Die Psychologie des Geldes

bank-20795_640Geld und Gold waren früher dasselbe. Das Material einer Geldmünze machte greifbar, welchen Wert sie besaß. Dieser sinnliche Bezug zum Gold- oder Silbertaler ist uns weitgehend abhanden gekommen. Heute ist „Geld“ nur mehr bedrucktes Papier, eine Plastikkarte oder irgendeine Zahl am Bildschirm. Wobei wir nicht vergessen sollten, dass auch mit den Zahlen auf Monitoren Menschenleben zusammenhängen… Unsere Seele weiß es jedenfalls und bewertet es entsprechend. Sie ist eher altmodisch und wünscht sich mehr Ethik und Fairness in unserem Spiel mit dem Geld.

Den sinnlich qualitativen Aspekt von Geld sollten wir nicht unterschätzen. Viele Menschen gehen zum Beispiel beim Bezahlen mit Scheck- und Kreditkarten viel großzügiger um, als mit Bargeld, dessen Wert sie noch viel deutlicher spüren. Bei virtuellem Geld – also Zahlungsverkehr im Internet – erleben wir diesen „Werteverlust“ noch ausgeprägter. Wenn sich Jugendliche aus dem Netz CDs kopieren und Musik oder Filme herunterladen, empfinden sie dies sicherlich nicht als „Diebstahl“ – die bestohlenen Musiker allerdings schon… und die Seelen der illegalen jungen Raubkopierer ebenfalls. Ähnliches erleben wir mit Anmeldungen oder Bestellungen über das Internet. Im Grunde genommen wäre ein Klick genauso bindend, wie eine persönliche Unterschrift. Aber cyber-gewohnte Menschen halten sich in der Anonymität des Internets bei weitem nicht so verlässlich an die Konsequenzen ihrer Klicks, wie ihre Vorfahren an die „Handschlagqualität“ ihrer Unterschriften.

Ob dies nun bedeutet, dass das Digitalisierungs- und Internet-Zeitalter uns Menschen unmoralischer macht, sei hier dahingestellt. Tatsache ist aber, dass wir damit unsere Seele überfordern. Sie kann mit all den rasenden Neuentwicklungen im Umgang mit Geld nicht mithalten und richtet sich weiter nach alten Richtlinien. Die Seele ist altmodisch, sie bewertet nach einer uralten, ja archetypischen Moral – der moderne Mensch hingegen agiert immer unmoralischer. Zum Beispiel, wenn er an der Börse sein Geld „erspielt“…

An der Börse ist alles erlaubt. In alten Zeiten galt jegliche Zins-Forderung als „Wucher“ – nach heutigem deutschen Recht gelten Zinsen über 16 % als „Wucher“ und sind folglich verboten. Die heutige Börse kennt den Begriff „Wucher“ gar nicht mehr, und nicht selten werden dort deutlich höhere Gewinne als 16 % erzielt. Wer sich überlegt, wie es dazu kommt, wird schnell erahnen: so viel Zusatzgeld kann eigentlich nur auf dem Buckel leidender Menschen „erwirtschaftet“ werden. Insofern wird es zu einer Art „Blutgeld“ und bekommt diese ganz besondere Qualität, die – zumindest nach meinen Erfahrungen – dafür sorgt, dass kaum jemand mit solchem Geld glücklich wird. Zumindest hat es in den Augen und Seelen vieler Betroffenen einen ganz anderen Charakter als Geld, das mit „ehrlicher Arbeit“ verdient wurde. Nun können wir zwar intellektuell darüber streiten, ob Börsen-Spekulation „ehrliche Arbeit“ ist – unsere altmodische Seele wird sich diesem Trend ziemlich sicher nicht anschließen.

