemand nicht zu seinem Alter steht, keine Reife erlangt und sein Leben nicht bewältigt hat. Ähnlich wirkt der pralle Kugelbusen an einem altersmäßig weiter fortgeschrittenen Körper.

Wer ein inhaltlich ausgefülltes Leben hatte und innerlich jung geblieben beziehungsweise wieder geworden ist, kann sich äußerlich die Spuren und Zeichen des Lebens leisten. Eine Indianerin, die eingebunden in ihre Stammestradition den Kreis ihres Lebens in Würde bewältigt hat, wäre eher beleidigt, wenn man sie deutlich jünger schätzte. Wie zu ihrem Leben, kann sie zu ihrem Alter und Aussehen stehen. Das aber fällt naturgemäß denjenigen schwer, die ein rein nach außen orientiertes Leben führten, das inhaltlich leer blieb. Die Seele ist dann nicht jung sondern ohne Erfahrungen, sie hat keinen Reichtum an inneren Bildern angesammelt, sondern ist arm und diese Armseligkeit soll hinter einer eindrucksvollen Außenfassade versteckt werden. Einige Menschen wissen das, andere spüren es instinktiv im Kontakt mit solchen andauernd renovierten Fassaden, hinter denen sich kein rundes Leben verbirgt, sondern eine gähnende Leere, die nur die Karikatur jener Leere ist, die Buddhisten erstreben.

Die Brust als Modellierobjekt

Außer am Gesicht wird an keinem Organ soviel herumoperiert wie an der weiblichen Brust. In unseren Breiten lassen sich nicht wenige Frauen ihren großen Busen verkleinern, weil sie oder ihre jeweiligen Partner sich solch überschwänglicher Weiblichkeit nicht gewachsen fühlen. Beim Gegenteil, der Vergrößerung einer kleinen Brust – in den USA idealgemäß viel häufiger – zeigt sich der Versuch, wenigstens äußerlich das Bild einer mütterlichen Frau oder sogar einer Sexbombe hinzubekommen.

Das Reduzieren einer als zu groß empfundenen Brust ist technisch einfach, aber dafür kaum wieder rückgängig zu machen. Das aber wird nicht selten gewünscht, wenn die Frau innerlich nachgereift ist. Sie kann sich dann zwar einen großen Busen zurechtschneidern lassen, aber ihr eigener ursprünglicher wird es natürlich nicht sein. Das ist nicht nur im Hinblick auf sein natürliches Aussehen und Verhalten problematisch, sondern vor allem was die Sensibilität angeht. Beim Operieren werden notgedrungen viele der feinen Nervenendigungen in der Haut verletzt oder ganz durchtrennt. Letztlich ist es aber diese Sensibilität, die für die Sinnlichkeit und das Lustempfinden entscheidend ist.

Bei den technisch viel aufwendigeren Brustvergrößerungen wurden früher sogenannten Siliconkissen eingesetzt. Sie verrutschten allerdings mit der Zeit leicht und führten hin und wieder zu scheußlichen Reaktionen des Körpers, sodass diese Technik in den USA als dem auch hier führenden Land weitgehend verlassen ist. Bei der heute üblichen Technik wird ein Plastikring, der im wesentlichen einem Schwimmreifen entspricht vom Bauchnabel aus bis unter die Brustknospe geschoben. Anschließend wird er mit physiologischer Kochsalzlösung, einer Art künstlichem Körperwasser, gefüllt und so auf die gewünschte Größe gebracht. Amerikanische Chirurgen loben dieses Verfahren wegen seiner vielen Vorteile. Es verursacht äußerlich an der Brust keine Narben, und die Busengröße lässt sich auch nachträglich noch jederzeit weiter verändern. Es soll Frauen geben, die sich ihre Busengröße mehrmals im Jahr verändern lassen. Das ist mittels eines liegengebliebenen Dauerkatherters möglich. Sie lassen sich je nach beabsichtigter Wirkung von ihrem Arzt „aufpumpen“.

