Alles für meine Tiere

Wenn wir in Deutschland lesen, dass es in Kalifornien bereits Entzugskliniken für fettleibige Hunde gibt, mutet uns das eigentümlich und absurd an, dabei wird es unsere Zukunft sein. Was US-Amerikaner vormachen, wird in Deutschland kopiert, das war in der Vergangenheit immer nur eine Zeitfrage. Nicht wenige Menschen, denen zum Kinderbekommen das Vertrauen in die eigene Partnerschaft und vor allem Zukunft fehlt oder deren Frustrationstoleranz zu gering oder Bequemlichkeitsanspruch zu hoch für die Gründung einer Familie ist oder die einfach keine Kinder bekommen (wollen), kommen leicht auf den Hund oder die Katze und gar nicht selten bekommen diese dann Kinderersatzfunktion. Und natürlich können einem Tiere ähnlich auf die Sprünge helfen wie Kinder. Eine befreundete Tierärztin sattelte irgendwann um und wurde Heilpraktikerin, weil sie es Leid war, Kleintiere zu behandeln, die die Probleme und Neurosen ihrer Herrchen und Frauchen spiegelten und nur das letzte und schwächste Glied in einer Kette waren. Wo Haustiere in Kinderrollen geraten, werden sie auch Kinder- und andere Krankheiten entwickeln. Dass wir für Tiere, die an Kindesstatt mit uns leben, alles tun, versteht sich von selbst. Und sicherlich ist es so viel besser einen Beziehung zu seinem Hund zu haben als überhaupt keine.

Wahrscheinlich sind Tiere schon seit ältesten Zeiten mit uns unterwegs durchs Leben und haben neben dem Nutz- auch immer schon einen Freundschaftsaspekt in unser Leben gebracht. Die Jagd- und Schäferhunde sind die letzten Beispiele für diese alte Arbeitsgemeinschaft, die sich im Wandel der Zeiten immer mehr vom Nutz- zum Beziehungsaspekt gemausert hat. Der Wachhund wird zunehmend von Alarmanlagen verdrängt, der Hofhund mehr zum Schmusehund und Kuscheltier. So arbeiten heute zwar noch einige Polizei- und Drogenhunde für die Menschen, die allermeisten Tiere aber erfüllen Beziehungsaufgaben. Es wirkt auf den ersten Blick komisch, wenn die Katze mit am beziehungsweise auf dem Tisch sitzt und Oliven kaut, wie ich es schon erlebt habe. Aber eigentlich passt es ganz gut in diese uranisch-verrückte Zeit, in der sich sowieso alle Beziehungsmuster rasch und oft unerwartet wandeln. Und warum sollte man nicht alles tun und geben für ein Wesen, mit dem man sein ganzes Leben teilt?

So viele Menschen wären um vieles ärmer ohne ihren tierischen Gefährten. Der Hund als Begleiter alter Menschen ist uns selbst in unseren ausgesprochen tier- und kinderfeindlichen Großstädten ein vertrauter Anblick. Die Kommunen tun zwar nichts für die Tiere, aber sie besteuern ihren Besitz. Die Einsamkeit wäre ohne Haustiere sicher noch viel größer und viele Menschen gar nicht zu ertragen.

Die enge Beziehung zwischen Mensch und Tier wird besonders deutlich bei Blinden und ihren Hundebegleitern. Hier leiht der Hund durch totale Resonanz seinem menschlichen Begleiter Augen, Nase und oft auch Pfoten und macht deren Leben nicht nur erträglicher, sondern auch beziehungsmäßig reicher. Wenn solch ein Hund stirbt, wird das nicht selten zum Drama im Leben des Blinden. Selbst winzige Zwergponys in kleinen rutschsicheren Schuhen erfüllen inzwischen schon diese Aufgabe und haben den Vorteil, dass sie ungleich älter werden und einen Blinden 25 Jahre und länger durchs Leben begleiten können.