Das heißt aber nicht, dass die Börse etwas grundsätzlich Schlechtes ist. Im Gegenteil – die Börse ist die Bank der Industrie und als solche auch notwendig in unserem Wirtschaftssystem. Wer also Anteile an einer Firma kauft, weil er sich mit ihrer Philosophie und den erzeugten Produkten identifizieren kann und auf diesem Weg zum Mitbesitzer des Unternehmens wird, handelt durchaus im Einklang mit seiner Seele – so jemand wird in der Regel aber auch keine horrenden Gewinne machen, sondern von guten Zeiten der Wirtschaft profitieren und die schlechten mit „seiner Firma“ durchleiden.

Gemeint ist das „Abzocken“. Also jene Börsen-Spiele, in denen es vordergründig darum geht, mit ihren Spekulation möglichst „schnelles Geld“ zu machen. Dieser Weg des Geld-Erwerbs ist zwar laut staatlichen Gesetzen legal – er bringt aber ganz andere Qualitäten ins Geld, die für die „Zocker“ selbst bzw. ihre Seele zum Problem werden können. Die Energie des Geldes kann nämlich jede Qualität annehmen, die Menschen ihm geben: Wenn wir lesen, dass die Mafia die Stadt Chicago zeitweise zur reichsten katholischen Diozöse gemacht hat, dann erscheint uns das verdächtig. Aber ist das Geld, welches ein dortiger Priester zur Unterstützung armer Slum-Kinder nutzt, deshalb schlecht?…

Natürlich existiert Ethik unabhängig von Geld – aber am Geld zeigt sich die ethische Einstellung von Menschen deutlicher, als in vielen anderen Bereichen. Ein weiteres Beispiel dafür sind die Botschaften der modernen, staatlich geförderten Lotto-Gesellschaft. Auch diese vermittelt uns diese Haltung des „Abzockens“, in der das Nehmen ganz weit vor dem Geben rangiert. Solche modernen Strategien mögen mittelfristig durchaus finanzielle Erfolge bringen – für die Seele sind und bleiben sie eine Zumutung.

 

Meditations-Übung 1

Meine Geldqualitäten

Welche Qualitätsunterschiede kann ich bei von mir verdientem Geld erkennen?

Kann ich zu meiner Methode des Geldverdienens in jeder Hinsicht stehen?

Was halte ich von Geldspielen im Allgemeinen? (Lotto, Casino etc.)

Wie stehe ich zur Börse und den dort üblich gewordenen Spielen? (…und spiele ich vielleicht unbewusst und indirekt mit, indem ich mich an Fonds beteilige?)

Vermeide ich solche Erkenntnisse durch Wegschauen und Desinteresse?

Wie altmodisch oder modern verhält sich meine Seele beim Thema Geld?

Das Spiel mit dem System, die Trickserei und das Sich-Durchlarvieren unter Ausnutzung aller legalen und halblegalen Vorteile ist zu einer modernen Unsitte geworden. Alle Staaten und auch Staatenbündnisse wie die EU scheinen diese ungesunde Lebenseinstellung mit ihrem Wust an Bestimmungen und „Wahl-Geschenken fast vorsätzlich zu fördern . Das Ausbeuten der Solidarsysteme (wie Arbeitslosengeld, Krankenkassen etc.) hat viele Staaten bereits an den Rand des Zusammenbruchs gebracht. Versicherungsbetrug gilt beinahe schon als normal, die Mentalität aus jedem Unfall Kapital zu schlagen, hat sich rasend verbreitet. Und ein Leben auf Kosten der Gemeinschaft ist zu einer Art Volkssport geworden – immer mehr unberechtigte Sozialhilfeempfänger verspeisen die Gelder der wirklich Bedürftigen, die oft längst nicht raffiniert genug sind, die Möglichkeiten des Systems entsprechend zu nutzen.

