„Die Transformation in der Medizin“

Zeiten, wo Ärzte in ihrer Ausbildung mit Philosophie konfrontiert wurden, liegen lange zurück. Das Studium generale ist aus der Mode gekommen. Mediziner wollen heute Naturwissenschaftler sein und manche sind sogar stolz darauf, nichts mit Philosophie zu schaffen zu haben, sondern „wertfreie“ an objektiven Kriterien orientierte Medizin zu „machen“. Die Idee der Universität war ursprünglich eine andere: „Uni“, das Eine, sollte in der Vielfalt, der „Versität“ der Erscheinungsformen gefunden werden. Nach dieser ursprünglichen Idee der Gebrüder Humboldt ließ sich die Universität wie eine Torte vorstellen, wo viele Fakultäten sich in der einen Mitte trafen, die die Einheit symbolisierte. Heute gehen Studenten längst nicht mehr auf die Uni, sondern verlieren sich in der „Versi“. Das geht so weit, dass in der Medizin die Gynäkologen mit den Orthopäden streiten, wer dieselbe Knochendichte richtig misst und wo Nephrologen mit Urologen um eine Niere kämpfen. Das Ergebnis ist eine Medizin, die von der Niere auf Zimmer 16 spricht und den ganzen Menschen mit seiner Seele aus den Augen verloren hat. Am klarsten und erschütterndsten fand ich das im Buch des Wiener Universitätsprofessors und Intensivmediziners Klaus Ratheiser „Dauerfeuer“ ausgedrückt.

Bevor die Universität ihren Siegeszug antrat, herrschte analoges Denken und beherrschte die Menschen, ihre Religion und alle anderen Gebiete. William Harvey, der Entdecker des Blutkreislaufs, fand diesen über Analogie-Denken. Er ging davon aus, wenn die Planeten um die Sonne kreisten, musste das Blut ums Herz kreisen – Mikrokosmos Körper gleich Makrokomos Welt. Damit hatte er recht, wurde aber, weil er sich des alten Denkens bediente, über 100 Jahre verlacht.
So überzeugend und beruhigend das naturwissenschaftliche, die heutige Medizin beherrschende Weltbild für die Mehrheit moderner Menschen klingen mag, so problematisch ist es auf den zweiten Blick. Sogenannt kritische, sich auf Wissenschaft als einzige Quelle wertfreier Erkenntnis stützende Menschen übersehen leicht, dass sie als Wissenschaftsgläubige Anhänger der inzwischen größten Religion sind. Sie sind weder Wissenschaftler noch forschen sie, sondern glauben an deren Ergebnisse. Die Tatsache, dass sie nicht an den Religionscharakter ihres Glaubens glauben, macht diesen besonders problematisch.

Eine Analogie aus der Psychotherapie mag das verdeutlichen. Therapeuten, die ihre Therapie als non-direktiv bezeichnen, glauben damit die einzigen zu sein, die ihre Patienten nicht beeinflussen. In der Praxis sind sie die einzigen, die überhaupt nicht merken, wie sehr sie ihre Patienten beeinflussen. Das aber macht sie diesbezüglich zu gefährlichen Therapeuten, denn ihre Beeinflussung liegt im Schatten, wird also gar nicht wahrgenommen. Entsprechend werden Mediziner und Therapeuten, die kein bewusstes Weltbild und keine Philosophie hinter ihren Behandlungsmethoden kennen, blind für die Auswirkungen jenes Weltbildes, das sie vertreten und durch ihre Arbeit durchscheinen lassen. Als Wissenschaftsgläubige sind sie außerstande ihr Glaubenssystem zu durchschauen, weil sie glauben, keines zu haben.

Exakte Naturwissenschaft verlangt, nur zu akzeptieren, was wissenschaftlich bewiesen ist, d.h. aber im Versuch nachexperimentiert und bestätigt wurde. Die große Mehrheit der Wissenschaftsgäubigen aber hat kaum eine Ahnung von naturwissenschaftlicher Arbeitsweise, experimentiert und beweist nichts, sondern glaubt, was andere ihnen sagen oder vorbeten, wie man das früher nannte. Das ist typisches Charakteristikum religiöser Systeme, gegen die ich gar nichts habe, im Gegenteil. Solange ich weiß, dass ich glaube und damit ein Gläubiger bin, gibt mir das sogar wundervolle Möglichkeiten. Immerhin kann der Glaube Berge versetzen, wie uns inzwischen auch moderne Placebo-Forschung belegt. Problematisch aber ist, wer nicht weiß, dass er einer Religion anhängt, denn es macht ihn gegenüber den Glaubenssätzen des eigenen Systems unkritisch.