Behinderten-Hunde machen Kindern mit Handycaps inzwischen vielerorts das Leben leichter. Ein kleiner behinderter Bub formulierte es einmal sehr nett und deutlich, alles gehe jetzt leichter und er sei seinen ebenfalls behinderten Gefährten immer eine Hundelänge voraus. Solche Hunde, zumeist Golden Retriever, lernen ganz locker Lichtschalter zu betätigen und sogar den Herd ein- und auszuschalten. Sie beschützen nicht nur, sondern versorgen sogar noch und vor allem sind sie Seelengefährten und als solche schon bald unersetzlich.

Der US-amerikanische Psychophysiologe James Lynch empfiehlt Hunde als therapeutische Partner für Hochdruckpatienten, weil diese – nach seinen Erfahrungen – aufgrund ihrer Autoritätsproblematik mit Menschen nur noch nach unten treten oder nach oben buckeln, was ihre Probleme weiter verstärkt. Mit Tieren wie Hunden dagegen könnten sie noch sozusagen auf gleicher Ebene und ohne sich in Rage zu versetzen kommunizieren.

Eine ganz neue wundervolle Entwicklung ergab sich mit den sogenannten Epileptiker-Hunden, die es in den USA schon gibt. Da Tiere und auch Hunde eine dem Menschen weit überlegene Sensibilität haben, merken sie viel früher, wohin der Hase läuft. Die alten Seeleute wussten, dass die Ratten das sinkende Schiff verlassen und zwar im letzten Hafen vor dem Schiffbruch. Daher stammt der entsprechende Ausdruck. Folglich schauten erfahrene Seeleute vor dem Anheuern, ob Ratten an Bord waren und kamen nur dann mit. Verließen die Ratten aber das Schiff, gingen auch die menschlichen Seebären lieber rechtzeitig mit von Bord. Einem ähnlichen Gedanken folgend hat ein US-Ranger in einem Naturpark vielen Touristen das Leben gerettet. Er hatte beobachtet, wie Tiere scharenweise das Gebiet des Mount St. Helen verließen und hatte daraufhin das beliebte Ausflugsgebiet gesperrt. Von seinen weniger sensiblen, dafür aber bürokratischen Vorgesetzten musste er sich einiges an Vorwürfen anhören, bis dann einige Stunden später der ganze Berg in einem riesigen Vulkanausbruch explodierte und das gesperrte Gebiet unter einen unglaublichen Hagel von Steinen und Lava kam.

Bei den Epileptikerhunden nutzt man diese Sensibilität aus, die in etwa dem sogenannten 6. Sinn der Menschen entspricht. Diese uns wissenschaftlich noch unerklärbare Sensitivität geht soweit, dass Hunde schon deutlich vor dem Epileptiker selbst merken können, wenn diesem ein Anfall droht. Der entsprechend ausgebildete Hund kann seinen kranken menschlichen Partner dann rechtzeitig durch verabredete und trainierte Zeichen warnen. Auf diese Weise können Epileptiker sogar wieder Auto fahren, denn sie können dann noch rechtzeitig anhalten und sogar ein Mittel einnehmen, um den Anfall zu mildern. Das spart nicht nur nebenwirkungsreiche Medikamente, sondern ermöglicht den Betroffenen sogar wieder ein annähernd normales Leben. Hier delegieren wir also Sensibilität an Tiere.

