Die Gelenke und Ihre Probleme

Mit unserer Gelenkigkeit ist es nicht mehr so weit her, wenn wir uns das ständig wachsende Heer der Rheumatiker vor Augen führen und die zunehmend jünger werdenden Opfer von Arthrosen, bei denen wiederum die der Hüftgelenke weit an der Spitze rangieren. Lateinisch heißt Gelenk „aritculatio“. Tatsächlich verhelfen uns die Gelenke dazu, uns in der Welt körperlich zu artikulieren, d.h. zu äußern. Ohne die Gelenke der oberen Extremität könnten wir die Welt nicht zu uns heranholen, ohne Ellbogengelenke müßten wir also glatt verhungern, ohne die Gelenke der unteren Extremität könnten wir uns der Welt nicht nähern. Probleme mit Gelenken haben demnach leicht etwas mit einem problematischen Bezug zur physischen (Um-)Welt zu tun.

Im Rahmen dieses allgemeinen Themas hat jedes Gelenk seinen speziellen Aufgabenbereich und damit auch Problembezug. Bei den Hand– und noch spezieller Fingergelenken geht es offenbar darum, zuzupacken und das Leben in den Griff zu bekommen. Hier handelt es sich um Kugelgelenke, die in alle Richtungen beweglich sein sollten. Unsere Handlungsfühigkeit liegt hier begründet, aber auch die Fähigkeit zur Manipulation (lat. manus = Hand). Außerdem ist die Hand natürlich unser wichtigstes Instrument, um einander Zeichen und Signale zu geben bis hin zu tieferer Symbolik. Die offene Hand gilt zum Beispiel in fast allen Kulturen als ehrlich, wohingegen die geballte Faust einen deutlichen Machtanspruch verbunden mit entsprechender Drohung darstellt.

Die Ellbogengelenke sind dagegen typische Scharniergelenke, die sich nur in zwei Richtungen bewegen lassen. Ihre Aufgabe hat – wie der Volksmund schon immer weiß – mit Durchsetzung zu tun. Die Ellbogen einzusetzen meint, sich Raum zu schaffen und sich beziehungsweise das eigene Anliegen durchzusetzen. Andererseits sind sie Garant dafür, daß wir die wesentlichen Dinge zu uns heranholen und zum Beispiel auch geliebte Menschen umarmen und festhalten können. Wo die Hände das Festklammern symbolisieren, zeigen die Arme mit ihrem zentralen Ellbogengelenk die Fähigkeit zum Halten, damit auch zum Durchhalten.

Die Schultergelenke sind wieder Kugelgelenke, allerdings relativ schwach gesicherte, weswegen man sich die Schulter eher auskugeln kann, als jedes andere Gelenk. Mit den Schultern ist all das angesprochen, was wir mit uns durchs Leben tragen, was wir selbst freiwillig geschultert haben oder was uns aufgeladen wurde an Pflichten, Bürden, Lasten und Belastungen, Verantwortung und Schuld. Hängende Schultern werden deshalb spontan mit einer resignierten Lebenseinstellung in Zusammenhang gebracht. Hier läßt jemand die Schultern hängen, weil er nichts mehr tragen und ertragen kann, ja weil er vielleicht unbewußt hofft, daß das, was ihm da aufgebürdet wurde, abgleiten möge. Die hochgezogenen Schultern verraten dagegen oft Angst, die die Hauptsache, den Kopf verleitet, Schutz zwischen dien Schultern zu suchen. Breite Schultern symbolisieren Trag- und Belastungsfähigkeit, schmale eher das Gegenteil.

Beim Schulter-Arm-Syndrom bekommt jemand die Arme und damit auch die Hände nicht mehr hoch und zeigt damit, daß er sein Leben momentan nicht in den Griff bekommen, ja daß er die Welt gar nicht zu sich heranbekommen kann. Wer nichts undnicht einmal die eigenen Arme heben kann, ist damit nicht tragfähig und erträgt auch nicht mehr viel. Vielleicht hat er sich vorher übernommen, hat (in überheblicher Weise?) zuviel gehoben und kann jetzt gar nichts mehr hochbringen. Er wird tendenziell die Arme schmerzgeplagt und hilflos hängenlassen und in dieser Lebensphase zu Resignation spiegelnden Hängeschultern neigen.

