Die Leichtigkeit des Seins – ein leichtes Leben in harten Zeiten?

woman-591576_640Fast alle Menschen geben Glück als Ihr erklärtes Ziel an. Betrachtet man aber das Alltags- und selbst das Urlaubsleben, erstaunen doch die Methoden, mit denen wir dieses Ziel zu verwirklichen suchen.

Zufriedenheit musste hierzulande immer erarbeitet werden. Leistung rangierte traditionell vor Lebensgenuss und Liebe. Selbst Dinge wie die wundervollsten Partner-Übungen im körperwarmen Thermalwasser werden hierzulande als Wasser-Arbeit bezeichnet, Beziehungs-Arbeit soll die Partnerschaft beleben und in der Eso-Szene tummeln sich gar nicht so wenige Licht-Arbeiter.

Das Ziel von spirituellen Traditionen und Exerzitien ist Erleuchtung, Befreiung, die Verwirklichung des Himmelsreiches Gottes in uns und wie die Beschreibungen des ersehnten Erfüllung des Weges noch heißen mögen.

Bei den entsprechenden Übungen, Exerzitien und Meditationen auf dem Weg dorthin gibt es durchaus einen Vorgeschmack auf die schwebende Leichtigkeit des Seins. Jede spirituelle Tradition und große Religion hat oder hatte jedenfalls solche Angebote. Die erreichbaren Zustände der Befreiung mögen sich in ihren Beschreibungen noch so unterscheiden, es gibt eine entscheidende Übereinstimmung. In einem solchen Moment eines Satori-, Samadhi-, Gipfel- oder Gotteserlebnisses hört aller Widerstand auf, die Betroffenen sind einverstanden in einem tiefen Sinn.

Man kann das sogar umkehren und wird finden, dass alle, die gerade kein Erleuchtungserlebnis haben, im Widerstand leben. Sie sind dann eben nicht im Hier und Jetzt, sondern irgendwo in der Vergangenheit oder Zukunft. Übungen auf den Weg zur Befreiung werden schon von daher dazu tendieren, den Widerstand aus dem Leben zu nehmen, wie die meisten Beispiele auf den ersten Blick enthüllen.

Zum Glück kennen die meisten Menschen etwas recht ähnliches vom Verliebtsein. Wenn man von Luft und Liebe leben kann, Gott und die Welt umarmen möchte und wie auf rosa Wolken schwebt, in der Ekstase des Augenblicks der Liebe ist man der Gegenwart zumindest nah. Aber selbst in solchen Situation, wo das heiße, ja brennende Herz die Führung übernimmt und der kühle Kopf abgemeldet scheint, dauert es nicht lange und er meldet sich zurück und die meisten Menschen lassen sich bald auf den Teppich der harten Realität zurück holen.

Wer aber einmal solch ein Erlebnis von Einssein geschenkt bekam, wird es nie mehr ganz vergessen und von da an immer auch auf der Suche nach diesem Glücksgefühl sein. Zumindest die Sehnsucht bleibt.

Leider herrscht die Meinung beziehungsweise das Vorurteil, dass sich solche Erlebnisse nicht absichtlich herbeiführen lassen, was für das Verliebtsein natürlich auch stimmt. Aber selbst hier ließen sich doch die Weichen entsprechend stellen, um solche Erfahrungen überhaupt zu ermöglichen. Es gibt aber viele andere Möglichkeiten und Wege zu erhebenden Erfahrungen schwebenden Seins zu gelangen und diesem alten Menschheitstraum näher zu kommen. Immer haben Menschen vom Fliegen geträumt und dabei wohl meist sogar die schwebende Leichtigkeit des Seins im Auge gehabt.

Es gibt eine ganze Reihe verlässlicher Übungen, die auf sicheren und zum Teil enorm genussvollen Wegen in das Land der Leichtigkeit führen. Erlebte innere Beschwingtheit wird dann sehr rasch auf das äußere Leben abfärben und ihm einen erhebenden Charme und jene lockere Gelassenheit geben, die uns so anzieht, wenn wir sie – selten genug – bei jemandem spüren.

