Das Schattenprinzip – die Aussöhnung mit unserer verborgenen Seite

Mit apokalyptischer Brutalität meldet sich der Schatten in diesen Zeiten. Völker, die sich Jahrzehnte lang unterdrücken ließen, begehren auf und verjagen ihre alt gedienten Diktaturen von Tunesien bis Ägypten, von Libyen bis Jemen. Und selbst die chinesischen und iranischen Potentaten werden nervös und ahnen, wie reif sie für die nächste Welle sind. Es sind diese Hafen- bzw. Heimathafenwellen oder Tsunamis auf allen Ebenen, die Altes bisher im Verborgenen Schwelendes wegspülen, das aus dem Bewusstsein verdrängt ins Schattenreich verbannt wurde. Bestimmt haben sich Diktatoren wie Mubarak und Ben Ali über die Jahrzehnte sicher gefühlt, aber in Wirklichkeit ist es eine reine Zeitfrage, bis das Schicksal sie einholt und alte (Un)Taten auf sie zurückkommen. Das Karma-Gesetz im Sinne des actio = reactio lässt hier grüßen. Schatten-Energie wird nie durch das Vergehen von Zeit bewältigt, sondern drängt immer an die Oberfläche und ins Bewusstsein, so wie im Körper gestaute Eitergeschwüre immer die Tendenz haben, sich nach draußen zu entleeren.

Allerdings ist die Gewalt dieser Wellen gewachsen in unserer Zeit, plutonische Energie ist ins Feld des Steinbocks getreten, was radikale, das heißt an die Wurzeln gehende Wandlung bedeutet und Klarheit auf vielen Ebenen verlangt. Auch wenn ein Wahnsinniger wie Gaddafi noch einmal um sich schlägt, seine Landsleute massakrieren lässt und damit droht, Passagierflugzeuge abschießen – es wäre bei ihm nicht das erste Mal – zeigt er doch nur vergebliches Aufbäumen gegen das Schicksal. Sein Schatten wird ihn einholen – die alliierte Hilfsaktion wird das nur beschleunigen.

Er hatte allerdings mit seinem Widerstand schon begonnen, ein Feld aufzubauen. Die Potentaten in Bahrein und Jemen hatten bereits begonnen, sein Vorbild und die Gunst der Stunde in Gestalt der Tsunami- und Atomkatastrophe in Japan zu nutzen, um unbemerkt und erbarmungslos auf die Protestanten in ihren Ländern einzuschlagen.

Insgesamt aber bleiben die Zeiten schwer für solche politischen Schattenfiguren und auch für die Schattengestalten und -anteile in uns. Je mehr wir uns über die äußeren Potentaten in der Politik aufregen, desto gewisser können wir sein, dass sie uns Spiegel eigener Aspekte sind. 

Da lebt auch so mancher Diktator in uns, der rücksichtslos mit seinen Organen und Untergebenen umspringt, sein Körperland missachtet und eine kurzsichtige und brutale Politik betreibt, deren einziges Ziel schlichter Machterhalt ist. Nicht wenige Patienten lassen ihr ganzes Leben von einem kleinen Anteil ihres Gehirns in Gestalt der linken Hemisphäre gnadenlos unterjochen.

Diese Zeit liefert uns besonders viele Beispiele in allen möglichen Bereichen. Jahrzehnte haben wir (un)verantwortliche Politiker gewählt, die die Gefahren der Atomenergie ignorierten und verdrängten. Jetzt wird der Schatten offenbar und das für (Un)Verantwortliche Undenkbare wird Wirklichkeit und Horrorszenario zugleich. Wie große der Schatten der Atomenergie ist, hatte eigentlich schon Hiroshima gezeigt. Aber wir und selbst das primär betroffene Japan haben ihn ignoriert. Die Gier nach Macht und Energie war viel stärker als Rücksichtnahme und Vorsicht. So wurde Tschernobyl in seiner ganzen Schrecklichkeit notwendig. Aber es hat besonders Geld- und Energiegierigen nicht gereicht. Mehrheitlich haben wir die Konsequenzen verweigert und auch diese Katastrophe verdrängt. Dass das Fleisch der Renntiere in Schweden, aber auch der Wildschweine im Schwarzwald wegen zu hoher Verstrahlung noch immer entsorgt werden muss, wir wollten es einfach nicht mehr hören. 25 Jahre nach Tschernobyl waren das keine Themen mehr. Dabei setzen wir beim Spiel mit dem Atomfeuer Materialien frei, die 25 000 Jahre und mehr strahlen. Das sind Zeiträume, die wir nicht denken können, trotzdem befürworten die (Un)Veranwortlichen solche Spiele und ihre Wähler ließen sie bisher gewähren. 

