Das Ganze und seine Teile oder die Geschichte eines Missverständnisses

In den spirituellen Traditionen der Welt geht man davon aus, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Das widerspricht dem Vorgehen der Naturwissenschaft, die jeweils bestrebt ist, das Ganze in möglichst viele seiner Einzelteile zu zerlegen, um so die am besten und stärksten wirkende Komponente zu isolieren. Diesem Weg ist die allopathische pharmazeutische Forschung bis heute verpflichtet, die uns mit einer Überfülle von in Deutschland im Augenblick über 80 000 Medikamenten beschenkt. Diese enorme, für den einzelnen Arzt gar nicht mehr zu überschauende Menge ist allerdings ein eher zufälliges beziehungsweise der Gesetzeslage geschuldetes Phänomen. Wesentliche Inhaltsstoffe gibt es weit weniger. Mit 2000 Einzelstoffen ließe sich eine eher bessere Allopathie betreiben, wie die Bespiele einiger Ländern gezeigt haben, die sich hier weise Beschränkung auferlegten.

In den Ländern, die der reinen Marktwirtschaft huldigen, kommt es auf folgendem Weg zu der ausufernden Fülle: verschiedene Firmen erforschen und isolieren die wirksamen Einzelstoffe der Arzneipflanzen und lassen sich ihre Entdeckungen patentieren. Aus Konkurrenzgründen wollen sie sich aber darauf nicht beschränken und mischen die solcherart aufwendig isolierten Einzelbestandteile wieder zusammen, um so gleichsam künstlich „neue“ Medikamente zu schaffen. Diese Mischungen haben sich meist nicht bewährt, steigern aber den Umsatz der Firmen. Andererseits machten sie das Rezeptieren für die Ärzte schwieriger und fast unüberschaubar, zumal nicht nur sinnvolle, sondern auch höchst widersinnige Mischungen von der rührigen Industrie geschaffen wurden. Dem versuchten die Gesetzgeber u.a. auch in Deutschland entgegenzusteuern und verboten – aus gegebenem Anlass und gutem Grund – schlicht Mittel mit zu vielen Einzelstoffen beziehungsweise behinderten deren Zulassung auf dem Arzneimittelmarkt.

Damit wurde zwar einem Missbrauch entgegengewirkt aber – wohl unabsichtlich – das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Denn alle Naturmittel sind ja letztlich unendlich umfangreiche Mischungen aus Gottes unüberschaubar großer Apotheke. Nun sind zwar Präparate aus einzelnen Pflanzen durchaus noch zulassungsfähig, obwohl diese ja auch aus einer im Einzelfall gar nicht zu durchschauenden Fülle von Einzelkomponenten bestehen, aber die vielfältigen Mischungen der alten Medizintraditionen finden keine Gnade mehr vor den strengen Augen der Zulassungsbehörden. Obwohl sich die entsprechenden Gesetze ursprünglich gar nicht auf diesen Bereich bezogen, behindern sie ihn heute massiv. So kommt es zum Beispiel, dass

das weit und breit einzige Mittel, das wirklich spürbar und nachweislich gegen Durchblutungsstörungen hilft und der Arteriosklerose, der Volkskrankheit Nummer 1, entgegenwirkt, Padma 28, in Deutschland praktisch kaum Zulassungschancen hat. Es ist eine Mischung – eben die Mischung Nr. 28 – aus dem uralten Schatz der tibetischen Volksmedizin. Ein Glück das Länder wie die Schweiz hier weiter denken und das Mittel so überhaupt, wenn auch für Deutsche nur auf Umwegen erhältlich ist.

Die tibetischen Medizinlamas gingen einen gänzlich anderen Weg als die schulmedizinischen Forscher. Anstatt wie diese zu versuchen, Gottes Schöpfung zu verbessern, sie in ihre Bestandteile zu zerlegen und dann nach eigenem Gutdünken wieder neu (und meist weniger günstige) zusammenzumischen, vertrauten sie darauf, dass Seine Schöpfung vollkommen ist und alles enthält, was wir brauchen, um uns gesund zu erhalten beziehungsweise wieder gesund zu machen. Ganz dem Denken eines Paracelsus entsprechend, der davon ausging, dass gegen jedes Leiden ein Kraut gewachsen ist, verließen sie sich darauf, die richtigen Kräuter zu finden und – in einem Zustand tranceartiger Innenschau – in der richtigen Mischung zusammenzustellen. So entstanden Mittel, die über die Jahrtausende ihre Wirksamkeit bewiesen und auf der Fülle der natürlichen Pflanzen und ihren unüberschaubaren Inhaltsstoffen beruhen. Anstatt solche Mittel, die in der Regel deutlich billiger sind, weil sie von alleine wachsen und nicht mit komplizierten Analysen und anschließenden ebenso aufwendigen industriellen Verfahren synthetisiert werden müssen, zu fördern, werden sie heute jedenfalls in Deutschland behindert.