Das Verhaltens-Muster ist einfach zu durchschauen, finanziell mäßig erfolgreich, für die Seele aber desaströs – und es wird von immer mehr jungen Menschen entdeckt: Erst liegt man dem Papa möglichst lange auf der Tasche – und danach dem Vater Staat, der glücklicherweise für fast alles Beihilfen parat hat. Im Grunde genommen sind die Staaten heutzutage ebenso ungesund großzügig, wie moderne Eltern. Es gibt in Deutschland bereits Jugendliche, die auf die Frage, was sie mal werden wollen „Hartz 4“ (also „Sozialhilfe-Empfänger“) antworten…

Es soll hier aber nicht um moralische Appelle gehen. Vielmehr gilt es, sich klar zu machen, dass unsere altmodische Seele bei all den Tricksereien nur widerstrebend mitmacht und die Betroffenen umso sicherer daran leiden lässt. Denn die Menge des Geldes bestimmt (wissenschaftlich nachweisbar) keineswegs unser Glück – die eigene Seele aber sehr wohl. Ein intelligenter, am eigenen Glück interessierter Mensch wird sich folglich mehr um seine Seele kümmern und sie nicht ständig mit Tricks verärgern, die ihrem Wesen zutiefst zuwider sind. Und wer die Probleme des bestehenden Systems durchschaut – von der Zinseszins-Problematik bis zu den verlockenden Plünderungsangeboten von Sozialsystemen und Bürokratien – hat verschiedene Optionen: Er kann das System verweigern oder sich damit aussöhnen.

 

Meditations-Übung 2

Mein persönliches Geldspiel

Wie stehe ich zu grundsätzlich zu Trickserein – beim Geld und auch in anderen Lebensbereichen?

Ist Raffinesse zum eigenen Vorteil für mich legitim – und auch wichtig?

Nutze ich Solidarsysteme gerne aus? Und wenn ja…

Hole ich mir dabei (durchaus auch mit Tricks) heraus, was geht – oder nur, was mir auch wirklich zusteht?

Wie weit erlaube ich meinem Egoismus, mein Leben zu bestimmen?

Im Verweigerungsfall gibt es eine unerlöste und eine erlöste Variante.

Die unerlöste Möglichkeit kann darauf hinauslaufen, dass man das ungeliebte System boykottiert, es mit allen Kräften bekämpft oder sogar vorsätzlich schädigt. Manche „unerlösten Verweigerer“ entschließen sich auch dazu, es einfach selbst auszubeuten (weil es ja sowieso nichts taugt) – also Schulden anzuhäufen und den Offenbarungseid zu leisten, der dann völlige Narrenfreiheit gewährt. Auch wenn es so vielleicht gelingt, das System ein wenig zu schwächen – wer so denkt und handelt, wird vor allem sich selbst treffen und schwächen. Zwei solcher Menschen, die ihren Boykott mit durchaus gescheiten Argumenten untermauern konnten, habe ich mit ihrem Anliegen und vor allem auch persönlich scheitern sehen. Ich glaube, mit so einer Grundhaltung kann man gar nicht anders als scheitern – denn aus der eigenen Schwäche heraus lässt sich nichts erreichen.

Die erlöste Verweigerungsvariante wäre ein kritisches Bekämpfen der Systemauswüchse und vor allem Systemfehler – also ein politisches Engagement für Reformen oder radikale Änderungen, wie es sich z.B. im Kreis von ATTAC findet. Voraussetzung dafür ist aber auch ein vorläufiges persönliches Arrangement mit diesem System, das nun einmal diese, unsere Welt bestimmt. Das könnte aber so bewusst passieren, dass die Seele keinen Schaden daran nimmt.

Die Aussöhnung mit dem System bevorzugen Menschen, die weniger kämpferisch unterwegs sind. Auch hier gibt es zwei Seiten:

Die unerlöste Aussöhnungs-Variante ist am weitesten verbreitet und sieht so aus: Weil ich allein sowieso nichts am System ändern kann, mache ich einfach voll mit, hole das Beste für mich selbst heraus, und zwar unter Ausnutzung aller sich bietenden Möglichkeiten. Im Grunde genommen also nur eine andere Form der System-Ausbeutung. Nach den Kriterien der Geldgesellschaft kann man damit zwar durchaus reich und erfolgreich werden – die eigene Seele wird allerdings leiden.