Bei all diesen Operationen – gleichgültig wie technisch aufwendig der chirurgische Eingriff ist – ist der äußere Schritt nur auf den ersten Blick einfacher als der entsprechende innere. Das wesentliche ist auch hier der Inhalt, der die Form füllt. Eine Operation bleibt immer äußerlich und funktional. Manchmal mag sie die innere Entwicklung fördern, häufig wird sich dadurch aber nur die Kluft zwischen innen und außen vergrößern und damit auch das ursächliche Problem.

Wenn eine junge Frau noch nicht zu ihrer Weiblichkeit stehen kann, wird dieses Thema natürlich nicht dadurch erlöst, dass man deren äußere Attribute einfach wegschneidet. Wenn „er“ Angst vor dem Weiblichen hat, wird diese nicht dadurch bearbeitet, dass „sie“ ihre Brust verkleinern lässt. Wenn eine Frau glaubt, nur mit einer ausladenden Oberweite einen Mann zu bekommen, geschieht das über den Umweg der Operation doch nur unter gefälschten Voraussetzungen. Es ist unwahrscheinlich, dass sie über diesen Weg findet, was sie letztlich sucht, einen Partner. Auch wenn die Operation primär dem eigenen Selbstwertgefühl dient, bleibt dieses doch solange erschlichen bis die Betroffene innerlich zur Größe ihrer Brust aufschließt.

In den USA hat sich noch eine medizinisch harmlosere Variante des „Herumdokterns“ an den Brüsten entwickelt. Auf dem Boden mentaler Techniken wird mit Suggestionen und Affirmationen versucht, hängendem Gewebe wieder Spannung zu verleihen und Vorhandenes aufzubauschen. Auch dabei handelt es sich natürlich um Eingriffe, wenn auch „nur“ in die Psyche. Die Kräfte des Unbewussten lassen sich für solche Spiele einspannen, nur sollte man sich darüber klar sein, dass alles zwei Seiten hat. Wie bei jeder kritiklosen Anwendung des sogenannten „positiven Denkens“ liegt die Gefahr darin, jenen Teil von sich, den man nicht mag, zu verdrängen. Das aber ist die wirksamste Methode, Schatten zu produzieren. Mit jeder Suggestion in Richtung eines makellosen Busens suggeriert sie sich indirekt, dass ihr natürlicher Busen nicht in Ordnung ist. Gesteht sie sich ein, dass solche Übungen nichts mit dem Entwicklungsweg zu tun haben, sondern genauso zudeckend arbeiten wie die der Schulmedizin, sind sie dieser gegenüber natürlich vorzuziehen. Die mit Affirmationen erreichbare „Narkose“ ist gering und die chemischen Nebenwirkungen fallen weg. Wenn ein Erfolg in Gestalt des Traumbusens errungen wird, ist dieser natürlicher und besser zu ihr passend als der chirurgisch herbeigezauberte.

Der Versuch, die Dinge funktional zurechtzurücken, bleibt solange zum Scheitern verurteilt, wie „sie“ nicht bereit ist, auch inhaltliche Schritte zu wagen. Der Erfolg jeder Schönheitsoperation chirurgischer oder mentaler Art hängt letztlich davon ab. Eine Frau mit ausladendem Busen wird durch dessen Teilamputation noch nicht zu dem knabenhaften Kumpel, den ihr (in dieser Hinsicht gestörter) Partner sich wünschen mag. Ebenso wenig macht der umgekehrte, operations-technisch aufwendigere Schritt noch keine Sexbombe aus ihr. Im Gegenteil will die vollständige Annahme des körperfremden Transplantates seelisch erst bewältigt sein. Wenn das alles so einfach wäre, müsste der Einsatz von Lockenwicklern oder einer Dauerwelle aus einem Mauerblümchen eine wilde „verlockende“ Frau machen oder das Antrainieren des Lotussitzes aus einem Körperakrobaten einen Erleuchteten. Die wesentliche Lernaufgabe bestünde darin, aus der Körpersprache die anstehenden Themen zu lesen. Demnach weist eine große Brust die Aufgabe zu, der solcherart verkörperten Weiblichkeit gerecht zu werden und ihr im Leben zu entsprechen. Die kleine Brust verkörpert eine Situation, in der es offensichtlich nicht die primäre Lernaufgabe ist, demonstrative Weiblichkeit darzustellen. Über solche von der eigenen Konstitution zugewiesene Lern- und Lebensaufgaben geht der moderne in USA beheimatete Zeitgeist allerdings mit Siebenmeilenstiefeln hinweg.