Obwohl so unvergleichlich beglückend, sind die Wege und Übungen ins Land des Schwebens in der Regel einfach und leicht und bedienen sich der Elemente Feuer, Wasser und Luft. Eine Voraussetzung, um sie gefahrlos zu nutzen, ist allerdings eine solide Erdung und ein guter Kontakt zu diesem vierten Element. Die Indianer gehen mit Recht davon aus, dass nur wer seine Füße tief in Mutter Erde verwurzelt hat, es wagen darf, den Kopf zum Vater im Himmel zu erheben.

In einer Welt, die in Arbeit und Materialismus versinkt, wäre der Himmel mit seiner Leichtigkeit für eine große Mehrheit der Menschen ein wahrer Segen, für eine kleine ungenügend geerdete Minderheit ist er aber auch eine Gefahr. Für diese Gefährdung gibt es nur unsichere Kriterien, aber doch einige Verdachtsmomente. Wer weder eine regelmäßige Arbeit noch eine verlässliche Beziehung durchhält, wer weder Kinder noch Haustiere erhalten kann und sich kaum verankert fühlt im Leben, sondern eher mit beiden Beinen auf einer Wolke schwebend, der muss den Himmel fürchten und sollte zuerst nach Erdung streben. In dem Kapitel über spirituelle Krisen (Taschenbuch „Lebenskrisen als Entwicklungschancen“) finden sich viele Übungen für eine solide Erdung. Die große Mehrheit derjenigen dagegen, die nicht nur Wurzeln geschlagen haben, sondern sogar richtig daran fest hängen, könnte sich mit der Leichtigkeit himmlischer Erfahrungen eine neue Welt bezaubernder Erfahrungen erschließen.

Wer sich zum Beispiel mit dem „verbundenen Atem“ auf den Weg begibt, kann bereits nach einer Stunde Momente erhebender Leichtigkeit auf den Schwingen des Atems spüren und manchmal sogar erleben, wie frei und ungebunden seine Seele in Wirklichkeit ist. Der lange ruhige Atem, der sich auf diese Weise nebenher entwickelt, ist zudem Garant für ein tieferes und erfüllteres Leben. Nicht umsonst sprechen die Inder von einem Mahatma und meinen damit sowohl eine große Seele wie auch einen großen Atem.

Erhebende Erfahrungen schwebender Leichtigkeit wird auch machen, wer sich im körperwarmen Wasser treiben und schweben lässt. Entgegen allen Gerüchten und Vorurteilen ist das Seelenelement Wasser primär eine Chance für uns. Wir kommen nach 10 Mondmonaten Schwangerschaft aus dem körperwarmen Fruchtwasser und jede spätere Rückkehr ist ein beglückendes Erlebnis. Ob das in einem Samadhi-Tank geschieht oder frei schwebend im Thermalwasser, auf den Spuren der Delphine oder in Partnerübungen im Sinne des Aquabalancing, Watsu oder wie die verschiedenen Wassertherapien heißen. Wir haben in unseren Seminaren im norditalienischen Montegrotto wunderbare Erfahrungen mit solchen Schwebeübungen gemacht, die nicht nur Urvertrauen und damit Selbstvertrauen nachliefern können, sondern auch eine beglückende Stimmung von Leichtigkeit und Gelassenheit vermitteln.

Der Möglichkeiten gäbe es also viele, sich ins Reich der „Leichtigkeit des Schwebens“ tragen zu lassen. Die Frage ist, ob wir die Schwere und Härte unseres Lebens, an die wir uns in der Regel schon seit langem gewöhnt haben, an so einfache, leichte und bezaubernde Übungen verlieren wollen, wie sie hier und ausführlicher und zahlreicher in der „Leichtigkeit des Schwebens“ beschrieben habe.