Eigentlich ist es sehr erstaunlich, dass wir mit Wesen, von denen wir wissen, dass sie viel mehr empfinden können und eben eine höhere Sensibilität und oft auch mehr Einfühlungsvermögen haben als wir selbst, so unsensibel und grob umgehen. Bei den anderen sieht man das natürlich immer sehr viel krasser und so entsetzen wir uns natürlich und mit recht über Philippinos, die Hunde absichtlich quälen, indem sie ihnen die Beine brechen, um sie anschließend zu verspeisen. Japaner, die ihre Fische gern noch atmend servieren lassen und deren lebensfrische essend genießen und solche Tierquälerei für eine besondere Delikatesse halten, sind uns natürlich ein Gräuel. Wenn US-amerikanische Kommunen bestialische Entsorgungsmöglichkeiten für Haustiere anbieten in Form von Klappen, durch die man unerwünschte Hunde und Katzen abschieben kann, ereifern sich hierzulande nicht nur eingefleischte Tierschützer. Der Gedanke, dass diese Tiere über Rutschbahnen alle im selben Käfig landen, wo sich große und kleine Hunde und Katzen dann gegenseitig zerfleischen, ist uns zum Glück unerträglich. Was nach einer Woche noch nicht durch Kampf, Hunger oder Durst umgekommen ist und noch lebt, wird in diesem erbärmlichen Zustand verbrannt. Solches Verhalten kann man eigentlich nicht einmal bestialisch nennen, denn Bestien tun dergleichen nie und schon gar nicht bewusst. Die Bilder von den Klappen erinnern leider an die sogenannten Babyklappen, die kirchliche Häuser in früherer Zeit einrichteten zur Entsorgung unerwünschter Neugeborener, von denen dann in der Folge auch die allermeisten starben.

Aber auch heute gibt es noch genug eigene Schwachpunkte in der Behandlung von Tieren ganz abgesehen von den unsäglichen Transporten von Schlachttieren und den Verhältnissen in Großschlachthöfen. Gern übersehen wir, dass aber auch bei uns jeden Sommer Hunde auf Autobahnrastplätzen ausgesetzt werden, weil sie im Urlaub lästig sein könnten und man sie sowieso lieber wieder loswerden will. Tiere werden zunehmend wie Dinge gekauft und wieder abgeschoben. Fast alle Kinder wünschen sich Tiere – wahrscheinlich aus einem unbewussten Bedürfnis nach Nähe zu ihrem Tierverbündeten oder Totemtier. Da aber Kinder heute immer weniger erzogen werden und wenn, dann kaum noch nach christlichen oder wenigstens humanistischen Werten, lässt ihre Sorge um die lebenden Geschenke immer mehr zu wünschen übrig. An sich schon überforderte Eltern übernehmen nur noch ungern solche Pflichten und so werden viele Tiere rasch lästig. Einzelne Tierhandlungen nehmen Tiere inzwischen auch zu günstigen Bedingungen zurück, sodass es sich schon eher um ein Leasingverfahren handelt, sozusagen 10 Wochen Hund für die Nachweihnachtszeit, bis die verzogenen Gören wieder genug davon haben.

Aber auch Erwachsene, von denen man es nicht annehmen würde, machen sich hier oft schuldiger als man sich vorstellen kann. Als die deutschen Politiker mitsamt ihrer Beamten, Lobbyisten und Hofschranzen von Bonn nach Berlin umzogen, quollen die Tierheime in Bonn vor ausgesetzten und zurückgelassenen Tieren über. Wie interessant wäre es gewesen, nachzuprüfen, wer in Bonn noch ein Tier hatte, das in Berlin dann fehlte. Eigentlich würde sich solch ein Mensch für jedes höhere Amt von selbst diskreditieren. Aber bei einem deutschen Kanzler, der seinen Hund – angeblich – kommentarlos bei der verlassenen Ehefrau zurückließ, ist das wohl auch für die nachrangigen Köpfe des Regierungsapparates normal.

Dabei gehört er noch zu den, was Tiere angeht sensibleren Fraktionen. Für den unbedarften Beobachter ist es besonders erstaunlich, dass alle Gesetze zu besserem Tierschutz und Respektierung der Würde der Tiere von den angeblich christlichen C-Parteien verhindert werden, weil denen die Interessen der Wirtschaft in der Regel über alles gehen. Da lässt das Polaritätsgesetz grüßen und Franz von Assisi wird sich im Grabe umdrehen.