Dabei wären die Therapievorschläge und Lernhinweise diesbezüglich einfach: es liegt auf der Hand, dass es sinnvoller und leichter ist, den Partner zu wechseln als die Brust. Trotzdem ist frau nicht zufällig an einen Partner mit dem entsprechenden Problem geraten und könnte sich fragen, in wieweit sie eine Resonanz zu dessen Thema hat. Sie könnte ihr Problem in diesem Fall sinnvoller im Partner als ihrem Spiegel erkennen, als dann später an einer operativ nach seinen Wünschen „gestylten“ Idealbrust. Wenn eine ganze Gesellschaft einem verschrobenen Ideal huldigt, wie die US-amerikanische dem Superbusen, hat sie insgesamt dieses Problem und ihre Frauen werde dazu neigen, sich diesem Ideal mental oder chirurgisch zu beugen. Auf Grund der anderen gesellschaftlichen Verhältnisse können wir aber hoffen, dass uns in Europa vergleichbares Elend erspart bleibt, zumal die Brust durch ihre Masse vieles an ihren subtileren Qualitäten einbüsst. In den USA haben wir natürlich auch hier das schon bekannte Dilemma, dass die Quantität die Qualität um Längen schlägt.

Dabei ist fast jedem Mann bewusst, um wie viel verlockender die Aussicht ist, die von einem reizvollen Dekolletee ausgeht als von ständig nackt dargebotenen prallen (Plastik-)Kugelbrüsten. In dieser Hinsicht sind rutschende Träger ausgeschnittener Kleider, auf ebenso geschickte wie (halb)bewusste Weise eingesetzt, von ungleich magischerer Wirkung als vordergründige direkte Angebote, insbesondere wenn diese von gewaltigen künstlichen Formen ausgehen. Kaum ein Mann kann sich der Magie eines langsam rutschenden Trägers entziehen. Mit dem Träger rutscht sein Intellekt langsam hinweg, und es eröffnen sich ganz andere Einsichten und Zugänge. Letztlich geht es bei künstlich vergrößerten Brüsten immer um Wirkung auf das andere Geschlecht. Insofern ist es naheliegend, sich diese in ihren verschiedenen Aspekten bewusst zu machen, um sich so vor voreiligen chirurgischen Aktionen zu bewahren.

Männliche Reaktionen auf verschiedene Brusttypen

Alle Arten von Brustformen locken bestimmte Männer an, an den Extremen spiegeln sich natürlich die jeweiligen Typen besonders deutlich. Zu reifen Brüsten neigen eher reife Männer, aber auch die an ihrem Mamabild hängen gebliebenen Buben. An den kleinen mädchenhaften Knospen bei insgesamt knabenhafter Figur hängen mehr die unreifen Typen, die Angst vor erwachsenen Frauen haben und eigentlich einen Kameraden oder Kumpel suchen. Ganz offensichtlich lieben Männer, die auf den Mond-Archetyp und damit Mütterlichkeit stehen, große Brüste. Ihr Traum, in reifer Weiblichkeit zu versinken, kann daher rühren, dass sie nie wirklich losgekommen sind von der Mama und weist dann ebenso auf Unreife hin wie im umgekehrten Fall, wo sie nie im Leben genug Mutter bekommen haben. Die Brüste als Symbol reifer Weiblichkeit stehen sowohl für Verständnis und bedingungslose (Mutter-)Liebe, wie auch für erotische Verlockung. Die US-Cowboys zum Beispiel brauchen in ihrer Bubenhaftigkeit diese Fülle, die Erfüllung verheißt. Ihr Problem wird im Namen deutlich. Der Junge ist unreif und auf die Kuh, das klassische milchspendende Muttersymbol bezogen. Die Kuhjungen versuchen mit entsprechenden Spielen und Ritualen an Männlichkeit heranzukommen, um damit jedenfalls auf der Leinwand kuhäugigen Blondinen, die ihre Brüste nur gerade noch gezähmt bekommen, zu imponieren oder sie noch besser aus den Fängen des Bösen zu retten.