Sie haben jetzt Fukushima zu verantworten. In dieser Zeit, wo ich das schreibe, ist noch unklar, was daraus wird, eine Woche nach der Katastrophe sind alle Reaktorblöcke außer Kontrolle, ein letztes Aufgebot von 50 Todeskandidaten kämpft verzweifelt gegen die drohenden Atomfeuer. Die Welt starrt gebannt nach Japan, wo sich der Schatten von Gier nach Energie und menschlicher Hybris entlarvt. Ursprünglich hatten die Götter den Menschen das Feuer vorenthalten, erst der Titan Prometheus lehnte sich auf und übergab es ihnen. Und wir haben uns dadurch viele heiße Kriege und schwere Brände zugezogen, aber auch ein bequemes Leben.

Mit der Kernspaltung aber haben wir eine Hybris gewagt, die ungleich weiter reicht und sich nun bitter rächt und uns Schatten offenbart.

Schon die Frage wer diese Reaktorblöcke in Fukushima einmauern soll, ist schattenträchtig. In Tschernobyl hat Gorbatschow Tausende von Soldaten an die Strahlungsfront geschickt und sie im voll entbrannten Atomfeuer verheizt. Wo sollten solche Todeskandidaten für ein entsprechendes Himmelfahrtskommando in einem demokratischen Land wie Japan herkommen. Die Frage, ob das in Deutschland die freiwillige Feuer- oder Bundeswehr übernehmen soll, erübrigt sich wohl. Keine von beiden und wohl auch sonst niemand… Der Einsatz von Kernkraft braucht zum Schluss, wenn alle Stricke gerissen sind, wie nun schon zum wiederholten Male, Diktatoren, die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes  verheizen.  

He katastrophe´ heißt griechisch auch Umkehrpunkt und wir sind an einem solchen angekommen. Wir müssen umkehren, diesen von uns heraufbeschworenen Schatten konfrontieren und wieder gut manchen, was möglich ist, retten, was noch zu retten ist.

Japan könnte mit einem Evakuierungsradius von 500 km – wie von amerikanischer Seite schon angedacht – zur Toteninsel verkommen, auf der nur noch diejenigen bleiben, die es sich nicht leisten können, vor der tödlichen Strahlung zu fliehen. Wenn sie vor den Augen der Welt langsam und schauerlich dem Strahlenkrebs zum Opfer fallen, würden wahrscheinlich auch Länder wie Russland und
China aufwachen, besonders wenn sie – wie jetzt schon zu erwarten – große Dosen an Strahlung mit abbekommen. Putin hat noch zwei Tage nach der Katastrophe von Fukushima verkündet, Russland würde demnächst 25 neue Reaktoren bauen. Die Chinesen haben noch schrecklichere Pläne.

Aber brauchen wir wirklich erst eine Toteninsel, um umzukehren? Könnten wir nicht „bereits“ die Katastrophe von Fukushima nutzen, um diesen Schatten zu erkennen. Wollen wir wirklich uns und diese Welt von Macht besessenen und Menschen verachtenden Politikern in den Untergang treiben lassen. Der Schatten der Atomenergie hätte jedenfalls das Zeug dazu. Das mögliche Horrorszenario von Fukushima kann uns das lehren und dafür könnten wir ihm sogar dankbar sein. 