Dabei ist ihre Überlegenheit oft nicht nur eine finanzielle sondern ausgesprochen grundsätzliche. Während nämlich die Halbwertzeit des schulmedizinischen Wissens ausgesprochen kurz ist, kann die tibetische wie auch die indisch-ayurvedische oder die chinesische Medizin auf eine ungebrochene Tradition durch die Jahrtausende zurückblicken und somit auf eine enorm lange Halbwertszeit ihres Wissens verweisen.

Würde ich dagegen heute noch die schulmedizinischen Mittel verschreiben, die ich vor gut 20 Jahren herunterbeten musste, um mein Examen zu bestehen, würde ich mich strafbar und jedenfalls schuldig machen. Vieles ist davon inzwischen wegen erwiesener Schädlichkeit längst wieder aus dem Verkehr gezogen. Das als positiven Beleg für die Geschwindigkeit unseres Fortschrittes zu sehen, ist naiv, denn genauso gut könnte man sagen, was heute geschluckt wird, ist morgen verboten, aber heute schon schädlich. Wer erlebt hat, wie ihm als Kind bei der Schuhanprobe die Füße geröntgt wurden oder wer in der Schulzeit wiederholt vor Durchleuchtungsschirmen sekunden- bis minutenlang hochenergetischen Strahlen ausgesetzt wurde, sollte sein Vertrauen zu den schulmedizinischen Methoden und Pharmaka überdenken, ohne es allerdings grundsätzlich aufzugeben. Vorsicht ist allemal besser als Nachsehen.

Am Anfang wird fast immer der Nutzen neuer Verfahren und Mittel über- und deren Gefahrenpotential unterschätzt. Nur so ist es zu verständlich, wie sorglos jahrzehntelang mit Röntgen- und anderen hochenergetischen Strahlen schulmedizinischerseits herumgespielt wurde oder wie lange ein Mittel wie Contergan noch verabreicht wurde, nachdem der Verdacht auf kindliche Missbildungen schon im Raum stand.

Auch die Argumentationsstrategien der Schulmedizin und ihrer Pharmaforscher sind durchaus bedenkenswert. Die alte Salk-Impfung gegen Kinderlähmung beispielsweise wurde seinerzeit wegen ihrer hohen Problematik durch die angeblich völlig harmlose Schluckimpfung ersetzt. Nachdem diese nun in zwei Jahrzehnten ihrer geradezu heftigen Propagierung Zeit bekam, ihre erhebliche Gefährlichkeit unter Beweis zu stellen, wurde sie endlich und viel zu spät wieder zurückgezogen. Was aber noch erstaunlicher anmutet, ist, dass jetzt wieder die Salk-Impfung ausgepackt und natürlich als harmlos hingestellt wird. Das ist insofern verständlich, als bei entsprechender Ehrlichkeit wohl keine Mutter ihr Kind einem Impfstoff aussetzten würde, den die Schulmediziner selbst noch vor 20 Jahren als ausgesprochen problematisch einschätzten. Diese – milde gesagt – fragwürdige Strategie wird mit Sicherheit und hohem Werbeetat der Pharmaindustrie in Bezug auf die Ärzte so lange durchgehalten, bis ein Unternehmen wieder eine Alternative bietet, die anfangs bestimmt als völlig harmlos hingestellt wird, bis nach einigen Jahrzehnten und somit wieder viel zu spät das Gegenteil bewiesen ist.

Dass bei uns noch Mittel auf dem Markt sind, die in den USA mit ihren strengeren Bestimmungen seit Jahren wegen ihrer Gefährlichkeit und dem Verdacht auf Todesfälle verboten sind, ist nur der großen Macht der Pharmaindustrie zu danken, die verständlicherweise ihre Produkte bis zum Letzten verteidigt.