Buben, die sich unter einer überbehütenden Mutter nicht entwickeln konnten, haben allerdings häufig auch Angst vor solchen Brüsten, fürchten manchmal geradezu zwischen ihnen erstickt zu werden, so wie seinerzeit ihre Lebensimpulse erstickt wurden. Jede typische „Superfrau“ kann sie an diese frühkindliche Gefangenschaft erinnern. Solche Kindmänner, die sich nur äußerlich von ihren Übermüttern gelöst haben, ekeln sich manchmal so vor mächtigen Brüsten, in denen sie die eigene Mutter bekämpfen, dass sie ihre entsprechenden Partnerinnen zur Operation nötigen. Natürlich scheitert der Versuch, auf diesem Weg der Glucke zu entkommen. Dazu müsste er schon selbst etwas tun. Im anderen Fall versucht er die Besitzerin dieser Brüste stellvertretend für die eigene Mutter niederzuringen. Andererseits können große Brüste auch jene großen Buben im ersten Moment verschrecken, die sich dem Weiblichen einfach noch nicht gewachsen fühlen. Dabei würden sie schon mögen wollen, wenn sie sich trauen täten.

Ewige Jünglinge stehen dagegen wieder auf mütterliche bedingungslose Liebe an großen „Theken“. Sie sind im allgemeinen von ihren Müttern zu etwas ganz Besonderem „aufgebaut“ worden und wollen weiterhin entsprechend bewundert und verwöhnt werden. Und genau das erwarten sie sich bei reifer Mütterlichkeit.

Natürlich kann frau mit jeder Brustform gut leben, wenn sie zu sich und ihren Brüsten steht, so wie man auch jede Brust lieben kann, wenn er die zugehörige Frau liebt. Auf Seiten der Frauen ist es im allgemeinen ein Problem des Selbstwertgefühls, das hier angesprochen wird und zu den angeführten medizinischen Aktionen verleiten kann. Letztlich entstehen all diese Probleme durch die Orientierung an der Umwelt und aus dem Vergleich mit Zeitgeistidealen.

In dieser Hinsicht mag es erleichternd sein, sich klarzumachen, dass diese – was Mode angeht – weitgehend von homosexuellen Männern bestimmt werden, weil die unter Männern noch am ehesten Geschmack haben, und „man“ etwas so Einträgliches wie das Modegeschäft nicht einfach den Frauen selbst überlassen will. Die so entstandene Mode ist oft sehr leicht als tendenziös zu durchschauen. Homosexuelle Männer werden ihrer Natur gemäß dazu neigen, in Frauen das Männliche zu betonen, da sie selbiges eben anziehend und schön finden. Hier könnte eines der bisherigen Ideale seine Erklärung finden, nämlich die knabenhafte Figur vieler Modells. In den USA wird solche Mode oft auch schon von männlichen, aber auf Frau geschminkten Modells präsentiert. In den USA wird dieses „männliche“ Figurideal der Modedesigner aber immer deutlicher von der Sehnsucht nach der großen Mutter mit ihren ausladenden Brüsten verdrängt. Die Rückkehr der großen Göttin auf diesem Weg, sozusagen durch die Hintertür ins Herz einer so ausgeprägt männlich dominierten Gesellschaft wie der US-amerikanischen ist der Polarität und ihrer ausgleichenden Gerechtigkeit geschuldet.

Wenn ein heranwachsendes, mit schwachem Selbstbewusstsein ausgestattetes Mädchen für seinen großen Busen gehänselt wird, beginnt es, ihn zu verstecken, was schließlich bis zu Fehlhaltungen führen kann. Was sich zuerst in momentanen Fehlhaltungen und seelischen Schmerzen äußert, wird mit der Zeit auch zu einem physischen Problem. Die Haltung mit weit nach vorn gezogenen Schultern ist das genaue Gegenteil des Sich-brüstens. Das Verstecken der Brust aus Scham führt auf die Dauer zu Verspannungen und Verhärtungen im Schulter-Nackenbereich. Die Betroffene wird hartnäckig und krumm. Der Körper bildet ab, wie sie sich unter der Verhöhnung krümmt und unter den Nackenschlägen duckt. Sie kann nicht zu sich und ihrer Erscheinung stehen, verkriecht sich gleichsam im Stehen. Hieraus erwächst – jedenfalls im alten Europa – nicht selten der Wunsch nach Brustverkleinerungen im jugendlichen Alter. Kaum werden solche Mädchen dann zu Frauen und kommen an einen entwickelteren Mann, wird der sich nach ihren ursprünglichen reifen Formen sehnen, und das nächste Drama kann chirurgisch inszeniert werden.