So übersieht etwa die moderne Schulmedizin, die sich naturwissenschaftlich gibt, wie einseitig sie geworden ist und nur noch den (arche)typisch männlich aktiven Teil der Wirklichkeit in ihr (Glaubens-)System einbezieht. Von dem alten Satz „medicus curat, natura sanat – der Arzt pflegt, die Natur heilt“ hat sie als Naturwissenschaft prompt den zweiten Teil, die Natur, vergessen.
Verschärfend oder mildernd, je nach Blickwinkel, kommt hinzu, dass Schulmedizin nicht einmal durchgängig naturwissenschaftlich ist, obwohl sie das immer wieder fast beschwörend behauptet. In der Praxis der Universitäten ist sie von Lehrmeinungen geprägt, die zum Teil mit großer Vehemenz gegen die Wirklichkeit verteidigt werden. Das allermeiste in der Schulmedizin beruht auf Hypothesen, die nicht mehr als solche er-, sondern als eherne Wahrheiten verkannt werden. Einfachste Beispiele machen das deutlich. Wenn Physiker die Hypothese aufstellen, Schwäne seien weiß, gilt diese Hypothese so lange als solche, bis sie bewiesen oder widerlegt ist. Wenn laufend und zu Tausenden weiße Schwäne gesichtet werden, untermauern diese Beobachtungen lediglich die Hypothese, beweisen sie aber keineswegs. Aber schon die erste überprüfte Sichtung eines schwarzen Schwanes ruiniert die Hypothese und Physiker geben sie – naturwissenschaftlich angemessen – auf. Mediziner neigen dagegen dazu, immer wieder bestätigte Hypothesen als Lehrmeinungen „abzusichern“. Wird – wieder Erwarten der Lehrmeinungsinhaber – eine Ausnahme gefunden, hält man sich eher als an den eigenen Wissenschaftsanspruch an den Volksmund, der glaubt, Ausnahmen bestätigten die Regel. Der Entdecker der Ausnahme wird oft diskriminiert, weil er das so schön funktionierende (Denk-)System in Frage stellt. So ist es zu erklären, dass lange Zeit jene Patient(inn)en, die ihren Krebs wieder Erwarten (der Schulmediziner) überlebten, geradezu als Störenfriede ignoriert und zum Teil sogar schikaniert wurden. Bis heute kümmert man sich kaum um jene, die trotz positivem HIV-Test über Jahrzehnte bei guter Gesundheit bleiben. Wer es ernst meinte mit seinem Wissenschaftsanspruch, müsste gerade hier forschend aktiv werden.

Die Grundhaltung, die Neues ablehnt, um alte Lehrmeinungen und Pfründen zu retten, hat dazu geführt, dass fast alle bahnbrechenden medizinischen Entdeckungen zuerst von den wissenschaftlichen Organen zur Veröffentlichung und oft sogar zur Prüfung abgelehnt wurden. Die von Ignaz Semmelweis entdeckte Hygiene ist hier das berühmteste, aber leider längst nicht einzige Beispiel. Der deutsche Arzt, der sich den ersten Herzkatheter ins eigene Herz schob, wurde ebenso verlacht. Und diese Art ist nicht auf die Medizin beschränkt. Als während des Weltkrieges ein Forscher auf alliierter Seite das Radar entdeckte, wurde er von den Wissenschaftlern der Armee ignoriert, sie hätten sich um wichtigere Dinge zu kümmern.
Genau das passiert gerade in der Ernährungslehre, wo die Klasse der Etablierten Professoren ihre unbewiesenen Lehrmeinungen gegen eine schon fast erdrückende Fülle neuer Studien verteidigt, die enthüllen, wie schädlich und gefährlich Tierprotein für die menschliche Gesundheit ist. In der Bevölkerung gibt es längst eine vegane Welle wachsenden Ausmaßes, aber – jedenfalls von den deutschen Unis – kommen nur die alten haltlosen Vorurteile mit Ausnahme der Berliner Charite´. Dort ergeht es den Forschern, die die Vorteile pflanzlich-vollwertiger Ernährung bestätigen, nun wie seinerzeit Semmelweis. Aufgabe der Uniforscher wäre dem nachzugehen und diesen Ansatz weiterzuentwickeln. Denn tatsächlich ist vegan noch nicht die Lösung, denn Whiskey und Vodka, Weißmehl und –zucker sind vegan aber nicht gesund. Ein Buch wie „Peace-Food“, das auf pflanzlich-vollwertige Ernährung zielt, ist durch viele Studien abgesichert. Aber auch wenn es auf einer Erfolgswoge von der Bevölkerung getragen wird, von der Ernährungswissenschaft werden die neuen Ergebnisse weiter ignoriert. Das erinnert mich an die Anfänge der Krankheitsbilder-Deutung mit „Krankheit als Weg“ und „Krankheit als Sprache der Seele“, die ebenfalls von der Bevölkerung durchgesetzt und von der Medizinwissenschaft ignoriert wurde.