Per Definition liegt der psychologische Schatten im Verborgenen und bleibt für uns unsichtbar. Andererseits spüren wir ihn überall. Probleme von Krankheitsbildern über soziale Krisen bis zu Unfällen, Fehlleistungen und Katastrophen sind Ursachen von Schattenmanifestationen. Wo immer Licht ist, muss – in dieser Welt der Gegensätze – auch Schatten sein. Wo aber Schatten ist, muss natürlich umgekehrt auch Licht sein. So
banale Zusammenhänge ständig zu übersehen, ist das Vorrecht moderner Menschen und das Geheimnis der wissenschaftlich ausgerichteten Welt, die sich an Spezialisten und Professoren orientiert. Nur zu gern übersehen wir, dass der Weg zu den Atombomben und damit auch zu den Kernkraftwerken mit Nobelpreisen gepflastert ist. 

Dabei haben wir so viele Erfahrungen mit dem „Schattenprinzip“, die allerdings meistens unverarbeitet sind. Kaum haben wir uns unsterblich verliebt, glauben und hoffen wir, es würde immer so bleiben. Darin gleichen Verliebte den Befürwortern der Atomkraft.

Dabei könnte uns die Alltagserfahrung unzähliger Menschen demonstrieren, wie leicht heiße Liebe in kalten Hass umschlägt, wenn die Schattenbildung nicht im Auge behalten wird. Zu Anfang sehen und erleben wir in der Verliebtheit vor allem Licht, 10 Jahre später ist  dafür oft fast nur noch Schatten zu erkennen. Und so landet nicht selten, was in heißer Liebe vor den Traualtar führte, in kaltem Hass vor dem Scheidungsrichter. Aber nicht nur einzelnen Menschen ergeht es so, auch Firmen, Konzerne und so große Organisationen wie die katholische Kirche sind den „Schicksalsgesetzen“und dem
„Schattenprinzip“ unterworfen.

Was so lichtvoll begann mit Christus, der als Licht dieser Welt das Beste in seinen Jüngern und Anhängern erstrahlen ließ und der wie niemand zuvor Liebe predigte zum Nächsten und
sogar zu den Feinden, wirft 2000 Jahre später düstere Schatten. Die  nächsten Anhänger des Meisters, die sich seine Lehre zur Berufung gemacht hatten, gerieten auf die schiefe Bahn und rutschten direkt in den Schatten der Liebe. Deren allerhöchste Form als göttliche Liebe erschien einigen offenbar nicht mehr erreichbar und so suchten sie auf menschlicheren Ebenen der Liebe und verirrten sich. Weil die sinnlich erotische Lieben ihnen untersagt und so unzugänglich war, stürzten sie tief und gelangten auf pervertierte Ebenen von Liebe wie Pädophilie. Auch wenn das Missbrauchs-Szenario im Katholizismus einen schauerlichen Absturz in die Schattenwelt darstellt, ist es nicht einmal der tiefste Fall von Berufschristen in Liebesangelegenheiten. Jahrhunderte hatten sie im Rahmen der Inquisition die Liebe auf extrem perverse Weise zu einem „Mordsspektakel“ gemacht. Zwischen ein und 9 Millionen Frauen, wir kennen die Zahlen nicht einmal genau, fielen „hochnotpeinlichen Verhören“ und anschließender Verbrennung oder Ertränkung zum Opfer. Das Grauen vor diesem Schatteneinbruch ist noch immer so gewaltig, dass die Verbrechen bis heute nicht konfrontiert, geschweige denn gesühnt sind. Schatten aber vergeht eben nicht einfach mit der Zeit durch Nichtbeachtung, sondern er rängt unaufhaltsam an die
Oberfläche – auch wenn das oft lange dauert. Juristisch sind die Missbrauchsfälle längst verjährt, aber das nützt den Vergewaltigern im Talar wenig. 

Auf ähnliche Weise wurde in der Nazizeit Schatten auf Juden projiziert und bis heute überall auf der Welt auf Minderheiten, auf Schwache und (Geistes)Kranke sogar – gerade auf die also, die unsere Nächstenliebe am dringendsten brauchen.                                                          Es gibt nur einen guten Weg im Hinblick auf Schatten, ihn – am besten – freiwillig und so rasch wie möglich zu konfrontieren, anzuerkennen und anzunehmen. Dann kann die Kraft des Wandels daraus folgen. Hätten die schuldig gewordenen kirchlichen Würdenträger sich sogleich bekannt, gebeichtet und entschuldigt, wäre der Missbrauch nicht so eskaliert und ihnen persönlich eine lange Zeit der Angst und ihrer Kirche eine schreckliche Not erspart geblieben.                                        

