Die neue Ernährung „Peace-Food“ – vom Trend zum neuen Lebensstil

Die moderne vegane Bewegung beginnt für mich mit Prof. Colin Campbells China-Study und den Auswirkungen von Tierprotein auf die menschliche Gesundheit im allgemeinen und der Studie von Dr. Caldwell Esselstyn zu den Auswirkungen von Tierprotein auf Herzkranzgefäßverengungen. Ersterer konnte eine indische Studie bestätigen, wonach sich Krebs bei Versuchstieren mittels Casein, dem Milchproteinm, an- und durch dessen Weglassen auch wieder abschalten ließ. Das schreckte den Biochemieprofessor der Cornell-University auf und ließ ihn nicht mehr ruhen, bis er in großangelegten Untersuchungen an Tausenden von ihrem Erbgut gut vergleichbaren Chinesen belegen konnte, wie schädlich und gefährlich Tierprotein generell für unsere Gesundheit ist.

Der renommierte Chirurg des Cleveland-Hospitals, Dr. Caldwell Esselstyn, zeigte an drei vergleichbaren Gruppen schwer Herzkranker, wie das Weglassen von Tierprotein bis auf einen Becher Joghurt pro Tag die Zahl der Herzanfälle dramatisch verminderte und die Lebenserwartung verlängerte gegenüber den Mitgliedern jener Gruppe, die einfach typisch amerikanisch weiter aßen und die daran in erwartet kurzer Zeit auch starben. Die wirkliche Überraschung aber war die dritte Gruppe: Ließen deren Mitglieder auch noch den täglichen Becher Yoghurt weg, geschah das Unerwartete, ein modernes, mit keiner anderen Therapie erreichbares Wunder: schon verschlossene Herzkranzgefäße öffneten sich wieder und die Lebenserwartung normalisierte sich.

Milch(produkte) beziehungsweise das in ihnen enthaltene Eiweiß Kasein entpuppte sich so als Hauptproblem, was Gefäße und Krebsentstehung anging.

Tierprotein kam durch diese und andere Studien um seinen guten Ruf und steht heute als Karzinogen und Gefäßgift, wie auch als Hauptursache von Allergien und Osteoporose im Mittelpunkt heftiger Kritik. Fleisch gibt statt Kraft Krebs, und Milch(produkte) verursachen überhaupt erst jene Osteoporose, die sie eigentlich verhindern sollten. Davon dass sie starke Knochen geben sollen, kann also keine Rede mehr sein, im Gegenteil. Milch(produkte) eröffnen uns auch erst die Option auf Diabetes I. Diesen gefährlicheren oder juvenilen Diabetes kann ein Kind praktisch nur bekommen, wenn es in Kontakt mit Kuhmilch kommt. Alle Typ I Diabetiker haben Antikörper dagegen im Blut. Inzwischen gibt es solch eine Fülle von Studien, die kein gutes Haar an Milch(produkten) lassen, aber auch generell alles andere Tierprotein als unzuträglich entlarven, dass Konsequenzen auch von der Medizin überfällig sind. Dabei hatte schon vor über 20 Jahren eine Studie des deutschen Professors Klaus Leitzmann aus Gießen belegt, dass Vegetarier deutlich älter wurden und weniger an Krebs erkrankten als Mischköstler. So überraschend ist das Ganze also eigentlich gar nicht. Trotzdem traf es uns noch herber als die Erkenntnis, dass Hormongaben Brustkrebs förderten, denn jetzt sind wir fast alle betroffen.

Die China-Study steht heute also längst nicht mehr allein da. Sie war aber der Eisbrecher, der vielen wie auch mir die Augen öffnete. Ein Problem bei Ernährungsfragen ist, dass wir Ärzte darüber in unserem Studium so wenig gelernt haben. Das war andererseits wiederum ein Glück, denn das Wenige, was wir lernten, war fast gänzlich falsch. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Ernährungskompetenz immer mehr in den Bereich sogenannter Außenseiter überging. Bircher-Benner, Kollath und später Bruker stellten der Schulmedizin ihre Erkenntnisse gegenüber, die bereits auf pflanzliche vollwertige Frischkost hinausliefen, sich allerdings nicht auf schulmedizinisch anerkannte Studien stützen konnten. So blieben sie auf den überschaubaren Bereich ihrer Anhänger beschränkt, verbreiterten allerdings bereits den Trend zur Vollwertigkeit.