Die erlöste Form der Aussöhnung mit dem System läuft darauf hinaus, dass man dessen Schwächen und Fehler erkennt, aber trotzdem mitspielt, um sich Entwicklungsräume für Wichtigeres als Geld zu schaffen. Wer dabei auch seine alt(modisch)e Seele im Auge behält, kann ihr Leid ersparen – und zwar indem er manche Chancen auslässt, die Geld versprechen, aber der Seele schaden. So kann man Frieden schließen mit dem jetzigen System (einschließlich seiner Banken, Zinsen usw.) und kann dennoch selbst zu Geld kommen, allerdings auf Wegen, welche die Seele toleriert. Denn selbst für empfindliche Seelen lässt sich Geld ethisch vertretbar anlegen, erhalten oder sogar moderat vermehren. So kann man sich eine finanzielle Grundlage schaffen (und sich andere Prioritäten setzen, z.B. die Entwicklung der Seele, die Erweiterung des Bewusstseins) und ein relativ glückliches Leben führen in einem relativ unglücklichen System.

Die beiden erlösten Varianten lassen sich sogar miteinander verbinden. Es ist durchaus keine Schande, bei einem – einerseits kritikwürdigen, andererseits aber nicht umgehbaren – Spiel mitzuspielen und dabei auch noch erfolgreich zu sein. Dann kann man sich selbst und andere beschenken, sich zum Beispiel für der eigenen Seele wichtige Projekte finanziell einsetzen.

Am schlechtesten dran sind jene, die ständig im inneren Konflikt mit dem System verharren und auf „bessere Zeiten“ warten. Da kann er wohl lange warten, während das Leben vergeht

Die beste Geldanlage ist sicher dort, wo man sich selbst und anderen Menschen Freude machen kann. Was auch immer wir in die Entwicklung der eigenen und der Seele anderer investieren, ist absolut krisensicher und sogar noch garantiert über den Tod hinaus bestens angelegt. Natürlich sollte das Geld auch für ein gutes Leben in Wohlstand reichen – aber auch dafür ist die eigene Seelen-Erfüllung am wichtigsten: Jede Arbeit, die dir wirklich Freude macht, wird auch für ein entsprechendes „Entgeld“ sorgen. Wer aus Freude arbeitet, der kann sich über das verdiente Geld freuen und braucht es nicht auch noch „arbeiten“ zu lassen! Und die beste Altersvorsorge ist, wenn wir es schaffen, bei Pensionsantritt noch immer ein glücklicher Mensch zu sein – oder es spätestens dann zu werden. Denn davon hängt vor allem ab, wie sich unser letzter Lebensabschnitt gestaltet und anfühlt.

Apropos Pension: Aus meiner Sicht sollten wir’s auch nicht zu sehr darauf anlegen, den Kindern möglichst viel Geld zu vererben. Vom psychologischen Standpunkt aus ist geerbtes Geld für viele Menschen eher eine Erschwernis als ein Glück. Wenn am Gelderbe bestimmte Vorstellungen, Haltungen oder Ansprüche hängen, bekommt dieses Geld eine „unfreie, bestimmende“ Qualität. Nicht umsonst gibt es häufig gerichtliche Streitereien um Erbangelegenheiten. Erbschaften sorgen bei den Nachkommen sehr oft für Unwohlsein und schlechtes Gewissen, oder sie behindern sogar das Selbstbestimmungsrecht der nächsten Generation. Das Geld wäre zum Beispiel viel besser angelegt, indem man Kinder in den armen Teilen der Welt unterstützt und ihnen durch monatliche überschaubare Zahlungen eine bessere Zukunft schenkt. Aus eigener Erfahrung bin ich tief davon überzeugt, dass solche Projekte insgesamt und auf lange Sicht für alle die beste „Rendite“ bringen.

Fazit:

Wir sollten uns bemühen, die Psychologie des Geldes zu verstehen und in Übereinstimmung zu bringen mit den eigenen seelischen Bedürfnissen.

Wer dies lernt, wird sich viel ersparen – und auch erkennen:

Zeit ist NICHT Geld – weil am Ende bekommen wir selbst für Geld nicht mehr Zeit zu LEBEN.