Ähnlich lassen sich auch die Gelenke der unteren Extremität deuten. Sie entsprechen sehr weitgehend denen der oberen Extremität, sind doch die Arme entwickungsgeschichtlich aus den Vorderbeinen hervorgeganen. So haben wir im Zehen- und Knöchelbereich wieder ganz entsprechend Kugelgelenke, im Knie aber ein Scharniergelenk wie im Ellbogen und in der Hüfte wieder ein Kugelgelenk wie in der Schulter. Die Zehengelenke sprechen von der Fähigkeit, sich auf der Erde festzuklammern und seinen Platz im Leben zu sichern. Das Sprunggelenk verrät die Möglichkeit, den Absprung zu schaffen und zeigt, wie sehr jemand auf dem Sprung und damit sprungbereit ist. Auch garantieren die Sprung- wie auch die Zehengelenke das weiche Abrollen des Fußes beim Gehen und haben so auch mit harmonisch fließendem Fortschritt zu tun.

Die Kniegelenke spiegeln unseren Umgang mit der Thematik der Demut. Sich hinknien ist ein Akt der Demut. Geschieht es erzwungen, kann er leicht zur Demütigung werden. Wer Schmerzen hat beim Knien, verrät, daß Demut ihm schwerfällt und schmerzlich erlebt wird. Daß Knien heute für viele zum Problem geworden ist, verrät unseren gesellschaftlichen Widerwillen gegen Demut. Alle Arbeiten – selbst im Haushalt – sind wenigstens so automatisiert, daß Knien überflüssig geworden ist. Allerdings würden wir uns in aufwendige Arbeiten dann doch hineinknien und damit andeuten, daß wir uns der Arbeit demütig unterordnen und alles für ihre Bewältigung zu tun bereit sind.

Selbst in der katholischen Kirche ist heute in der Messe an den Stellen, wo früher gekniet weren mußte, stehen erlaubt. Hier zeigt sich, wie gering inzwischen sogar in der Kirche das Wissen um Symbole und ihre Bedeutung geworden ist. Ob man nämlich vor Gott in Demut kniet oder ihn stehend konfrontiert, macht ja doch einen erheblichen Unterschied.

Mit den Hüften haben wir unsere größten Gelenke vor uns, die auch von den größten Muskeln bewegt werden. Hier geht es um unser Fortkommen in der Welt und damit um Fortschritt und Aufstieg. Die in unseren Zeiten lawinenartig zunehmenden Hüftgelenksprobleme verraten demnach Probleme mit dem Fortschritt, die viele Menshen und damit einen großen Teil unserer Gesellschaft betreffen. Nun könnte man dem entgegenhalten, daß wir noch nie so rasanten Fortschritt erlebt haben, wie gerade heute. Das ist zwar richtig, bezieht sich aber auf äußeren technologischen oder wirtschaftlichen, aber sicher nicht auf den viel entscheidenderen seelischen Fortschritt. Diesbezüglich erleben wir eher zunehmende Stagnation in einer Zeit, der spirituelles Weiterkommen immer unwichtiger geworden ist, ja die ihren Bezug zur „religio“ im Sinne der Suche nach Erfüllung und Sinn im Leben weitgehend verloren hat. Es ist aber gerade die Thematik der Seele, die sich im Körper entsprechend der Logik von „Krankheit als Symbol“ niederschlägt, wenn sie sonst keine andere Ausdrucksmöglichkeit findet.

Die Wirbelsäule als unsere persönliche Weltachse zeigt im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule vor allem existentielle Probleme, die die Betroffenen unter erheblichen Druck setzen, wenn sie sich bis in den Körper niederschlagen. Namen wie Ischias, Lumbago oder LWS-Syndrom stehen für diese Thematik. Wenn die Dinge im Leben schlecht oder sogar falsch stehen und die Betroffenen daraus innerlich keine ausreichenden Konsequenzen ziehen, wird die Wirbelsäule einspringen und als Welt- und Lebensachse symbolisch darstellen, was aus dem Lot geraten ist. Wer sich nicht mehr gerade halten kann, bekommt so gezeigt, daß er ein Thema mit Aufrichtigkeit und Geradheit hat. Wo Ärzte versuchen, solche Fehl(ein)stellungen chiropraktisch zu korrigieren, sollten sie und die Patienten sich klarmachen, daß im Endeffekt letztere die Dinge seelisch wieder einrenken und richtigstellen müssen. Der Chiropraktiker kann nur auf der Körperbühne einen Reiz in die richtige Richtung setzen. Wenn seelisch keine Richtigstellung erfolgt, werden sich die Beschwerden nicht dauerhaft bessern, sondern die Wirbelkörper im Gegenteil dazu tendieren, neuerlich die weiterbestehende Fehlstellung zu verkörpern.

