Die Liste vor der Kiste

Das Mantram der bürgerlichen Welt lautet „Hoffentlich geschieht nichts“. Ob man zu einer Weltreise aufbricht oder zu einer Reise nach innen in eigene Schattenwelten, praktisch immer wird man mit dieser nett gemeinten Hoffnung verabschiedet, die doch – bei näherer Betrachtung – eher auf einen Fluch hinausläuft. Warum sollte ich zu Reisen in die äußere oder die eigene innere Welt aufbrechen, wenn ich hoffe, dass nichts geschieht? Diese absolute Entwicklungsfeindlichkeit ist zu einem Markenzeichen geworden, das dem kulturellen Auftrag diametral entgegen läuft, erwartete doch Christus von uns, dass wir – heiß oder kalt – uns in die Extreme des Lebens hineinwagen, um ein erfülltes Leben zu haben, wie er ausdrücklich sagt.

Mit dem Mantram „Hoffentlich geschieht nichts“ schaffen es die Meisten, sich lauwarm durchs Leben zu mogeln, ohne irgendwo anzustoßen oder gar anstößig zu werden, und auf dem Grabstein steht dann eine 50 % Lüge. Geboren 1935 stimmt natürlich noch, aber stimmt verstorben 2014 tatsächlich auch? Die allermeisten der „Hoffentlich geschieht nichts-Anhänger“ sterben bereits Mitte ihrer 40-erjahre und lassen sich dann erst in ihren 80-ern eingraben. Die zweite Lebenshälfte ist nur noch ein Gelebe, das zumeist auf dem Totenbett bereut wird. An erster Stelle bei allen Untersuchungen, die sich Menschen auf den letzten Metern ihres Lebens widmen, steht das Bedauern über das ungelebte Leben – es gar nicht erst versucht zu haben, die eigenen Wünsche, Träume und Visionen zu verwirklichen. Als nächstes folgt Reue über mangelnde Disziplin in Bezug auf die Umsetzung erkannter Wahrheiten. Viele klagen auch, zu viel gearbeitet und zu wenig Zeit mit Freunden verbracht und zu wenig Gefühl ausgedrückt zu haben.

Wie wäre es da – einer Anregung Paulo Coelhos folgend – darauf hin zu leben, dass auf dem eigenen Grabstein stehen möge: Sie lebte noch als sie starb!

Eine wundervolle Steilvorlage dazu vermittelt der Film „Das Beste kommt zum Schluss“ mit Morgan Freeman und Jack Nicholson, einem Automechaniker, der sein Leben seiner Familie geweiht hat, und einem Multimillionär, der nur fürs Geldverdienen lebt. Als beide die Lungenkrebsdiagnose ereilt, landen sie im selben Krankenzimmer. Als schließlich auch noch die Chemotherapie scheitert, greift Nicholson eine Idee Freemans auf, der eine Löffel-Liste angefangen hatte, eine Liste mit all seinen noch offenen Lebensträumen, die noch zu erledigen wären, bevor man den Löffel abgibt. Nicholson steigt darauf ein und sie beginnen im Angesicht ihres sicheren Todes ein neues mutiges, ja abenteuerliches Leben. Und tatsächlich kommt für beide nun das Beste zum Schluss. Sie versuchen sich gegenseitig aus den Fallen ihres jeweiligen Lebens heraus zu helfen. Freeman aber bleibt seinem (Krebs)Muster treu, und wagt nicht, sich aus der Enge seines Lebens zu befreien und stirbt in der von den Ärzten vorgegebenen Zeit. Nicholson aber wagt den Sprung in eine für ihn neue Dimension und öffnet sich der Welt der Gefühle. Damit bricht er sein Krebsmuster und lebt noch viele Jahre als „verdammtes Wunder“, wie er sagt.

Als schließlich beider Asche in Kaffee-Dosen nebeneinander auf dem Gipfel eines Himalaya-Gipfels ruht, kann Nicholsons Assistent den letzten Punkt auf der Eimerliste abhaken, etwas Majestätisches zu erleben. Wir Zuschauer aber bleiben mit einem sehr hoffnungsvollen Gefühl zurück: Wir brauchen nicht erst auf eine Krebsdiagnose zu warten oder auf das Scheitern der Chemotherapie, wir können gleich jetzt anfangen zu leben. Dabei ist eine wundervolle Hilfe, seine noch offenen Wünsche, Träume und Visionen auf eine eigene Löffelliste zu schreiben.

Damit diese auch umfassend und nachhaltig wird, habe ich „Die Liste vor der Kiste“ geschrieben, das lebensrettende Buch zum Film, das zur Verwirklichung auch der kühnsten und mutigsten Träume und Visionen und auch der kleinen und besonders wichtigen verhelfen kann. Man kann es nicht früh genug im Leben lesen und anfangen, seine Idee umsetzen. Je früher desto besser und umso mehr Energie und Zeit bleibt einem noch mit der Liste bis zur Kiste.