Das aber gilt für alle „Leichen im Keller“, sie werden heraufdrängen – früher oder später – egal auf welcher Ebene sie sich angesammelt haben. Gut 30 Jahre habe ich mich mit der Deutung von Krankheitsbildern beschäftigt und immer wieder die Erfahrung machen müssen, dass wir auf die Dauer nichts unterdrücken können. Alles Verdrängte drängt und irgendwann kommt es ans Licht – je später, desto unangenehmer. Tatsächlich gewinnt das unter den
Teppich Gekehrte dort umso mehr Macht, je mehr wir darüber schichten, um es ganz aus der Welt zu schaffen.

Ob Diktatoren ihre Untertanen mit Gewalt unterdrücken oder mittels Terror in Schach halten, irgendwann, wird die solcherart unterdrückte Energie explodieren, wie die arabischen Diktatoren nun offenbaren. Eigentlich sind Diktatoren wirklich dumme Leute, denn praktisch noch nie hat einer ein glückliches Ende gefunden. Nimmt man die Erkenntnisse aus der Reinkarnations-Therapie hinzu, sind sie wirklich ausnahmslos bedauernswerte Gestalten. 

Aber auch das Einbetonieren von unbeherrschbaren Atomfeuern wie in Tschernobyl und nun vielleicht auch in Fukushima ist nur eine schreckliche allopathische Notlösung, nach dem Motto Schwamm bzw. Beton drüber. Das Feuer brennt darunter weiter für Jahrtausende und irgendwann wird es wohl ausbrechen, sich in die Erde fressen und letztlich alle erreichen. Wenigstens haben bei den außer Kontrolle geratenen Atomfeuern alle dieses ungute Gefühl bei unterdrückenden Maßnahmen. In der Schulmedizin gelten sie dagegen noch immer als Mittel der Wahl.  

Dabei ist allopathisches Vorgehen menschlich verständlich. Wir wollen Krankheitssymptome natürlich fast alle so rasch wie möglich wieder loswerden. Aber genau das funktioniert auf Dauer nicht. Der Schatten meldet sich immer wieder zurück, bis er anerkannt ist. Daraus ergibt sich die Chance, an ihm zu lernen und zu wachsen. Insofern ist der Schatten unser größter Schatz, er enthält die größte Energie. Wir bräuchten diesen Schatz nur zu heben mittels Schattenkonfrontation und Aussöhnung.

An diesem Punkt mag auch die Crux des positiven Denkens und entsprechender Affirmationen, der allopathischen Methoden im seelischen Bereich, deutlich werden. Etwas stört uns, wir wollen es nicht und richten gebetsmühlenartig wiederholte Affirmationen dagegen in der Hoffnung, dass diese auf die Dauer stärker seien als das Problem. Schlechtesten falls gelingt dieses Unterfangen und wir verlieren die Problematik aus den Augen, weil sie unter der Schicht gut gemeinter Affirmationen scheinbar verschwindet. Unseliger weise aber wächst sie im Schatten weiter und irgendwann wird sie
hervorbrechen, dann oft so mächtig, dass sie uns erst recht erschreckt. Das macht positives Denken zu einer allopathischen Methode, die eigentlich auf dem spirituellen Entwicklungsweg nichts zu suchen hat. Sie kann helfen, in Krisenzeiten zu überleben, sogar Leben zu retten, wie die Schulmedizin natürlich auch, aber zur Entwicklung kann sie nichts beitragen, im Gegenteil wird sie diese nur verzögern.

Wenn die Lebensgefahr beim allergischen Schock mittels allopathischer Kortison-Injektion gebannt ist, braucht es homöopathische Schritte zur Heilung wie die Krankheitsbilder-Deutung und die Umsetzung der daraus erkannten Aufgabe. Das Beispiel der Symptom-Deutung, die von „Krankheit als Weg“ bis „Krankheit als Symbol“ einen langen und erfolgreichen Weg hinter sich hat, kann verdeutlichen, wie leicht und doch anspruchsvoll Schatten auf inhaltlicher Ebene anzugehen ist. Wesentliche Schritte dazu lassen sich in Eigenregie und –verantwortung durchführen, wie die Übungen und Meditationen im Buch „Schattenprinzip“ und der beigelegten CD zeigen. Es sind die wirksamsten Übungen aus 30 Jahren Schattentherapie und entsprechenden Seminaren. Die Zeit ist reif, wie uns überall aufbrechende Krisen zeigen. Und es ist nicht so schwer, wenn man, anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen, bei sich selbst anfängt.