Im oberen Abschnitt der Halswirbelsäule verkörpern sich eher die alltäglichen Belastungen, für die es keine Anerkennung und oft nicht einmal Beachtung gibt. Wenn sie den ganzen Tag über für die Familie rotiert, für ihn die Privatsekretärin spielt und den Kindern die Chauffeuse und Nachhilfelehrerin, allen zusammen die Haushälterin und Köchin, die Managerin und Hausmeisterin, wenn sie ständig kleine Auträge bekommt und dafür nie besondere Anerkennung findet, ja all der von ihr zumeist klaglos bewältigte Kleinkram überhaupt nur erwähnt wird, wenn ausnahmsweise einmal etwas nicht klappt oder vergessen wurde nach dem Motto „Wie konnte denn das passieren?“, wird sie sich im oberen Bereich ihrer Hals- und Nackenwirbelsäule versteifen und zu Hartnäckigkeit und Scheuklappenphänomenen neigen und bei jedem weiteren Auftrag, der auf sie zukommt, unbewußt zusammenzucken.

Wenn wir nach dieser Betrachtung der einzelnen Gelenke und Gelenkgruppen uns den häufigen Krankheitsbildern in diesem Berich zuwenden, springt zuerst das Bild der Arthrose ins Auge. Hier haben wir es mit verbrauchten, sozusagen abgearbeiteten Gelenken zu tun. Bei der riesigen Anzahl von Arthrosen ließe das vermuten, daß die Deutschen ein körperlich besonders hart arbeitendes Volk sind wie auch die übrigen Mitteleuropäer und überhaupt so ziemlich alle Bewohner der Industrienationen. Das Gegenteil ist aber der Fall, gerade bei denen, die kaum noch körperlich aktiv sind, nehmen die Arthrosen zu, während sie im Gegenteil bei den archaischen Völkern, die z.T. schweren körperlichen Belastungen ausgesetzt sind, annähernd unbekannt sind. Konrad Lorenz bezeichnete das Phänomen der abnehmenden körperlichen Beweglichkeit und damit auch Belastbarkeit als die „Verhausschweinung des modernen Menschen“.

Der Grund für diese scheinbar widersinnige Häufung von Gelenksproblemen bei den körperlich eher unterforderten Zivilisationsmenschen ist im Sinne von „Krankheit als Symbol“ einfach zu finden. Der Organismus verkörpert in Symptomform vor allem, was im Seelischen keinen Ausdruck finden konnte. Ein verbrauchtes Gelenk signalisiert folglich, daß bezüglich der durch dieses Gelenk symbolisierten Aufgabe die Reserven verbraucht, aber keine befriedigenden Ergebnisse erzielt werden konnten. Die Gelenkflächen sind zerstört, Schutt sammelt sich im Gelenkspalt und zeugt von vielen abgelaufenen Anstrengungen und Mühen, die aber nicht zur Lösung der Aufgabe geführt haben. Sie können auch Ausdruck von Fehlbelastungen sein, abgelaufenen Traumata, die weder körperlich noch erst recht seelisch ideal verarbeitet wurden. Die daraus resultierende Fehlstellung spricht für eine Fehleinstellung auf übertragener Ebene und sorgt auf der konkreten Körperebene für die frühzeitige Abnutzung des Gelenkes auf Grund der einseitigen Fehlbelastung. Solche Fehlbelastungen werden auch im seelischen Bereich vorliegen. Wenn sie hier aber nicht bewußt werden, bleibt dem Körper auf lange Sicht nichts anderes übrig, als die Einseitigkeit am entsprechenden Gelenk darzustellen.

