„Das Schattenprinzip – Die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite“

Per Definition liegt der psychologische Schatten im Verborgenen und bleibt
für uns also unsichtbar. Aber andererseits spüren wir ihn überall. All
unsere Probleme von Krankheitsbildern und Krisen bis zu Unfällen und
Katastrophen, immer findet sich Schatten dahinter.
Wo Licht ist, muss – zumindest in dieser, unserer Welt der Gegensätze – auch
Schatten sein, aber wo Schatten ist, muss umgekehrt auch Licht sein. So
banale Zusammenhänge ständig zu übersehen, ist das Vorrecht moderner
Menschen und das Geheimnis der wissenschaftlich ausgerichteten Welt. Dabei
kennt jeder das Thema zur Genüge und ganz anders.
Kaum haben wir uns unsterblich, also wie nicht von dieser Welt, verliebt,
glauben und hoffen wir, es würde immer so bleiben. Dabei könnte uns schon
die Alltagserfahrung demonstrieren, wie leicht heiße Liebe in kalten Hass
umschlägt, wenn wir die Schattenbildung nicht im Auge behalten. Zu Anfang
sehen und erleben wir in der Beziehung vor allem Licht, im 10. Jahr dafür
oft fast nur noch Schatten. Und nicht selten landet, was in heißer Liebe vor
dem Traualtar begann, in kaltem Hass vor dem Scheidungsrichter. Aber nicht
nur einzelnen Menschen ergeht es so, auch große Organisationen wie im
Augenblick die katholischen Kirche, sind den „Schicksalsgesetzen“ und der
Schattenwirkung unterworfen.

Was so licht begann mit Jesus Christus, der als Licht dieser Welt das Beste
in seinen Anhängern erstrahlen ließ und Liebe predigte, die zum Nächsten und
die zu den Feinden sogar, wirft 2000 Jahre später düstere Schatten. Die
allerhöchste Form der Liebe, die göttliche, die sich die nächsten Anhänger
des Meisters, die sich seine Lehre zur Berufung und sogar zum Beruf gemacht
hatten, erschien einigen offenbar nicht mehr erreichbar und so begaben sie
sich auf menschlichere Ebenen der Liebe und verirrten sich dabei. Weil die
sinnlich erotische Lieben ihnen aber eigentlich untersagt und so nicht
einfach zugänglich war, stürzten sie noch tiefer und gelangten auf
pervertierte Ebenen von Liebe, die sogar von Staats wegen unter Strafe
stehen wie die missbräuchliche homosexuelle „Liebe“ zu Kindern.
Aber das ist noch nicht einmal der tiefste Fall der Berufschristen in
Liebesangelegenheiten. Jahrhunderte hatten sie im Rahmen der Inquisition die
Liebe auf extrem perversere Weise gegen vor allem unschuldige Frauen zu
einem „Mordsspektakel“ gemacht. Zwischen ein und 10 Millionen Frauen, wir
kennen die Zahlen nicht einmal genau, fielen „hochnotpeinlichen Verhören“
und anschließender Verbrennung oder Ertränkung zum Opfer. Das Grausen vor
diesem Schatteneinbruch ist noch immer so gewaltig, dass die Verbrechen bis
heute nicht konfrontiert, geschweige denn gesühnt sind. Schatten aber
vergeht nicht so einfach und mit der Zeit, sondern er hat und nimmt sich
Zeit, und irgendwann ist diese reif und er drängt unaufhaltsam an die
Oberfläche. Juristisch sind die Missbrauchsfälle längst verjährt, aber das
nützt den Vergewaltigern im Talar wenig, wie Eiter aus dem Körper, drängt
der Schatten heraus.

Auf ähnliche Weise wurde in der deutschen Geschichte Schatten auf Juden
projiziert und überall auf der Welt auf Minderheiten, auf Schwache und
(Geistes)Kranke sogar – gerade auf die also, die unsere Nächstenliebe am
dringendsten brauchen.
Es gibt nur einen Weg im Hinblick auf Schatten, ihn – am besten – so
freiwillig und so rasch wie möglich zu konfrontieren. Hätten die schuldig
gewordenen kirchlichen Würdenträger sich sogleich bekannt, gebeichtet und
entschuldigt, wäre der Missbrauch niemals so eskaliert und sie hätten sich
selbst eine lange Zeit der Angst und ihrer Kirche eine schreckliche Not erspart.

Das aber gilt für alle „Leichen im Keller“, sie werden heraufdrängen
– früher oder später – egal auf welcher Ebene sie sich angesammelt haben.
Gut 30 Jahre habe ich mich mit der Deutung von Krankheitsbildern beschäftigt
und immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass wir auf die Dauer nichts
unterdrücken können. Alles Verdrängte drängt und irgendwann kommt es ans
Licht – je später, desto unangenehmer. Tatsächlich gewinnt das unter den
Teppich Gekehrte dort umso mehr Macht, je mehr wir darüber schichten, um es
ganz aus der Welt zu schaffen. All dieses allopathische Vorgehen ist
menschlich nur zu verständlich, wir wollen Krankheitssymptome natürlich so
rasch wie möglich loswerden, aber es funktioniert auf die Dauer nicht, weil
der Schatten sich immer wieder zurückmelden muss.
Dahinter steckt die Chance, an seinen Problemen zu lernen und zu wachsen.
Insofern ist der Schatten unser größter Schatz, er enthält so viel Energie
wie sonst nichts. Und wir könnten sie heben mittels Schattenkonfrontation
und Aussöhnung.
Das ist auch die Crux mit positivem Denken und seinen Affirmationen, einer
letztlich auch allopathischen Methode. Etwas stört uns, wir wollen es nicht
und richten Affirmationen gebetsmühlenartig dagegen in der Hoffnung, dass
diese auf die Dauer stärker sind als das Problem. Schlechtestenfalls gelingt
dieses Unterfangen und wir verlieren die Problematik aus den Augen, weil sie
unter der Schicht von gutgemeinten Affirmationen scheinbar verschwindet.
Unseliger weise aber wächst sie im Schatten weiter und irgendwann wird sie
hervorbrechen, dann aber so mächtig, dass sie uns erst recht erschreckt. Das
macht positives Denken zu einer der Schulmedizin nahe verwandten Methode,
die eigentlich auf dem spirituellen Entwicklungsweg nichts zu suchen hat.
Sie kann helfen, in Krisenzeiten sogar Leben zu retten, wie die Schulmedizin
ja auch, aber zur Entwicklung kann sie nichts beitragen, im Gegenteil. Wenn
die Lebensgefahr beim allergischen Schock mittels allopathischer
Kortison-Injektion gebannt ist, braucht es homöopathische Schritte zur
Heilung wie die Krankheitsbilder-Deutung und die Umsetzung der daraus
erkannten Aufgabe und/oder klassische Homöopathie.
Das Beispiel der Symptom-Deutung, die von „Krankheit als Weg“ bis „Krankheit
als Symbol“ einen langen und erfolgreichen Weg hinter sich hat, mag zeigen,
wie leicht Schatten auf dieser inhaltlichen Ebene anzugehen ist. Wesentliche
Schritte dazu lassen sich sogar in Eigenregie und -verantwortung
durchführen, wie die Übungen und Meditationen im Buch „Schattenprinzip“ und
auf der beigelegten CD zeigen. Es sind die wirksamsten aus meinen 30 Jahren
Schattentherapie und Seminaren zur Thematik. Die Zeit ist reif, wie uns
überall aufbrechende Krisen zeigen. Und es ist nicht so schwer, wenn man,
anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen, bei sich selbst anfängt.