Der wesentliche Unterschied zu heute liegt in den sehr deutlichen und hochsignifikanten Ergebnissen der neuen Studien, die von US-amerikanischen Naturwissenschaftlern und Schulmedizinern stammen. Sie werden weiterhin die Medizinwelt umtreiben, so wie sie mich animierten, „Peace-Food – wie der Verzicht auf Fleisch und Milch Körper und Seele heilt“ zu schreiben und anschließend das vegane Kochbuch dazu. Daraus wurde eine auch von mir in dieser Form gar nicht erwartete vegane Welle im deutschsprachigen Raum, die von vielen veganen Köchen und Autoren angefeuert, vor allem aber durch eine immer breiter werdende Basis von zufriedenen und oft glücklichen Ernährungsumsteigern getragen wird. „Peace-Food“ geht dabei noch über vegan hinaus, und meint tatsächlich wissenschaftlich belegte pflanzlich-vollwertige Kost. Denn Weißmehl und –zucker, Whiskey und Vodka sind zwar vegan, aber nicht gesund. Es muss also schon vollwertig sein. Und wir scheinen auch in Europa reif dafür zu sein. „Peace-Food“ verbreitete sich sogar bis in mediterrane Länder wie Italien und Spanien, nahm die Hürde nach Frankreich und sogar Schweden und die ehemaligen Ostblockländer Ungarn und Tschechien zogen von Anfang an mit.

In den USA haben sich Leute wie Ex-Präsident Bill Clinton und Hollywoodstars wie Nathalie Portman werbewirksam für die vegane Entwicklung eingesetzt. Ersterer verkündete vor laufenden Fernseh-Kameras, er sei vegan geworden, um seine Enkel noch zu erleben, letztere beendete das Imageproblem der Veganer als verhärmte nörgelnde Looser, als sie mit ihrem Charme und Charisma die Welt bezauberte, den Film „Black Swan“ spielte und tanzte und mit Anmut und Ausstrahlung den Oskar gewann.

Inzwischen ist aus der veganen Welle nicht nur ein breiter Trend geworden, sondern wir sind auf dem Sprung zu einem neuen Lebensgefühl. Immer mehr Menschen steigen auf den an Fahrt gewinnenden Zug – die meisten wohl aus Gesundheitsgründen, aber auch weil sie das humanitäre und ökologische Desaster nicht länger mitverantworten wollen und auch nicht das Unrecht an den Tieren. Ihnen widerstrebt es, dass wir Milliarden Wildtiere umbringen, um Platz für Milliarden Nutztiere zu schaffen, die wir so schlecht halten, dass wir von ihrem Fleisch richtig krank werden, weswegen wir wiederum Millionen von Versuchstieren töten auf der Suche nach Medikamenten, die wir gar nicht bräuchten, wenn wir keine Tiere essen würden. Dieser klassische Teufelskreis wird immer mehr erwachenden Menschen als solcher bewusst und sie verlassen ihn.

Pseudo-Argumente gegen Vegan

Die Argumente der Gegner, einerseits Industrievertreter, andererseits Entwicklungsverweigerer, sind schwach und leicht widerlegbar. Die Menschen hätten schon immer Fleisch gegessen und die Eiszeiten gar nicht ohne überstehen können. Da rate ich einfach zum Fenster hinauszuschauen, ob Eiszeit herrscht. Wenn nicht, muss man diese alte Gewohnheit nicht aufrechterhalten. Wir werden die Sklaverei nicht wieder einführen, nur weil sie Jahrhunderte herrschte und einigen Vorteile brachte. Auch das Verbrennen vorzugsweise attraktiver Frauen, in den Jahrhunderten der Inquisition durchaus üblich, wollen wir doch wohl nicht zurück? Dass etwas in der Vergangenheit üblich war, sagt genau gar nichts über seine Sinnhaftigkeit heute aus.

Die Argumente der Schulmedizin sind längst überholt. Schweineeiweiß sei das hochstwertigste, weil unserem so ähnlich und für den Körper deshalb am einfachsten und leichtesten zu verwerten. Richtig, aber sollen wir es unserem Körper wirklich so leicht machen? Selbst in der Orthopädie wird nicht mehr dauernd ruhig gestellt, gestützt oder eingegipst. Es hat sich herumgesprochen, dass Muskeln trainiert werden müssen, um zu wachsen und in Form zu bleiben und wir keinen Schonungs- sondern einen Bewegungsapparat haben. Use it oder loose it, wissen die Angelsachsen. Natürlich gilt das auch für den Stoffwechsel. Schweinefleisch macht es ihm leicht, aber genau das ist ein Fehler. Vegane Kost fordert und fördert ihn dagegen, weil sich der Organismus aus verschiedenen Pflanzen die jeweils notwendigen Aminosäuren zusammensuchen muss, um sein spezifisches Eiweiß aufzubauen. Diese Herausforderung bekommt ihm gut. Auch dem Darm sollten wir es nicht leicht machen, sondern ihn mit Ballaststoffen fordern und so den zweithäufigsten Krebs, den des Dickdarms, vermeiden. Wer ärztlicherseits heute noch das alte Vorurteil Schweinefleisch sei das höchstwertige ins Feld führt, dem können wir zurufen: Herr Kollege, schonen sie weiter ihr Hirn, damit sie lang etwas davon haben.