Dieser Trend dürfte allerdings auch bei uns allmählich vom US-amerikanischen Ideal abgelöst werden: der „um jeden Preis“ und zu jeder Zeit großen Brust. So wie wir jeden US-Trend aufs Peinlichste kopieren, werden wohl auch hierzulande bald die Kugelbusen das Brustfeld beherrschen.

Schattenseiten zurechtoperierter Schönheit

Leider bleibt auch bei Schönheitsoperationen der medizinische Schatten nicht aus. Beim Absaugen überschwappenden Fettes um die Leibesmitte, werden natürlich auch die Energiekanäle des Körpers, die Meridiane wie die Chinesen sagen oder der Nadis der Inder geschädigt, denn sie laufen nicht nur äußerlich auf der Haut, sondern auch im Körperinnern. Bei allen bisherigen plastischen Operationen wird vor allem auf den äußeren Eindruck geachtet, während die innere Wirklichkeit kaum bedacht wird. Bei Brüsten geht es vordergründig und aus männlicher Sicht nur um die Optik, aber für die Frauen ginge es ganz entscheidend auch um das Gefühl in der Brust. Wenn ein reifer Mann im (Liebes-)Spiel ist, wird der Mangel an innerer Empfindung auf Seiten der Partnerin auch für ihn rasch zum Problem. Relativ empfindungslose Kunstbrüste sind für sinnliche Orgien und Liebesfeste offensichtlich kontraproduktiv.

Ganz abgesehen von den Risiken und Zwischenfällen der jeweils notwendigen Narkosen und der Vergiftung durch die entsprechenden Mittel, die heute zwar geringer geworden sind, aber natürlich grundsätzlich immer noch bestehen.

Auch die Ergebnisse sind oft von fragwürdiger Qualität und durchaus nicht frei von Nebenwirkungen. Es ist eine Geschmackssache, ob man gerne mit den in der Regel empfindungsarmen Plastikkugeln spielt, die US-Amerikanerinnen neuerdings vor sich her schleppen. Wenn Implantate Probleme machen, wurde das zumindest bei Silicon manchmal sogar existentiell bedrohlich. Aber auch die moderneren Implantate sind nicht ohne (Nebenwirkungen). Wenn eine Frau in ihren modernen Schwimmreifen unter den Brüsten einiges an Wasser mit sich herumschleppt, ist Sonnenbaden tabu, denn das Wasser würde richtiggehend heiß und unerträglich, ähnlich unangenehm kalt wird es aber bei winterlichen Temperaturen. Was sich für europäische Ohren geradezu makaber anhören mag, ist in den USA doch schon ein viel diskutiertes Problem. Vielleicht wird man bald von Wasser auch wieder abkommen und die Damen mit Luft aufpumpen, „heiße Luft“ hätte jedenfalls symbolisch noch deutlichere Aussagekraft.

Hinter der Welle der Schönheitsoperationen steckt letztlich die Idee des „Mehr scheinen als sein“, die im europäischem Wertesystem als durchaus unseriös beleumundet ist. Was aber hierzulande in der klassischen Erziehung lange Zeit verworfen wurde, kommt jetzt als letzter Schrei aus den USA auf uns zurück. Insofern könnte man vermuten, dass dort auch viel europäischer Schatten gelebt wird. Was wir noch Bestechung nennen, heißt dort längst Sponsoring. Was wir als frech empfinden, ist dort schon selbstverständlich und würde geradezu als dumm gelten, wenn es unterbliebe. Der Ehrliche ist in der modernen Welt tatsächlich längst der Dumme.