In der Medizin müsste sich wirkliches naturwissenschaftliches Interesse der zahlreichen Ungereimtheiten annehmen. Die Psychosomatik wäre hier die größte Herausforderung und eine wahre Fundgrube mit ihrer Fülle bisher unerklärlicher Phänomene.

Die Zukunft der Medizin liegt in der Informations- und Energie-Medizin, dessen bin ich mir sicher, aber beide Richtungen entziehen sich dem materialistischen Weltbild der Schulmedizin.

Die wirkliche Naturwissenschaft hat sich mindestens an die Energieebene gewagt und dabei verblüffende Fortschritte gemacht, die allerdings das alte Weltbild nicht nur in Frage stellten, sondern beendeten. Bei der Untersuchung des Lichtes bestätigte man dessen Wellennatur, wenn man danach suchte. Aber sein Teilchencharakter ließ sich von Einstein ebenfalls belegen. Das Licht hat mit diesem logisch schwer verständlichen Doppelcharakter das alte Weltbild gekippt und die Quantenphysik eröffnet.

Ein heute wesentlicher, viel zu wenig beachteter Hemmschuh für die Schulmedizin ist das angedeutete Negieren der archetypisch weiblichen Seiten der Wirklichkeit. Moderne Machermedizin will Gesundheit auf materieller Ebene produzieren und ist dabei zum Handlanger einer Pharmaindustrie verkommen, die natürlich ganz anderes, nämlich ihre Profite im Auge hat. Und das ist für letztere auch ganz selbstverständlich und gehört zu dem System, dem wir die Regentschaft überlassen haben. Geld regiert die Welt und ganz bestimmt das Wirtschaftssystem, zu dem die Medizin immer mehr gehört. Dabei wurde die Schulmedizin leider immer betriebsblinder. Gerade noch in makabren Sprüchen wird deutlich, dass es noch andere Ebenen geben muss. „Operation gelungen, Patient tot“ ist solch ein Spruch, der andeutet, auch wenn Chirurgen alles technisch richtig machen, gibt es da noch eine weitere unbeachtete Wirklichkeit.

Der archetypisch weibliche Pol findet kaum Eingang in die etablierte Medizin, weil der Machermentalität wesensfremd und von gängigen naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden nicht fassbar. Wirkliche Wissenschaftler aber versuchten nicht, die Wirklichkeit ihren Apparaten anzupassen, sondern letztere so weit zu verbessern, bis sie die wirkende Wirklichkeit erfassen können.

Hier eröffnete sich die Chance, all die Möglichkeiten der inneren Bilder zu integrieren, die im Ansatz schon von der Psychoneuroimmunologie untersucht und bestätigt wurden. Diese würden Patienten eine ungleich umfassendere und erfolgreichere Behandlung bescheren. Es müsste auch Schulmedizinern einleuchten, dass es besser ist, wenn ein Krebspatient auf eine innere Heilungsreise geht, während ein Zytostatikum in seine Venen tropft, und er Seite an Seite mit den Ärzten gegen die Krebszellen kämpft, als mit angstgeweiteten Augen auf die Flasche mit dem Zellgift zu starren und sich innerlich dagegen zu sträuben. Dass Angst schadet, ist nun schon ein Allgemeinplatz, der überall bestätigt wird. Nur zu einigen amtierenden Schulmedizinern ist es scheinbar noch nicht durchgedrungen. Solange man allerdings an die Kräfte der Seele nicht glauben kann, weil man ja schon einen Glauben hat, eben an die eigenen Methoden, sieht es schlecht für die Patienten aus, die sich diesem System anvertrauen, das andererseits und ganz unbestritten so viel zu bieten hat. Insofern ist es auch eine große Gefahr, dass sich zunehmend frustrierte Patienten grundsätzlich von der Schulmedizin abwenden.
Aber solange Statistiken wichtiger genommen werden als die Ängste und Bedürfnisse der Patienten, ist der Weg zur anderen Hälfte der Wirklichkeit, zum weiblichen Pol verstellt. Und das spricht nicht gegen Statistiken, sie gehören zur anderen und auch wichtigen Hälfte der Wirklichkeit. Man sollte allerdings wissen, dass sie Dinge in Beziehung setzen, eben korrelieren, aber niemals etwas beweisen können – und zwar grundsätzlich nicht.
In öffentlichen Diskussionen werden solche Vorwürfe von Schulmediziner gern bestritten, aber leider habe ich selbst auf einer Kinderintensivstation erlebt, wie das Schreien eines Kindes nicht reicht, um schnell Hilfe herbeizuholen. Die von mir vorsätzlich vorgenommene Auslösung eines Alarmes an einem Überwachungsgerät aber augenblicklich. Abgesehen davon, dass nicht viele Eltern durchschauen, wie man heutzutage auf solch einer Station Hilfe herbeiholen muss, ist es eine scheußliche Symbolik für die Medizin. Sie hört und vertraut mehr auf technische Apparate als auf die leidende Seele.