Einstieg in den Umstieg

Die Schwäche und leichte Durchschaubarkeit solcher „Argumente“, aber vor allem die überzeugenden Ergebnisse pflanzlich-vollwertiger Kost, lassen immer mehr Menschen mit dem Umstieg zumindest liebäugeln, und „Peace-Food“ beginnt tatsächlich mit einer ausgelassenen Fleischmahlzeit. Krankheitsbilder wie Rheuma und Diabetes II, hohen Blutdruck und Gicht lassen sich mit „Peace-Food“ ziemlich bequem und obendrein schmackhaft loswerden. Andere noch gefährlichere wie die Todesursachen Nummer 1, Herzerkrankungen und Krebs, werden verblüffend besser und das spricht sich inzwischen auch immer rascher herum.

Hinzu kommt, wie leicht der Wechsel auf die gesunde Seite fällt. Wer umsteigt, muss auf nichts verzichten, sondern kann bei seinen Gewohnheiten bleiben, ohne auf die vielfältigen Vorteile veganer Kost zu verzichten. Verzicht ist längst nicht mehr das Thema, denn praktisch all die wegzulassenden Dinge wie Fleisch und Milch, Eier und Fisch, Butter und Schokolade lassen sich leicht ersetzen. Das Büchlein „Vegan für Einsteiger“, voller entsprechender Tipps, guter Gründe und kostbarer Rezepte, erlaubt vier Wochen ohne Verzichtsgefühle pflanzlich-vollwertig zu leben. Es hat sich bereits sehr bewährt bei Veganern, um fleischversessene Partner ohne Verzichtsgefühle ins vegane Land zu entführen.

Heilen und Vorbeugen

Man muss dazu nicht warten, bis der Blutdruck eskaliert oder die PSA-Werte, die Tumormarker für Prostata-Krebs, aus dem Ruder laufen. Nach einer Umstellung und einem Jahr pflanzlich-vollwertiger Kost, sind beide wieder herunter von ihrem hohen Ross und laufen in gesunden Gleisen wie nebenbei auch noch die Cholesterinwerte.

Um aber aus dem breiten Trend vollends einen neuen Lebensstil zu machen, braucht es noch mehr und auch das ist nicht schwer. Vegan ist bereits überall im Gespräch. Wer sich heute als Veganer outet, kann damit rechnen, Zustimmung oder Ablehnung zu ernten, aber jeder weiß was damit gemeint ist. Das war vor 5 Jahren, als ich umstieg, noch nicht so.

Diese Entwicklung lässt sich eigentlich nur noch von innen, von den Veganern selbst aufhalten, wenn die schwarzen Schafe in deren wachsender Herde weiter mit erhobenem Zeigefinger und moralischer Keule Umsteigewillige abschrecken.

Das ist so unnötig, wenn wir erkennen, dass zukünftige Veganer nur aus dem Kreis der heutigen Mischköstler kommen können und wir doch alle vor oft gar nicht langer Zeit aus genau diesem Kreis kamen.

Daraus könnten Nachsicht und Mitgefühl kommen. Und außerdem schmeckt pflanzlich-vollwertig so viel besser und macht alles so viel leichter, nicht nur das Gewicht. Völlegefühle gehören ebenso der Vergangenheit an wie schlechte Gerüche aus Mund und allen Poren. Inder sagen, gesunde Menschen dufteten nach der zuletzt genossenen Frucht. Das ist keine Utopie und auch der im Namen „Peace-Food“ mitschwingende Frieden kann sich rasch zeigen in ruhigeren und tieferen Meditationen, die innerem Frieden näher bringen. Äußerer Frieden aber wird sich nur aus der wachsenden Schar von Menschen ergeben, die in innerem Frieden mit sich selbst sind. Diesem neuen lockeren und leichteren Lebensstil habe ich mit „Peace-Food – vegano-italiano“ eine Hymne mit auf den Weg geschrieben und meine italienischen Lieblingsköche haben dafür gezaubert und gekocht und die Geheimnisse ihrer mediterranen Kochkunst gelüftet, um leichtes beschwingtes Lebensgefühl in jedes Essen fließen zu lassen. So kann jede Mahlzeit eine Art Italienurlaub werden mit dem entsprechenden beflügelnden Lebensgefühl.

Tatsächlich ist nicht alles über Essen zu erreichen, aber so vieles zu verbessern und zu erleichtern. Selbstverständlich stehe ich weiter zur Krankheitsbilder-Deutung von „Krankheit als Symbol“ und habe dieses Nachschlagewerk gerade wieder überarbeitet und um ein ganzes kleines Buch von 140 Seiten erweitert. Das war auch notwendig, denn es kommen immer neue Krankheitsbilder hinzu und die alten erwischen uns früher. Es ist also Zeit etwas zu verändern.

Gerade aber in der Kombination von Psyche, der Seele, und Soma, dem Körper, ergeben sich die größten Chancen auf dem Weg zu Gesundheit und Glück, Freiheit und Frieden.