Von der Aufgabe her wären die Besitzer von arthotischen Gelenken aufgerufen, sich etwaige Fehl(ein)stellungen frühzeitig bewußt zu machen und lieber zu außergewöhnlichen Lösungsversuchen im übertragenen Sinne zu finden, als ihre Gelenke außergewöhnlichen Belastungen auszusetzen. Anstatt aus dem konkreten Gelenk eine große Baustelle zu machen, sollten sie eher die entsprechende Thematik einer rigorosen Überarbeitung unterziehen. Seelische Auseinandersetzungen sind zwar ebenfalls unangenehm, aber sie haben immerhin gute Lösungschancen, was auf der Körperebene nicht so sicher ist.

Beim zweiten großen Thema an den Gelenken, den Krankheitsbildern des sogenannten rheumatischen Formenkreises haben wir es mit entzündlichem Geschehen zu tun, die Medizin spricht zum Beispiel von Arthritis. Alle auf „itis“ endenden Krankheitsbilder verdeutlichen eine Auseinandersetzung im Gewebe, im allgemeinen kämpft das körpereigene Abwehrsystem mit Erregern. Beim Rheuma finden wir aber gar keine fremden oder gar feindlichen Erreger, sondern hier werden im Rahmen einer sogenannten Autoimmunreaktion körpereigene Strukturen, in diesem Fall eben die Gelenkregionen, attackiert. Um einen Konflikt handelt es sich aber natürlich trotzdem, oft sogar um einen heißen, der das betroffene Gelenk anschwellen läßt und jede Bewegung mit scheußlichen Schmerzen verbindet. So signalisiert der Organismus seinem Besitzer, wie sehr ihm alle Beweglichkeit in dieser Sache weh tut.

Die Aufgabe für die Betroffenen wäre, die zu diesen Themen anstehenden Auseinandersetzungen lieber auf übertragenen Ebenen zu führen und sich klarzumachen, inwieweit sie ihre Aggressionen gegen eigene Strukturen richten. Allgemein gilt es, den entstandenen Aggressionsstau zu erkennen und die hier gefährlich festgefahrene Energie mutig und offensiv in Bewegung zu bringen. Dabei ist immer aus dem jeweiligen Gelenk auf die korrespondierende Aufgabe zu schließen.

Beim Rheuma kommt noch hinzu, daß es zu einem Problem der Schlackenüberlastung des Bindegewebes kommt bei gleichzeitigem Mangel an Gleitflüssigkeit. Besonders deutlich wird das beim chronischen Geschehen, wenn die Gelenke morgens wie eingerostet sind und eine längere Anlaufzeit brauchen, um überhaupt wieder in Gang zu kommen. Das ist vergleichbar der Situation des Kolbenfressers beim Motor, wenn Stahl sich in Stahl frißt, weil das Öl verbraucht ist. Dem Öl entspricht im Gelenk die Synovialflüssigkeit oder Gelenkschmiere. Ist diese durch übertriebene oder einseitige Belastungen verbraucht, wird es gefährlich. Einfach Übungen aus dem Bereich des Chi Gong und Tai Chi können hier neben der seelischen Auseinandersetzung weiterhelfen, weil sie die Tendenz haben, die Bildung von Gelenkschmiere zu fördern. Besonders zu empfehlen ist hier das Buch von Nikolaus Klein „Auf den Schwingen des Drachen“, da es über die beiliegende CD in idealer Weise zu sanften Übungen anleitet, die bestens geeignet sind, die fehlende Gelenkschmiere nachzubilden, und das Üben von Anfang an leicht fallen lassen.

Neben den Krankheitsbilder-Deutungen und den der einzelnen Gelenke, wie sie sich noch umfassender in „Krankheit als Symbol“ finden, ist bei allen hier im Rahmen von Arthrosen und Rheuma besprochenen Symptomen immer auch an Reinigungskuren des Bindegewebes zu denken. In beiden Fällen geht es um ganz praktische Maßnahmen, will man diese Krankheitsbilder wieder loswerden, was nach unseren Erfahrungen fast immer möglich ist. Bei den Deutungen reicht es nicht, das Problem intellektuell zu verstehen, sondern es ist notwendig, sich auch auf der seelischen Ebene mit der Thematik einzulassen. Dazu eignen sich besonders die geführten Meditationen wie etwa „Heilungs-Rituale“ und ganz speziell zum Thema der Entschlackung die Kassette „Entgiften – Entschlacken – Loslassen“.