Die Chancen der Medizin würden schon steigen, wenn Mediziner wieder Ärzte würden und sich auf die philosophischen Anfänge der Naturwissenschaft besännen. Aristoteles, der sich erstmals vom analogen Weltbild seiner Lehrer Plato und Sokrates löste, kannte noch vier Ursachen, darunter auch die Causa finalis, die Ziel- oder Sinnursache, die bis heute die Geisteswissenschaften beherrscht und auch den Schlüssel zur deutenden Medizin beinhaltet. Die Frage, warum ein Vogel Flügel hat, ist für den Naturwissenschaftler ein ernstes Problem, denn er darf sich nur auf die aus der Vergangenheit auf die Gegenwart wirkende Causa effizienz berufen. Wo der gesunde Menschenverstand einfach antworten würde: „damit er fliegen kann“, muß sich der Naturwissenschaftler mit komplizierten Ableitungen der Auswirkungen der Evolution herumschlagen, die wenig erklären. Hier liegt auch der tiefere Grund, warum sich die Schulmedizin so verblüffend schwer tut, in Krankheitsbildern Sinn zu erkennen. Wo jeder weniger naturwissenschaftlich verbildete Heilpraktiker nicht das geringste Problem sieht, verstellt die „naturwissenschaftliche“ Angst vor Sinnursachen den Blick für einfachste und wesentliche Zusammenhänge, ganz abgesehen davon, dass Viktor Frankl, der Begründer der Logohtherapie, den Sinn längst als entscheidendes Kriterium für erfolgreiche Therapien entdeckt hat.
Dabei wäre mit Aristoteles leicht zu verstehen, wie alle vier Arten von Ursachen zusammen wirken und gehören. Über eine weitere, die Causa formalis ließe sich ein einfacher Zugang zur Hypothese der Morphogenetischen Felder von Rupert Sheldrake erschließen und auch hier eine Brücke schlagen, um die die Medizin auf die Dauer sowieso nicht herumkommt.

Würden Ärzte das Wirken der Gesetze nicht nur aus der materialistischen Perspektive der Naturwissenschaft und aus ihrem einseitig aristotelischen Denken, sondern auch aus dem Blickwinkel der Seele (an-)erkennen, wäre so viel zu gewinnen. Denn die (Schicksals)Gesetze beschränken sich nicht auf die Medizin, und wie oft müssen wir Ärzte uns – meist hilflos – mit Patienten-Problemen aus dem sozialen Bereich herumschlagen. So wie „Krankheit als Symbol“ die körperlichen Symptome deutet und mit der Seele verbindet, macht „Das Buch der Widerstände“ das gleiche mit den übrigen Problemen.

Und es ist Entwicklung und Besserung absehbar, im allgemeinen und aus meiner persönlichen Perspektive. Seit Jahren mache ich nun schon von der Ärztekammer anerkannte Ausbildungen zur deutenden oder Integralen Medizin, und Seminare zu letzterer sind jetzt zugelassen für die Erlangung des Zusatztitels Arzt für Naturheilverfahren. In den Ausbildungen zur Integrale Medizin erlebe ich, wie erleichternd es für Kollegen ist, wenn sie sich auf diese viel breitere Basis stützen können und alle Ebenen – natürlich auch die körperliche einbeziehen. Wer das Polaritäts- und Resonanzgesetz durchschaut, tut sich so viel leichter, seinen Patienten und ihren Krankheitsbildern gerecht zu werden. In der Erkenntnis der wirkenden Gesetzmäßigkeiten läge auch die Chance einer Synthese der ganzen Medizin, wo die Seele wieder ihren Platz findet, wo Naturheilkunde integraler Teil der ganzen Medizin ist und Schwingungsmedizin die höhere Ebene der grobstofflichen Welt – kurz wo der ganze Mensch wieder in den Mittelpunkt rückt. Das jedenfalls ist das Ziel der Integralen Medizin.
Und es gibt gute Hoffnung. Ärzte wie der amerikanische Kollege Larrey Dossey sind schon lange mit auf diesem Weg. US-amerikanische und russische Kollegen entdecken das Fasten als potente Medizin, die sie nun sogar parallel zur Chemotherapie empfehlen. Verschiedenste Meditationen werden von der Wissenschaft immer häufiger als hilfreich bestätigt, das Ganze aber könnte von einem tragfähigen Weltbild profitieren, das neben dem archetypisch männlichen auch den weiblichen wieder zu seinem Recht verhilft und damit die Seele wieder zulässt.