Die männliche Frigidität

Auch auf körperlicher Ebene kommen Männer im Vergleich zu Frauen nicht gut weg. 70 % der 70-jährigen und 80 % der 80-jährigen haben beginnenden Prostata-Krebs, fast 100 % aber eine gutartige Prostatawucherung, die ihre konkrete Ausstrahlung ruiniert und zu Restharn, Urinträufeln und weiterem Elend dieser Art führt. Das ist kein Irrtum der Schöpfung, sondern hat damit zu tun, dass sie zeitlebens nicht gelernt haben, ihre Vorsteherdrüse, die für Flüssigkeit und folglich Gleitschmiere beim Liebesspiel sorgen sollte, zum Einsatz zu bringen. Dazu gerät das Liebesspiel, das, weil zu wenig spielerisch, diesen Namen sowieso kaum verdient, viel zu kurz. Vorsteherdrüsen, die ein Männerleben lang gerade anspringen wollen und dann erleben müssen, wie immer schon alles vorbei ist, bevor es überhaupt begonnen hat, neigen dazu, bei der Flüssigkeitproduktion zu streiken und stattdessen zu wachsen und so – im Sinne der Krankheitssymbolik – auf sich aufmerksam zu machen.

Die Folge sind trockene und damit an sich frigide Männer, die oft auch Orgasmusprobleme haben. Ihnen zuliebe hat man die Definition von Orgasmus passend für sie geändert. Nach landläufiger Meinung reicht bei ihnen dafür bereits ein Samenerguss. Das Gefühl lustvoller ganzkörperlicher Explosion mit einem Gefühl von Aufgehen in allem scheint dagegen nicht als bei Ihnen notwendig angesehen zu werden, geschweige denn das einer Einheitserfahrung. Das mag gut gemeint sein, im Sinne der Entlastung, führt aber dazu, dass deutlich mehr Männer als Frauen ohne Orgasmus bleiben – und das obendrein nicht einmal ahnen.1

Frauen wissen wenigstens um die Probleme, wenn sie sie haben, und können dann etwas dagegen tun – Männer bleiben auch hier ziemlich hilflos auf der Strecke. Wer nichts von seinen (Orgasmus)Problemen weiß, wird nie zu Lösungen und in diesem Fall nicht zur Erlösung und schon gar nicht zu Einheitserfahrungen kommen. Damit versäumt er die – in meinen Augen – wichtigste Erfahrung des Mensch-Seins überhaupt.

Das Elend des Nichtwissens auf Seiten so vieler Männer ist eklatant. Den meisten ist ihr notwendiger Beitrag dazu, dass Intim-Erotisches „rutscht und flutscht“ –in Form von bereitgestellter Gleitflüssigkeit – gänzlich unbewusst. Aber genau dazu haben wir Männer Cowpersche Drüsen und eine Prostata. Warum auch sollte die Natur, die immer auf Nummer sicher geht und Millionen von Eiern produziert, damit ein paar Fische übrig bleiben, ausgerechnet bei der Erhaltung der menschlichen Art an Gleitflüssigkeit sparen und diese auf ein Geschlecht beschränken? Tut sie nicht. Männer können – zur Erhöhung ihrer eigenen Lust – sehr feucht und glitschig werden. Lange erotische Liebefeste führen ziemlich verlässlich dazu.

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