Wie im Mikrokosmos neigen wir natürlich auch im Makrokosmos dazu, vieles unter den Teppich zu kehren und in Sondermülldeponien und Zwischenlagern zu verstecken, was wir an der Oberfläche nicht ertragen können. Wir versenken im Meer und verbuddeln in der Erde, den beiden archetypisch weiblichen Elementereichen, was der männliche Verstand zwar geschaffen hat, aber nicht lösen und nicht konfrontieren kann. Er will es sich dann wenigstens aus dem Gesichtsfeld schaffen. Das ist eine Politik, die auf beiden Ebenen, im Mikro- wie im Makrokosmos den Tatsachen nicht ins Auge schauen und die Konsequenzen der eigenen Lebenswirklichkeit nicht ertragen kann. Aus der Psychotherapie wissen wir hinlänglich, dass Verdrängung nichts nützt, sondern im Gegenteil die Probleme unter der geschönten Oberfläche nur eskalieren lässt. Da man es in beiden Fällen lange nicht merkt, ist das späte Erwachen dann umso schlimmer.

Die wohl einzig sinnvolle Lösung zeigt die Psychotherapie: Es führt auf die Dauer kein Weg an der Konfrontation der Wirklichkeit vorbei. Wer das weiß, kann sich und seiner Welt jeden Aufschub von vornherein ersparen und damit einiges an überflüssigem Leid. Und natürlich lässt sich auch jede Brustform deuten, wobei hier die kulturellen Unterschiede gewaltig sind. Während zum Beispiel archaische Menschen die hängende Brust als Ausdruck eines gelebten Frauenlebens schätzen, ist sie in modernen Gesellschaften, die im Rahmen ihres Jugendkultes gar kein Frauen- sondern ein Mädchenideal haben, verpönt. So wird es der modernen Frau naturgemäß schwer gemacht, zu ihrer gelebten Figur zu stehen. Trotzdem wäre es die einzige schlüssige Lösung. Denn selbst wenn man äußerlich alles wieder verspannen lässt vom Gesicht über die Brust bis zum Po, wird der Inhalt davon doch nicht verjüngt, sondern die Kluft zwischen äußerem Schein und innerem Sein wird größer und damit auch die Chance auf Krankheit und Leid. Die eigene Form und Figur zu deuten und anzunehmen, ist da der ungleich entwicklungsförderlichere Weg.

Literatur:

Ruediger und Margit Dahlke, Volker Zahn: „Frauen-Heil-Kunde“

Ruediger und Margit Dahlke: CD: „Frauenprobleme“ (beides: Goldmann Verlag)

Ruediger Dahlke, „Von der Weisheit des Körpers“ (Knaur Verlag)

Neuerscheinung: „Schlaf – die bessere Hälfte des Lebens“

Fragen für die „Ihr-Einkauf“-Befragung:

1. Was ließe Ihr Partner an sich chirurgisch überarbeiten, um Ihnen noch besser zu gefallen?

2. Ist Ihnen die Form wichtiger als der Inhalt, steht ihnen der Topf über der Speise?

3. Geht ihnen die Optik über die Empfindung?

4. Wie viel Mühe ist Ihnen die äußere Fassade wert?

5. Wie viel Weiblichkeit drückt sich in Ihrer Brust aus?

6. Bei einer etwaigen erwogenen Operation: Würden Sie etwas von ihrer Weiblichkeit opfern wollen oder sich mehr Weiblichkeit schenken lassen?

7. Wie viel von sich würden Sie ihrer großen Liebe opfern?

8. Wie viel Schmerzen sind Sie bereit auf sich zu nehmen? Wie viel Risiko sind Sie bereit zu tragen, um des äußeren Scheines willen?

9. Wie würde sich eine Komplikation bei der Operation auf ihre Partnerschaft auswirken?

10. Würden Sie ihrem Partner in einem solchen Fall Schuld oder Mitschuld geben?

11. Wie viel Entwicklungsarbeit sind Sie bereit zu leisten, um der äußerlich veränderten Form auch innerlich gerecht zu werden?

12. Wie würden sich die neuen Formen auf ihr Selbstwertgefühl auswirken? Könnten Sie den Zuwachs an „Schönheit“ innerlich verkraften und genießen?