Auf andere zu projizieren, bringt nicht nur persönlich nicht weiter, sondern führt nur zu einer Ansammlung von Sündenböcken und einem verhärmten rechthaberischen Leben in deren Mitte. Klassisch ist die Situation der Partnerberatung, die fast nur von Frauen in Anspruch genommen wird. Eva zeigt sich dabei meist sehr enttäuscht von Adam, der ihren Ansprüchen in keiner Weise genügt. Als psychotherapeutischer Berater hat man allerdings keine Chance, Adam in ihrem Sinne zu verändern oder auch nur zu beeinflussen. Das sage ich ihr auch jeweils ziemlich bald. Wenn sie nur gegen Adam etwas unternehmen will, braucht sie einen Anwalt anstatt eines Psychotherapeuten. Als Therapeut kann ich ihr aber eine Chance eröffnen, über den eigenen Schatten das Thema ausgesprochen befriedigend zu lösen. Meistens werfen Frauen ihren Männern unter dem Strich vor, sie nicht zu erkennen, ihnen nicht gerecht zu werden und sich nicht ausreichend für sie zu interessieren.

Das stimmt meist auch, ist aber für den Therapeuten und Berater nicht zu ändern. Eher kann ich sie überzeugen, sich selbst all das zu geben an Anerkennung, Aufmerksamkeit und Zuwendung, was sie von Adam nicht bekommt. Wenn Eva mir verspricht, sich wirklich nachhaltig um sich zu kümmern, besteht berechtigte Hoffnung. Sie kann sich Massagen und Theaterbesuche gönnen, allein oder mit Freundinnen ins Kino gehen, Premieren und Vernissagen besuchen, sich gute Bücher und schöne Musik kaufen. Die Blumen, die er ihr nicht mehr kauft, kann sie sich selbst besorgen und sie werden ihr gut tun. Auch Adam wird sie bemerken und wissen wollen, woher sie kommen. Falls sie Fleurop damit beauftragt hat, kann sie – bei so einer großen Firma – ehrlich sagen, sie wisse nicht, wer das war, aber sie seien doch wirklich schön. So kleine Streiche sind erlaubt, solange sie weiter bei sich bleibt. Auch wenn Adam die neuen teuren Dessous von La Perla entdeckt, die er noch nie im Einsatz erlebt hat – das sollte sie in dieser Phase auch keinesfalls versuchen – wird er neugierig werden und ihre Antwort, dass sie sich die selbst wert sei, kann ich kaum befriedigen. Eva kann ich in dieser Zeit ihres aufkeimenden neuen Selbstwertgefühls klar machen, dass Adam in einer schwierigen Lage sei, und ihr Mitgefühl verdiene aber durchaus nicht ihre Beachtung. Er kümmere sich weder um sie, seine Anima, noch wahrscheinlich um sich selbst, seine eigene Seele. Schlechter kann es um einen Menschen kaum stehen.

Als nächstes gewinne ich Eva dafür, sich um ihren Animus, ihren männlichen Schatten zu kümmern, der allerdings in Gestalt von Adam zu erkennen wäre. Wenn sie sich nun um Adam und seine Themen und Interessen kümmert, um mit ihrer eigenen männlichen Seite in besseren Kontakt zu kommen, wird das natürlich auch eine gewisse Wirkung auf Adam nicht verfehlen. Sie ist nun eine Frau, die sich um sich selbst kümmert und Selbstbewusstsein entwickelt, während sie sich zunehmend ins rechte Licht rückt. Obendrein noch dem männlichen Gegenpol gegenüber aufgeschlossen, wird er nun nicht umhinkönnen, diese Veränderung zur Kenntnis zu nehmen. Vielleicht hegt er anfangs noch den Verdacht, sie wolle etwas durchsetzen und vermutet eine Taktik dahinter, aber wenn sie konsequent dabei bleibt unabhängig von ihm, ihren eigenen Animus zu entdecken und zu fördern, der sich eben in ihm zeigt, wird seine Faszination für sie immer größer werden. Ohne das speziell zu beabsichtigen, wird Adam nun nicht mehr umhin können, sich um Eva, seine Anima, zu kümmern und seiner neuerlichen Faszination für sie Ausdruck zu verleihen – genau das, was sie anfangs so sehr wollte. Jetzt wird es ihr nicht mehr so wichtig sein, aber sie wird es trotzdem schätzen.