So werden uns Tiere immer mehr Gebrauchgegenstand wie ja aber auch Menschen. In der Pharma- und Kosmetikforschung ist Tierquälerei institutionalisiert und wird mit dem höheren Wert des menschlichen Lebens zurechtrationalisiert. Vielfach wird ja auch mit einem gewissen Recht beklagt, dass der Tierschutzbund bei uns viel mehr Anhänger und Einfluss hat als der Kinderschutzbund. Und tatsächlich werden auf dieser Erde Millionen Kinder gequält und auch Erwachsene. Als ich für das Buch „Woran krankt die Welt“ ein Kapitel über moderne Sklaverei schrieb, erschrak ich selbst über das Ausmaß dieser Furchtbarkeit, die alles in den Schatten stellt, was in der Antike unter Sklaverei bekannt war. Insofern haben es im schrecklichen Vergleich die tierischen Leasing-Freunde einer zunehmend herzlosen Spaßgesellschaft, die selbst mit Menschen immer weniger Pardon kennt, geradezu noch gut.

Die andere Seite unserer tierischen Beziehungen

Neben diesen deprimierenden Trends gibt es aber auch eine Entwicklung in der spirituellen Szene, die Tiere zur Entwicklung der eigenen Seelenkräfte nutzt. Im Land der Cowboys, wo Jahrhunderte lang Pferde zum Reiten brutal eingebrochen wurden, entwickelte sich der sensible Weg des Pferdeflüsterns, der inzwischen um die Welt gegangen ist. Aus eigenen Erfahrungen mit den Reitseminaren „Balance in Bewegung“ kann ich sagen, dass bewusstes Reiten eine wundervolle Möglichkeit ist, zur inneren Balance zu finden. Pferde können uns ganz nebenbei ein beeindruckendes Gefühl für die eigene Mitte vermitteln. Nach einer wesentlich im Sattel verbrachten Woche, ist man nicht mehr dieselbe, dafür aber mehr in Balance und besser bei sich, gerade weil man viel beim Pferd war.

Noch populärer ist der Trend in die Welt der Wasserwesen. Ob Wale, Delphine, Mantas oder Rochen, immer mehr spirituell engagierte Menschen finden zurück in die Wasserwelt des Anfangs und lassen sich dabei von Meerestieren inspirieren. Salopp ausgedrückt, schwimmt die spirituelle Szene seit neuestem gern mit Delphinen und zwar vor allem um eine Art eigenes Delphinbewusstsein zu entwickeln. Und tatsächlich kann ich aus Erfahrung sagen, dass Schwimmen oder richtiger Tauchen mit diesen wundervollen Verwandten, die vor Jahrmillionen ins Wasser zurückgekehrt sind, einiges in uns bewirken kann. Wer jemals in einer Schule von Delphinen mittauchen durfte, wird ein eigenartiges Gefühl von Verbundenheit mit den großen Meeresraubtieren empfunden haben. Einmal landete ich zusammen mit einem Freund mitten in einem Schwarm von sicher 20 Delphinen, die Körper an Körper schwammen und spielten und offenbar ihren Spaß dabei hatten. Wir beiden Menschenwesen waren wie Behinderte unter den eleganten Schwimmern, wurden aber geradezu liebenswürdig von ihnen behandelt und integriert. Die Ergriffenheit und Begeisterung darüber waren so groß, dass beide viel länger unter Wasser blieben, als wir eigentlich können. Sicher war ich niemals zuvor so lange im Wasserreich gewesen ohne Luft zu holen, niemals vorher hab ich solch eine Nähe zu Tieren gespürt, obwohl ich viel mit Pferden zusammen war und diese sehr liebe.

Wir können so viel von Tieren lernen und gewinnen, warum behandeln wir sie nicht einfach wie gute Freunde, die sie ja fast immer sind?