Verglichen mit dem relativ schnellen Wechsel der jeweils gültigen Wahrheiten in der Schulmedizin sind die alten Medizin-Traditionen von beeindruckender Verlässlichkeit. So ist es nicht verwunderlich, wenn sich immer mehr Menschen von der Schulmedizin abwenden und verlässlichere Hilfe bei diesen Traditionen suchen, die die Schöpfung respektieren, anstatt sie verbessern zu wollen, die mit der Natur statt gegen sie arbeiten. Dass die Gesetzgebung selbst noch über Wege, die eigentlich die gröbsten Auswüchse der Praktiken der Pharmaindustrie beschneiden sollten, diese Ansätze behindert, ist eigentlich nur als Ironie zu verstehen. Nicht selten aber findet sich hinter solchen Ironien und scheinbaren Zufällen bei genauerer Betrachtung dann doch noch System.

Das Beruhigende an der heutigen Situation ist, dass sich die Wahrheit in einer Zeit der Globalisierung immer schneller durchsetzt und die Durchlöcherung der Grenzen Auswege eröffnet. Was sich Deutsche im eigenen Land nur erschwert beschaffen können, kommt – wie im Fall der tibetischen Padma-Produkte – natürlich doch herein, ganz abgesehen davon, dass man sich jedes ausländische Mittel auch über die heimische Apotheke beschaffen kann, auch wenn die dann manchmal Phantasiepreise dafür berechnet.

Noch beruhigender aber erscheint mir die Tatsache, dass sich allmählich die Ansicht der spirituellen Traditionen bei immer mehr Menschen durchzusetzen scheint, dass es nämlich nicht darum geht, die Schöpfung zu überarbeiten und zu verbessern, sondern sie in ihrem Wirken zu durchschauen und zu respektieren. Langfristig haben sich nämlich Gottes Mischungen noch immer als die besseren erwiesen, gefolgt von denen, die Menschen zusammenstellten, die versuchten, sich Gott zu nähern und seine Wege nachzuvollziehen wie etwa die erwähnten Medizinlamas.

Das homöopathische Mittel Carduus marianus, die Mariendistel, hat sich lange Zeit bei bestimmten Menschen und ihren bestimmten Leberproblemen bewährt, und es besteht natürlich aus einer Verschüttelung der ganzen Mariendistelpflanze. Als eine Firma daran ging, es zu analysieren und das wichtigste Alkaloid daraus zu isolieren, um es als Legalon auf den Markt zu bringen, hatte die Schulmedizin endlich auch ein Lebermittel, das wenigstens ein bisschen hilft. Dass die ganze Silberdistel ungleich mehr vermag, wenn sie in der richtigen Situation und der richtigen Potenz gegeben wird, weiß jeder Homöopath. Dass Schulmediziner das manchmal bestreiten, geschieht in der Regel wider besseres Wissen, denn während alle homöopathischen Ärzte auch Schulmedizin studiert haben (müssen), versteht kaum ein Schulmediziner etwas von Homöopathie. Das hindert letztere aber oft nicht, trotzdem darüber zu reden und besonders dreiste Medizyniker bringen ihre von keinerlei Wissen getrübten Gedanken bezüglich Homöopathie sogar zu Papier. Das widerfährt inzwischen leider auch zunehmend den uralten und eigentlich ehrwürdigen Medizintraditionen alter Kulturen. Leider gibt es noch immer ärztliche Zeitungen, die einem als Arzt unaufgefordert und unabstellbar ins Haus flattern und wahre Müllberge verursachen und es nicht für nötig halten, Vertreter der jeweiligen Tradition über die selbe berichten zu lassen. Stattdessen lassen sich Schulmediziner – oft auch noch im Professorenrang – hinreißen, sich diesbezüglich zu blamieren. Es ist wohl im Effekt nicht ganz so schlimme, da inzwischen wohl schon eine Mehrheit der Kollegen die entsprechenden Zeitungen ungelesen entsorgt.

Dass das ganze mehr ist als die Summe seiner Teile ist im übrigen eine Erkenntnis, die weit über die Medizin hinausgeht. Selbst in Firmen kommt man zunehmend darauf, dass es so etwas wie ein Feld, eine Atmosphäre und Stimmung gibt, die die Firma ausmachen und entscheidend für ihren Erfolg sind. Auch Sportmannschaften leben nicht nur von ihren Einzelkönnern, sondern davon, dass sie wirklich ein Feld schaffen und zu einer geschlossenen Mannschaft zusammenwachsen wie es der Fußball immer wieder demonstriert.