Ihr Beziehungsmotor, der ursprünglich auf allen vier Zylindern tot war, wird so allmählich auf drei Zylindern wieder in Gang kommen. Sie kümmert sich erstens um sich, zweitens um ihn, er kümmert sich drittens um sie. Wenn die Beziehung solcherart wieder in die Gänge kommt, könnte sie es als vierten und letzten Schritt auch noch schaffen, ihn dazu zu verführen, sich nun auch um sich selbst zu kümmern.

Dieses einfach klingende Beispiel, nachdem aber unendlich viele Beziehungsprobleme zu lösen sind, könnte uns in vieler Hinsicht zum Modellfall werden. Statt jetzt zu sagen, wir schalten unsere Atomreaktoren erst ab, wenn die anderen, die viel mehr haben, das auch tun, könnten wir einfach anfangen, uns um uns zu kümmern und unser Land in Ordnung bringen. Würde Deutschland das wie das kleine Österreich schaffen und im Nebeneffekt seine führende Position bei den alternativen Energien weiter ausbauen, geriete es über kurz oder lang zum Modellfall. Dann könnte es anfangen, sich für die Belange der hoffnungslos im Atomelend steckenden Franzosen zu interessieren und Lösungen zu entwickeln, die überall gebraucht würden, wo sich archetypisch männliche Macher in den Atomwahnsinn verstiegen haben. Das nächste endgültige Endlager nach Tschernobyl und Fukushima – vielleicht in Europa – könnte dann dazu führen, dass auch die Franzosen umdenken und sich dabei sogar um deutsche Unterstützung bemühen und sich vielleicht sogar gerne helfen lassen. Die ebenso stolzen Japaner haben das Bitten schon gelernt.

Und vielleicht haben dann Deutsche und Franzosen gemeinsam die Chance, den Russen und Chinesen zu helfen. Wir könnten so auch die Beziehungskrise zwischen Menschen und Mutter Erde, bzw. zwischen uns und den weiblichen Elementen Wasser und Erde zum Guten zu wenden.

Würden wir jetzt den sich auf ihre Selbstbestimmung besinnenden Völkern der arabischen Welt helfen, könnten diese Lebensbedingungen schaffen, die den Menschen in ihren eigenen Ländern ein freies und menschenwürdiges Leben ermöglichen. So würden wir uns Freunde schaffen, die ihre Probleme selbst lösen und nicht ständig in Form von Terrorismus, Migrantenströmen und Blutgeldflüssen von Potentaten exportieren. Dazu aber reicht es natürlich nicht, ein paar erfolgreiche ägyptische Revolutionäre photogen abzuknutschen und sich ansonsten vornehm und egoistisch herauszuhalten, wie es der peinlichste Außenminister, den Deutschland je hatte, vormachte. Dazu müsste dann schon wirkliche Hilfe in Gang gesetzt werden. Wenn wir uns zuerst einmal um uns kümmern und unsere Probleme in Ordnung bringen, können wir uns anschließend und schon parallel dazu umso besser um andere kümmern, die sich uns ganz natürlich und zwanglos freundschaftlich zuwenden würden. Und zu guter Letzt oder viertens würde das noch dazu führen, dass sie in Stand versetzt würden, sich um sich selbst und ihre Länder und deren eigentliche Bedürfnisse zu kümmern.

Das „Schattenprinzip“ könnte so helfen in den Problemen die wirklichen Wachstumschancen zu erkennen. Unser Schatten ist der größte Schatz, den wir heben können – privat wie auch im Sozialen und Kollektiven.